Kah | Roadtrip mit Millionär | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 306 Seiten

Reihe: Crazy Love

Kah Roadtrip mit Millionär


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-947634-66-8
Verlag: Obo e-Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 306 Seiten

Reihe: Crazy Love

ISBN: 978-3-947634-66-8
Verlag: Obo e-Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das kann ja mal passieren, dass man -ganz aus Versehen- einen Millionär ausknockt. Vor allem, wenn dieser gerade dabei ist, den Campingplatz, den man leitet, in einen Büropark zu verwandeln. Die junge Linda leitet einen Campingplatz, der schon bessere Tage gesehen hat. Trotzdem hängt ihr Herz daran. Als David, ein schwerreicher Bauunternehmer, daherkommt und den Campingplatz einfach so plattwalzen lassen will, versucht sie alles, um ihn aufzuhalten. Die Bagger lauern schon, da bekommt David versehentlich eine Fünf-Kilo-Dose Tomatenmark an die Schläfe ... Und Linda hat eine Idee. Zugegebenermaßen eine total verrückte Idee, aber sie fackelt nicht lange und nimmt David mit auf einen Roadtrip quer durch Osteuropa. Dass David vorübergehend sein Gedächtnis verloren hat, dank der Tomatendose, macht die Sache etwas einfacher. Aber nur ein wenig, denn David sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch sehr charmant. Es dauert nicht lange und er verdreht Linda den Kopf. Und damit gehen all ihre schönen Pläne den Bach runter ... Hol dir das Buch, wenn du Lust hast auf einen total verrückten Roadtrip inklusive Millionär, Herzschmerz und Autopannen!

Eva Kah ist Mitte Dreißig und sieht selbstverständlich viel jünger aus. Sie hat etwas Brotloses studiert und so herum gewurschtelt, bis sie mit dem Schreiben begann. Gestählt durch den harten Alltag als Mutter, schreibt sie seither unter verschiedenen Pseudonymen in mehreren Genres. ?Sie lebt mit Mann, mehreren Kindern, dem Kater Klaus und dem Fisch Peter auf dem Land und würde gerne noch viel mehr schreiben, wenn sie nicht ständig Wehwehchen versorgen oder Windeln wechseln müsste...?
Kah Roadtrip mit Millionär jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1


Die Einzigartigkeit des Schlafsackes


Guten Morgen also, mein Name ist Linda Lewandowski. Meinen Nachnamen kann man hinten auch mit „a“ schreiben, dann handelt es sich um die korrekte weibliche Form in Polen, wo mein Vater herkommt. Aber es macht mir nichts aus, wenn jemand das „i“ benutzt – in der letzten Zeit ist es in meinem Leben derart drunter und drüber gegangen, dass ich manchmal selber nicht mehr wusste, ob ich Männlein oder Weiblein bin und wie das eigentlich alles läuft mit den Bienchen und Blümchen …

Vor einer Woche war ich noch eine harmlose Löwenbütteler Campingplatzbetreiberin mit vielen Tieren, komischer Ersatzfamilie und der vermutlich größten Schlafsacksammlung der Welt. Okay, mittlerweile bin ich eine Löwenbütteler Campingplatzbetreiberin mit vielen Tieren, komischer Ersatzfamilie, weltgrößter Schlafsacksammlung UND einem Verlobten. Und das mit dem Verlobten ist zwar das Wichtigste, aber nicht unbedingt das Aufregendste, was sich in dieser Zeit ergeben hat. Meine Harmlosigkeit zum Beispiel, die hat sich erledigt.

So ganz nebenbei, mehr oder weniger aus Versehen, habe ich auch noch ziemlich viele Straftatbestände erfüllt: Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub, Autodiebstahl, Hehlerei, illegale Einreise in verschiedene EU-Länder ohne gültiges Ausweisdokument, unerlaubter Handel mit geschützten Tierarten, Missbrauch von Medikamenten, Gefährdung von Schutzbefohlenen, Amtsanmaßung, Erregung öffentlichen Ärgernisses und wer weiß was sonst noch. Ach ja, Fahren ohne Fahrerlaubnis natürlich auch noch. Wenigstens war ich dabei nicht besoffen. Hätte vielleicht geholfen …

Aber jetzt keine falsche Bescheidenheit. Diese Geschichte soll ja da anfangen, wo sie spannend wird. Der Rest ergibt sich dann schon.

Alles begann mit einem sehr gut gekleideten Mann mit sehr schlechter Laune.

