E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Kadono Kikis kleiner Lieferservice 4
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98666-686-6
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kiki und ihre große Liebe
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-98666-686-6
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kiki ist inzwischen 17 Jahre alt. Ihre zarten Gefühle für Tombo entwickeln sich zu wahrer Liebe. Sie freut sich darauf, in den Sommerferien Tombo wiederzusehen, der inzwischen eine weit entfernte Schule besucht. Doch dann erreicht sie ein Brief, in dem er ihr schreibt, er würde sich in die Berge zurückziehen. Vor lauter Sehnsucht nach ihm begibt sich Kiki in den dunklen Wald. Derweil versucht auch Tombo, zu sich selbst zu finden. Die Verbindung der beiden vertieft sich immer mehr.
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KAPITEL 1
EIN KLEINER KUNDE
Kiki reckte ihre Arme aus dem Bett und streckte sich ausgiebig.
»Dann wollen wir den Tag doch mal angehen!«, rief sie laut zur Zimmerdecke und sprang munter auf.
»Guten Morgen!«, entgegnete Jiji ebenso heiter. Er folgte ihrem Beispiel und sprang flink von seinem Schlafplatz, woraufhin er geblendet blinzelte.
Durch einen Spalt der geschlossenen Vorhänge fiel ein schmaler Strahl der hellen Morgensonne auf den Fußboden und schien ihm direkt in die Augen.
Kiki ging zum Fenster und öffnete schwungvoll die Vorhänge. Licht flutete durch die Gasse zwischen den Häusern, sodass sie unwillkürlich die Lider schloss.
Das trübe Wetter, die grauen Wolken und der Regen der letzten Tage waren wie weggeblasen. Heute erstreckte sich bis zum Horizont ein endloser blauer Himmel. Sommer lag in der Luft.
»Ach ja … Bald sind schon Ferien …«
Auf Zehenspitzen sah sie voller Vorfreude mit großen Augen in die Ferne.
»Die Schule hat auch Ferien …«, dachte Kiki laut, während sie alle Vorhänge aufzog und die Fenster öffnete. Sogleich strömte der Duft der Kräuter herein, die draußen in der Gasse wuchsen. Kurz nach einem Regenguss war der Geruch immer besonders stark.
Kiki tat einen tiefen Atemzug, um ihr plötzlich schneller klopfendes Herz zu beruhigen.
»Die ersten Sommerferien, seit er dort ist … und wir werden sie zusammen verbringen«, murmelte sie leise.
, klingelte das Telefon.
»Guten Morgen, liebe Hexe Kiki! Ich möchte gern die erste Lieferung des Sommers in Auftrag geben«, sagte eine Frauenstimme.
»Selbstverständlich! Ich komme sofort vorbei!«, antwortete Kiki. Ihr Blick wanderte hinab zu ihrem Schlafanzug und sie begann sogleich, mit der freien Hand das Hemd aufzuknöpfen, um sich rasch umzuziehen.
Die Anruferin sprach weiter: »Weißt du, ich möchte den ersten Hut, den ich diesen Sommer angefertigt habe, an meinen besten Freund schicken. Einen blütenweißen Hut. Heute Morgen beim Aufstehen war der Himmel so strahlend blau, da wäre das doch der perfekte erste Hut des Sommers, dachte ich. Ich habe ihn gerade in großer Eile fertiggestellt. Könntest du ihn überbringen?«
»Ja, natürlich. Der Sommer kommt und mit ihm die Ferien … und ein neuer Hut. Das wird den Empfänger sicher freuen!«, antwortete Kiki aufgeregt.
»Ich wohne in der Scheinkamelienstraße Nummer drei, im zweiten Stock des gelben Gebäudes. Mein Freund wohnt im ersten Haus der Ölbaumallee außerhalb der Stadt. Das Dach und die Wand sind so strahlend blau wie der Himmel heute, daran wirst du es gleich erkennen. Ich zähle auf dich!«
»Ich werde Sie nicht enttäuschen!«
Nachdem Kiki den Hörer aufgelegt hatte, zog sie eilig ihren Schlafanzug aus und schlüpfte in ihr Kleid, wobei sie vor sich hin sang: »Der Sommer kommt, juchhe; der Sommer kommt, juchhe.« Mit geübten Handgriffen bürstete sie ihre Haare und band sie mit einer Schleife zusammen. Im Nu hatte sie ihre übliche Hexenaufmachung angelegt.
»Los geht’s, Jiji. Bist du bereit?«
»Ich muss mich nicht fertig machen, ich bin stets bereit. Und heute bin ich genau wie ein gewisser Jemand bester Laune. Ich habe nur ein bisschen Hunger, weil es noch kein Frühstück gab …«
Wann immer Kiki in so heiterer Stimmung war, konnte sich Jiji nicht verkneifen, etwas Spöttisches zu erwidern.
In der Scheinkamelienstraße angelangt, entdeckten sie das Haus aus der Luft auf Anhieb. An einem offenen Fenster im zweiten Stockwerk lag ein blütenweißer Hut.
Statt die Treppe zu nehmen, schwebte Kiki langsam zum Fenster hinüber und setzte sich auf den Sims.
»Guten Morgen! Hier ist der Hexenlieferservice! Ich habe eine kleine Abkürzung genommen. Bitte entschuldigen Sie mein schlechtes Benehmen«, rief Kiki in die Wohnung.
