E-Book, Deutsch, 191 Seiten
Kane DAS EISKALTE SPIEL
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-9648-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Krimi-Klassiker!
E-Book, Deutsch, 191 Seiten
ISBN: 978-3-7487-9648-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Es hatte alles so harmlos angefangen... Die Millionärstochter Jean Merritt hatte den New Yorker Privatdetektiv Johnny Liddell gebeten, die Hintergründe des Todes ihres Vaters aufzuklären. Sie glaubte nicht an seinen Selbstmord. Doch bei dem ersten Rendezvous, das Liddell mit dem blonden Playgirl hatte, versetzte sie ihn - und verschwand. Und damit begannen die Ereignisse sich zu überstürzen... Der Roman Das eiskalte Spiel des US-amerikanischen Schriftstellers Frank Kane (geboren am 19. Juli 1912; gestorben am 29. November 1968) erschien erstmals im Jahr 1951; eine deutsche Erstveröffentlichung folgte 1970. Der Apex-Verlag veröffentlicht Das eiskalte Spiel in seiner Reihe APEX NOIR, in welcher Klassiker des Hard-boiled- und Noir-Krimis als durchgesehene Neuausgaben wiederveröffentlicht werden.
Autoren/Hrsg.
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Erstes Kapitel
Johnny Liddell hing lässig auf einem Barhocker in Mike's Headline und trug paffend seinen Teil zu den grauen Rauchschwaden bei, die sich bis unter die Decke kräuselten. Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete er die schöpferischen Genies der Werbeagenturen, wie sie aus den benachbarten Wolkenkratzern herübergeschlendert kamen, um neue Eingebungen zu tanken. Er stellte fest, dass sein eigenes Glas leer war, und winkte dem Barkeeper. Mike angelte eine Cognacflasche aus dem Regal und schenkte dem Privatdetektiv neu ein. »Haben Sie was Neues von der blonden Puppe gehört, mit der man Sie so oft gesehen hat, Liddell?«, wollte Mike wissen. »Muggsy? Ich nehme an, sie ist vor mir nach Hollywood geflüchtet. Ich habe von ihr schon seit Wochen nichts mehr gehört. Ihr alter Herr erzählte mir, sie habe dort an einem neuen Film mitgewirkt.« Er warf einen Dollarschein auf die Theke und sah zu, wie der Mixer das Wechselgeld heraussuchte. »Ist das nicht ein komischer Job für eine gute Reporterin?« »Immer noch besser als Arbeit«, brummte Mike. Irgendwo schrillte ein Telefon, und der Barkeeper schlurfte davon, um an den Apparat zu gehen, Liddell betrachtete nachdenklich sein volles Glas, überlegte die Möglichkeit, in Hollywood ein Zweigbüro aufzumachen, und verwarf diese Idee wieder. Auch die Alternative, ein Verhältnis mit seiner rothaarigen Sekretärin anzufangen, war nicht interessant. Schließlich war Geschäft Geschäft. »Gespräch für Sie, Liddell!«, rief Mike vom anderen Ende der Theke herüber. Liddell griff nach seinem Glas, schob sich durch die um die Theke versammelten Journalisten und Werbeleute nach hinten, wo der Barmixer mit dem Hörer in der Hand wartete. »Mein Büro?« Der Barkeeper zuckte mit den Schultern und bahnte sich den Weg zurück auf seinen Gefechtsstand. »Ja?«, sagte Liddell. »Sie täten gut daran, sich auf den Heimweg zum Büro zu machen, Johnny. Es sieht so aus, als ob wir einen Auftrag kriegten. Eine Dame hat zweimal innerhalb einer Viertelstunde angerufen und wollte Sie sprechen.« Liddell stöhnte. »Doch nicht wieder ein vergifteter Hund?« »Es klang nicht so!«, sagte seine Sekretärin. »Das Mädchen hörte sich an, als sei sie tatsächlich in Schwierigkeiten. Sie wollte mir nicht verraten, wer sie sei oder wo sie erreichbar ist. Mit anderen Worten: kippen Sie das Glas, das Sie in der Hand halten, runter und machen Sie dalli!