E-Book, Deutsch, 232 Seiten
Karrie Die letzten Tage der Apokalypse - Endzeit-Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95753-666-2
Verlag: Verlag DeBehr
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 232 Seiten
ISBN: 978-3-95753-666-2
Verlag: Verlag DeBehr
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Die Eruptionswolke war inzwischen fünfzig Kilometer hoch. Bis nach Rom hatte sich der Himmel schon verdunkelt, sodass die ersten Bewohner Süddeutschlands bereits nervös wurden. Nun setzten die pyroklastischen Ströme ein. Die Opferzahl schoss in unermessliche Höhen. Man hatte vermutet, der Vesuv würde einmal eine größere Katastrophe auslösen. Doch die Phlegräischen Felder nahe Neapel beherbergten eine gigantische Caldera, ihr Ausbruch stürzte die Menschheit jetzt ins Verderben. Bald legte sich ein Leichentuch aus Asche über Europa. Das zivile Leben brach mit verheerenden Folgen zusammen. Und als wäre der Ausbruch einer neuen Eiszeit nicht genug, wuchs die Kriegsgefahr. Inmitten dieses Chaos versuchen die Vulkanologen Oliver und Maria, sich in Sicherheit zu bringen. Wo findet man eine Zukunft, wenn es selbst am anderen Ende der Welt keine Hoffnung mehr gibt und die letzten Tage der Apokalypse eingeläutet wurden?
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1 Ein riesiger Demonstrationszug wälzt sich langsam wie ein Lavastrom durch Roms Straßen und kommt zum Stillstand auf dem Marktplatz Nuovo Mercato Trionfale, auch Andrea Doria genannt. Bislang wusste dieser Platz mit friedlichen Menschen aufzuwarten – Kunden, Touristen, Marktfrauen. Doch nun ist er ein Platz voller Wutbürger, eins geworden mit einer gewaltigen geballten Faust. Verschwunden sind die Marktstände, überbordend mit Früchten und Gemüsesorten aller Arten, verschwunden das fröhliche Markttreiben, verstummt auch das Grunzen der Schweine, das Gackern der Hühner, das Schnattern der Gänse und Enten in froher Erwartung auf den Kochtopf. Seit geraumer Zeit weiß man all diese Tiere nicht mehr zu füttern. Man selbst wird kaum noch satt. Im alten Rom gab es noch Brot und Zirkusspiele, Brot für die Menschen, Futter für die Zirkustiere. Zwei Jahrtausende später ist dieses Vergnügen bereits Geschichte. Und so skandieren die Menschen und schreien nach Brot und Fleisch und Pflanzenkost. Und so ist einmal mehr die Politik gefragt. Eigentlich wendet sich der Zorn dieser Bürger gegen die fehlgelaufene Klimapolitik. Die Unterlassungssünden der Vergangenheit zeitigen ihre Früchte, unbarmherzig und gnadenlos. In 2003 hätte man das Menetekel bereits verstehen müssen. 2018 beließ man es lediglich bei Diskussionen. So zerbrach man sich unter anderem die Köpfe darüber, ob nun dem Sommer des Jahres 2003 oder eher dem von 2018 der Hitze- und Dürrerekord zuzuschreiben sei. Und natürlich, ob das ganze Szenario dem Klimawandel geschuldet sei. Wie schon immer in solch prekären Situationen warnten die Wissenschaftler und die Politik wiegelte ab. Verständlich genug, hatte die Wissenschaft das Wohl der Menschen im Auge, während die Politik eher um ihr Überleben kämpfte. Hingegen ihrer Schwüre hatten die Volksvertreter einmal mehr nicht das Unheil vom Volke abgewendet. Umweltschutzverbände, hellgrüne und dunkelgrüne Parteien, Greenpeace, Friedensgruppen aller Couleur hatten zu dieser Demonstration aufgerufen. Übrigens in vielen anderen Städten Italiens auch. Doch eine Demonstration, nämlich die in Neapel, mutete ziemlich grotesk an und deshalb soll sie an dieser Stelle dann auch besonders gewürdigt werden. Zugegeben, monatelange Trockenheit, unsägliche