Karrie | Der heilige Ort der Sünde - Roman | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Karrie Der heilige Ort der Sünde - Roman


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-95753-756-0
Verlag: Verlag DeBehr eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

ISBN: 978-3-95753-756-0
Verlag: Verlag DeBehr eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Iselotte hatte schon lange vermutet, dass in dieser Klosterschule nicht alles Gold war, was da so unschuldig keusch glänzte. Aus dem Gehölz hörte sie Geräusche. Sie pirschte durch das Unterholz, immer den Lauten nach, bis sie vor einer kleinen Lichtung anhielt. Was sie da zu sehen bekam, raubte ihr fast den Atem. Mädchen, allesamt nackt, vollführten einen Tanz, sie wiegten sich im Kreise. Was passierte hier? ... Iselotte Seidel-Langbein nimmt eine Stelle an einer gesitteten Klosterschule an. Die scheuen Schülerinnen im Dienste des Herrn jedoch entpuppen sich als gar nicht fromm, und die Früchte der verlorenen Unschuld sprießen üppig. Als die junge Lehrerin dem Treiben auf den Grund zu gehen versucht, sticht sie bald in ein frivoles Wespennest.

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  Kapitel eins   Iselotte Seidel-Langbein saß auf einer Bank, auf einer schäbigen Bank auf einem ebenso schäbigen Bahnsteig. Soeben war der Anschlusszug ihr vor der Nase weggefahren, und das auch nur, weil dieser ausnahmsweise mal pünktlich fuhr, während ihr Zug Verspätung hatte. Man hatte ihr per Lautsprecherdurchsage bereits bekanntgegeben, dass sämtliche Anschlusszüge nicht erreicht würden. Das wäre ja auch noch zu ertragen gewesen, denn das wusste sie ja bereits aus der Presse, dass die moderne Bahn eine der unpünktlichsten sei, die es jemals in ihrer Geschichte gegeben habe. Und doch! Wenn man es am eigenen Leib erfährt …    Fairerweise sollte man auch nicht außer Acht lassen, was es mit dieser modernen Möglichkeit des Reisens fern aller Dampfzüge und Postkutschen so auf sich hat mit IC und ICEs auf gewaltigen Neubaustrecken im Wettkampf mit dem Flugzeug. Da kommt schon gewaltige Freude auf. Vorausgesetzt, dass diese modernen Reisezüge auch mal vorbeischauen und einen mitnehmen.    Es gab da heute schon genügend IC und ICEs. Leider nur auf den Gleisen hinter und vor ihr. Ihr Gleis fünf wurde im Moment nicht angefahren. Und das sollte auch eine ganze Weile so bleiben. Das wusste sie jedoch noch nicht. Also rührte sie sich nicht vom Fleck, wenngleich Hunger und Durst immer unerträglicher wurden. Sie musste ständig auf den kleinen Kiosk starren auf dem Bahnsteig ihr gegenüber. Dort gab es gewiss Snacks, Bockwurst mit Brötchen, aber mit Sicherheit Kekse, Brezeln oder Salzstangen. Und natürlich eisgekühlte Cola dazu. Ihr lief das Wasser im Mund zusammen, doch wusste sie die Stellung zu halten. Jeden Augenblick, so dachte sie, könnte man ja ihren Zug ankündigen und notfalls ohne sie weiterfahren. Und was dann? Vom Kiosk aus müsste sie dann sehen, was ihr Preis gewesen wäre. Selbst wenn sie noch rechtzeitig gestartet, die lange Strecke zu den Treppen gerannt, diese dann einmal hinunter und dann die andere wieder hinaufgelaufen wäre, alles mit schwerem Gepäck, den Bahnsteig hätte sie dann noch keuchend erreicht, doch den Zug wohl eher nicht. Und so beschloss sie, auch weiterhin brav zu warten und zu dursten und zu hungern, aber ihren Zug auf keinen Fall zu verpassen.    