Kaposi / Verlag | Heroes vs. Wizards | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 522 Seiten

Kaposi / Verlag Heroes vs. Wizards


2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7549-6078-3
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 522 Seiten

ISBN: 978-3-7549-6078-3
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Willkommen in einer Welt, in der sich zwei Mächte, so alt wie die Zeit selbst, seit Ewigkeiten bekämpfen. Eine niemals endende Schlacht zwischen Helden und Zauberern. Marcus French lebt mit seiner Familie in der amerikanischen Großstadt Cherryhome. Sein Leben, welches er stets im Schatten seines heldenhaften Vaters gelebt hatte, nimmt eines Abends eine schicksalshafte Wendung. Von Rache getrieben, beschließt er selbst zu dem zu werden, was er sich nie hätte träumen lassen: ein Held. Unwissentlich betritt er eine Welt, in der seit Anbeginn der Zeit Konflikte herrschen und Gefahren von allen Seiten lauern. Als Marcus und seine Familie einem hinterhältigen Angriff nur knapp mit dem Leben entkommen, beschließen er und seine beste Freundin, Truma Seymour, sich dem geheimnisvollen Bund 'Ambrosias Wächter' anzuschließen, um gegen die dunklen Mächte zu kämpfen, die Tag für Tag näher rücken und an Macht gewinnen. Egal welchen Gefahren er und seine neuen Freunde auch trotzen, das meistgefürchtetste Gefecht scheint sich in der einst so friedlichen Stadt zu bewahrheiten - eine Schlacht um das Schicksal von Cherryhome. Als das Leben eines Freundes auf dem Spiel steht, wird Marcus ungewollt zu einem Mitspieler im erbitterten Kampf zwischen den Helden und den Zauberern. Ein Krieg wird kommen... aber kann er noch verhindert werden?

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KAPITEL 2: GENTLEMAN PAIN

Ich war nie ein geduldiger Mensch. Ich glaube, als ich geboren wurde, habe ich die Gabe der Geduld wieder zurückgegeben, weil mir die Aushändigung zu lange gedauert hätte. Die Jahre gingen nur langsam ins Land und so kam mein Ziel, Razor zu töten, auch jeden Tag nur stückchenweise näher. Immer, wenn dieser ekelhafte Mann vor unserer Tür stand und Mom ihn und seine Heldenfreunde mit allen möglichen Leckereien empfing, hätte ich am liebsten unser größtes und schärfstes Küchenmesser geschnappt und ihm damit die Kehle aufgeschnitten. So wie ich ihn kannte, wäre kein Blut aus seiner Wunde herausgeströmt, sondern der blaue Dunst der dutzenden Zigaretten, die er tagtäglich qualmte.

Wie ein König thronte er über uns. Blickte auf Mom, Daisy und mich herab. Einzig Dad schien er zu akzeptieren und gewährte ihm sogar einen Platz an der Sonne. Für mich war dieser Mann nicht mehr mein Vater, sondern ein Schoßhündchen in Menschengestalt. Jedes Mal, wenn Razor einen Witz schmetterte und dabei unzählige Zauberer oder Menschen, von denen ich noch nie etwas gehört hatte, beleidigte, lachte er so laut, dass wahrscheinlich jeder Brüllaffe auf der Welt vor Neid erblasst wäre. Dad und seine Heldenfreunde kicherten mit, wie eine Clique von Teenagern, die versuchten die Aufmerksamkeit des tollsten Sportlers der Schule auf sich zu lenken, indem sie das taten, was sie am besten konnten: Speichellecken!

