Kane | DIE SCHMUTZIGE KAMERA | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 342 Seiten

Kane DIE SCHMUTZIGE KAMERA

Ein Roman und fünf Erzählungen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-7824-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Roman und fünf Erzählungen

E-Book, Deutsch, 342 Seiten

ISBN: 978-3-7487-7824-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wie New York und Chicago hat auch San Francisco seine Tag- und seine Nachtmenschen. Die Tagmenschen finden ihr Vergnügen daran, auf den Trittbrettern der Kabelwagen zu fahren, die die fast senkrechten Straßen bis zur Höhe in der Nähe des Mark erklettern und dann wie verrückt das Gefälle zur Fisherman's Wharf hinuntersausen. Für sie ist es ein Ritual, aus dem Lunch eine Schau zu machen, und eine Tradition, um das Bezahlen der Rechnung zu würfeln. Wenn sie einen Abend in der Stadt verbringen, findet das immer am frühen Abend statt. Die Tagmenschen stehen gern früh auf, um den Nebel, der im Morgengrauen von der Bucht hereinrollt, zu begrüßen. Auch die Nachtmenschen lieben den Nebel. Nur ist ihr Nebel von Menschen geschaffen und wirbelt lässig unter der Decke der gepolsterten Lokale, in denen sie sich versammeln. Sie warten, bis die Tagmenschen in ihre Heime in Atherton und anderen Vororten zurückgekehrt sind... Der Band Die schmutzige Kamera von Frank Kane (* 19. Juli 1912 in Brooklyn, USA; ? 29. November 1968 in Manhasset, New York) enthält dem Roman Mord aus Eifersucht? (1964) sowie die Erzählungen Hollywood Hyänen, Letzter Auftritt, Schmutzige Kamera, Der Schnitt und Scharfer Pfeffer aus dem Jahr 1961. Der Apex-Verlag veröffentlicht Die schmutzige Kamera in seiner Reihe APEX NOIR, in welcher Klassiker des Hard-boiled- und Noir-Krimis als durchgesehene Neuausgaben wiederveröffentlicht werden.