Sie konnte richtig stolz auf sich sein, ihr Warten wurde belohnt mit einer RB, einer Regionalbahn, wie Bummelzüge heutzutage so nett genannt werden. Einen Speisewagen oder ein Bistro an Bord voller leckerer Sachen gab es da natürlich nicht. Wie hatte sie nur so naiv sein können, auf ihr bescheidenes Butterbrot verzichten zu wollen zugunsten von Speisewagen und Co., die es doch so zahlreich bei der Bahn geben soll. Zum Glück traf sie noch auf ein einsames Kaugummi in ihrer Tasche. So hatte sie wenigstens etwas. Bald schon stellte sich auch ihr heiß ersehnter Schlaf ein, jedoch nicht tief genug, um nicht jedes Mal erneut aufzuschrecken, wenn das Baby vor ihr nach kurzer Pause einmal mehr seinen Schreimodus fortzusetzen gedachte.    Sämtliche vor Wochen bereits schon mühsam ausgesuchten Anschlusszüge waren weg. „Wer warten kann, kommt auch mal dran.“ Irgendwie hatte sie das Glück des Dummen, irgendwann doch noch einen Zug in ihrer Richtung zu finden und schließlich auch noch einen Kiosk, nicht irgendwo, nein, direkt auf ihrem Bahnsteig und nur zehn Schritte von ihr entfernt.    Es war inzwischen Nacht geworden. Sie hatte zum Schluss zwar noch einen kleinen Triebwagenzug erwischt, den letzten an diesem Tag auf dieser Strecke, und befand sich inzwischen auch schon auf dem Gebiet der Schweiz, doch ihr Zielbahnhof Sankt Johann war in der Dunkelheit schlecht auszumachen. Die Durchsagen im besten Schwyzerdütsch waren da auch keine Hilfe. Auch konnte sie in der Dunkelheit nicht die schöne Landschaft sehen mit all den hohen Bergen. Alles, was sie zu Gesicht bekam, war das Spiegelbild ihres Wagens in den ansonsten dunklen Scheiben. Der Triebwagen ratterte und zuckelte mehr, als dass er fuhr, und hielt auch ab und wann. Doch Sankt Johann war nicht auszumachen oder sogar schon vorbei. Denn einmal war sie vor Erschöpfung eingeschlafen. Und da dieser Zug inzwischen auch noch den letzten Fahrgast ausgespuckt hatte, gab es niemanden, den sie mal hätte fragen können. Schaffner schien es auf dieser Strecke auch nicht zu geben.    Sie durfte also weiter hoffen und siehe da! Ein dürftig beleuchtetes Schild an einem der nächsten Halte ließ noch gerade rechtzeitig ein Sankt Johann erraten. Und gerade noch rechtzeitig war es ihr gelungen, den leidigen Zug zu verlassen, ehe der auch schon anruckte und seine Tour fortsetzte. Nun stand sie auf dem Bahnsteig, einsam und mutterseelenallein. Nur zwei funzelige Lampen, nicht minder einsam, versuchten krampfhaft, das Gelände auszuleuchten.    Sie griff zu ihrem Smartphone, stets Retter in der Not. Funkloch! In Deutschland nichts Ungewöhnliches, in den Bergen der Schweiz inmitten hoher Berge gewiss nichts Außergewöhnliches. Und doch packte sie Panik. Und wie stets zuvor in solchen prekären Situationen verfiel sie in Hektik. Zunächst erhöhte sich die Pulsfrequenz, dann wurde ihre Atmung schnappiger, schließlich beruhigte sie sich wieder und wartete auf ein Wunder. Erfahrungsgemäß hatten diese bisher auch nicht lange auf sich warten lassen. Sie wunderte sich jedes Mal aufs Neue und fragte sich, warum sie trotz dieser Erfahrung immer wieder in Panik und Hektik verfiel. Doch heute schien dieses Wunder auszubleiben. Jetzt schalteten sich auch noch die armseligen Lampen aus – warum sollten sie auch brennen, nachdem sich der letzte Zug verabschiedet hatte? Mit einem Mal stand sie in stockdunkler Nacht. Tote Welt. Nur gelegentlich noch ein kleines Lebenszeichen am Himmel dank fernen Wetterleuchtens. Ein Gewitter drohte aufzuziehen. Es war ungewöhnlich warm in dieser Spätsommernacht. Fast schwül. Noch grollte der Himmel nicht, doch das würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Sie schaute sich schon mal nach einem trockenen Plätzchen um. Sehr bald musste sie erkennen, dass ihr wohl eine recht feuchte Nacht bevorstehen würde, denn irgendwelche Dachüberstände waren da nicht auszumachen und ein geöffnetes Bahnhofsgebäude schon gar nicht. Taxis schien es hier auch nicht zu geben, jedenfalls nicht um diese Zeit.    