Karrie | Die Medizin der Lüste | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 300 Seiten

Karrie Die Medizin der Lüste


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95753-359-3
Verlag: Verlag DeBehr eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

ISBN: 978-3-95753-359-3
Verlag: Verlag DeBehr eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dr. Gaius Kaiser arbeitet an der Entwicklung eines universell einsetzbaren Krebsmittels. Auf einem Symposium lernt er die Professorin Alice Habermann kennen, welche mit Hochdruck an einem Medikament zur Krebs-Prophylaxe forscht. Um Alice bei ihren Forschungen zu unterstützen, geht er mit ihr nach Harvard. Ihre Suche nach unbekannten Wirkstoffen führt die beiden rund um die Welt. Im brasilianischen Urwald entdecken sie kurz darauf allerdings ein Wundermittel der völlig anderen Art, das größte Aphrodisiakum aller Zeiten. Alsbald laufen die Entwicklungen völlig aus dem Ruder, die Menschheit hat ihre Lüste nicht mehr unter Kontrolle.

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  2017   Gaius, alias Caesar, saß immer noch dort, wo er 2016 auch gesessen hatte, langweilte sich wie zuvor, schaute sich Pornos an oder surfte anderweitig im Netz, flirtete mit Aline mal mehr, mal weniger, je nachdem. Zimpermann war auch noch da. Und Pharma Nota war weiterhin beschäftigt mit Studien und Tests. Kurzum, in seinem Leben war die Welt zum Stillstand gekommen und die Erde schien sich nicht mehr zu drehen. Allein die Jahreszeiten wechselten noch.  Daheim wollte auch keine wahre Freude aufkommen. Also hielt er sich meistens im Club auf, wie die Engländer seinen Stammtisch wohl bezeichnet hätten. Die Kumpels dort waren stets gut drauf. Wenn sie mal auf ihre Jobs zu sprechen kamen, hellte sich Caesars Stimmung sofort auf, waren doch diese Stammtischbrüder keine Akademiker, meist einfache schlecht bezahlte Büroangestellte oder Fabrikarbeiter, Letztere sich für noch weniger Geld von morgens bis abends abschufteten und ein ärmliches Dasein fristeten. Doch das wohlverdiente Bierchen am Abend ließen sie sich nicht nehmen. Dort war er der Doc, wie sie ihn respektvoll nannten und nicht minder respektvoll behandelten. In ihrer Gesellschaft fühlte er sich wohl. Sie waren offen, manchmal ein wenig zu direkt, aber insgesamt liebenswerte Geschöpfe, nicht so heuchlerisch und falsch wie viele seiner akademischen sogenannten Freunde und Bekannten, denen er gerne aus dem Weg ging.  Wenn er gelegentlich mal eine Runde spendierte, freuten sich die Stammtischbrüder, als wäre Weihnachten. Es gab hierfür auch stets einen Grund. Mal hatte er im Lotto gewonnen – ein Spiel, das er inniglich hasste – oder man hatte ihn herabgestuft, weshalb er angeblich im Alkohol und im Kreise seiner Lieben Trost suchte. Einmal hatte er dummerweise seine Beförderung gefeiert, doch das Bier hatte ihnen nicht so richtig geschmeckt, hatte das Schicksal ihnen solch fröhliche Anlässe vorenthalten. Und da er nicht ständig im Lotto gewinnen oder Herabstufungen beklagen konnte, gab er auch schon mal einen aus, halt so, einfach weil ihm so danach war. Er war wirklich alles andere als knauserig. Gerne hätte er auch mal seine Kinder oder Enkel verwöhnt. Doch leider hatte er keine.  