Kagawa | Im Schatten des Schwertes | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Reihe: Heyne fliegt

Kagawa Im Schatten des Schwertes

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-641-23647-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Reihe: Heyne fliegt

ISBN: 978-3-641-23647-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Fuchsmädchen Yumeko hat eine gefährliche Mission: Sie muss eine hochgeheime Pergamentrolle in Sicherheit bringen. Gerät das Schriftstück in die falschen Hände, könnte ein einziger böser Wunsch das ganze Reich für immer in die Finsternis stürzen. In dem wortkargen Samurai Tatsumi hat sie einen starken Begleiter gefunden, der ihr Freund und Vertrauter wurde – und sogar ein wenig mehr. Doch Yumeko hat auch einen unberechenbaren Feind: den Dämon Hakaimono, der Jahrhunderte lang in das Samuraischwert Tatsumis gebannt war. Jetzt ist Hakaimono frei und hat sich Tatsumis Körpers und Geistes bemächtigt. Der Dämon setzt alles daran, Yumeko die Rolle zu entreißen. Wenn sie ihr Ziel erreichen will, darf sie vor nichts zurückschrecken. Selbst dann, wenn Tatsumi dabei umkommen sollte …

Schon in ihrer Kindheit galt Julie Kagawas große Leidenschaft dem Schreiben. Nach Stationen als Buchhändlerin und Hundetrainerin machte sie ihr Interesse zum Beruf. Mit ihren Fantasy-Serien »Plötzlich Fee« und »Plötzlich Prinz« wurde sie rasch zur internationalen Bestsellerautorin. In ihrer neuesten Erfolgsserie »Plötzlich Rebell« erzählt sie von einer magischen Liebe, die nicht sein darf. Julie Kagawa lebt mit ihrem Mann in Louisville, Kentucky.
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2

DER DÄMON DER KAGE

Yumeko

Stille senkte sich, nachdem Meister Jiro seine Erzählung beendet hatte.

»Dieser Dämon«, sagte ich, als der Priester nach einer Holzpfeife griff, die neben der Feuerstelle lag. »Der Hirotakas Familie getötet hat. War das …«

Meister Jiro nickte und steckte sich das Ende der Pfeife in den Mund. »Hakaimono.«

Ich schauderte, und um das Lagerfeuer herum blickte der Rest unserer Gruppe ernst drein. Wir hatten unser Lager neben einem glucksenden Bach aufgeschlagen, umgeben von struppigen Kiefern und hoch aufragenden Mammutbäumen und in der Luft hing der Geruch nach Baumsäften und einem Hauch Frost. Wir befanden uns immer noch ganz in der Nähe des Gebirges, der Grenze zum Gebiet des Himmelsclans. Der Sommer neigte sich seinem Ende zu, und die Tage wurden kühl, während der Herbst allmählich die Oberhand gewann.

Okame saß mit dem Rücken gegen einen moosbewachsenen Mammutbaum gelehnt da und starrte in die Schatten, einen Fuß auf einer Wurzel. Der Schein des Feuers glitt über ihn, betonte seine magere, schlaksige Gestalt, das rötlich braune, zu einem Pferdeschwanz zurückgebundene Haar und das schmale Gesicht, mit ungewöhnlich grimmigem Ausdruck. Der ansonsten fröhliche, unverblümte Ronin war still, als er mit dunklen Augen über das Flussbett spähte.

»Kamigoroshi ist demnach durch den Drachenwunsch zum Leben erweckt worden«, sagte Taiyo Daisuke nachdenklich. Der Adlige des Sonnenclans saß im Schneidersitz vor einem umgefallenen Baumstamm, sein Gesicht eine Maske stoischer Gelassenheit. Auf der anderen Seite des Feuers warf Reika ihm einen entnervten Blick zu. Die Arme des Adligen waren bandagiert, und blutige Stoffstreifen blitzten unter seinem Gewand hervor, eine Erinnerung an unseren letzten schrecklichen Kampf. Er sollte überhaupt nicht auf den Beinen sein, hatte Reika ihn früher am Abend gescholten. Er müsste liegen, sich ausruhen, bevor die Wunden aufgingen, die sie nachts zuvor sorgfältig zugenäht hatte. Doch Daisuke hatte darauf bestanden, dass es ihm gut ging. Selbst mit seinem einst wunderschönen Kimono, der nun zerrissen und schmutzig war, seiner blassen Haut und den langen, silbrig weißen Haaren, die ihm strähnig den Rücken herabhingen, strahlte er Selbstvertrauen und Eleganz aus.

