Kadono / Ihrens | Kikis kleiner Lieferservice | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Kadono / Ihrens Kikis kleiner Lieferservice


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98666-556-2
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-98666-556-2
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Romanvorlage zum beliebten Studio-Ghibli-Anime-Film! Die kleine Hexe Kiki läuft nie vor einer Herausforderung davon. Als ihr dreizehnter Geburtstag ansteht, will sie unbedingt der Hexentradition folgen und sich eine neue Stadt aussuchen, in der sie ein Jahr lang leben möchte. Während dieser Zeit, darf sie nur mit ihren Kräften ihren Lebensunterhalt bestreiten, aber Zaubersprüche oder Zaubertränke zählen leider nicht zu Kikis Talenten. Kann sie ihre Flugfähigkeiten nutzen, um sich ihren eigenen Weg in der Welt zu bahnen? Zusammen mit ihrer geliebten schwarzen Katze Jiji begibt sie sich auf eine aufregende Reise. KIKIS KLEINER LIEFERSERVICE ist ein Roman der japanischen Autorin Eiko Kadono, illustriert von Yuta Onoda. In Japan erschien er 1985, gewann zahlreiche Auszeichnungen und wurde 1989 vom Studio Ghibli als Anime-Film adaptiert.

Eiko Kadono ist eine japanische Kinderbuchautorin und wurde 2018 mit dem Hans Christian Andersen Preis ausgezeichnet. Kadono studierte Englisch an der Waseda-Universität. Sie ging 1960 nach dem Studium für zwei Jahre nach Brasilien. 1985 begann sie mit der Arbeit an dem Roman 'Kikis kleiner Lieferservice'. Dank der gleichnamigen Verfilmung von Hayao Miyazaki im Jahr 1989 wurde Kikis kleiner Lieferservice zu einem weltweiten Erfolg. Ihre Werke wurden unter anderem ins Englische, Französische, Koreanische, Italienische und Chinesische übersetzt.
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KAPITEL 2


KIKIS GROSSER TAG NAHT


Nach dem Nachmittagstee gingen Kokiri und Okino für Besorgungen außer Haus. So lange saß Kiki mit Jiji gedankenverloren an einem sonnigen Plätzchen im Garten.

»Ich sollte wohl möglichst bald aufbrechen«, überlegte Kiki laut.

»Ja, solltest du. Du wirst doch jetzt nicht kneifen, oder?« Jiji hob den Kopf und sah Kiki an.

»Auf keinen Fall. Ich habe mich doch selbst dazu entschieden«, entgegnete Kiki bestimmt. Dann erinnerte sie sich an ihre Begeisterung bei ihrem allerersten Flug auf dem Besen.

Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr war Kiki ein ziemlich normales Mädchen gewesen. Mit einer Hexe als Mutter hatte sie schon immer gewusst, dass sie sich im Alter von zehn Jahren entscheiden müsste, ob sie selbst Hexe werden wollte. Doch sie hatte nie viele Gedanken daran verschwendet. Erst als ihr kurz nach ihrem zehnten Geburtstag eine Freundin erzählte, sie wolle in die Fußstapfen ihrer Mutter treten und Friseurin werden, begann Kiki, darüber nachzudenken. Sie spürte, dass Kokiri sich von ihr wünschte, ihre Nachfolge anzutreten. Doch Kiki widerstrebte der Gedanke, allein aus dem Grund Hexe zu werden, weil ihre Mutter Hexe war.

, dachte Kiki.

Eines Tages fertigte Kokiri ihr einen kleinen Besen an und fragte: »Möchtest du einmal versuchen zu fliegen?«

»Ich kann fliegen?«

»Du bist die Tochter einer Hexe. Sicher kannst du es!«

Kiki merkte schon, dass Kokiri ihr das Hexendasein schmackhaft zu machen versuchte. Gleichzeitig war sie durchaus neugierig. Also gab Kokiri ihr gleich eine kleine Lehrstunde in Abflug und Landung. Kokiris Beispiel folgend stieg Kiki vorsichtig auf den Besen und stieß sich vom Boden ab.

