Kappel | Elementa | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 338 Seiten

Reihe: Elementa-Trilogie

Kappel Elementa

Erzwungenes Schicksal
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7427-8368-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erzwungenes Schicksal

E-Book, Deutsch, Band 1, 338 Seiten

Reihe: Elementa-Trilogie

ISBN: 978-3-7427-8368-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Daria ist nicht wie die anderen Elementträger. Ohne es zu wissen, ist sie Teil einer uralten Prophezeiung und als sie auf den kühlen Vincent trifft, beginnt sich Darias Schicksal zu erfüllen. Obwohl Vincent ihr schroff und unnahbar begegnet, sucht er ständig ihre Nähe. Was Daria nicht weiß: Vincents Vater hält im Hintergrund die Fäden in der Hand. Er will um jeden Preis erreichen, dass sich die Prophezeiung erfüllt, egal wie weit er dafür gehen muss. ---------------- Alle Rezensionen und einen Trailer zum Buch gibt es unter: dala.at/elementa-erzwungenes-schicksal/

Daniela Kappel wurde 1988 in Wien geboren und lebt derzeit mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in Niederösterreich. Neben ihrem Beruf als Krankenschwester nutzt sie das kreative Schreiben als Ausgleich und Ruhequell im oftmals stressigen Alltag. 'Die Liebe zu Geschichten, vor allem fantastischen Geschichten, brachte mich dazu selbst zu schreiben.'
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1


Daria saß auf einem der großen Umzugskartons, die ihr Vater zuvor in die kleine Wohnung gehievt hatte, und schaute müde und gelangweilt aus dem schmutzigen Fenster, in den von Unkraut überwucherten Garten.
Alles in den engen Räumlichkeiten roch nach Staub und abgestandener Luft.
Mühsam rappelte sie sich auf und durchschritt den kargen Raum, um das Fenster zu öffnen. Eine kühle Brise würde hoffentlich ihre trüben Gedanken wegblasen, denn wenn sie ihnen nachhing, brachten sie ihr nur Kummer und Schmerz.
So lange war es schon her, seit sie ihre Mutter verloren hatte und doch drängten sich die Bilder von ihrem Tod immer noch ungefragt auf, als wäre es erst gestern gewesen. So frisch und nahe war ihr die Erinnerung an die tobende See, schwarz wie die Nacht und den Dunst von Salz auf ihrer verschwitzten Haut.
Jene Dinge, an die sie gern zurückdachte, aus der Zeit davor, als sie noch mit ihren Eltern glücklich beisammen lebte, waren hingegen von einem Schleier umhüllt und sie musste sich anstrengen, um nur bruchstückhafte Szenen in ihr Gedächtnis zu rufen. Immerzu ging sie ihre spärlichen Erinnerungen an eine glücklichere Zeit durch, um den Schrecken aus ihrem Kopf zu vertreiben.
Lange Spaziergänge an der Küste, weit außerhalb der Stadt. Laue Abende unter der Laube in ihrem Garten, mit Tee und Keksen, umhüllt von dem würzigen Geruch nach Lavendel und Salbeiblüten. Kleine Rätselspiele mit ihrer Mutter Sonntag morgens, wenn ihr Vater noch schlief.
Doch so sehr sie sich auch bemühte, immer wieder drängten sich die Erinnerungen an die schrecklichste Nacht in ihrem Leben hervor und ließen sich nicht länger aus ihrem Geist verbannen.
Sie sah die vor Angst geweiteten Augen ihrer Mutter, als ihr Vater sich von dem kleinen Boot aus ins Wasser fallen ließ. Er wollte ihre Verfolger aufhalten, damit sie und ihre Mutter fliehen konnten.
Fliehen wovor? Das wusste Daria nicht. Ihr Vater sprach nicht über diese Nacht oder ihre Mutter im Allgemeinen und sie selbst war zu klein gewesen, um zu verstehen, was da passierte, warum ihre Eltern sie nachts aus ihrem Bett holten, um mit ihr wegzufahren.
Ihr Vater kam nicht mehr zurück auf das wackelige Boot, aber jemand anderes erklomm den glitschigen, hölzernen Rand. Der Mann war groß und die triefnasse Kleidung klebte an seinem massigen Körper, ebenso wie seine langen, dunklen Haare.
Er packte ihre Mutter am Hals und hob sie hoch, weit über den Bootsrand hinaus. Der Wellengang war stark und schwappte stets eiskaltes Wasser über sie hinweg. Ihre Mutter blickte sie an, ihr panischer Blick wurde von einem Lächeln abgelöst, das nur Daria galt, ein Abschiedsgruß.
Schlagartig war es totenstill, sie hörte die Wellen nicht mehr gegen das Boot klatschen, den Regen nicht mehr prasseln, nicht einmal mehr das Heulen des Windes und dann ließ der Mann sie los und ihr Körper wurde von der rauen See verschluckt.
Als ihr Angreifer sich zu Daria umdrehte, um auch auf sie loszugehen, wurde er von ihrem Vater überwältigt und wie ihre Mutter zuvor, ging auch er über Bord.
Ihr Vater sah Daria mit einem verzweifelten Ausdruck in den Augen an, doch verließ er sie nicht mehr.
Das Wasser peitschte beiden ins Gesicht, trotzdem konnte sie seine Tränen sehen, sowie ihre eigenen schmecken.

