Kane | DAS MÄDCHEN LIZ | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 262 Seiten

Kane DAS MÄDCHEN LIZ

Der Krimi-Klassiker!
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7554-0625-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Krimi-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 262 Seiten

ISBN: 978-3-7554-0625-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
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Das Mädchen Liz ist jung, schön und kennt keine Hemmungen. Ihr Haar ist schwarz und wild. Ihre Augen glühen. Und ihre Gedanken gehen die verrücktesten Wege. Sie fragt nicht nach Moral, nach Gesetz. Worte und Begriffe wie Anstand, Haltung und Ordnung sind ihr fremd. Sie hasst die Welt, sie hasst die Menschen, vor allem hasst sie die Männer. Aber sie weiß, dass sie die Männer braucht, um nach oben zu kommen. Und sie will nach ganz oben. Rücksichtslos und ohne Skrupel geht sie ihren Weg. Ein schwarzer Engel aus teuflischen Gefilden, der zu spät erkennt, dass der Weg, den er geht, der Weg in die Hölle ist...   Der Roman Das Mädchen Liz von Frank Kane erschien erstmals im Jahr 1967; eine deutsche Erstveröffentlichung folgte 1968.  Der Apex-Verlag veröffentlicht   Das Mädchen Liz   in seiner Reihe APEX NOIR, in welcher Klassiker des Hard-boiled- und Noir-Krimis als durchgesehene Neuausgaben wiederveröffentlicht werden.