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»Ich bin in San Francisco, Jerry. Ich kam heute Morgen an.« »Was machen Sie in San Francisco?«, fragte der Agent verdutzt. »Lee Carr hat mir ein SOS geschickt.« Jerry Means schüttelte den Kopf. »Eine harte Sache. Sie hat mich auf mehr als eine Art erschüttert.« »Das wette ich. Und Marty Lewis wird auch nie darüber wegkommen. Kann ich Sie heute Abend zum Dinner einladen? Ich möchte einige Dinge von Ihnen hören. Sie waren der ganzen Sache näher als irgendwer.« Der Agent bildete auf den Stapel Post auf dem Schreibtisch und seufzte. »Es wird aber ziemlich spät werden. Ich stecke bis an die Ohren darin, in all den Lokalen abzusagen, für die wir Marty gebucht hatten. Sie wissen wohl, dass er schließlich der Tournee zugestimmt hat?« »Schlimm für Sie«, sagte Liddell teilnehmend. »Aber essen müssen Sie trotzdem.« Jerry Means überlegte. »Ich denke doch. Wie wäre es mit sieben Uhr?« »Wo?« »Kennen Sie den Blue Fox?« »Ich glaube nicht, aber ich werde ihn finden. Wo ist er?« »An der Merchant-Street. Vom Justizpalast die Gasse entlang und dann der Leichenhalle gegenüber. So können wir das Essen von der Steuer absetzen – Klientenbesuch: Sie im Justizpalast und ich in der Leichenhalle.« »Auf Wiedersehen«, sagte Liddell und hängte ein. Jerry Means tut das gleiche. Seiner Sekretärin sagte er: »Ruf Piero im Blue Fox an. Bitte ihn, für sieben Uhr einen Tisch zu reservieren. Einen, an dem wir uns unterhalten können.«   Der Agent saß am Tisch, als Liddell um sieben den Blue Fox betrat. Er winkte Liddell zu, als sich dieser suchend umsah. »Ich habe wirklich nicht die Freude erwartet, Sie so bald wiederzusehen«, sagte Means, als sich Liddell ihm gegenübersetzte. »Selbst wenn Sie einen trockenen Brunnen bohren.« Als ein Kellner neben ihm auftauchte, bestellte Liddell Whiskey auf Eis. »Kümmern Sie sich nicht um die Speisekarte«, sagte Means. »Mario bestellt für uns.« Als der Kellner zur Bar gegangen war, lächelte der Agent Liddell zu. »Es ist wohl ein Zeichen des Alters, wenn man des Essens wegen solcher Geschichten macht wie ich, aber warten Sie, bis Sie gekostet haben.« Liddell lehnte sich zurück, als der Kellner mit einem Glas und einer kleinen Wasserkaraffe zurückkam. Er schob den Whiskey vor Liddell und hielt die Karaffe fragend hoch. »Es hat keinen Sinn, ihn zu ertränken.« Liddell schüttelte den Kopf. Als sich der Kellner zurückgezogen hatte, roch Liddell an dem Whiskey und kostete ihn. Er schmeckte so gut, wie er roch. »Sie glauben also, dass ich einen trockenen Brunnen bohre, Jerry?« Der Agent zuckte die Schultern. »In den letzten zwei Wochen kochte es zwischen den beiden, Johnny. Sie wurde wirklich wild, als er für die Tournee unterschrieb. Es wurde so schlimm und sie setzte ihm so zu, dass er nicht einmal mehr ihre Anrufe entgegennahm.« »Das habe ich gehört.« Means zog eine Schachtel Zigarillos aus der Tasche und bot Liddell an. Liddell schüttelte den Kopf. »Ich rauche eine von meinen.« Er nahm eine Zigarette. Means gab ihm und sich Feuer. »Die Prügel haben ihn hinsichtlich der Tournee umgestimmt?«, fragte Liddell. »Sie wissen also davon? Sagen wir, es hat ihn ziemlich erschüttert. Die Jungs hatten eine Nachricht für ihn, und er las sie laut und deutlich. Er entschied sich dafür, sich Geld zu verschaffen und sich freizukaufen.« »Wissen Sie, wie tief er drin steckte?« »Sechstausend. Zwei liehen sie ihm, vier waren Zinsen.« Liddell pfiff lautlos. »Es könnten also die Wucherer gewesen sein, die ihn umbrachten. Vielleicht hat er nach den Prügeln nicht schnell genug reagiert, und sie schickten neue Kassierer...« Der Agent rollte das Zigarillo zwischen Daumen und Zeigefinger in den Lippen und schüttelte den Kopf. »Eine seiner Bedingungen war, dass ich ihm die sechstausend leihe, ehe er für die Tournee unterschrieb.« Liddell runzelte die Stirn. »Sie haben sie ihm geliehen?« Means nickte. »Die ganzen sechstausend. Die Wucherer hatten keinen Grund, ihn umzulegen. Er war mit ihnen quitt.« Er studierte Liddells Gesicht. »Nach allem, was ich gelesen habe, muss es Lee gewesen sein. In der Nacht, in der sie ihn umbrachte, war es nicht das erste Mal, dass sie sich den Zugang zu ihm erzwang. Sie erschien im Coq d'Or und fing lauten Streit mit ihm an. Sie beschuldigte ihn, sie wegen der Sängerin dort sitzengelassen zu haben.« »Welche Sängerin?« »Ein Mädchen namens Kathy Krews. Sie ist Timmy Costanzas Privatbesitz; er lässt sie ihren Unterhalt verdienen, indem sie in seinem Lokal zirpt.« Er schüttelte den Kopf. »Ich – nun ich würde sie in einen Käfig sperren und zu meinem Privatvergnügen behalten. Sie ist erste Klasse mit den passenden Zutaten.