Gleich darauf wurde ihr Körper federleicht und Kiki schwebte in der Luft.

»Ich fliege!«, platzte es aus ihr heraus.

Sie schwebte nur drei Meter über dem Dach, doch es war ein großartiges Gefühl. Selbst die Luft erschien ihr etwas frischer. Seitdem wollte sie immer höher und höher fliegen. Sie war gespannt wie ein Flitzebogen, wie es dort oben sein mochte und was man von dort sehen konnte. Sie liebte das Fliegen auf Anhieb.

Und so hatte sie sich natürlich dazu entschieden, Hexe zu werden.

»Es liegt dir eben im Blut.« Kokiri war darüber sehr erfreut.

Doch Kiki war klar: .

Kiki sprang abrupt auf.

»Lass uns mal danach sehen. Nur kurz, solange Mama nicht da ist.«

Sie deutete mit dem Kinn auf einen Schuppen in einer Ecke des Gartens.

»Warum verheimlichst du es überhaupt vor Kokiri?«, murrte Jiji.

»Na, weil Mama so ein Theater wegen allem macht, was mit meinem Auszug zu tun hat. Außerdem will sie sich überall einmischen, das macht alles nur kompliziert.«

»Na, mir ist es gleich. Aber dann musst du ihn gut in der Sonne trocknen.«

»Ich schau doch nur kurz danach.«

»Ach so? Nimm ihn nur nicht wieder mit ins Bett, sonst schimmelt er noch.«

»Weiß ich doch. Ich werde aber deine Hilfe brauchen. Bald sind wir ganz auf uns gestellt«, sagte Kiki.

Geschickt schlüpfte sie zwischen den hüfthohen Heilkräutern hindurch und schob sich in den Spalt zwischen Schuppen und Zaun.

»Sieh nur!« Unter dem Dach des Schuppens hing ein langer schlanker Besen. Im Licht der Abendsonne glänzte er hell. »Wie hübsch er geworden ist! Ich glaube, er ist fertig«, flüsterte Kiki.

»Dieses Mal scheint’s geklappt zu haben«, sagte Jiji, der zu ihren Füßen mit großen Augen zu ihr hochschaute. »Wollen wir nicht mal kurz versuchen zu fliegen? Heute ist so schönes Wetter.«

»Das geht nicht.« Kiki schüttelte den Kopf. »Ich werde ihn bis zum Tag meiner Abreise nicht benutzen. Ich will, dass alles brandneu ist – mein Kleid, meine Schuhe und auch mein Besen. Als wäre ich neugeboren. Mama sagt immer: ›Du stammst aus eine alten Blutlinie von Hexen. Wir müssen die Traditionen achten.‹ Aber ich bin ich. Ich bin eine neue Hexe.«

»Und wie soll ich mich neu machen?«, fragte Jiji schmollend und seine Schnurrhaare zitterten.

»Nur keine Bange. Ich werde dein Fell bürsten, bis du glänzt wie frisch gebacken.«

»Hmpf«, schnaubte Jiji. »Frisch gebacken? Rede nicht so, als würde ich in den Ofen kommen. Du bist nicht die Einzige, die bald auf eigenen Füßen stehen muss.«

»Du hast recht. Tut mir leid.« Kiki unterdrückte ein Kichern und sah Jiji in die Augen. »Ich frage mich, wie ich mich bei der Abreise fühlen werde.«

»Du wirst wahrscheinlich weinen.«

»Werde ich gar nicht!«

»Wann willst du denn nun eigentlich aufbrechen?« Jiji blickte wieder zu Kiki hoch.

»Wir könnten jederzeit los. Wollen wir es einfach beim nächsten Vollmond machen?«

»Huch, beim nächsten schon?«, fragte Jiji überrascht.

»Ja, in fünf Tagen. Fühlt sich doch gut an, etwas gleich in die Tat umzusetzen, wenn man sich dazu entschieden hat, oder?«

»Du machst wieder so eine Riesensache daraus.«

»Ich sage Mama und Papa heute Abend Bescheid. Was glaubst du, in was für einer Stadt wir landen werden, Jiji?«

Kiki blickte in die Ferne und fühlte sich schon etwas erwachsen.