»Wenn’s dir schon bewusst ist, solltest du es einfach lassen«, murrte Jiji leise.
»Huch, nanu!« Eine Frau tauchte auf und warf überrascht die Hände in die Luft. Dann fügte sie mit verschmitzter Miene hinzu: »Dann lassen wir den Hut aus dem zweiten Stock direkt zu seinem Empfänger fliegen. Oh ja, das passt perfekt zu diesem Hut! Erinnert dich seine Form nicht an etwas? Ich habe bei der Arbeit an ein Raumschiff gedacht«, erklärte sie kichernd.
»Ui!«, gab Kiki zurück, als sie den Hut entgegennahm.
»Sieh nur, dieses Lochmuster hier sieht doch aus wie die Fenster eines Raumschiffs, nicht wahr? Die Passagiere sehen dort hindurch auf die Welt unter ihnen. Ist das nicht toll? Ach ja, um ein Haar hätte ich es vergessen. Für dich habe ich natürlich auch noch ein kleines Dankeschön …«
Die Frau holte von hinten eine weiße Schleife, die sie an Kikis Kragen befestigte. Die langen Enden flatterten sanft im Wind. Dann band sie auch Jiji solch eine Schleife um den Hals.
»Oh, wie hübsch! Vielen Dank! Nun sehen wir auch ganz sommerlich aus. Dann mache ich mich mal auf den Weg«, rief Kiki und winkte zum Abschied, bevor sie wieder in die Lüfte aufstieg.
»Hast du das gehört, Jiji? Ein Raumschiff … Wäre es nicht toll, wenn man an einem klaren Tag wie heute eins am Himmel sehen könnte? Wollen wir es mal fliegen lassen?«
Kiki packte die Hutkrempe fester.
»J… Jetzt wirst du aber übermütig, Kiki! W… Was, wenn dir der Hut davonfliegt? Wieso bist du heute eigentlich so ausgelassen?«, stotterte Jiji nervös und sprang von der Besenquaste hastig auf ihre Schulter.
»Keine Sorge, das ist doch ein Raumschiff. Sieh nur, wie es im Wind schaukelt. Es will fliegen! Lass mich nur machen. Der Wind ist mein Freund«, erwiderte Kiki kichernd.
Dann holte sie mit dem Hut in der Hand schwungvoll aus. Er flog aus ihrer Hand und schoss durch die Luft davon.
»Aaah, du hast es wirklich getan!«, schrie Jiji entsetzt auf.
»Los geht’s! Wir folgen dem Raumschiff! Halt dich gut fest, Jiji!«
Kiki packte den Besenstiel fester und flitzte dem Hut in atemberaubender Geschwindigkeit hinterher. Im Nu hatte sie ihn wieder eingeholt und schnappte ihn an der Krempe.
»Siehst du, genau so! Habe ich’s dir nicht gesagt?«
Lachend schleuderte Kiki den Hut wieder fort und raste hinterher. Anders als zuvor fiel der Hut nun jedoch wild trudelnd hinab. Kiki machte eine schnelle Wendung und stürzte ebenso rotierend hinterher.
»Aaaaah!«, kreischte Jiji ängstlich. »Hör auf damit!«
»Hi hi hi hi hi«, kicherte Kiki, »was für ein herrliches Gefühl!«
Abermals fing sie den Hut geschickt ein und hielt ihn an der Krempe fest, um sodann in ein gemächliches Schweben überzugehen.
»Siehst du?« Lachend schwenkte sie den Hut vor Jijis Augen. »Und gleich noch mal, hui!«
Noch einmal ließ Kiki den Hut durch die Luft fliegen, der pfeilschnell davonsauste, als der Wind ihn erfasste. Sosehr sie auch versuchte, ihn einzuholen, er schlüpfte ihr immer wieder durch die Finger.
Schließlich segelte er ruhiger kreisend in den Wipfel eines Baumes inmitten eines großen Gartens. Als Kiki rasch hinterherflog, hörte sie aus dem Haus daneben laut eine Kinderstimme jubeln. Sie hielt in der Luft an und spähte durch das Fenster, aus dem sie erklungen war.
»Mama, ich hab’s geschafft, ich habe das Stück gespielt! Hör mal!«, rief ein kleiner Junge mit einer Geige ins Haus.
»Na, dann zeig mal her!« Seine Mutter, die vermutlich gerade in der Küche gewesen war, kam herein und wischte sich die nassen Hände ab.
Der Junge nahm eine kerzengerade Haltung ein und begann, andächtig auf seiner Geige zu spielen.
.
Als er das Stück beendet hatte, hob er ruckartig das Kinn und rief: »Siehst du, ich hab’s geschafft! War doch gut, oder?«
»Das hast du wirklich, dabei ist es so ein schwieriges Stück. Ich bin sehr stolz auf dich!«
Die Mutter klopfte ihrem Sohn auf die Schulter.
»Weißt du, ich habe den Wind draußen pfeifen gehört. Da habe ich beim Spielen den Wind nachgemacht und dann ist es mir gelungen!«, erklärte der Junge und machte einen fröhlichen Hopser.
Als Kiki das hörte, jubelte sie ihm im...




