Kane | DIE TIZIANROTE FALLE | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 218 Seiten

Kane DIE TIZIANROTE FALLE

Acht ausgwählte Crime-Storys!
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-7386-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Acht ausgwählte Crime-Storys!

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

ISBN: 978-3-7487-7386-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der berühmte Privatdetektiv Johnny Liddell in acht Crime-Storys um eine heiße Rothaarige und kalte Leichen... Lydia Johnson: Ihre Kurven waren jedem Amerikaner so bekannt wie der Name des Präsidenten. Und ihre Schwierigkeiten waren nicht geringer... Gita Ravell: Bei ihrem Anblick vergaßen Männer ihre Frauen und ihre Millionen. Nur einer nicht... Chilly Conover: Ihre Stimme schien auf den Wirbelsäulen der männlichen Zuhörer Xylophon zu spielen. Doch sie konnte nicht nur singen... Kitty Mallon: Sie spielte mit den Männern Katz und Maus. Aber was nützten schon ihre Reize in der Todeszelle... Sally Horton: In ihrem süßen Köpfchen drehte sich alles um Reichtum und Sex. Ihr Pech, daß sie nie genug von beidem bekam... Sandy Roberts: Sie hatte alles, was ein Glamour-Girl braucht, um Karriere zu machen. Wäre sie nur nicht zu der Rauschgiftorgie gegangen... Elsie Grant: Sie kam aus den besten Kreisen und hatte in schlechten Kreisen Schulden gemacht. Jetzt brauchte sie einen Mann, der ihr aus der tödlichen Klemme half... Flora Winters: Ihr Herz war so kalt wie ihr Höschen heiß; sie konnte so gut schießen wie küssen. Aber sie hatte sich das falsche Opfer ausgesucht... Der Story-Sammlung Die tizianrote Falle von Frank Kane erschien erstmals im Jahr 1961; eine deutsche Erstveröffentlichung folgte 1971. Der Apex-Verlag veröffentlicht Die tizianrote Falle in seiner Reihe APEX NOIR, in welcher Klassiker des Hard-boiled- und Noir-Krimis als durchgesehene Neuausgaben wiederveröffentlicht werden.

