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Kabat-Zinn | Meditation ist nicht, was Sie denken | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 287 Seiten

Kabat-Zinn Meditation ist nicht, was Sie denken

Warum Achtsamkeit so wichtig ist
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-86781-269-6
Verlag: Arbor
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Warum Achtsamkeit so wichtig ist

E-Book, Deutsch, 287 Seiten

ISBN: 978-3-86781-269-6
Verlag: Arbor
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Willkommen zu einem besonderen Kurs in Achtsamkeit Jon Kabat-Zinn gilt als 'einer der besten Achtsamkeitslehrer, die man nur haben kann' (Jack Kornfield). Seit mehreren Jahrzehnten lehrt er Meditation und vermittelt deren ganz konkrete positive Auswirkungen. Inzwischen haben Millionen Menschen auf der ganzen Welt Achtsamkeitsmeditation in ihr tägliches Leben integriert. Aber was ist Meditation überhaupt? Und warum könnte es sich lohnen, sie auszuprobieren? Oder weiter zu pflegen, wenn man sie bereits praktiziert? Meditation ist nicht, was Sie denken gibt auf diese Fragen kluge Antworten. Ursprünglich im Jahr 2005 als Teil des Buchs Zur Besinnung kommen veröffentlicht, wurde es nun vom Autor vollständig überarbeitet und mit einem neuen Vorwort versehen - und ist aktueller denn je zuvor. Falls Sie neugierig sind, warum Meditation nichts für Feiglinge ist und warum es ein radikaler Akt der Liebe zu sich selbst sein kann, sich jeden Tag Zeit zu nehmen, um ganz in der Gegenwart anzukommen, dann lesen Sie dieses Buch.

Jon Kabat-Zinn ist Professor Emeritus für Medizin an der University of Massachusetts Medical School und Begründer des Center for Mindfulness in Medicine, Health Care, and Society. Jon Kabat-Zinn erhielt seinen Doktor in Molekularbiologie am Massachusetts Institute of Technology im Labor des Nobelpreisträgers Salvador Luria, MD. In seiner Forschungskarriere konzentrierte er sich auf die Geist/Körper-Interaktionen bei der Heilung und den klinischen Anwendungen des Achtsamkeitstrainings für Menschen mit chronischen Schmerzen und mit Stress verbundenen Störungen. Dazu gehörten auch die Wirkungen von MBSR auf das Gehirn und auf das Immunsystem. Die Arbeit von Jon Kabat-Zinn hat zu einer wachsenden Bewegung beigetragen, durch die Achtsamkeit in Mainstream-Institutionen wie Krankenhäusern, Schulen, Unternehmen, Gefängnissen und Profi-Sport-Verbänden angewendet wird. Medizinische Einrichtungen in der ganzen Welt bieten heute Achtsamkeitstraining und MBSR-Kurse an. Jon Kabat-Zinn ist Autor zahlreicher Bestseller, die in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurden.
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Vorwort

Was ist Meditation überhaupt?

Viele Menschen glauben zu wissen, was Meditation ist, insbesondere seit alle Welt darüber spricht und sie auf zahllosen Bildern, in beiläufigen Bemerkungen und Podcasts und Online-Konferenzen thematisiert wird. Doch tatsächlich haben die meisten von uns noch immer ein recht eng gefasstes oder unvollständiges Verständnis davon, was Meditation tatsächlich ist und was sie uns bringen kann, und das ist auch sehr nachvollziehbar. Nur allzu leicht verfällt man in bestimmte Klischees, wie etwa, Meditation bestehe darin, auf dem Boden zu sitzen und sämtliche Gedanken aus dem Geist zu verbannen, man müsse sie häufig und für lange Zeitspannen praktizieren, um einen positiven Effekt zu erzielen, oder mit der Meditation gehe unausweichlich einher, sich ein bestimmtes Glaubenssystem oder einen spirituellen Überbau aus einer sehr alten Tradition anzueignen. Manche Menschen scheinen auch zu glauben, dass sie geradezu magische positive Wirkungen auf Körper, Geist und Seele hat. All das trifft nicht wirklich zu, wenngleich in allem auch ein Fünkchen Wahrheit steckt. Aber in Wirklichkeit ist es noch weitaus interessanter.

