Kabel | Die Goldkarawane (Abenteuerroman) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 148 Seiten

Kabel Die Goldkarawane (Abenteuerroman)


1. Auflage 2016
ISBN: 978-80-268-5411-1
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 148 Seiten

ISBN: 978-80-268-5411-1
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Die Goldkarawane (Abenteuerroman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Walther Kabel (1878-1935) gilt als einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller der 1920er Jahre. Aus dem Buch: 'Nun - wenigstens war diese Überraschung und dieser Befehl 'Hände hoch!' mir nichts Neues mehr. Zuitenbrook-Rastra hatte ja damit bei mir schon einmal Glück gehabt. Erst glaubte ich nämlich, er sei abermals der Angreifer. Dann aber, als der hinter mir Befindliche nun erklärte: 'Rühren Sie sich nicht, oder ich schieße Sie mit Ihrem eigenen Revolver über den Haufen!' - da erkannte ich die Stimme des 'Gemusterten', da fiel mir auch ein daß der falsche Mynheer mich damals auf Englisch und nicht auf Französisch angerufen hatte. Also einer der Briganten, sogar ihr Anführer, wie ich glaubte, da er ja gestern nacht die Unterhandlungen mit mir geführt hatte! Ich stand wie eine Bildsäule. 'Reichen Sie mir mit der linken Ihre Büchse nach hinten,' befahl er jetzt. Mir fiel ein, daß er mich für ziemlich ungefährlich hielt. Er würde also kaum von meiner Seite den Versuch einer Überrumpelung erwarten! Darauf rechnend, nahm ich den Stutzen so von der Schulter, daß ich, als ich ihm denselben zureichte, den Lauf ganz oben gefaßt hatte. Ich tat auch nur so, als wollte ich ihn nach rückwärts ihm in die Hand geben, stieß nun vielmehr mit aller Kraft zu und sprang gleichzeitig zur Seite, drehte mich um und warf mich über dem Banditen, den mein Stoß tatsächlich etwas aus dem Gleichgewicht gebracht hatte, so daß er nicht mehr auf mich anschlagen konnte...'

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2. Kapitel
Der Brunnen der Aussätzigen

Die Stadt Algier liegt an einem ins Meer abfallenden Nordhang eines Gebirgszuges, bildet ein ziemlich gleichseitiges, vom Strande aufsteigendes Dreieck, als dessen Spitze die bereits recht hoch gelegene Kasba, die alte Festung der Deis von Algerien, jetzt als Kaserne benutzt, anzusehen ist.

Von blühenden Ortschaften, Villen und gutgepflegten Gärten umgeben, bietet sie vom Meer aus mit dem Hintergrunde der zum Teil grünen Berge ein sehr hübsches Bild dar, ebenso wie sie durch prachtvolle Bauten ganz den Eindruck einer europäischen größeren, wohlhabenden Stadt mit ihren etwa 100 000 Einwohnern macht.

Jedenfalls war ich von meinem romantischen Standpunkt aus stark enttäuscht über all das Moderne, das hier auf den ersten Blick wenigstens alle Merkmale eines altafrikanischen Küstenortes verdrängt zu haben schienen. Nachher fand ich dann doch noch genug Sehenswertes, das an jene Zeiten erinnerte, als hier noch die Türken geherrscht und unzählige Christen in Al Dschesair (der arabische Name Algiers) als Sklaven der Mohammedaner in trauriger Gefangenschaft geschmachtet hatten.

Der Gasthof, auf den Zuitenbrook-Rastra mich als billig und gut hingewiesen hatte, lag weit außerhalb in der nördlichen Vorstadt Bab el Ued. Der Besitzer hieß Spameitat und war ein geborener Ostpreuße, einer jener Deutschen, – jener leider so seltenen Deutschen, die in der Fremde nicht sofort sich bemühen, alles abzustreifen und zu verleugnen, was an ihre ursprüngliche Heimat gemahnt.

Als ich ihm von meinen Absichten sprach, von hier aus nach dem Tsad-See zu gehen, schüttelte er sehr bedenklich den Kopf, meinte, dies wäre denn doch ein zu abenteuerliches Unterfangen, besonders noch, wenn ich wirklich nur mit einem Führer reisen wollte. Ich blieb jedoch bei meinem Entschluß.

Wir waren mittags in Algier eingetroffen. Nachmittags suchte ich dann das Hotel auf, in dem der angebliche Holländer hatte absteigen wollen. Ich hatte mir schon einen Vorwand zurechtgelegt, der den wahren Zweck meines Besuchs verdecken sollte.