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  2. Gita Ravell
    Die Blondine stand am Fenster und starrte hinunter auf das Silberband des East River. Ab und zu drang das schwache Tuten eines Schleppers oder das metallische Gerassel irgendeines Kahns bis zum vierzehnten Stockwerk herauf. Sie hatte sich in eine hautenge Hülle geworfen, die die Glätte ihrer Schenkel und ihre wohlgerundeten Hüften ahnen ließ und weiter oben ihre klassischen Formen vollendet zur Geltung brachte. Der Mann lümmelte in einem Lehnsessel. In der Hand hielt er ein halbgefülltes Glas, aus einem Mundwinkel hing ihm eine Zigarette. Wohlgefällig sah er, wie knapp der Rock ihre Hüften umhüllte. Als sie ihm ihre Vorderfront zukehrte, war die Wirkung ebenso effektvoll. Sie schien einen Entschluss gefasst zu haben. »Gut, Mr. Davis...« Der Mann schwenkte den Inhalt des Glases hin und her. »Tim«, verbesserte er sie. »Mr. Davis klingt so steif.« Die schräggeschnittenen grünen Augen wurden dunkel vor Zorn. Ihre vollen Lippen verengten sich zu einem schmalen Strich. »Bleiben wir lieber streng sachlich.« Sie ging an die Bar an der Wand, nahm ein Glas, schenkte sich ein und gab Eis dazu. »Sie sagen, mein Mann hätte Sie engagiert, damit Sie ihm Beweise für eine Scheidung beschaffen?« Sie sah ihn an. »Stimmt das?« Tim Davis nahm die Zigarette aus dem Mund und bedachte sie mit einem hämischen Grinsen. »Baby, Sie haben auf Geheimhaltung nicht viel Wert gelegt.« Er beugte sich vor und drückte die Zigarette im Aschenbecher aus. »Sie haben eine meilenbreite Spur hinterlassen.« Er klopfte auf seine Brusttasche. »Da drin habe ich genügend Material, mit dem er vor jedem Gericht die Scheidung durchsetzen kann.« Er fuhr mit der Zunge über seine trockenen Lippen. »Erstklassiges Material.« Die Blondine nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Glas. »Wieviel?« Der Mann im Sessel zuckte die Achseln. »Angenommen, Sie kaufen das Material, Lorna...« »Mrs. Kyler«, korrigierte die Frau kühl. Davis stockte, zuckte wieder die Achseln. »Wie man so schön sagt, Namen sind Schall und Rauch. Heute Mrs. Kyler...« - er klopfte andeutungsweise auf seine Brusttasche - »...morgen schon nicht mehr. Verstehen Sie?« Die Blondine leerte ihr Glas und ging wieder ans Fenster. Ihre vollen Hüften zeichneten sich anmutig unter dem dünnen Stoff des Rockes ab. Sie wandte ihm den Rücken zu. »Wenn Sie also Ihre Informationen nicht verkaufen wollen, was wollen Sie dann eigentlich?« Der Privatdetektiv ließ die Eiswürfel in seinem Glas aneinander klirren. »Wie ich schon gesagt habe, hat es für Sie keinen Sinn, das Beweismaterial zu kaufen. Es gibt noch viel mehr davon. Sie kaufen es mir ab, und hundert andere Schnüffler kommen, die ihrem Mann verkaufen, was er will.« »Sie haben sich also die Mühe gemacht, herzukommen und mir zu sagen, wie hoffnungslos meine Lage ist. Nett von Ihnen.« Lorna Kyler drehte sich abrupt um. »Wenn das alles ist...« »Wer sagt denn, dass die Lage hoffnungslos ist?« Der Mann kratzte sich am Kopf. Sein Haarwuchs war schon sehr spärlich. »Ich dachte, wir zwei sollten uns mal unterhalten. Ich habe da ein paar Ideen.« Zwischen ihren Brauen erschien eine tiefe Falte. »Sie sagten doch eben...« »Ich sagte, es hat keinen Sinn, das Beweismaterial zurückzukaufen.« Er starrte in sein halbgefülltes Glas. »Solange er am Leben ist, stecken Sie in Schwierigkeiten.« Sein Blick wanderte vom Glas zum Gesicht der Frau. »In großen Schwierigkeiten.« Die blonde Frau ließ unmerklich die Schultern hängen. »Sie haben also einen Vorschlag?« »Es passieren doch Unfälle.« Lorna starrte den Mann im Lehnsessel an und setzte sich dann ihm gegenüber auf die Couch. »Sie nehmen sich allerhand heraus. Einfach so herzukommen und so daherzureden. Angenommen, ich gehe zur Polizei? Oder sogar zu meinem Mann?« Der Mann lächelte und schüttelte den Kopf. »Da wären Sie verrückt. Erstens würde man Ihnen nicht glauben. Ich besitze eine Lizenz als Privatdetektiv und arbeite für ihren Mann. Selbstverständlich würden Sie versuchen, mich in Misskredit zu bringen. Und wenn man sieht, was ich über Sie ausgegraben habe«, er lächelte wieder, und schüttelte den Kopf, »Sie hätten nicht die kleinste Chance.« Lorna biss sich auf die Unterlippe. Sie überlegte. Die grünen Augen studierten eingehend das Gesicht ihres Gegenübers. Sie war sich klar darüber, dass sie ein großes Risiko einging, falls der Kerl von ihrem Mann hergeschickt worden war. Andererseits hatte ihr Mann es nicht nötig, ihr eine solche Falle zu stellen. Der Detektiv hatte ganz recht - sie hatte deutliche Spuren hinterlassen, im Vertrauen darauf, Abner Kyler auf ewige Zeiten um den Finger wickeln zu können. »Warum wollen Sie das tun?