Was also ist Meditation wirklich? Und warum könnte es sinnvoll sein, zumindest einmal den Versuch zu unternehmen, ihr einen Platz im eigenen Leben einzuräumen? Genau darum soll es in diesem Buch gehen.

Meditation ist nicht, was Sie denken wurde erstmals im Jahr 2005 als Teil des Buchs mit dem Titel Zur Besinnung kommen: Die Weisheit der Sinne und der Sinn der Achtsamkeit in einer aus den Fugen geratenen Welt veröffentlicht (die deutsche Ausgabe erschien 2006). In der Zeit seit der Erstveröffentlichung ist Achtsamkeit unglaublich populär geworden und längst in den Mainstream eingegangen. Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben die formale Meditationspraxis zu einem Bestandteil ihres Alltags gemacht. Meiner Meinung nach ist das eine sehr positive und vielversprechende Entwicklung, eine, auf die ich gehofft hatte und die ich über etliche Jahre hinweg und gemeinsam mit vielen anderen Menschen voranzubringen versucht habe, trotz der Tatsache, dass mit dem Eintritt in den Mainstream unausweichlich ein gewisser Hype, mitunter auch kommerzielle Ausbeutung und Opportunismus einhergehen, zum Beispiel indem einige Menschen sich für befähigt halten, Meditation zu lehren, obwohl sie wenig bis gar keine persönliche Erfahrung damit oder eine Ausbildung dazu haben. Dennoch kann selbst dieser Rummel als ein Zeichen des Erfolgs gewertet werden, wenn auch als eines, das hoffentlich eher kurzlebig und überschaubar ist, während die bemerkenswert heilsame und transformative Kraft der Achtsamkeit als Praxis und als Art und Weise, mit unserer lebendigen Erfahrung in Beziehung zu sein, langsam immer umfassender verstanden und angenommen wird.

Zwar geht es bei Meditation bei Weitem nicht bloß darum, still auf dem Boden oder auf einem Stuhl zu sitzen, doch ist es wortwörtlich wie auch metaphorisch ein wichtiges Element der Achtsamkeit, dass wir unseren Platz einnehmen. Man könnte sagen, dass es im Wesentlichen eine direkte und sehr praktische Weise ist, mehr Intimität mit dem eigenen, sich entfaltenden Leben zu entwickeln sowie mit der uns innewohnenden Fähigkeit zum Gewahrsein – und eine Möglichkeit, sich bewusst zu werden, wie wertvoll, leicht zu übersehen und zu wenig wertgeschätzt das Geschenk dieses Gewahrseins ist.

Eine Liebesgeschichte mit dem Leben

Der Akt, unseren Platz in unserem eigenen Leben oder, anders gesagt, eine bestimmte Haltung einzunehmen, und das immer wieder, ist schon an und für sich ein tiefgreifender Ausdruck menschlicher Intelligenz. Letztendlich ist es ein radikaler Akt der Vernunft und der Liebe – wenn wir nämlich all das Tun sein lassen, das uns durch den jeweiligen Augenblick trägt, ohne dass wir uns wirklich darin niederlassen, und ins Sein sinken, sei es auch nur für einen flüchtigen Moment. Dieses Hineinsinken ist der überaus einfache und zugleich auch absolut radikale Akt, der Achtsamkeit als Meditationspraxis und auch als Seinsweise ausmacht. Es ist einfach zu erlernen. Es ist einfach, es zu tun. Aber genauso leicht passiert es, dass man die Praxis vergisst, auch wenn diese Art von Hineinsinken so gut wie gar keine Zeit erfordert, sondern lediglich, sich daran zu erinnern.