« »Was meinen Sie damit: Glas in meiner Hand?« Sie lachte. »Hier ist Pinky, Boss. Was glauben Sie wohl, was ich meine, wenn ich von einem Glas in Ihrer Hand spreche?« Sie hängte ein. Der Rotschopf hämmerte im Vorzimmer eifrig auf einer Schreibmaschine, als er hereinkam. Pinky sah auf und schüttelte den Kopf. »Sie hat noch nicht zurückgerufen, es kann aber nicht mehr lange dauern.« Sie grinste hinterhältig. »Hoffentlich habe ich da nichts im Keim zerstört?« Liddell drohte ihr mit dem Zeigefinger, betrat sein Privatbüro und ließ sich in einen Sessel fallen. Beim Anblick des Berges von Post schnitt er eine scheußliche Grimasse. Das Telefon läutete genau sechs Minuten nachdem er die Füße auf den Tisch gelegt hatte. Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang atemlos. »Mr. Liddell?« »Ja, richtig. Wer ist am Apparat?« »Jean Merritt. Ich versuche seit einer Stunde, Sie zu erreichen.« Liddell nickte. »Ich hatte einen Fall zu bearbeiten. Was haben Sie auf dem Herzen?« Eine Pause trat ein, dann sagte die Anruferin mit leiser, aber fester Stimme: »Mord!« »Wer ist ermordet worden?« »Mein Vater. Matt Merritt. Man hat es fertiggebracht, es wie Selbstmord aussehen zu lassen, Mr. Liddell, aber ich weiß, dass er ermordet worden ist. Ich möchte, dass Sie den Beweis erbringen.« »Haben Sie das alles schon der Polizei vorgetragen?« »Ich kann nicht. Die Kerle lassen mich nicht aus den Augen. Wenn sie wüssten, dass ich mit Ihnen rede, würden sie mich umbringen.« Liddell kratzte sich das Kinn. »Können Sie in mein Büro kommen und Einzelheiten berichten?« »Ich wage es nicht!« »Wo sind Sie jetzt?« Sie zögerte. »Ich wohne im Hotel Westmore. Aber bitte kommen Sie nicht hierher, Mr. Liddell. Sie würden es erfahren, und mein Leben wäre keinen Cent mehr wert.« Liddell wurde ungeduldig. »Ich muss Sie sehen. Wenn Sie nicht hierherkommen wollen und ich Sie nicht aufsuchen darf - wo wollen wir uns dann sprechen?« »Könnten wir uns nicht irgendwo in der Stadt treffen? Heute Abend kann ich sie möglicherweise lange genug abschütteln, um Sie zu informieren.« »In einer Bar?« Die Stimme wurde nachdrücklich. »Nein, es muss unter freiem Himmel sein, irgendwo, wo ich sicher bin, dass man mich nicht beschattet.« »Wann, glauben Sie, können Sie kommen?« Wieder eine Pause. »Nicht vor halb elf. Wäre Ihnen das zu spät?« Liddell sah aus dem Fenster auf den Bryant-Park hinunter, fluchte innerlich über die schwarzen Gewitterwolken über der Stadtbibliothek. »Ich denke, es wird gehen. Und wo?« »Könnten Sie eine Stelle vorschlagen? Ich kenne diesen Teil von New York nicht sehr gut.« Liddell zog seinen Notizblock zu sich herüber, kritzelte ein paar Worte darauf, während er sprach. »Es gibt an der Ecke Lexington Avenue und Achtundzwanzigste Straße einen Drugstore, der die ganze Nacht offen ist. Passt Ihnen das?« »Ich werde halb elf heute Abend dort sein«, versprach die Unbekannte. »Sollte ich mich verspäten, warten Sie bitte.« Sie hatte aufgelegt, bevor er sich eine Personenbeschreibung von ihr geben lassen könnte. Liddell legte ebenfalls den Hörer auf, starrte ins Leere. »Woran liegt es bloß, dass alle Verrückten zu mir gelaufen kommen?« Pinky warf ihm einen belustigten Blick zu. »Soll ich diese Frage beantworten, Mr. Liddell?