« »Hatte Marty etwas mit ihr?« »Nicht, wenn er einen Funken Verstand hatte. Timmy ist ein Zwerg mit dem Temperament eines Riesen. Er hat auch den nötigen Schläger für das Temperament – einen Schläger namens Sammy!« »Dann wusste Lee wohl, wovon sie sprach? Angenommen, Marty hat mit dem Mädchen hinter dem Rücken ihres Freundes gespielt.« Der Agent nahm seinen Drink und schwenkte den Whiskey im Glas. »Dann wäre Marty ein sehr törichter Junge gewesen.« »Hätte es ihn zu einem sehr toten Jungen gemacht?« »Ich weiß nicht. Marty wusste es auch nicht, und ich bezweifle, ob er es riskiert hätte, das herauszufinden.« Liddell zwinkerte, als ihm ein Rauchfaden ins Auge stieg. »Nach allem, was ich erfahren konnte, war Diskretion nicht gerade seine größte Stärke.« »Was meinen Sie damit?« »Man könnte denken, dass nur ein Mann, der ein Loch im Kopf mit sich herumtragen will, seinen eigenen Lieferanten verpfeift. Nicht wahr?« Der Agent sah ihn an und nickte. »Marty hat es getan.« »Woher haben Sie diese verrückte Idee?« »Aus erster Hand. Er hatte die Tasche voll Wunschpillen, als er in der Nacht verprügelt wurde. Als sie ihn ins Krankenhaus brachten, fand ein Pfleger das Zeug und verständigte die Rauschgiftabteilung. Sie hat ihn eingeschüchtert und ihn seinen Lieferanten verpfeifen lassen.« »Sie glauben, der Lieferant hat in der Mordnacht jemanden zur Bezahlung hinaufgeschickt?« »Das ist eine Möglichkeit. Ich habe auch an die Wucherer gedacht, aber Sie sagen, er habe sie bezahlt.« »Wie ich Ihnen gesagt habe, ich habe ihm das Geld geliehen.« Liddell nickte. »Okay, streichen wir sie. Aber jetzt zu dem Mann, für den er gearbeitet hat – der fängt an, mich zu interessieren.« Means nahm das Zigarillo aus den Lippen und streifte den dünnen Aschenrand ab. »Jetzt gehen Sie zu weit, Johnny. Sehen Sie, ich tadle Sie nicht, dass Sie versuchen, die Sache einem anderen anzuhängen. Aber Sie haben selber gesagt, dass ich der Sache ziemlich nahe war. Lee hatte reichlich Grund, wild zu werden. Marty ließ sie sitzen, da er auf Tournee ging. Lee ist kein kleines Mädchen, und als sie es sich in den Kopf setzte, dass er sich ein neues Mädchen, die Sängerin im Club, genommen hat, machte ihr das schwer zu schaffen. Ob er nun ein neues Mädel hatte oder nicht – es fraß jedenfalls an ihr. In der Nacht ging sie also in sein Hotel, um eine Entscheidung zu erzwingen. Sie verlor den Kopf. Der Brieföffner war zur Hand...« Er schüttelte den Kopf. »So etwas kommt vor. Glauben Sie mir, um meinetwillen wollte ich, es wäre nicht passiert.« »Lewis dürfte darüber auch nicht zu glücklich sein.« »Eine wirklich erbärmliche Sache für alle: Marty, Lee Carr und mich. Wir verlieren alle. Niemand gewinnt.« »Einer gewinnt doch. Der, der das Motiv, die Mittel und die Möglichkeit hatte und der noch frei herumläuft. Was er auch gegen Marty hatte oder Marty gegen ihn – die Rechnung ging auf.« Er brach ab, als Mario mit einem wohlwollenden Lächeln an den Tisch kam. »Ich hoffe, Ihrem Gast wird unser Menü gefallen, Mister Means.« »Was haben Sie denn?«, drängte der Mann mit der Goldbrille. »Zum Beginn vielleicht Kalbfleischtonne...« Er wandte sich an Liddell. »Eine Spezialität. Kalbsfilet in Thunfischsauce.« Jerry Means nickte. »Und dann?« »Rex sole oder vielleicht Halsstück vom Lamm?« »Halsstück vom Lamm«, sagte Means. Nachdem der Besitzer beifällig genickt hatte und zur Küche ging, drückte Means sein Zigarillo aus. »Wollen wir jetzt ein Moratorium für Verbrechen erklären und uns auf das Dinner konzentrieren?«, schlug er vor. »Sie glauben, dass Lee unschuldig ist. Ich bin sicher, dass sie schuldig ist. Sie können mich nicht überzeugen, und ich möchte das nicht bei Ihnen versuchen zu tun.« »Einverstanden.«       Vierzehntes Kapitel     Es war fast zehn Uhr, als Johnny Liddell die Diele seines Hotels betrat. Der Nachtportier hatte seinen Dienst bereits angetreten. Mürrisch informierte er Liddell, dass während seiner Abwesenheit keine Anrufe oder Benachrichtigungen gekommen seien. Liddell ging zum Lift, als er ein leises Zupfen an seinem Ärmel fühlte. Cornelius MacMahon, der Hoteldetektiv, stand neben ihm. »Hoffentlich sind Sie nicht auf mich böse«, sagte er leise. »Natürlich nicht«, sagte Liddell. »Ich muss mich entschuldigen, aber man lässt mich ja alles auf die harte Art tun. Darum musste ich ja letzte Nacht das Theater aufführen, um Ihren Freund hinter dem Pult aufzurütteln und ihn zum Überlegen zu bringen, ehe er sich den Mund verbrennt.« »Er ist nicht der einzige, den Sie aufgerüttelt haben. Ich blieb eine Weile bei...



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