„Daria! Daria! Daria hörst du nicht!“ Ihr Vater stand in der Tür. Sein ernster Blick und das wütende Funkeln in seinen Augen vertrieben die letzten Bilder aus ihrem schmerzenden Kopf und brachten sie endgültig zurück ins Hier und Jetzt. „Daria, das Fenster!“ Er trommelte nervös mit seinen Fingern gegen den Türrahmen und Teile des sich ablösenden Holzlacks rieselten zu Boden.
Das Fenster klapperte wie wild gegen den Rahmen. Immer wieder wurde es auf und zu geschlagen und verursachte dabei massiven Lärm.
Augenblicklich legte sich der Wind, der es angetrieben hatte, und der Fensterflügel kam mit einem kläglichen Quietschen zum Stillstand.
Schuldbewusst blickte sie ihrem Vater ins Gesicht. Seine Züge glätteten sich allmählich wieder und der übliche liebevolle, aber leicht abwesende Ausdruck erfüllte es.
„Daria, schon wieder?“ Es war keine ernst gemeinte Frage. Er wollte sie damit nur daran erinnern, dass sie ihre Kräfte nicht so offensichtlich zur Schau stellen sollte.
Doch immer wieder, wenn sie in Gedanken versunken war, gereizt oder einfach unvorsichtig, passierte es. Sie ließ kleine Windhosen durchs Zimmer jagen oder brachte die Zeitungen und Vorhänge zum Flattern.
„Entschuldige, Papa! Ich war nur ...“
„Schon gut, Liebling!“, unterbrach er sie mit einem sanften Lächeln, das seine Augen jedoch nicht erreichte.
„Sieh nur zu, dass es dir nicht noch einmal passiert!“
Er machte drei lang gezogene Schritte durch den Raum und schloss das nun verzogene Fenster.
„Ich muss nachher noch zur Bank! Mal sehen, was dort auf mich wartet.“ Grüblerisch fuhr er sich mit der Hand über die kratzigen Bartstoppel.
„Vielleicht solltest du dich vorher noch rasieren?“, merkte Daria leicht amüsiert an. „Ich erledige einstweilen den Einkauf“, schloss sie und machte sich daran ihre bequemen Turnschuhe aus einem der kleineren Kartons im Vorraum zu angeln.
Die Fahrt war lang gewesen und sie konnte einen kleinen Marsch gut gebrauchen, um ihre Glieder wieder zu lockern.
„Papa, ist das alles was wir noch haben?“, rief sie ihrem Vater nach, der gerade ins Bad verschwunden war.
Mit einem besorgten Blick musterte sie die wenigen Münzen in dem Portmonee ihres Vaters.
„Das muss erst mal reichen, Liebes“, murmelte er, während er sich Seife im Gesicht verteilte.
Mit einem lautlosen Seufzen schnappte sie sich ihre Tasche und verließ die Wohnung.
Die kühle, frische Luft war die reinste Wohltat für ihren schmerzenden Schädel.
Drei Gassen weiter machte sie einen kleinen Supermarkt aus und hoffte inständig auf ein paar Sonderangebote, damit sie mit ihrem überaus mickrigen Budget die nötigsten Dinge erstehen konnte.
Vor dem Eingang des kleinen Ladens, dessen Neonreklame unruhig flackerte, hatte ein Bettler Posten bezogen. Schon von weitem sah sie seine zusammengekauerte Gestalt, in lumpige Kleider gehüllt und den Kopf sowie das halbe Gesicht mit einer fleckigen Kapuze verdeckt. Der Mann tat ihr leid und erinnerte sie daran, dass es Menschen gab, die mit noch weniger als sie auskommen mussten. Seit sie mit ihrem Vater alleine war, hatte sie wenigstens immer ein Dach über dem Kopf, etwas anzuziehen und zu essen. Ihr Vater war ständig auf der Suche nach zusätzlichen Jobs, um ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Dieser arme Kerl schien jedoch nicht mehr als die dreckigen Kleider an seinem Leib zu besitzen. Daria würde ihm, wenn ihr etwas Geld über bliebe, eine Kleinigkeit zu essen kaufen.
Beim Vorbeigehen lächelte sie den Bettler freundlich, doch zurückhaltend, an. Dieser hob träge den Kopf und sah zu ihr auf. Bei ihrem Anblick zuckte er sichtlich zusammen und starrte sie dann unverhohlen aus weit aufgerissenen Augen an. Seine markanten Gesichtszüge verzogen sich zu einem schiefen Grinsen, bei dem es Daria kalt den Rücken hinunter lief. Doch sie war schon zur Tür hinein und ein mit Konservendosen voll gestapeltes Regal versperrte dem Bettler die Sicht auf sie. Als Daria spürte, wie ihre Haare von einer sanften Brise verwirbelt wurden, zwang sie sich wieder zur Ruhe zu kommen und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Das Lüftchen legte sich unbemerkt und Daria bemühte sich, ihre Konzentration auf den Einkauf zu lenken.
Während sie Preise verglich und zum zweiten Mal schweren Herzens die kleine Haarbürste aus dem Einkaufswagen ins Regalfach zurücklegte, kam ihr der Bettler gar nicht mehr so ungewöhnlich vor. Womöglich hatte sie ihn ja an jemanden erinnert und er hatte sich schlichtweg darüber gefreut. Sie starrte die Bürste noch wenige Augenblicke sehnsüchtig an und dachte dabei an das alte, kaputte Modell, das daheim in einer Kiste auf sie wartete und ihr mit den abgewetzten Borsten mehr die Kopfhaut aufritzte, als ihre Haare zu entwirren. Doch dann entschied sie sich endgültig dafür, statt der Bürste ein Stück Brot für den Bettler mitzunehmen und wand sich ab. Als sie ihre spärlichen Einkäufe verpackt hatte und mit dem Brotlaib in der Hand beim Ausgang angekommen war, zeugte der menschenleere Gehweg jedoch davon, dass der Bettler vermutlich weitergezogen war. Mit einem leisen Brummen verstaute sie das Brot in der Einkaufstüte und dachte wehmütig an die Bürste.