»Ich mache mir ein bisschen Sorgen, was aus uns wird. Du bist oft so holterdiepolter.«

»Ach, bin ich das? Also, ich mach mir da gar keine Sorgen. Das kann ich immer noch, falls etwas passiert. Aber jetzt gerade bin ich so aufgeregt, als würde ich ein Geschenk auspacken«, entgegnete Kiki heiter und tippte gegen den Besen, der vor- und zurückschwang, als würde er zur Zustimmung nicken.

Nach dem Abendessen pflanzten sich Kiki und Jiji vor Okino und Kokiri auf.

»Ihr müsst euch keine Gedanken mehr machen. Ich habe entschieden, wann wir aufbrechen werden.«

Bei diesen Worten sprang Kokiri vom Stuhl auf.

»Wirklich? Und wann?«

»Am Abend des nächsten Vollmonds.«

Kokiris Blick huschte zum Kalender an der Wand.

»Du liebes bisschen, das ist ja schon in fünf Tagen. Du machst wohl Witze! Verschieb es auf den Vollmond danach!«

Kiki verzog das Gesicht und zuckte mit den Schultern.

»Und schon geht’s wieder los. Du hast doch geschimpft, dass ich mir zu viel Zeit lasse und mich entscheiden soll!«

»Da muss ich ihr recht geben, Liebling. Das passt nicht zusammen«, wandte Okino ein.

»Ihr zwei habt gut reden! Es gibt noch so viel vorzubereiten. Als Mutter hat man es eben nicht leicht!«, protestierte Kokiri mit rotem Gesicht.

»Du musst auch mal Vertrauen in deine Tochter haben. Es ist alles schon vorbereitet«, rief Kiki in belehrendem Ton, wobei sie sich vorbeugte und mit dem Popo wackelte. Dann sagte sie an Jiji gewandt: »Stimmt’s?«

Statt einer Antwort schlug Jiji nur einmal mit dem Schwanz.

»Na, so was!«, staunte Kokiri mit offenem Mund. Schließlich senkte sie den Blick und fragte: »Und was genau hast du vorbereitet?«

»Meinen Besen! Ich habe einen neuen gebaut – zusammen mit Jiji. Warte, ich hole ihn schnell!«

Schon rannte Kiki zur Tür hinaus. »Hier, das ist er«, rief sie, als sie gleich darauf zurückkam und ihren Eltern den Besen hinhielt.

»Oho, gar nicht schlecht«, sagte Okino, der den Besen beäugte.

»Ich habe die Weidenzweige erst im Fluss eingeweicht und dann in der Sonne getrocknet. Ist er nicht toll geworden, Mama?«

Kiki schwang den Besen einmal kräftig. Doch Kokiri schüttelte langsam den Kopf.

»Es ist ein ausgezeichneter Besen. Aber den kannst du nicht nehmen.«

»Wieso nicht? Ich will nicht mehr mit dem kleinen Besen fliegen. Fliegen ist doch das Einzige, was ich kann. Ich will auf einem neuen Besen fliegen, der mir gefällt.«

Kokiri schüttelte wieder den Kopf.

»Gerade deswegen ist der richtige Besen umso wichtiger. Was, wenn du mit dem ungewohnten...


Eiko Kadono ist eine japanische Kinderbuchautorin und wurde 2018 mit dem Hans Christian Andersen Preis ausgezeichnet. Kadono studierte Englisch an der Waseda-Universität. Sie ging 1960 nach dem Studium für zwei Jahre nach Brasilien. 1985 begann sie mit der Arbeit an dem Roman "Kikis kleiner Lieferservice". Dank der gleichnamigen Verfilmung von Hayao Miyazaki im Jahr 1989 wurde Kikis kleiner Lieferservice zu einem weltweiten Erfolg. Ihre Werke wurden unter anderem ins Englische, Französische, Koreanische, Italienische und Chinesische übersetzt.



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