In dem Hotel erfuhr ich, daß – Zuitendrook es vorgezogen hatte, mich ein wenig anzulügen und mir so ein Wiedersehen mit ihm zu erschweren. Er wohnte nicht in dem Prachtbau.

Nun – vielleicht anderswo! Ich hatte ja Zeit, die Hotels und sonstige Fremdenheime abzuklappern. Bis gegen Abend wanderte ich ohne Erfolg von Haus zu Haus. Immer klarer wurde es mir da, daß der geriebene Mynheer Zuitenbrook sicherlich allen Grund gehabt hatte, mir fernerhin auszuweichen, und daß diese Abneigung gegen meine Person wahrscheinlich auf das Astloch in der Kabinenwand zurückzuführen sei.

Nach dieser Schlappe, die ich mir als Detektiv geholt, bummelte ich noch den Boulevard de la Republique entlang, den eigentlichen Glanzpunkt der Stadt, eine zwei Kilometer lange Terrasse, die auf einigen 350 Doppelbögen ruht, deren Hallen als Verkaufsläden benutzt werden.

Hier nun fiel mir sehr unangenehm die Aufdringlichkeit der Bettler auf, zumeist alte, weißbärtige Berber oder mit Krankheiten behaftete Mauren jeder Altersstufe. Die Bettler sind ja überall im Orient eine wahre Plage.

Besonders ein alter, buckliger Kerl in einem schmutzstarrenden Burnus und langem gelblichen Zottelbart hatte es auf mich abgesehen und tauchte immer wieder neben mir auf, indem er mir seine sicher seit Jahren nicht gewaschenem Hände bittend hinstreckte und dazu irgend ein paar Worte kläglich winselte.

Gerade als die elektrischen Lampen auf der Prunkstraße dann aufflammten, sank vor mir ein mit untergeschlagenen Beinen am Rande des Fußgängerweges hockender Händler ohnmächtig um. Niemand war in der Nähe. Ich richtete den jungen Menschen, dessen Augen geschlossen und mit Eiter verklebt waren, auf und lehnte ihn gegen einen Kandelaberständer, gab ihm aus meinem Kognakfläschchen, das ich mir vorhin gekauft hatte, zu trinken und brachte ihn schnell ins Bewußtsein zurück.

Er radebrechte das Englische so weit, daß wir uns verständigen konnten, war aber in seinen Äußerungen sehr zurückhaltend. Ein gewisser ablehnender Stolz trat in seinem Verhalten zu Tage, das für einen blinden Bettler – denn die Kleinigkeiten, die er feilbot, sollten ja nur den wahren Zweck seines Aufenthaltes auf der Straße verheimlichen – seltsam genug war.

Meine Teilnahme für ihn war zunächst lediglich durch sein braunes, edelgeschnittenes Gesicht und seine Jugend hervorgerufen worden. Vielleicht hätte ich mich mit ihm auch nicht weiter beschäftigt, wenn er nicht eben so merkwürdig schweigsam und bescheiden gewesen wäre. Ich vermutete hier ganz besondere Lebensschicksale, und da ich ja nach Nordafrika gekommen war, um Land und Leute zu studieren, führte ich ihn schließlich nach einer nahen Bank und begann ihn auszufragen. Hierbei erwähnte ich beiläufig, daß ich Deutscher sei. Kaum hatte ich diese Bemerkung fallen lassen, als ich gewahr wurde, wie in sein melancholisches Gesicht ein froher, beinahe freudiger Ausdruck trat. Und zu meinem größten Erstaunen sagte er nun sehr lebhaft – auf Deutsch:

»Sidi (Herr), Du bist wirklich aus Germanistan? – Dann brauche ich Dir gegenüber mein Elend auch nicht zu verheimlichen. Ich habe drei Jahre einen sehr reichen Sidi Deiner Heimat, der in der Sahara Löwen jagen wollte, als Diener begleitet. Von ihm lernte ich Eure Sprache. Als er nach Germanistan von hier aus heimkehrte, blieb ich noch in Algier, bekam dann aber die böse Augenkrankheit und erblindete in kurzem, so daß ich nicht zu meinem Stamme zurückkonnte, da man mir hier all mein Geld gestohlen hatte und niemand sich um mich kümmerte. Ich habe schließlich aber doch ein Unterkommen bei einem gutherzigen Manne draußen in der Vorstadt Bab el Ued gefunden. Er ist auch ein Deutscher und besitzt eine kleine Karawanserei (Gasthof), heißt Spameitat. Einer seiner Gehilfen geleitet mich morgens hier auf den Boulevard und holt mich abends wieder ab. Er wollte erst nicht, daß ich als Händler hier bettele. Aber ich bin zu stolz, mich bei ihm durchfüttern zu lassen.«

Der blinde Araber hatte mir all dies natürlich nicht in der Weise erzählt, wie ich es hier wiedergebe. Seine Ausdrucksweise war vielmehr infolge seines mangelhaften Wortschatzes der deutschen Sprache eine zum Teil recht komische.