„Wir können ihnen leider keinen weiteren Kredit gewähren, Herr Hellar! Sie sind bereits mit ihren aktuellen Zahlungen weit im Rückstand!“, sagte der Bankangestellte mit einem leichten Kopfschütteln. Erik sackte enttäuscht in sich zusammen. Er hatte zwar nicht ernsthaft damit gerechnet einen weiteren Kredit zu bekommen, doch ein letzter Funke Hoffnung war da gewesen. Zumindest hatte er es versuchen müssen, denn jeder Kredit bei einer Bank war besser, als Geld von Kopack zu nehmen. Er schuldete ihm bereits eine stattliche Summe, welche dieser bis Ende des Monats wieder sehen wollte, mit Zinsen versteht sich. Doch die Anzahlung für die Wohnung war jetzt erst mal am Wichtigsten, ansonsten müssten sie im Auto übernachten und das wollte er Daria nicht antun. Sie musste auch so schon auf so vieles verzichten, da wollte er ihr wenigstens ein Bett zum Schlafen bieten können. Sein schlechtes Gewissen steigerte sich noch, als er die Gedanken zu seiner verstorbenen Frau schweifen ließ. Wäre Iris heute noch bei ihm, so wäre alles anders gekommen. Sie hätte gewusst, wie die Familie besser über die Runden kommen könnte, würde seine Sorgen um Daria mit ihm teilen und er müsste nachts nicht wach liegen und mit schmerzendem Herzen an sie denken. Jede wache...



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