« Johnny Liddell zerrte verzweifelt an seinem Mantelkragen und zog ihn dichter vor sein Gesicht in dem vergeblichen Bemühen, sich vor dem Nieselregen zu schützen. Er nahm einen tiefen Zug aus der aufgeweichten Zigarette, die er in der hohlen Rechten hielt, und verwünschte von Herzen das Schicksal, das einen Privatdetektiv aus ihm gemacht hatte. Das nasse leuchtende Zifferblatt der großen Uhr über dem Juweliergeschäft auf der anderen Straßenseite gab die Zeit mit Mitternacht an, und das Mädchen hatte halb elf kommen wollen. Er machte sich Vorwürfe, nicht darauf gedrängt zu haben, sie sofort zu treffen, als sie angerufen hatte. Er sog ein letztes Mal tief an der Zigarette, schnippte sie in den Rinnstein und betrat den 24-Stunden-Drugstore, dessen Eingang ihm nur spärlichen Schutz vor der tröpfelnden Feuchtigkeit gewährt hatte. Ein müde aussehender ältlicher Angestellter schaute von der Morgenzeitung auf, als Liddell hereinkam, unternahm einen verzweifelten Versuch, die Langeweile aus seinen Augen zu reiben, seufzte, als der Detektiv auf dem Weg zu den Telefonzellen an ihm vorbeiging, und wandte sich wieder dem Sportteil zu. Liddell blätterte im Telefonbuch, markierte eine Nummer mit seinem Fingernagel, angelte ein Zehncentstück aus einer seiner Taschen und wählte sieben Ziffern. »Hotel Westmore, guten Abend«, antwortete die metallische Stimme der Telefonistin. »Gut? Nur wenn man eine Ente ist«, sagte Liddell. »Verbinden Sie mich mit Miss Merritts Zimmer.« Das Telefonmädchen kicherte. »Wen wollen Sie sprechen, Sir?« »Miss Merritt. Miss Jean Merritt.« Nach einer Weile bekam er zur Antwort: »Sony, Sir. Ich habe hier keine Miss Merritt verzeichnet. Moment, ich verbinde Sie mit dem Empfang.« Ein Klicken, dann: »Stevens vom Empfang. Was kann ich für Sie tun?« »Miss Jean Merritt, bitte!« »Tut mir leid, Sir. Miss Merritt ist ausgezogen.« »Ausgezogen? Wohin denn?« »Bedaure, das hat sie uns nicht mitgeteilt.« Liddell hängte wütend ein, strich sich nachdenklich über die Stirn, war dem Apparat böse. Dann fischte er ein neues Geldstück aus dem Jackett und wählte die Nummer seines Büros. Der Fernsprechauftragsdienst meldete sich. »Büro von Mr. Liddell«, sang das Fräulein vom Amt. »Hier Liddell. Irgendwelche Anrufe für mich?« »Nur einer, Mr. Liddell. Ihre Sekretärin. Sie sollen sie so bald wie möglich anrufen!« Liddell machte sich daran, das dritte Telefongespräch zu führen. Pinky meldete sich mit schlaftrunkener Stimme am anderen Ende. »Wie spät ist es denn?«, gähnte sie. »Wäre es nicht einfacher für Sie, sich einen Wecker anzuschaffen, statt mich mitten in der Nacht anrufen zu lassen?« »Sehr witzig!«, sagte das Mädchen.« Zufällig erwartete ich aber Ihren Anruf vor dem Rendezvous mit Miss Merritt. Ich wollte Ihnen sagen, dass wir einen Scheck über fünfhundert Dollar als Anzahlung von ihr bekommen haben, nachdem Sie das Büro verlassen hatten.« »Wie kam er herein?« »Bote von der Western Union. Wie war’s? Mit ihr, meine ich?« »Sense! Sie ist nicht aufgetaucht. Ich nahm an, sie hätte inzwischen telefonisch die Verabredung abgesagt oder so...« Pinky lachte ihn glatt aus. »Sie müssen ja durchgeweicht sein.« »Statt sich über mich lustig zu machen, sollten Sie mich lieber zu sich einladen, mir aus meinen nassen Sachen helfen und einen trockenen Martini offerieren!« »Das ließe sich machen. Vorausgesetzt, dass Sie sich anständig aufführen und leise sind und nicht die Nachbarn stören. Was würden die denken, wenn sie einen seltsamen Mann...