Sie hatte die Wahl: Entweder verzweifeln oder einen Fußmarsch von schätzungsweise zwei Stunden auf sich nehmen. Letzteres allein schon ein Verzweiflungsakt. Hätte es an diesem Ort am Ende der Welt wenigstens eine Sitzgelegenheit gegeben, sie hätte sie dankbar angenommen – mit und ohne Dach. Doch auch hier Fehlanzeige. Ihr neues Leben in dieser neuen Welt warf ihre Schatten voraus, eine Prognose auf freudlose Zeiten.    Sie erblickte etwas am Ende des Bahnsteigs. Und dieses Etwas bewegte sich, bewegte sich genau auf sie zu. Ein Tier schien es nicht zu sein. Das war schon mal beruhigend. Dann wohl eher ein Mensch. Um diese Nachtzeit gewiss ein Mann. Wie Tiere, und das weiß wohl jede Frau, können auch Männer sehr unangenehm sein, vornehmlich dann, wenn sie so unverhofft des Nachts vor einem auftauchen. Angst bemächtigte sich ihrer. „Und die Hälse schnüren zu“, fiel ihr die Szene einer Mozartoper ein. Da stand der Mann auch schon vor ihr.           „Verzeihung! Ich habe mich wohl verspätet. Ich soll Sie abholen. Kommen Sie mit!“ Nach ihrem Namen hatte er erst gar nicht gefragt. Auch der Zielort schien nicht zu interessieren. Aber welch weibliches Wesen sollte sich zur späten Stunde hier auch noch alleine herumtreiben? Das konnte doch nur sie sein. Oder vielleicht nicht? Sie hatte keine Wahl. Also folgte sie diesem wortkargen Fremdling und stieg in sein Auto ein.    „Und wohin bringen Sie mich jetzt?“ Das sollte eine Fangfrage sein. Doch Sie verfing nicht. Der Mann gab einfach keine Antwort. Übrigens hätte sie die Frage vorab stellen sollen. Jetzt war es ohnehin zu spät. Das Schicksal schien seinen Lauf zu nehmen. Die Kulisse passte sich der unheimlichen Situation an. Das befürchtete Gewitter hatte eingesetzt. Der finstere Wald, den sie nun durchfuhren, erhellte sich gespenstig im Schein der zahlreichen Blitze, und der Donner donnerte, als würde ein Baum nach dem anderen auf ihr Auto krachen. Dieser Horrortrip schien kein Ende zu nehmen. Nach ihrer Karte hätten sie schon längst das Internat erreichen müssen.    Schließlich hielt der Wagen doch noch an. Im Scheinwerferlicht erkannte sie ein hohes Eisentor, furchterregend wie das Tor zur Hölle. Wortlos stieg der Fahrer aus, öffnete besagtes Tor mit einem riesigen Schlüssel, Relikt aus historischer Zeit, stieg wieder ein und fuhr den Wagen über einen Kiesweg zu einem schlossähnlichen Gemäuer, das ihr aufgrund von Bildern aus dem Internet bekannt vorkam. Er nahm ihren schweren Koffer, führte sie zu dem Gebäude. In seinem Inneren liefen sie nun einen langen Gang entlang, einige Treppenstufen hinauf, dann noch einige Schritte, bis sie vor einer kleinen Türe haltmachten. Und ehe sie sich recht versah, befand sie sich in einem kleinen Raum, einer Art Besenkammer, offensichtlich ihre Bleibe für die nächsten zwei Jahre, auf die ihr Vertrag befristet war.    Sie fiel auf ihr Bett, todmüde und schlagkaputt. Doch Schlaf wollte sich nicht einstellen, warum auch immer. Gedanken gingen ihr durch den Kopf und immer wieder fragte sie sich, ob dieser Job hier in der Schweiz fernab ihrer Heimat eine gute Idee gewesen war. Gut, sie durfte jetzt in ihrem Beruf als Fremdsprachenlehrerin arbeiten. Ihre vorübergehende Arbeit als Aushilfssekretärin in einer kleinen Detektei war allerdings auch nicht so schlecht gewesen. Sie musste an die vielen Gespräche mit ihrem Chef zurückdenken, interessante Gespräche mitunter, Diskussionen über die möglichen Lösungen von Fällen, das Eintauchen in seltsame...



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