Zum Glück interessieren sich immer mehr Menschen für ein solche Intimität mit dem eigenen Bewusstsein und dessen Kultivierung in der ein oder anderen Form, sodass sie langsam einen Weg in die verschiedensten Bereiche der Gesellschaft findet: von Schulkindern bis zu Senioren, von Akademikern bis zu Geschäftsleuten, von Ingenieuren bis zu Aktivisten, von Studenten bis zu – ob Sie es glauben oder nicht – Politikern und Sportlern aller Ränge. Und zum größten Teil ist Achtsamkeitspraxis dabei nicht Luxus oder Modeerscheinung, sondern wird in dem wachsenden Verständnis kultiviert, dass diese Qualität eine absolute Notwendigkeit ist, um das Leben in aller Fülle und mit Integrität zu leben. Man könnte auch sagen, um es auf ethische Weise zu leben, angesichts der sich deutlich abzeichnenden Herausforderungen, mit denen wir alle jeden Tag konfrontiert sind, sowie auch angesichts der ebenfalls enormen und faszinierenden Gelegenheiten und Möglichkeiten, die uns in dieser Zeit offenstehen. Dazu müssen wir zumindest einen Moment lang in der Lage sein, die selbst konstruierten und gewohnheitsmäßigen Einschränkungen unseres Geistes, die Geschichten, die wir uns selbst erzählen und die nicht oder nicht ganz wahr sind, sowie unsere epidemische Blindheit zu durchschauen und hinter uns zu lassen. Dieses Unterfangen ist letztlich ein einziges großes und bedeutungsvolles Abenteuer – voller Höhen und Tiefen, genau wie das Leben selbst. Doch die Art und Weise, wie wir mit diesen Höhen und Tiefen umgehen, wird entscheidend dafür sein, wie dieses Abenteuer, das Abenteuer unseres Lebens, sich entfaltet. Und dabei haben wir viel mehr Einflussmöglichkeiten, als wir vielleicht ahnen.

Es gibt viele verschiedene Wege, mittels einer formalen Meditationspraxis, aber auch im Alltags- und Arbeitsleben Achtsamkeit zu kultivieren. Wie Sie sehen werden, kann formale Meditation in den verschiedensten Haltungen praktiziert werden: im Sitzen, Liegen, Stehen oder Gehen. Und das, was wir „informelle Meditationspraxis“ nennen – letzten Endes die wahre Meditationspraxis –, bedeutet, das Leben selbst und die Meditationspraxis eins werden zu lassen und zu erkennen, dass alles, was darin auftaucht, das Erwünschte, das Unerwünschte und auch das Unbemerkte, den eigentlichen Lehrplan ausmacht. Wenn wir Meditation in einem so weiten Sinne verstehen, ist alles, was sich in unserem Geist, unserem Leben oder in der Welt zeigt, Teil davon, und jeder Moment ist ein perfekter Moment, um Bewusstheit in das zu bringen, was sich entfaltet, und daran zu lernen, zu wachsen und zu heilen.

Das Wichtigste ist, dass Sie mit der Zeit Ihren eigenen, authentischen Praxisweg finden, einen Weg, der sich intuitiv richtig und vertrauenswürdig anfühlt, der für Sie persönlich stimmig ist, aber auch noch mit der Essenz der alten Traditionen im Einklang steht, aus denen die Achtsamkeitspraxis hervorgegangen ist. Genau dabei soll dieses Buch Ihnen helfen, oder zumindest dabei, zu diesem lebenslangen Abenteuer aufzubrechen. Sie werden lernen, wie Sie eine tägliche Achtsamkeitspraxis entwickeln können, falls das etwas Neues für Sie ist, beziehungsweise Ihre Praxis zu vertiefen, falls Sie bereits eine haben. In beiden Fällen werden Sie lernen, sie als eine Liebesbeziehung zu betrachten statt als Aufgabe oder Bürde, ein weiteres „Sollte“, das Sie in Ihrem ohnehin schon viel zu vollen Tag unterbringen müssen. Was letztendlich dazu führt, dass Sie das Leben, das Ihnen gegeben wurde, im tiefsten Sinne bewohnen. Wie jahrzehntelange Forschungen gezeigt haben, kann Achtsamkeit im Laufe des Lebens zu einem machtvollen Verbündeten werden, wenn wir mit Herausforderungen wie Stress, Schmerz und Krankheit umgehen müssen.