Er stand eines Morgens um 7.21 Uhr in der Einfahrt und suchte nach etwas. Ich konnte ihn von meiner Lieblingstonne aus gut beobachten, und wenn ich in der vorangegangenen Nacht nicht so schrecklich schlecht geschlafen hätte, dann wäre die ganze Sache sicherlich anders ausgegangen. Normalerweise schlafe ich nämlich um 7.21 Uhr noch und krieche erst um fünf vor neun hinüber ins Büro, wo die Kaffeemaschine steht. Vor allem, wenn der vorangegangene Abend ein lauer Sommerabend gewesen ist, an dem ein oder zwei Camper bis tief in die Nacht auf der Bistroterrasse gesessen, ein Bierchen nach dem anderen bestellt und mir dabei ihre Lebensgeschichte erzählt haben. Weil ich selbst meine einzige Angestellte bin, kann ich für so etwas nur mich ausbeuten. Ich zapfe also Bier und höre zu, und wenn ich mich dabei allzu sehr langweile, rechne ich im Hinterkopf meinen Lohn aus: Sechs große Pils in zwei Stunden, das macht dann insgesamt achtzehn Euro brutto und ungefähr sechs Euro netto, solange ich das Toilettenputzen nicht mitrechne. Goldene Kloschüsseln verdient man sich mit so etwas nicht. Manchmal gebe ich auch psychologisch fundierte Ratschläge, aber nur bei mehr als drei Euro in der Stunde und wenn einer nett fragt. Die Lebensgeschichte von Herrn Wiesloch aus Niedereschborn am Tag zuvor war sogar ausnahmsweise recht spannend, aber trotzdem gehen unsere offiziellen Öffnungszeiten von neun bis achtzehn Uhr. Auf einem Campingplatz wird schließlich Urlaub gemacht und kein Kadettentraining!

Dazu muss ich erwähnen, dass es mit meinem Schlafrhythmus eh nicht mehr so weit her ist, seit ich mein Bett im Bürohäuschen für eine neue Tiefkühltruhe eintauschen musste. Es war eh nur ein Klappbett. Aber weil das Bürohäuschen gleichzeitig auch die Küche für mein kleines Camper-Bistro und natürlich die weltgrößte Schlafsacksammlung beherbergt, fiel die Entscheidung zu seinen Ungunsten. War nicht meine Idee, das mit der Tiefkühltruhe. Der Kontrolleur vom Amt für Lebensmittelhygiene meinte, das müsse so sein, wenn ich meine Gastronomielizenz nicht verlieren wolle. Neue EU-Verordnung. Vor allem, weil er bei der Fritteuse (zu alt) und der Kaffeemaschine (kein GS-Prüfsiegel) schon beide Augen zugedrückt habe.

Und da Pommes, Bier und Currywürste nun mal das Einzige waren, was an meinem Campingplatz wirklich Umsatz brachte, bestellte ich mir zähneknirschend so eine neue Tiefkühltruhe im Gegenwert eines kleinen Gebrauchtwagens, mit Tuten und Blasen und supernervigen Piepstönen zum Stromsparen, sobald man sie nur anguckt. Mein altes Bettgestell wanderte auf den Sperrmüll, die Matratze schenkte ich unserem paranoiden Hausmeister Horst und seither schlief ich eben reihum da, wo gerade ein Bett frei war. Auf so einem Campingplatz gibt es immer irgendwo Kapazitäten. Und wozu verfüge ich schließlich über die womöglich weltgrößte Sammlung von Schlafsäcken?

So ohne eigenes Bett weht einem gleich der Duft der großen weiten Welt um die Nase, auch wenn man es selten über die Stadtgrenze von Löwenbüttel hinaus schafft. Ich mag die Unabhängigkeit und Freiheit. Es ist auch gut, wenn ein Vermieter seine Räumlichkeiten regelmäßig testet. So fand ich zum Beispiel rechtzeitig heraus, dass der Stromverteiler bei den regulären Zeltstellplätzen einen Wackelkontakt hatte, die Terrasse der Bungalows an einer Stelle morsch war und das Dach von Tante Theas Wohnmobil bei Hagel undicht war. Jetzt nicht mehr.