Allmählich hatte er sich damit abgefunden, dass die Uni ihn auf Gnadenbrot-Diät gesetzt hatte, wo er sich auf seinem Posten wie der verrentete Nachtportier einer Firma vorkam. Und bereits halb tot wartete er geduldig sein endgültiges Scheiden von dieser Welt ab. Aline drohte mit Abschied aus der Firma, da ihre mehr oder weniger eintönige Arbeit sie auch nicht mehr befriedigen konnte. Das war ihm inzwischen auch gleichgültig, da er Aline ohnehin schon abgeschrieben hatte. Jedenfalls war aufgrund vergeblicher Attacken sein Schwert inzwischen abgestumpft und ihm blieb nur ihr kleines Miniröckchen, das sich gelegentlich mal hob und ihm signalisierte, dass sein Schwert zwar stumpf aber noch nicht gänzlich verrostet war. Mit einem kleinen Seufzer rockte er dann auf seinem Pseudo-Chefsessel, bis er zu seiner gewohnten Lethargie zurückgefunden hatte.  Hoffnungen auf ein aufregenderes Leben waren weit und breit nicht in Sicht, zumal die Quelle guter Rat- und Lösungsvorschläge seitens seiner schlauen Frau längst versiegt war. Die Arbeit im Büro war dann auch schon längst kein Thema mehr im Hause Kaiser. Die Themenlage war nunmehr eine ganz andere. Die Nachbarschaft war in den Fokus gerückt. Frau König im Nachbarhaus der Kaisers hatte einen neuen Liebhaber. Und der fuhr einen Porsche Cabrio, einen 911er im typischen Porschegrau – oder war er schwarz, wie Jutta meinte? Auch eine passende Farbe, wenngleich schwarz wie auch weiß keine Farben sind. Das wusste er nicht nur, weil er Chemiker war. Und so ein Prachtstück würde er auch gerne sein Eigen nennen. Das würde ihm einen sportlichen Touch verleihen. Doch da hatte seine Frau einen Riegel vorgeschoben, eben weil er alles andere als sportlich daherkam. Eine Probefahrt als kleinen Vorgeschmack hatte er vorgeschlagen. Doch sie hatte ihm stattdessen eine einfache Sitzprobe empfohlen. Dann sehe er, ob er bei seiner Leibesfülle und Steifheit überhaupt in den Wagen reinkäme, geschweige denn auch wieder raus. Überdies benötigte man auch eine Zweitgarage, die ja nun mal nicht vorhanden sei. Und überhaupt stehe ihm eine Mercedes-B-Klasse besser an. Und so entschied sich seine Frau für ein solches Modell und er durfte die Farbe bestimmen, ein wunderschönes Mountain Grey. Nachträglich musste er seiner Frau recht geben, da er in den Wagen geradezu hineinflutschte und mühelos wieder hinaus. Mit seinen 136 PS war er dann auch recht flott auf der Piste, konnte sogar mit den Porsches mithalten, da Porschefahrer gewöhnlich das Understatement pflegen und lieber gelassen dahingleiten und hübsche kleine Sträßchen einer Autobahn vorziehen. Auf einer Fahrt entlang der Mosel sah er dies dann auch bestätigt. Souverän und erhaben zog so mancher Porsche-Cabrio seine Bahn entlang dieses malerischen Flusses, sein Lieblingsfluss und Lieblingsauto, harmonisch miteinander vereint.  Abends in einer romantischen Straußenwirtschaft Piesports traf er an seinem Tisch auf einen solchen Porschefahrer, freundete sich mit ihm geradezu an, aufgrund einmaliger Seelenverwandtschaft. Und als dieser nette Mensch ihm sogar noch eine Probefahrt anbot, da beschloss Caesar, die Nacht mit ihm unter einem Dach verbringen zu wollen. Erleichtert nahm Jutta dann zur Kenntnis, dass dieser Porschemann und seine Freundin das letzte freie Zimmer erwischt hatten, wobei dem Mercedesfahrer nur noch die Heimfahrt blieb. Und die wusste mit Überraschungen aufzuwarten.  