Tun und Nichttun

Manchmal kann achtsam sein bedeuten, dass wir etwas tun. Und manchmal sieht es aus, als täten wir nichts. Von außen betrachtet, lässt sich das nur schwer sagen. Doch auch wenn es so aussieht oder sich so anfühlt, als täten wir nichts, ist es nicht so. Tatsächlich geht es gar nicht um irgendein Tun. Das mag sich ein wenig verrückt anhören, aber Achtsamkeitsmeditation ist eher eine Frage des Nichttuns, vielmehr davon, sich einfach ins Sein sinken zu lassen, in den einzigen Moment, den wir überhaupt haben – diesen einen Moment –, als davon, etwas zu tun oder irgendwohin zu gelangen. So, wie Sie in jedem beliebigen Moment sind und wo auch immer Sie sind, ist es gut genug, zumindest für jetzt. Es ist sogar perfekt, wenn Sie bereit sind, den Moment im Gewahrsein zu halten und dabei sanft mit sich umzugehen, ohne etwas zu erzwingen.

Die regelmäßige Praxis der Achtsamkeitsmeditation hilft uns, zu der inneren Weite und dem offenen Herzen Zugang zu finden, die reines Gewahrsein ausmachen, und dies darin zum Ausdruck zu bringen, wie wir in der Welt handeln. Achtsamkeit als regelmäßige Praxis kann Ihnen wortwörtlich und auch sinnbildlich Ihr Leben zurückgeben, insbesondere wenn Sie Stress oder Schmerzen haben oder in Ungewissheit und emotionalem Aufruhr gefangen sind – was natürlich auf uns alle bis zu einem gewissen Grad in manchen Momenten oder Situationen zutrifft.

Auch wenn Achtsamkeit gerade im Trend liegt und sehr populär, zuweilen auch verrufen sein mag, ist sie doch vor allem eine Praxis, und zwar mitunter eine mühselige. Für die meisten Menschen bedeutet dies, dass sie sie absichtsvoll und beständig kultivieren...


Jon Kabat-Zinn ist Professor Emeritus für Medizin an der University of Massachusetts Medical School und Begründer des Center for Mindfulness in Medicine, Health Care, and Society.

Jon Kabat-Zinn erhielt seinen Doktor in Molekularbiologie am Massachusetts Institute of Technology im Labor des Nobelpreisträgers Salvador Luria, MD. In seiner Forschungskarriere konzentrierte er sich auf die Geist/Körper-Interaktionen bei der Heilung und den klinischen Anwendungen des Achtsamkeitstrainings für Menschen mit chronischen Schmerzen und mit Stress verbundenen Störungen. Dazu gehörten auch die Wirkungen von MBSR auf das Gehirn und auf das Immunsystem. Die Arbeit von Jon Kabat-Zinn hat zu einer wachsenden Bewegung beigetragen, durch die Achtsamkeit in Mainstream-Institutionen wie Krankenhäusern, Schulen, Unternehmen, Gefängnissen und Profi-Sport-Verbänden angewendet wird. Medizinische Einrichtungen in der ganzen Welt bieten heute Achtsamkeitstraining und MBSR-Kurse an.

Jon Kabat-Zinn ist Autor zahlreicher Bestseller, die in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurden.



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