permanente Hitze mit vierzig und mehr Grad hatten auch Neapel heimgesucht, doch der wahre „Hotspot“ lauerte unweit ihrer Stadt und fand nicht die Beachtung, die ihm gebührte. Und so konnten die Menschen nicht wissen, dass es all dieser Demonstrationen nicht bedurft hätte, dass sie sich alle in nicht so ferner Zukunft eines jeglichen nur möglichen Sonnenstrahls erfreuen würden. In der Tat würde auch weiterhin der Klimawandel zahlreichen Gesprächsstoff liefern, aber gänzlich anders, als sie es je gedacht hätten. Doch fangen wir dort an, wo man stets anfangen sollte, am Anfang. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. In sechs Tagen übrigens!! Danach war der große Gott so erschöpft, dass Er erst einmal ausruhen musste. Später dann schuf Er das Leben. Und dass das erhalten bliebe, erfand er den Zeugungsakt. Und mit ihm den Auftrag des Wachsens und Mehrens. Kein Gebot Gottes wird von uns Menschen freudiger befolgt. Ob gläubig oder ungläubig, wir Menschen wissen, was wir zu tun haben, damit wir nicht aussterben. Die einen sprechen in diesem Zusammenhang von praktizierter Liebe, andere wiederum sind zu sich ehrlich und nennen es lediglich Lust. Den meisten macht der Akt Freude, manchen allerdings weniger, zumal wenn sie auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Am Anfang der Geschichte, die hier erzählt werden soll, steht auch der Zeugungsakt. Swen und Gundula sind die beiden Hauptakteure, zunächst jedenfalls, zwei junge Menschen, die sich an der Uni kennengelernt haben. Gundula ist bei Weitem jünger, hochbegabt und sehr attraktiv. Swen, ihr Kommilitone und Geliebter, verdankt weniger seinem Aussehen als eher seiner Begabung diese Liaison. Bei Gundula ist der Sachverhalt hingegen eindeutig. Sie ist in jeder Hinsicht makellos. Im Leben der jungen Frau gibt es noch einen anderen Mann, von Beruf Manager. Jedenfalls hat er das angegeben. Seine Großzügigkeit bei Restaurantbesuchen wie auch seine luxuriösen Geschenke lassen zudem auf einen gutverdienenden Manager schließen. Dagegen nimmt sich der Studienfreund geradezu knickrig aus. Bescheidenheit ist seine herausragende Tugend. Erschwerend kommt noch hinzu, dass dieser Manager auch noch einem Filmstar gleicht, den Gundula sehr verehrt. Eines Abends, bei einem Restaurantbesuch mit Kerzenschein und zarter Musik, teilte Gundula ihrem Swen mit, dass dies nun ihr Abschiedsabend sei. Das war aber noch nicht alles. Sie ließ ihn überdies wissen, dass sie schwanger und das Kind nicht von ihm sei. Und als hätte dies noch nicht genügt, musste er auch noch erfahren, dass sie fest entschlossen sei, das Kind abtreiben zu lassen. Erstaunlich schnell hatte Swen sich von seinem Schreck erholt. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft gab es eine Metzgerei und eine Bäckerei. In beiden wurde er freundlich und zuvorkommend bedient. Und beide Verkäuferinnen waren sehr hübsch. Gelegentlich wurde ein Gratisstück beigefügt, ein Stück Mohnkuchen oder ein Kringel Fleischwurst, sein Lieblingsgebäck oder seine Lieblingswurst, je nachdem. Diese freundlichen Geschenke glaubte er, persönlich verstehen zu können, zumal besagte Verkäuferinnen sie mit eindeutigen Blicken überreichten. Ihm gefielen beide sehr, doch für welche sollte er sich entscheiden? Er hatte die Qual der Wahl. Da er ein ausgeprägtes Süßmaul war, war die Entscheidung eigentlich schon gefallen. Die Nette aus der Bäckerei sollte es sein. Damit entfielen alle zukünftigen Fleischwürste. Was Swen bis dato nicht wusste, war die Tatsache, dass Petra aus dem Bäckerladen die Tochter des