Einmal wären sie an einer prekären Stelle fast vom Weg abgekommen, da das tolle Fernlichtassistenzsystem mal wieder auf Abblendlicht geschaltet hatte. Nach jedem Halt an einer Ampel schüttelte sich das Fahrzeug erst einmal, bevor es losfuhr. Das hochgelobte Navi versagte dann auch noch, da es mit seinen Usern auf ungeübte Fossilien der Neuzeit gestoßen war. Bei Dunkelheit war auch der gute alte Straßenatlas keine wirkliche Hilfe. Das Tollste war die Kaffeetasse, die plötzlich auf dem Display auftauchte und erst wieder verschwand, als sie die empfohlene Pause eingelegt hatten. Und das nach einer Stunde Fahrzeit bereits! Was sich die Mercedes-Ingenieure da nur wieder alles hatten einfallen lassen! Und immer wieder wurde der Fahrer durch akustische Zeichen ermahnt, nur ja nicht einnicken zu wollen. Dabei war er doch hellwach. Doch im Laufe der Fahrt wiegte die sanfte B-Klasse-Sänfte den Fahrer tatsächlich in einen wohltuenden Sekundenschlaf, weder von Frau noch durch Assistants gestört. Nichtsdestotrotz waren sie heil daheim angekommen. Dank moderner Knautschzonen hätten sie ihr Ziel ohnehin erreicht. Wer warten kann, kommt auch mal dran, heißt ein Sprichwort. Und so kam der Tag, der eine gewaltige Wende in Caesars Leben einleitete. Doch das zeichnete sich zunächst noch nicht ab. Die Chefsekretärin, vermeintliche Liebschaft Zimpermanns, hatte zum Gespräch beim Chef gebeten. Das alleine war schon eine riesige Abwechslung in seinem wenig aufregenden Arbeitsalltag. Auf dem Weg zum Chef folgte er der Sekretärin in gebührendem Abstand, sodass er noch ihre schönen Beine hätte bewundern können. Doch danach stand ihm nicht der Sinn, da unverhoffte Besuche bei Chefs zumeist ein mulmiges Gefühl hervorrufen. Doch jedweden trüben Gedanken wurde sofort Einhalt geboten, als er auf einen gut gelaunten Chef traf, der ihm freundlich Platz und Kaffee anbot.  „Caesar, ich habe etwas mit dir zu besprechen. Was hältst du davon, wenn wir dich auf einen Lehrgang schicken zur Festigung und Erweiterung deiner von uns so hochgeschätzten Kenntnisse?“  Er glaubte, nicht recht zu hören. Drum sagte er erst einmal nichts.  „Na, was hältst du davon? Hört sich doch gut an. Oder?“  „Ja richtig gut. Doch wirklich. Ich könnte meine Terminierungsfähigkeiten noch ausbauen. Auch könnte ich gewisse Verwaltungsvorgänge in Zukunft noch besser gestalten und …“  „Ist doch prima! So machen wir das. Also bist du ab kommenden Montag für eine Woche auf Lehrgang. Ich werde das sofort eintragen. Dann wissen die Kollegen Bescheid und können sich danach richten. Also eine Woche müssen wir dann ohne dich auskommen. Ich denke, das lässt sich machen.“  Auf dem Weg zu seinem Büro kam er aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Der Kerl rafft auch gar nichts mehr. Das wird ja ein schöner Lehrgang, ein besserer Leergang wird das. So etwas Verrücktes. Kann der Alte stolz nach oben melden, wie seine ihm Untergebenen sich fortbilden oder fortpflanzen oder… Besagter Lehrgang kam. In einer verwaisten Schule während der Ferienzeit durften sie jetzt büffeln. Und da er dort nichts eigentlich Neues erfuhr, gelegentlich sogar den Referenten korrigieren musste, hätte besser er den Kurs geleitet. Und das machte er dann auch, als der große Vortänzer und Alleswisser krank wurde. Die Kursteilnehmer freute das, denn Caesar ging die Sache locker an, ließ manches Späßchen einfließen und vermittelte den Lehrstoff munter und interessant. Das erweckte die besondere Aufmerksamkeit einer Professorin, deren geschickte Fragen er noch geschickter zu beantworten wusste. Und in den Pausen und am Abend suchte besagte Professorin seine Nähe, was Caesar nicht unangenehm war. Ganz im Gegenteil. Sie war ihm schon beim Einchecken ins Auge gefallen, eine markante, junge Frau. Sie kleidete sich modern und – sie trug eine Brille. Frauen mit Brillen...



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