Jeden Abend nach dem Treffen wirkte Mom weniger wie sie selbst. Es war fast so, als wäre ihr nach jeder dieser Nächte ein Stück Lebensenergie gestohlen und Razor in seine dicken Adern injiziert worden. Je mächtiger er wurde, desto schwächer wurde sie. Ich weiß noch genau, dass ich ihr eines Tages nach einem weiteren desaströsen Treffen der Allianz, beim Abwaschen sämtlicher Teller und Gläser zur Hand ging. Daisy war währenddessen im ganzen Haus unterwegs und reinigte unsere Teppiche und den Parkettboden von all den vielen Zigaretten, die Razor verteilt hatte. Ich erzählte ihr von einer witzigen Begegnung, die ich vor wenigen Tagen beobachtet hatte. Natürlich war sie, als es passiert war, nicht so witzig und ich habe die Geschichte ein wenig ausgeschmückt, um sie interessanter zu machen, aber selbst Daisy lachte über das Ereignis und sie lachte über alles, nur nicht über meine Witze. Also erzählte ich meine Mutter, wie Cheryl Graham, eine junge Frau ungefähr in meinem Alter, die mit mir gemeinsam die Junior-High besucht hatte, in der Mall mit einem Tablett vollbeladen mit Schoko-, Erdbeer- und Pistazienshakes gestürzt wäre, und sich alles über ihre teuren Designerklamotten gekippt hatte. Sie wurde zum Gelächter des gesamten Geschäftes und selbst ihre treuen Freunde, die nichts weiter waren als hinterhältige Schlangen, krümmten sich vor Lachen und konnten kaum mit dem Finger auf sie zeigen. Normalerweise hatte ich mit jedem Mitleid, der so eine öffentliche Demütigung hinnehmen musste, aber da Cheryl eine der arrogantesten und eingebildetsten Menschen war, die mir je über den Weg gelaufen sind, verzichtete ich auf meine Moralvorsätze und lachte mit. Dad und Daisy konnten Cheryl ebenso wenig leiden wie ich. Selbst Mom, die immer bemüht war, das Beste in einem Menschen zu sehen und sogar den schäbigsten Lebewesen unter dieser Sonne eine zweite Chance geben würde, sagte, dass sie die einzige Person in ganz Cherryhome wäre, die sie niemals zum Abendessen einladen würde. Ich erzählte ihr von meiner Begegnung mit Miss Graham und als ich ihr die Pointe erzählte, wartete ich auf ein schallendes Gelächter wie von Daisy, oder zumindest ein kleines Kichern. Mom hatte die Angewohnheit, immer leise zu kichern, wenn jemand einen Witz erzählte, dessen Zielscheibe eine andere Person war. Aber es geschah nichts. Es herrschte Stille. Sie strich mir über die Wange, lächelte mich kühl an und wandte sich wieder dem Geschirr zu. Ich erkannte meine eigene Mutter nicht mehr und das brach mir jedes Mal das Herz, wenn ich ihr in ihre müden Augen blickte.

Auch wenn dies die wahrhaftige Hölle war, in der wir uns befanden, war ich dennoch froh, dass wir gemeinsam in dieser Misere steckten. Denn trotz Daisys Versprechen uns früher oder später zu verlassen und zu einem mysteriösen Ort zu pilgern, war sie selbst nach all diesen Jahren immer noch bei uns. Ich hasste es, dass sie gezwungen war, gemeinsam mit mir diesen Albtraum zu durchleben, aber wenigsten waren Mom und ich nicht alleine.

Während all der Jahre habe ich allerdings nicht nur herumgesessen und mir wilde Pläne ausgemalt, wie ich Razor am besten töten konnte. Der Drang sein Leben mit meinen bloßen Händen zu beenden war zwar da, doch ich wusste, dass ich mit meinen ungeschickten Händen und tollpatschigen Kampftechniken, ihm nicht einmal seine Zigarette aus dem Mund schlagen konnte. So sehr ich es auch hasste, diesen Bodybuildern und Möchtegernsportlern hinterher zu eifern, irgendwann erkannte ich, dass ich nicht nur eine Tatwaffe brauchte, um dieses Verbrechen zu begehen. Um einen Feind wie Razor zu erledigen, brauchte ich vor allem die richtige Technik.

Ich beschloss zu trainieren. Jeden Tag. Ohne Ausnahme. Nicht etwa in Fitnesszentren, wo ich tonnenschwere Gewichte stemmen würde, bis mir der Schweiß wie die Niagarafälle von der Stirn fließen würde. Auch sah ich mich nicht in einem Jogginganzug, mit Stirnband und einem Musikplayer voll mit motivierender Musik durch die Straßen unseres Vorortes, oder durch die belebten Straßen unserer Großstadt laufen. Jeden Tag, wenn die Sonne sich langsam wieder senkte und eine milde Abendluft sich über Cherryhome legte, begab ich mich zu einem Teil der Stadt, der nur wenige Meilen von unserem Haus entfernt war. Einst standen dort aufblühende Fabriken, die Stoffe, Holz und Metalle produzierten. Aber irgendwann in den siebziger Jahren, wurde eine Produktionsstätte nach der anderen geschlossen. Die riesigen Gebäude und mächtigen Schornsteine, die einst dicken, weißen Rauch in die Luft aufsteigen ließen, der nach heller Zuckerwatte aussah, standen still. Man erhielt jede Fabrik im besten Zustand. Menschen, Helden und Zauberer, die sich aufs Gelände schlichen, wurden streng bestraft. Mom hatte mir erzählt, dass es einst sogar einen eigenen Wachdienst und eine eigene Heldenallianz gab, die das Gelände vor Eindringlingen beschützen sollten.