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  ZWEITER TEIL
      Zehntes Kapitel     Ein Wagen holte Liz und Vic Doss am hinteren Eingang des Blauen Engels ab. Liz bemerkte, wie sich der Charakter der Gegend, durch die sie fuhren, von großen reichen Häusern zu kleinen vorstädtischen Hausreihen hin veränderte. Sie fuhren an den verhängten Scheiben geschlossener Läden, unbeleuchteten Wohnhäusern und dazwischen wieder unbewohnten Waldgebieten vorbei. Liz lehnte sich in die Polster zurück und ließ sich von dem kühlen Wind die Müdigkeit aus den Augen blasen. In der anderen Ecke des Rücksitzes saß der große Mann und rauchte schweigend. »Erfahre ich eigentlich noch, in was ich mich eingelassen habe, Vic?«, fragte Liz endlich. »Wohin fahren wir denn jetzt?« »Wir wollen jetzt eine Wohnung suchen, wo Sie leben können. Und dann werden wir Ihnen ein paar anständige Kleider besorgen. Und dann werden wir die Sache mit den Papieren regeln, damit Sie eine neue Identität gewinnen.« Er ließ seine Blicke zur Decke des Wagens schweifen. »Liz Allen, was? Da sollte uns doch, weiß Gott, etwas Besseres einfallen.« Liz streckte die Hand aus und griff nach der Zigarette, die er zwischen den Fingern hielt. Sie nahm einen tiefen Zug und stieß den Rauch wie eine Wolke aus. »Nicht, dass ich meinen Namen besonders schön finde. Aber warum wollen Sie ihn ändern?« Doss zuckte mit den Schultern. »Erstens einmal könnte sich jemand an ihn erinnern. Sie haben doch gehört, was Barker sagte. Irgendjemand in dem Lokal, in dem Sie gearbeitet haben, hat Sie verpfiffen.« »Mickey«, grollte das Mädchen. Der große Mann grinste. »Was war denn los? Ist er mit seinem Antrag nicht angekommen?« »Mickey war eine Frau. Sie hat versucht, mich in einen Puff zu verschaukeln.« Sie nahm noch einen Zug aus der Zigarette. »Aber das ist nichts für mich.« Doss nickte. »Das ist etwas für die Dummerchen. Kein Mädchen, das so aussieht wie Sie und ein bisschen Hirn hat, würde das als einen Fortschritt ansehen.« »Nein? Was für ’ne Art Fortschritt haben Sie denn für mich parat?« »Sie sind aber neugierig. Was?« Der große Mann beugte den Kopf und roch an der Nelke in seinem Knopfloch. »Wissen Sie, wir haben es nicht nötig, uns nach Mädchen hier in der Gegend umzusehen. Wir haben mehr Angebote von freiwilligen Talenten, als wir unterbringen können.« »Aber Sie haben mich extra kommen lassen?« Doss nickte. »Die Arbeit, die wir erledigt haben wollen, verlangt nach einem Mädchen mit guten Nerven und Verstand. Die Mädchen aus der Gegend haben weder das eine noch das andere. Alle ihre Fähigkeiten liegen unterhalb ihres Halses.« »Sie haben mir noch immer nichts von der Arbeit erzählt.« »Es gibt einen Mann in der Stadt, der uns Schwierigkeiten macht. Wir möchten, dass das abgestellt wird, damit wir keinen Ärger mehr haben.« Liz zog ihre Stirne in Falten und spitzte den Mund. »Sie brauchen jemanden, der ihn umlegt?« »So etwas Ähnliches. Aber kein Mord. Es würde zu viele Unannehmlichkeiten nach sich ziehen, wenn ihm etwas zustoßen würde.« Das gelangweilte Lächeln lag starr auf seinen Lippen. »Wir wollen in der Lage sein, klipp und klar mit ihm zu reden. Zurzeit sitzt er auf einem ziemlich hohen Ross und spielt sich uns gegenüber sehr auf. Es wird unsrer Meinung nach Zeit, dass er in seine Grenzen zurückgewiesen wird.« »Und das erwarten Sie von mir?«, fragte Liz zweifelnd. »Sie können es, Baby«, versicherte ihr der große Mann. »Der Bursche hat eine Vorliebe für die Flasche. Aber er ist übervorsichtig, mit wem er zusammen ist, wenn er sich das Zeug einverleibt. Uns ist es noch nicht gelungen, dann an ihn ranzukommen.« »Wer ist dieser Kerl denn?« »Der Staatsanwalt. Sein Name ist Ben Lewis. Eins von den Großmäulern, das immerzu Reformen im Kopf hat. Wurde nur gewählt, weil er versprochen hat, alle dunkle Geschäftemacherei im Land auszurotten.« »Das klingt aber nicht so, als ob’s mit ihm einfach wäre.« Doss lachte in sich hinein. »Sie kennen Ben Lewis nicht. Er will mit allen Spielhöllen und allen Mädchen im ganzen Land aufräumen, klar. Aber nur mit solchen, die Lew Barker gehören.« Er spitzte die Lippen. »Er hat es uns verdammt schwer gemacht, und wir müssen jetzt irgendwie an ihn rankommen, bevor die Big Boys im Norden finden, dass wir der Sache nicht selber Herr werden.« »Das wäre schlecht, was?« »Das wäre tödlich.« Doss starrte aus dem Fenster. »Die Big Boys lassen keine Entschuldigung gelten. Barker hat das Recht erhalten, den Laden hier unten zu betreiben, aber sie erwarten ihren Anteil jede Woche. Und mit Lewis, der uns nur Schwierigkeiten macht, sind wir bald im Rückstand.« Er sah wieder auf das Mädchen. »Lewis muss parieren.