Am liebsten schlief ich aber im hintersten der drei Tonnenhäuschen aus Holz. Diese Tonnen sind der Renner bei den Gästen. Ist ein Trend aus Skandinavien, obwohl unsere Tonnen von einem örtlichen Schreiner stammen, und ich kann das total nachvollziehen. Man fühlt sich einfach wohl, sobald man so ein Tonnenhäuschen nur sieht: In ein enges, rundes Loch zu schlüpfen muss ein Urinstinkt sein. Wie ein gemütlicher Kaninchenbau oder der unterirdische Geheimgang einer Burg. Löst sofortige Geborgenheitsgefühle aus, jedenfalls bei mir. Ich überlegte, im nächsten Jahr eine dazu passende Saunatonne zu erwerben. Vorausgesetzt, die von der Tiefkühltruhe ins Geschäftskonto geschlagene Kerbe wäre bis dahin wieder ausgeglichen. Jedes Mal wenn alle drei Tonnen vermietet waren, ärgerte ich mich fast ein wenig. Dann musste ich mir mit meinem Schlafsack ein anderes Plätzchen suchen. Eines, das einen Tick weniger gemütlich war.

In der Nacht vor der Ankunft des gut gekleideten Mannes aber schlief ich schlecht, obwohl durch eine Stornierung in letzter Minute meine Lieblingstonne frei geworden war. Ich wachte ständig auf, trank einen Schluck Wasser, wühlte mich in mein Zusatzkopfkissen, drehte mich wieder um, ging pinkeln, kratzte mich am linken Schienbein, kippte das Fenster, trank noch einen Schluck Wasser, wälzte mich auf den Bauch, machte das Fenster wieder zu, legte mich auf den Rücken, fluchte. Das lag weniger an einer düsteren Vorahnung, sondern an meinem Schlafsack.

Jede Woche teste ich einen anderen Schlafsack aus meiner Sammlung (abgesehen von denen mit historischem Wert – wie dem Expeditionssack vom Nanga Parbat – und natürlich dem peruanischen Totensack). So bleiben die guten Stücke in Benutzung und werden wenigstens alle drei, vier Jahre mal gewaschen, ohne dass sie überstrapaziert werden. Der aktuelle war ein Modell unbekannten Ursprungs, das ich in der Woche zuvor vom Apfelbaum hinter dem Zeltplatz geklaubt hatte. Ob der Schlafsack dort zum Trocknen hingehängt und vergessen oder absichtlich ausgesetzt worden war, wusste ich nicht, auch wenn das Testergebnis Letzteres vermuten ließ. Der Sack hatte eine unbequeme, verrutschende Füllung aus lauter Knötchen und Bollen, kratzte wie ein Jutesack und war zu allem Überfluss auch noch schwitzig. Ich würde ihn trotzdem aufbewahren und dem Besitzer genug Zeit geben, ihn zurückzufordern. Wie immer. So war ich über die Jahre zum ursprünglichen Grundstock meiner Sammlung gekommen, deren Wachstum sich irgendwann verselbstständigt hatte: Durch Langstreckenwanderer, die ihren Sack bei mir zwischenlagern wollten und sich dann nie wieder meldeten. Durch Besucher aus fernen Ländern, die so viele Souvenirs gekauft hatten, dass sie das Übergepäck im Flugzeug mehr gekostet hätte als der Schlafsack-Neukauf im Heimatland. Durch Stammgäste, die von meiner Sammlung wussten und mir ungefragt Ergänzungen mitbrachten: „Weil Sie diese Farbe noch nicht hatten, die gab es nämlich nur bei Aldi Süd!“

Außerdem fing ich an, auf Flohmärkten, im Internet und bei Wohnungsauflösungen nach Schlafsäcken zu stöbern. Auch die städtische Fundsachenversteigerung und die Kleiderkammer entpuppten sich als hilfreich, wenn mir das nötige Kleingeld fehlte, wozu man aber sagen muss, dass ein gebrauchter Schlafsack – ähnlich wie getragene Unterwäsche – üblicherweise äußerst günstig in der Anschaffung ist. Von wenigen Einzelfällen abgesehen. Es kommt halt immer darauf an, wer den Schlafsack oder die Unterwäsche benutzt hat.

Seit dem Tod meiner Mutter füllen die Säcke zwei Reihen von Schwerlastregalen in ihrem Zimmer, und da ist noch Luft nach oben. Bei diesem Umzug zählte ich die Säcke erstmals und kam auf zweiundsechzig. Mittlerweile sind es hundertsiebenunddreißig, von Reinhold Messners Originalsack der Nanga-Parbat-Expedition 1970 über den handgewebten peruanischen Hängesack für Verstorbene und ein Modell in Eiform für stark Übergewichtige aus US-amerikanischer Produktion bis hin zum Hightechteil mit Silberionen-Ausrüstung gegen Fußgeruch. Ich besitze eines der ersten Probestücke aus der Werkstatt von Faltbootpionier Carl Joseph Luther, dem Erfinder des Daunenschlafsacks, ersteigert aus einem...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.