»Ja«, bestätigte Meister Jiro. »Weil Hirotaka sich an dem Oni rächen wollte, der seine Familie und die Frau, die er liebte, getötet hatte. Und nach einer Möglichkeit trachtete, den Dämon nicht nur zu vernichten, sondern ihn leiden zu lassen, damit er am eigenen Leib Schmerz und Zorn und Hilflosigkeit erlebte. Sein Wunsch wurde ihm gewährt. Nicht lang, nachdem Kage Hirotaka den Drachen herbeigerufen hatte, stand er Hakaimono auf dem Schlachtfeld gegenüber, und nach einem schrecklichen Kampf, der fast ein ganzes Dorf ausgelöscht hat, gelang es ihm, den Dämon zu erschlagen. Doch anstatt den Oni zurück ins Jigoku zu schicken, bannte Kamigoroshi die Seele des Dämons in der Klinge, wo sie bis in alle Ewigkeit gefangen sein sollte.

Unglücklicherweise«, fuhr Meister Jiro fort, »war das der Anfang des Untergangs der Kage. Der Dämon trieb Hirotaka in den Wahnsinn. Er ergriff nicht Besitz von ihm … vielleicht war sein Einfluss noch zu schwach oder er wusste nicht, wie ihm ein solcher Kunstgriff gelingen sollte. Aber im Lauf der Zeit brach er Hirotakas Entschlossenheit und nutzte seine schwelende Wut und seinen Kummer aus, um ihn zu überwältigen. Und dann, eines Nachts, verlor Hirotaka schließlich die Kontrolle über sich und veränderte das Schicksal der Kage für immer.«

Daisuke verlagerte das Gewicht und blickte nachdenklich drein, als sich seine Miene erhellte. »Das Massaker auf Burg Hakumei«, sagte er mit einem Blick auf den Priester. »Der gebrochene Vertrag zwischen den Hino und den Kage.«

»Ein Gelehrter der Geschichte.« Meister Jiro nickte anerkennend. »Ja, Taiyo-san, Ihr habt recht. Im darauffolgenden Frühling fand ein Treffen der Anführer des Feuerclans und Schattenclans statt, um eine Heirat zwischen den beiden Familien zu besprechen. Die Rivalität zwischen den Hino und den Kage war ins Unermessliche erwachsen und ein Krieg drohte, sollte keine Einigung erzielt werden. Der Vertrag kam nie zustande. In einem Raum voller unbewaffneter Diplomaten und Höflinge, während draußen ein Taifun heulte, tauchte Kage Hirotaka auf und schlachtete jedes Mitglied des Feuerclans ab. Kein einziger Hino überlebte jene Nacht.«

»Das war der Beginn des zweiten Großen Krieges«, sagte Daisuke. »Nach dem Massaker in Hakumei gelobten die Hino, die Kage vollständig auszulöschen, und sie konnten den Erdclan und den Windclan für ihre Sache gewinnen. Die Kage wandten sich hilfesuchend an den Wasser-, Himmel- und Mondclan, und der daraus resultierende Krieg währte fast zweihundert Jahre.«

»Und hätte in seinem Zuge fast die Kage vernichtet.« Meister Jiro nickte wieder. »Weil ein einziger Mann sich mit Hass im Herzen etwas von der Drachenrolle gewünscht und ahnungslos einen Dämon in seine Seele eingelassen hatte.

Das ist die Geschichte von Kamigoroshi und dem Drachengebet.« Meister Jiro blies einen langen Rauchkringel aus, der sich über meinem Kopf in der Brise verflüchtigte. »Jetzt kennt ihr alle die Entstehungsgeschichte des Schwerts und wie der Drachenwunsch, so gut gemeint er anfangs auch gewesen sein mag, dem gesamten Königreich Elend und Kummer brachte.«

»Das ist der Grund, weshalb die Drachenrolle in einzelne Stücke zerlegt wurde«, fügte Reika hinzu. Die Schreinmaid saß ebenfalls auf dem Boden, im Schneidersitz, die bauschigen weißen Ärmel ihrer Haori an die Brust gedrückt. Chu und Ko, zwei kleine Hunde, bei denen es sich in Wirklichkeit um Komainu, Hüter des Schreins, handelte, lagen zusammengerollt in ihrem Schoß und schlummerten auf ihrer roten Hakama-Hose. »Niemand kennt die genauen Einzelheiten, aber angeblich kam damals, während der Krieg noch in vollem Gange war, ein Rat aus kami, Yokai und einer Abordnung aus Mönchen zusammen, um gemeinsam zu beratschlagen, was mit dem Drachengebet geschehen sollte. Sie beschlossen, die Schriftrolle in Stücke zu schneiden und diese in ganz Iwagoto zu verstecken, damit so etwas wie der letzte Wunsch nie wieder geschehen konnte.« Reikas Lippen wurden schmal. »Es war die richtige Entscheidung. Die Schriftrolle besitzt viel zu viel Macht, um sie einer einzigen Person anzuvertrauen. Seht euch nur das Chaos und die Verwüstung an, die sie bereits in dieser Ära angerichtet hat, und der Drache ist noch nicht einmal gerufen worden.«