»Wir wussten nicht, wie lange die Fabriken geschlossen bleiben würden«, sagte sie immer. »Jeder, wirklich jede einzelne Person in dieser Stadt, hat gedacht, dass im nächsten Monat die Fabriken wieder öffnen oder dass sie an einen neuen, reicheren Besitzer verkauft werden würden. Du kannst dir vorstellen, wie schockiert jeder Einzelne von uns war, als diese einst prachtvollen Gebäude langsam baufällig wurden und sich nie wieder ein Fließband bewegte, ein Ofen erhitzte oder ein Schornstein qualmte. Und jetzt iss dein Gemüse auf, Marcus, Schätzchen. Und du Daisy, versuch es nicht, wieder unterm Tisch zu verstecken, inzwischen kenne ich all deine Gemüseverstecke.«

Doch als die Jahre ins Land gingen, sorgten sich immer weniger Leute um die einst prächtigen Fabriken und auch die Stadt selbst, schien sie vergessen zu haben. Als ob diese mächtigen Gebäude nie existiert hätten. Die Heldenallianzen und die Wachposten wurden abgezogen und die Fabriken wurden ihrem Schicksal überlassen.

Als ich ein Kind war, wimmelte es dort nur so von draufgängerischen Teenagern, die im Geheimen rauchten oder Alkohol tranken, jungen Helden, die ihre Superkräfte an den schäbigen, alten Mauern ausprobierten, bis diese einstürzten und jugendlichen Zauberern, die ihre geheimen Zirkeltreffen abhielten. Kinder und Teenager, die keinen Ärger suchten, machten einen großen Bogen um dieses Gelände. Selbst Daisy, für die nichts zu groß, zu weit oder zu gefährlich war und die wirklich jeden Blödsinn mindestens einmal im Leben ausprobierte, waren diese Fabriken eine Tabuzone. Aber als ich zwanzig wurde, wagte ich mich endlich wieder zu jenem Ort, der mir in meinen jungen Jahren so viel Angst bereitet hatte. Ich hätte mich als Kind sogar viel lieber in unseren dunklen Keller gewagt, um mir dort einen Kampf mit den riesigen Spinnenkolonien, die unter einem von Großmutters alten, miefenden Schränken lauerten, zu liefern, bevor ich mich an einem sonnigen Tag in die Nähe dieses Geländes gewagt hätte. Doch ich hatte alle Orte in der gesamten Stadt genauestens unter die Lupe genommen und keines war so sehr für meinen Plan geeignet, wie das alte Fabrikgelände. Ich war mir sicher, dass dort nie jemand nach mir suchen würde, nicht einmal Mom, Dad, Razor oder gar Daisy. Der sicherste Ort, um mich auf meinen Plan vorzubereiten.

Die Zeit hatte ihre Narben hinterlassen. Die meisten Fabriken waren eingestürzt oder zu baufälligen Ruinen mutiert. Es gab nur mehr ein Gebäude, was halbwegs in Takt war und wo ich mir sicher war, dass mich kein Stahlträger erschlagen würde, wenn ich mich mit meinem Körpergewicht gegen eine Wand werfen würde. Ich weiß bis heute nicht, was dort produziert wurde. Sämtliche Schilder waren verblasst, verrostet oder gestohlen worden. Das Einzige, was mir auffiel, war ein starker chemischer Geruch, der immer stärker wurde, je näher ich dem Keller kam. Ich wusste nicht, was sich dort unten verbarg, aber ich hatte auch nicht das Verlangen, es herauszufinden. Ich hatte ein Ziel und ich ging jeden Abend in diese Fabrik, um ihm näher zu kommen.

Ich rannte oftmals nie enden wollende Runden durch die Fabrik, sprang Wände empor und stieß mich von ihnen mit aller Kraft ab. Ich schlängelte mich durch ein Labyrinth aus Fließbändern, balancierte auf befüllten und leeren Fässern, sprang in allen möglichen Formen und Stilen von schwindelerregenden Höhen und versuchte zu landen,...



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