«, fragte sie schließlich. Tim Davis nahm einen ausgiebigen Schluck aus seinem Glas. »Geld.« Er lehnte sich zurück und strich sich mit der Hand übers Kinn. »So oder so. Ich verliere auf keinen Fall. Wenn Sie nicht einsteigen, bringe ich die Ergebnisse meiner Nachforschungen Ihrem Mann. Wenn Sie sie kaufen, verdreifache ich damit mein Honorar.« »Ich verstehe.« Die Blondine stand auf und trat wieder ans Fenster. »Und wie hoch ist das Honorar?« Der Detektiv überlegte. »Sie bekommen das ganze Paket für hunderttausend.« Die Frau am Fenster fuhr herum. »Sie sind wohl wahnsinnig. Hunderttausend! Warum...« »Es bleibt immer noch genug übrig. Viel mehr jedenfalls, als wenn ich meine Weisheiten ausbreite.« Es gelang ihm, betrübt auszusehen. »Auf diese Art sind wir beide abgemeldet.« Lorna wollte sich auf eine Debatte einlassen, ließ es dann aber sein. »Ich wäre die erste, die man verdächtigt.« Sie schüttelte den Kopf. »Es geht nicht.« »Warum überlassen Sie das nicht mir?«, meinte Davis. »Sie sind irgendwo außerhalb der Stadt, wenn es passiert. Es gibt keine Möglichkeit, Sie damit in Zusammenhang zu bringen.« Er trank sein Glas leer. »Ich bin schließlich kein Amateur.« Die Blonde konnte ein leichtes Schaudern nicht unterdrücken. »Und wie würde es vor sich gehen?« Tim Davis beugte sich zur Seite und stellte das leere Glas am Rand des Kaffeetischchens ab. »Das überlassen Sie ebenfalls mir. Je weniger Sie davon wissen, desto weniger können Sie sagen, wenn man Sie ausquetscht.« Er warf einen Blick auf seine Uhr. »Können Sie für zirka eine Woche irgendwohin verschwinden?« Die Blonde nickte. »Ich habe Freunde auf dem Land.« Ihre Zungenspitze glitt über ihre Lippen. »Wird es so lang dauern? Ich meine...« Der Mann stemmte sich aus dem Sessel hoch. »Machen Sie sich über den Zeitpunkt keine Gedanken. Sie werden umso überraschter sein, wenn man Sie holt.« Er machte den sinnlosen Versuch, die Falten seiner Hose zu glätten. »Ich melde mich in zirka zehn Tagen wieder.« Er ging zur Tür und wandte sich dort noch einmal um. »Sollten Sie die Absicht haben, mich wegen des Preises reinzulegen, lassen Sie's lieber bleiben. Im Grab nützt Ihnen das Geld nichts mehr.« Er verzog die Lippen zu einem Lächeln, bei dem seine Augen nicht mitmachten, ging hinaus und schloss hinter sich die Tür. Lorna Kyler stand einen Augenblick regungslos da und starrte die geschlossene Tür an. Dann lief sie hin, fasste nach der Klinke, zögerte und ließ ihre Hand wieder sinken. Sie drehte sich um, ging an die Bar und goss sich einen Drink ein. In der Halle wartete Tim Davis zwei Minuten. Er lächelte dann befriedigt. Von allem Anfang, als er begonnen hatte, ihr Vorleben zu durchforschen, hatte er sie richtig eingeschätzt. Doch schreckten selbst manche dieser abgehärteten Dinger vor einem Mord zurück. Er war froh, dass Lorna Kyler nicht dazu gehörte.   Johnny Liddell öffnete die Glastür mit der Aufschrift: Seaway Insurance Co. Er betrat den Vorraum und wandte sich an das Mädchen am Schreibtisch. »Ich möchte zu Lee Devon.« Das Mädchen hielt mit dem Schreibmaschinengeklapper inne und sah ihn gleichgültig an. »Ihr Name bitte?« »Johnny Liddell.« »Mr. Devon erwartet Sie.« Sie stand auf und ging ihm voraus. Das Mädchen hielt ihm die Tür auf. Als er sich hinter ihr ins Büro zwängte, konnte er nicht umhin zu bemerken, wie tadellos sie gebaut war. Lee Devon erweckte den Eindruck, als hätte man ihn in den Stuhl hinter dem Schreibtisch mit aller Gewalt hineingepfercht. Er war dick und sah sanft aus. Eben wischte er sich mit einem Taschentuch über die Stirn. Seine Augen waren zwei hellblaue Murmeln, die zwischen den Speckfalten fast verschwanden. Er nickte mit wabbelnden Wangen dem Mädchen zu. »Ich nehme jetzt keine Anrufe entgegen, Janie.« Kaum hatte das Mädchen die Tür hinter sich geschlossen, wandte er sich an Liddell. »Setz dich, Johnny. Ich glaube, wir haben einen Auftrag für dich.« Liddell zog sich einen Sessel heran und ließ sich hineinfallen. Devon nahm eine Mappe zur Hand und schlug sie auf. »Hast du von Abner Kyler gelesen?« Er sah auf und blickte Liddell unter schweren Lidern an. »Millionär, betrank sich sinnlos, durchstieß mit seinem Wagen ein Brückengeländer und war tot.« Liddell langte in das Kistchen auf dem Schreibtisch und bediente sich mit einer Zigarette. »Irgendwas habe ich darüber gelesen«, meinte er. Er entzündete die Zigarette mit einem Streichholz. »Und du glaubst nicht, dass es wirklich so war. Stimmt's?« Der Dicke nahm eine Zigarre und rollte sie prüfend zwischen Daumen und Zeigefinger. Er wölbte skeptisch die Lippen. »Sagen wir, ich möchte herausbekommen, ob es sich tatsächlich so zugetragen hat.« »Gibt es Gründe, das Gegenteil anzunehmen?« Devon biss das...



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