Bäckermeisters war. Was diese wiederum nicht wusste, war die Tatsache, dass es sich bei Swen um einen Studenten handelte. So gab sie sich der naiven Illusion hin, einen Nachfolger für ihre bereits in die Jahre gekommene Bäckerei gefunden zu haben. Mit dieser guten Nachricht hielt sie sich aber noch dezent zurück, sodass Swen erst wenige Monate später, genau an Weihnachten jenes Jahres, von seinem Glück erfuhr. Petras Eltern strahlten, fast noch heller als die Kerzen am Weihnachtsbaum und der Betroffene strahlte mit. Zunächst noch. Dann, als man die Gläser erhob, erhob Swen zudem seine Stimme und erklärte Petra und ihren Eltern, dass ein Student der Geologie vor ihnen stünde. Auch erklärte er ihnen ein wenig scherzhaft, denn die Situation war leicht angespannt, dass Geologie und das werte Bäckerhandwerk sich einander nicht ausschlössen. Hierzu bediente er sich eines Bildes, einer Technik, die er vom Hörsaal her kannte. „Den Brot- beziehungsweise den Kuchenteich stellt euch mal als unsere Erde vor. Er verlässt den Ofen glühend heiß. Dann kühlt er sich ab, so wie unsere Erde vor vielen Millionen von Jahren. In seinem Inneren bleibt er noch lange heiß. Es hat sich inzwischen eine Kruste gebildet. Nicht von ungefähr spricht man ja auch im Falle unserer Erde von der Erdkruste. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied. Die Erde kommt nicht zur Ruhe. Das Brot hingegen kennt keine Beben und Vulkanausbrüche. Apropos Vulkanausbrüche, da steht uns ein gewaltiger ins Haus. Schon in wenigen Jahren oder noch viel früher …“ Swen wurde unterbrochen. „Herr Geologe, es langt. Genug der Hiobsbotschaften!“, wetterte der Vater. Die Mutter meinte nur: „Armes Kind! Was soll nun werden?“ Doch Petra nahm ihren verstörten Swen in ihre Arme und erklärte forsch: „Ich nehme auch einen armen Studenten. Und ich will noch ganz viel von Erdkrusten und Vulkanausbrüchen wissen. Ihr könnt euch schon mal nach einer neuen Verkäuferin umsehen.“ Dabei beließ sie es erst einmal. Der Heilige Abend erschien ihr schon genug versaut. Nun meldete sich noch mal der akademische Störenfried zu Wort: „Ich liebe Brot und Kuchen. Ich würde gerne mal in eurer Bäckerei helfen. Um es genau zu sagen, ich wollte als Kind schon immer Bäcker werden. Doch meine Eltern waren dagegen, schickten mich aufs Gymnasium. Selbst nach dem Abitur war ich noch fest entschlossen, eine Bäckerlehre zu machen. Das Bäckerhandwerk habe ich schon immer sehr verehrt. Und wenn mich die Uni eines Tages nicht mehr haben will oder ich die Uni nicht, dann würde ich gerne in eurer Backstube stehen oder oben im Laden.“ Und so wurde es für alle Beteiligten doch noch ein schönes Weihnachtsfest. Mit Petra verstand Swen sich bestens. Bedingt auch mit ihren Eltern, da er tatsächlich des Öfteren in der Bäckerei zur Hand ging. Er durfte sogar im Hause der Bäckersleute übernachten. Was ihm besonders gefiel, war der erfreuliche Umstand, dass er sich in keiner Weise in Acht nehmen musste. Das sei bei ihr in besten Händen, ließ sie ihn wissen. Und als er endlich mal Näheres über ihre ausgeklügelten Empfängnisverhütungen wissen wollte, da druckste sie herum, wurde nach mehreren Nachfragen leicht gereizt, bis sie ihm schließlich offenbarte, dass sie keine Kinder bekommen könne. Sie sei auch schon bei zig Ärzten gewesen. Keiner von ihnen habe ihr auch nur ein Fünkchen Hoffnung machen können. Dabei sei sie doch so kinderlieb. Ihre Kinderliebe zeigte sich schon recht bald. Schlimm erging es ihr jedes Mal, wenn ihre Zeitung gelegentlich die vielen Neugeborenen abbildete, alles süße...