Als er den Namen Spameitat erwähnte, unterbrach ich ihn und sagte ihm, daß auch ich dort jetzt wohne. Nachher nahm ich ihn dann mit mir nach dem Gasthof, wo mein ostpreußischer Landsmann gar nicht genug über den merkwürdigen Zufall den Kopf schütteln konnte, der mich gerade mit seinem Schützling zusammengeführt hatte.

Spameitat hielt große Stücke auf den Blinden, der zum Stamme der Mahmud im Westen der Sahara gehörte, und erklärte mir, er hätte ihn längst in seine Heimat zurückgeschickt, wenn er eben nicht gewußt hätte, daß Ibrabim ben Ikba, so hieß der junge, etwa fünfundzwanzigjährige Beduine, bei seinem Stamme es noch weit schlechter als hier haben würde.

Am nächsten Morgen wollte ich in einer Apotheke einige Medikamente einkaufen, die mitzunehmen Spameitat mir empfohlen hatte. Dort traf ich mit einem berühmten Berliner Augenarzt und Universitäts-Professor zusammen, den ich persönlich kannte. Unwillkürlich dachte ich, als wir uns freudig hier in der Fremde begrüßten und er mir erzählte, er sei zum Studium der hier leider stark verbreiteten Augenkrankheiten nach Algier gekommen, an Ibrahim, fragte nach einer Weile dann den Professor, ob ich ihn nicht einen Kranken zuführen dürfe, der meine Teilnahme erweckt hätte. Er erwiderte sofort, er wäre gern bereit, den jungen Araber zu untersuchen, fürchte aber, daß er ihm wohl kaum noch würde helfen können.

Nachdem wir uns getrennt hatten, begegnete ich abermals dem alten Schmutzfink von Bettler vom Tage vorher. Ich gab ihm eine Kleinigkeit, um ihn loszuwerden.

Nachmittags brachte ich Ibrahim zu meinem berühmten Landsmann, der zu meiner freudigen Überraschung und zu des Arabers unaussprechlichem Jubel nach eingehender Untersuchung uns die Versicherung gab, daß er Ibrahim bereits nach kurzer Behandlung zu heilen hoffe, da das Augenlicht noch nicht völlig zerstört sei. Er begann die Behandlung denn auch sofort und wies mich genau an, wie ich dem Kranken beim Einträufeln der Tropfen in die Lidwinkel behilflich sein könnte.

Als wir bei Spameitat wieder anlangten, entstand dort ebenfalls in dessen Familie große, freudige Aufregung, weil alle den stillen, bescheidenen Ibrahim gern mochten. Leider verwandelte sich dieser Jubel schnell in arge Bestürzung, da sich herausstellte, daß während meiner Abwesenheit ein junger Maure, einer der an allen Ecken herumstehenden Lastträger zu Spameitat gekommen war und meinen Koffer abgeholt hatte, indem er angab, ich hätte ihn geschickt, da ich in das Fremdenheim übersiedeln wolle, wo auch der Professor wohnte.

Spameitat hatte, da diese Mitteilung ja eine genaue Kenntnis meiner Beziehungen zu dem Augenarzte verriet, der wirklich in dem Fremdenheim abgestiegen war, kein Bedenken gehabt, dem Boten meine Sachen auszuhändigen.

So wurde ich mein ganzes Gepäck los. Obwohl ich sofort die Polizei benachrichtigt und ihr auch den sogleich in mir aufgestiegenen Verdacht, daß hinter diesem Diebstahl vielleicht Zuitenbrook stecken könnte, näher begründet hatte, wobei ich notwendig auch meine heimlichen Beobachtungen auf dem Dampfer preisgeben mußte (von der Landkarte, dem vergilbten Blatt und der Goldkarawane schwieg ich jedoch!), und obwohl die Polizei eifrigst bemüht war, mir mein Eigentum wieder zu verschaffen, vergingen fünf Tage, ohne daß die Bemühungen der Behörden den...



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