Auf der anderen Seite des Feuers schnaubte Okame. »Wenn die Drachenrolle so gefährlich ist, warum zerstören wir sie dann nicht?«, fragte er mit einem Achselzucken. »Hört sich für mich nach der einfachsten Lösung an. Werft das Ding jetzt sofort ins Feuer und Schluss ist.«

»So einfach ist das leider nicht«, sagte Reika. »Und es ist schon versucht worden. Aber das Drachengebet ist ein heiliges Artefakt, eine Gabe – oder ein Fluch, wenn man will – vom Herold des Wandels höchstpersönlich. Genau wie Kamigoroshi wird es irgendwo auf der Welt wieder auftauchen. Immer an einem Ort, wo es nicht nur entdeckt wird, sondern bei einer Person, die den Drachen herbeirufen und einen Wunsch aussprechen wird.« Die Augen der Miko verengten sich. »Die Schriftrolle will gefunden werden, Okame-san. Das ist der Grund, weshalb sie so gefährlich ist. Würden wir sie jetzt zerstören, könnte sie in den Händen genau der Menschen landen, vor der wir sie verstecken wollen.«

Okame grunzte. »Und deshalb traue ich Magie nicht über den Weg«, murmelte er und lehnte sich zurück gegen den Baum. »Leblose Gegenstände wie Schwerter und Schriftrollen sollten nicht den Wunsch haben, gefunden zu werden. Sie sollten überhaupt nichts wollen. Wie ärgerlich wäre es, wenn meine Sandalen auf einmal die Entscheidung träfen, dass sie mich nicht länger tragen wollen und in den Wald davonlaufen?« Er richtete seine scharfsinnigen schwarzen Augen auf mich. »Komm ja nicht auf dumme Gedanken, Yumeko-chan.«

Bei der Vorstellung musste ich kichern, wurde aber schlagartig wieder ernst. »Was ist mit Hirotaka geschehen?«, fragte ich und sah Meister Jiro an. »Hat er jemals die Kontrolle über Hakaimono wiedererlangt?«

Der Priester schüttelte den Kopf. »Kage Hirotaka wurde festgenommen und von seinem eigenen Clan hingerichtet, lange vor Kriegsende«, erwiderte er. »Bis dahin war er schon viel zu weit gegangen, und seine Verbrechen wogen zu schwer, als dass Hoffnung auf Wiedergutmachung bestanden hätte. Kamigoroshi oder die Verfluchte Klinge der Kage, wie ihr späterer Name lautete, wurde sicher weggeschlossen und verschwand sechs Jahrhunderte lang aus der Geschichte. Doch solche Artefakte des Bösen können nicht ewiglich verborgen bleiben. Vor vierhundert Jahren tauchte es zeitgleich zum Erstarken von Genno auf, dem Meister der Dämonen, als Hakaimono aus dem Schwert entkam und Besitz von seinem Träger ergriff. Es ist unklar, ob Genno hinter der Befreiung des Dämons steckte oder ob Hakaimono das Chaos einfach ausnutzte, das der Aufstand mit sich brachte, aber Kamigoroshi schlug erneut einen blutigen Pfad durch die Geschichte, bis der Blutmagier und seine Rebellion niedergeworfen wurden.

Nach Gennos Tod«, fuhr Meister Jiro fort, »zerstreute seine Armee aus Dämonen und Yokai sich in alle Winde, das Land stürzte in schreckliche Anarchie. Kamigoroshi verschwand erneut für eine gewisse Zeit, doch dann erschien der erste Dämonenjäger der Kage auf der Bildfläche, der imstande war,...


Kagawa, Julie
Schon in ihrer Kindheit galt Julie Kagawas große Leidenschaft dem Schreiben. Nach Stationen als Buchhändlerin und Hundetrainerin machte sie ihr Interesse zum Beruf. Mit ihren Fantasy-Serien »Plötzlich Fee« und »Plötzlich Prinz« wurde sie rasch zur internationalen Bestsellerautorin. In ihrer neuesten Erfolgsserie »Plötzlich Rebell« erzählt sie von einer magischen Liebe, die nicht sein darf. Julie Kagawa lebt mit ihrem Mann in Louisville, Kentucky.



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