« Liz nickte. »Okay. Aber was springt für mich dabei heraus, wenn ich die Sache hinkriege?« »Für Sie wird gut gesorgt werden«, versprach Doss. »Wenn Sie Lewis von seinem hohen Pferd runterholen, dann können Sie sich hier in der Stadt leisten, was Sie wollen. Na, wie klingt das?« »Ich bin voll und ganz dabei.« Sie sah aus dem Fenster, weil das Auto inzwischen schon durch mehr und mehr besiedelte Gebiete fuhr. »Kommen wir jetzt in die Stadt?« Der große Mann nickte. »Wir werden in ein paar Minuten an unserem Ziel angelangt sein. Dort können Sie Unterkommen, bis wir anständige Sachen für Sie gekauft und eine Wohnung gefunden haben, in der Sie leben werden.« Er grinste breit. »Sie brauchen vor dem Haus keine Angst zu haben. Niemand wird Sie dort belästigen.« »Wann werde ich wieder etwas von Ihnen hören?« »Das wird wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein, Liz. Wir werden durch eine unserer Angestellten mit Ihnen in Verbindung bleiben. Es ist ein Mädchen namens Les, das das Lokal führt, wohin wir jetzt fahren. Wenn es soweit ist, dann wird sie Ihnen Anweisungen geben. Tun Sie, was sie Ihnen sagt. Sie wird für Ihre Kleider sorgen und Sie in einem Hotel unterbringen.« »Wenn Sie das sagen, dann ist es in Ordnung. Wie komme ich zu Geld, damit ich das Hotel und mein Essen bezahlen kann?« Der große Mann griff in die Tasche und zog ein dünnes Bündel von Geldscheinen heraus. Er reichte es dem Mädchen. »Das ist genug für das, was Sie brauchen werden, und nicht genug, um damit durchzubrennen. Wenn Sie die Sache erledigen, Baby, dann können Sie von den grünen Scheinen so viele haben, dass Sie Ihr Zimmer damit tapezieren können. Aber...?« Er machte eine bedeutungsvolle Pause. »Aber was?« »Wie Barker schon gesagt hat – falls Sie zu helle sind, dann werden zu viel rote Flecken auf den grünen Scheinen sein, als dass Sie sie ihrer noch erfreuen könnten.« »Machen Sie sich meinetwegen keine Sorgen. Sorgen Sie dafür, dass ich irgendwie in die Nähe Ihres Freundes Lewis gelange, und dann werde ich mich seiner schon annehmen.« Sie verfiel in Schweigen, lehnte sich zurück und starrte aus dem Fenster. Nach kurzer Zeit fuhr der Wagen vor einem alten Steinhaus an den Bandstein. Über der Tür hing ein gemaltes Schild auf dem Les Wells’ Cellar stand. Zur Tür führten von der Straße drei Stufen hinunter. Eine stark geschminkte Blondine herrschte über die Mäntel, die an der Wand hingen. Es bedurfte eines aufmerksamen zweiten Blickes, um zu entdecken, dass das Garderobenmädchen ein Mann war. Vic Doss ging voraus in einen riesigen Raum, der teils Bar, teils Tanzfläche war. Das Licht war gedämpft, orangefarben, und warf durch den ganzen Raum tiefe Schatten. Doss ging zur Theke hinüber und winkte dem Barkeeper. Der war ein schwerer, fleischiger Mann. Seine Augen verschwanden fast hinter verfärbten Tränensäcken, seine Lippen waren dick und feucht. Aber wenigstens trug er eine Hose. »Wo ist Les?«, wollte Doss wissen. »Sie unterhält einen Freund.« Die Augen liefen weiter zu Liz. Der Barkeeper machte keine Anstalten, sein Missfallen zu verbergen. »Das ist aber ’ne Schrulle, was?« »Sie kommt nicht her, um sich um die Gäste zu kümmern. Sorg dafür, dass keiner sie belästigt.« Der Barkeeper entblößte gelbgraue Zähne bei dem Versuch, so etwas wie ein Lächeln zu zeigen, »Mach sie nur nicht eingebildet. Nach der würd’ sich keiner ’n zweites Mal umdrehen.« Er stieß ein bisschen mit der Zunge an. »Ich werd’ Les sagen, dass ihr hier seid.« »Was ist eine Schrulle?«, wollte Liz wissen, sowie der Barkeeper in Richtung auf das Telefon abgerauscht war. »Das ist ein Mädchen, das nicht anormal ist. So was sehen sie hier drin nicht oft.« Der Barkeeper kam wieder zu ihnen zurückgewatschelt. »Les sagt, sie hätte jetzt noch zu tun. Aber sie kommt in einer Minute herunter.« Er griff unter die Bar und holte eine Flasche und zwei Gläser herauf. »Ein Glas auf Kosten des Hauses. Was kann ich sonst noch für euch tun?« Doss grinste ihn an. »Das scheint nicht gerade der schönste Tag in deinem Leben zu sein, was? Lass die Flasche hier stehen. Wir rufen, wenn wir etwas brauchen.« Liz war bei ihrem zweiten Drink und der vierten Zigarette angekommen, als ein schlanker junger Mann mit dichtem, gewelltem schwarzem Haar durch den Raum auf sie zukam und Vic Doss am Ellenbogen berührte. Er trug einen taubenblauen Anzug und eine flammendrote Krawatte, seine Augen waren groß und klar, seine Lippen voll und sinnlich. »Tut mir leid, dass ich dich hab’ warten lassen, Vic.« Seine Stimme war leise und vertraulich – es klang fast, als ob er flüsterte. Er richtete seine großen Augen eindringlich auf Liz. »Ist das deine Freundin?« Seine Augen wanderten von...



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