E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Karrie Operation Kryonik - Ewiges Leben auf Erden - Thriller
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98727-154-0
Verlag: Verlag DeBehr eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-98727-154-0
Verlag: Verlag DeBehr eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Stell dir vor, man offeriert dir Unsterblichkeit, obwohl du unheilbar krank bist und die Tage deines Lebens bereits gezählt sind. Du müsstest dich nur in einen eisigen Tiefschlaf begeben, eines Tages erweckt man dich wieder - für das ewige Leben. Roger Hammerstein möchte sich gegen den Willen seiner Frau Jenny noch zu Lebzeiten konservieren lassen. Begleitet wird er auf seiner Suche nach einem solchen Kryonik-Institut von drei Gesinnungsgenossen. In Amsterdam glauben die vier sich am Ziel. Sie werden tatsächlich eingefroren und bald darauf zu neuem Leben erweckt. Die Kunde über den medizinischen Durchbruch macht weltweit Schlagzeilen. Don Corleone, der Chef des Unternehmens, lässt sich rund um den Globus feiern. Allerdings wird das Institut von zwielichtigen Gestalten betrieben. Hammerstein und seine Freunde erfahren bald, was es heißt, sich mit der Mafia eingelassen zu haben. Und Don Corleone droht plötzlich die Todesstrafe, denn Kryostase an lebenden Menschen wird in den USA als Mord angesehen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
II Alle drei waren sie gekommen. Somit war man wieder zu viert. Die Gäste zeigten sich angetan von dem prächtigen Haus, einer vornehmen Villa in einer vornehmen Gegend. Und der Garten rings herum wusste nicht weniger zu gefallen. Roger tat es in der Seele weh, dass er dieses schöne Ambiente bald nicht mehr würde genießen können. Und so sah er sich gehalten, eventuellen Neidern zuvorzukommen. „Das hier alles gehört nicht mir, es gehört meiner Frau. Aber ich habe nicht nur das verloren. Ich habe alles verloren, alles, was mir lieb war: Meinen Job als Lehrer, dank beschissener Pensionierung, meine Frau dank eines anderen Mannes, meinen Oldtimer, das einzige noch existierende Modell auf dem Markt, mit Totalschaden gesegnet nach einem Unfall, auch mein Zuhause, eben dieses Haus hier, wie gesagt oder noch nicht gesagt, Eigentum meiner Ex, geerbt von ihren Eltern. Ebenso meinen Hund, überfahren von einem Besoffenen, und meine Kinder, nein die nicht, da ich keine Kinder habe. Ja, so sieht es aus. Kurzzeitig hatte ich mal eine Freundin. Doch die habe ich jetzt auch nicht mehr. Alles große Scheiße. Das ist für mich kein Leben mehr. Ich habe lange darüber nachgedacht, aus diesem miesen Leben auszuscheiden, mir einfach das Leben zu nehmen. Ich stand auch schon auf der Brücke. Auch auf einem Bahndamm. Und in einer Apotheke, um Gift zu kaufen oder ganz einfach nur Schlaftabletten, die mich unmerklich in den Schlaf der Gerechten wiegen würden. Alles so Dingens, woll? Ich hab mich letztlich für die Kryonik entschieden. Ein guter Freund hatte mich auf diese Idee gebracht. Ist leider kürzlich verstorben. Dieser Freund hatte mir zu verstehen gegeben, dass der Suizid nicht der ideale Ausweg aus einer scheinbar ausweglosen Lage sei.“ „Und warum hatte dieser Freund sich mithilfe von Kryonik nicht selber retten wollen?“, fragte einer der drei und die anderen stimmten ihm zu. „Na ja, ich denke mal, weil er selbstlos war. Er war krank und ich gesund. Ich hatte also die besseren Chancen für ein Leben danach.“ „Und wie ist es ihm gelungen, dich umzustimmen? Verzeihung, ich habe Sie einfach geduzt.“ „Nicht so schlimm. Ich wollte ohnehin schon vorschlagen, dass wir uns duzen. Also, wie ist es ihm gelungen? Ganz einfach. Kryonik ist nicht zum Nulltarif zu haben. Und da ich nicht vermögend bin, hat er mir das Geld gegeben. Einfach so. Es sei bei mir besser angelegt als bei ihm.“ „Verstehe ich nicht ganz. Er hätte dich doch nur von deinen Selbstmordgedanken abbringen müssen. Wäre doch das Naheliegendste gewesen, oder?“ „War es ja auch. Er hatte nichts unversucht gelassen. Doch es wollte ihm nicht gelingen. Mir scheint auch nach wie vor meine Lage ausweglos.“ Nun schaltete sich auch Isabelle ein. „Du könntest dir doch von dem Geld jetzt ein schönes Leben machen. Was könntest du dir nicht alles leisten!“ „Oder es für einen guten Zweck ausgeben.“ „Klar doch. Ich könnte zum Beispiel ein Institut gründen, das alle Kryonik-Gefährdete beraten und auf den richtigen Weg zurückführen würde. Und mit meinem Betrag dazu, vielleicht auch mit einem bescheidenen Sümmchen eurerseits, hätten wir das beste Startkapital.“ Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Gesagtes war ohnehin nicht ernst gemeint. Wurde jedoch ernst genommen. Kritische Gedanken kamen auf. „Dann hätten wir zunächst einmal Beratungsbedarf. Ich wüsste nicht, wie ich ohne Kryonik weiterleben könnte, leide an einer unheilbaren Krankheit, einer Form von Krebs, die in vielleicht schon wenigen Jahren ihren Schrecken verloren haben wird dank medizinischen Fortschritts in der Geriatrie.“ „Da kann ich Ernst Kleber nur Recht geben“, meinte Kurt Meyer. „Ich leide zwar an keiner solchen Krankheit, glaube dennoch ebenfalls einen triftigen Grund zu haben. Mich bekümmert lediglich meine Angst vor dem Altern. Auch ich setze auf die Zukunft, in meinem Fall auf den Fortschritt in der Gerontologie.“ „Geriatrie, Gerontologie, Suizidprophylaxe und demnächst vielleicht auch noch Suizidologie! Da werde ich als Deutschlehrer doch verrückt.“ Roger Hammerstein war kurz davor, sich zu vergessen. „Altersmedizin, Altersforschung, Vorbeugung bei Selbstmordgefährdeten, hätten es diese Begriffe unserer Muttersprache nicht auch getan?“ „Müssen wir uns jetzt bei Ihnen entschuldigen, Herr Lehrer?“ „Oder kriegen wir eine Strafarbeit aufgebrummt. Vielleicht müssen wir auch nachsitzen. Oder sind sogar Schläge mit dem Rohrstock angesagt?“ Roger lenkte ab: „Isabelle hat sich ja noch gar nicht geäußert.“ „Ich denk gar nicht daran. Wer weiß, was mir dann blüht. Strafarbeit, Nachsitzen, Schläge mit dem Rohrstock und was sonst noch.“ „Brief an die Eltern nicht vergessen, Isabelle.“ Alle vier mussten jetzt doch einmal lachen. Die unerfreuliche Angelegenheit hatte sich entschärft. Und doch hätte man gerne auch noch von Isabelle Näheres erfahren. Dieses ahnend gab sie dann wenigstens zu verstehen, dass sie weder an einer Krankheit leide, noch suizid-, also selbstmordgefährdet sei. „Und Altersprobleme entfallen bei mir ohnehin.“ Rogers Köchin bat zu Tisch, wo schon die leckersten Speisen dampften. Ein guter Roter gesellte sich dazu und die Stimmung war geradezu ausgelassen. Man scherzte miteinander, erzählte sich die lustigsten Dinge, vergessen Kryonik und das Leben im Eis. Roger unternahm noch mal einen letzten Versuch, seiner Schönen das Geheimnis ihrer Anwesenheit in diesem erlauchten Kreis zu entlocken. Doch Isabelle blieb stumm. Er schenkte ihr noch mal nach, in der Hoffnung, doch noch ihre Zunge lockern zu können. Auch das wollte ihm nicht gelingen. Und das, obwohl Isabelle keine Kostverächterin war. Roger musste sich eingestehen, dass auch Frauen schweigen können. Frauen und Alkohol waren offensichtlich auch nicht mehr, was sie mal gewesen waren. Nach dem opulenten Mahl vertrat man sich die Beine in dem wunderschönen Park, der diese Villa umgab. Im Schatten der hohen Bäume ließ es sich angenehm wandeln. Und wann immer der Gastgeber auf das leidige Thema der Krytologie zurückkam, konnte oder wollte man ihn nicht verstehen. Ob er wohl die Kryonik meinte? Krytologie war wohl eher das Ergebnis seines reichlichen Alkoholkonsums. Gleich wie, man wollte sich einfach nicht die gute Laune verderben lassen. Die ersten Witze machten auch schon ihre Runde. Einer betraf sogar direkt die Krytologie alias Kryonik. Da Roger nur unverständliches Zeug plapperte und am Ende den Faden verlor, kann der Witz hier auch nicht wiedergegeben werden. Leider. Als Ersatz möge herhalten, was sich noch Seltsames an diesem Tag abgespielt hatte. Wie bereits erwähnt, zeigte Roger Hammerstein ein gewisses Interesse an Isabelle Neuer, ein Interesse, das man rein platonisch nennen könnte. Bisher jedenfalls. Doch der reichliche Alkoholgenuss hatte ein wenig seine Sinne getrübt, so dass er der Versuchung nicht widerstehen konnte, der attraktiven jungen Frau mal seinen Weinkeller zu zeigen. Irgendwie hatte er sie wohl falsch verstanden, als sie seinen Wein lobte und meinte, ob er noch weitere so gute Tropfen auf Lager habe. Und so verfiel er auf die Idee, ihr unbedingt dieses Lager mal zeigen zu wollen. Meyer und Kleber hatten sich abgesondert, hatten sie doch einige Gemeinsamkeiten festgestellt, denen sie jetzt frönen wollten. Das hatte den beiden anderen es leicht gemacht, unbemerkt das Terrain zu verlassen. Und so befanden sie sich jetzt in den Gewölben des alten Hauses, wo es an diesem recht warmen Tag angenehm kühl war. Doch nicht so kühl, dass man hier nicht auf dumme Gedanken kommen konnte. Das galt dann jedoch eher für Roger, was sich schon sehr bald zeigen sollte. „Magst du auch Weißweine, Isabelle?“ „Ja, sehr gerne sogar. Solange es keine Rieslinge sind. Die sind mir zu sauer. Vor allem die von der Mosel.“ „Das trifft sich gut. Ich habe hier einen exzellenten Sauvignon Blanc. Den würde ich dir gerne mal kredenzen.“ „Kredenzen? Anbieten, Herr Lehrer!“ Sie hatte ihn am Haken. Der „Herr Lehrer“ versetzte ihn in eine gewisse Stimmung. Ja, er war der Lehrer und sie seine Schülerin. Was er in seiner Schulzeit nicht durfte – also Lehrer mit Schülerin – das war jetzt möglich. Und schon ging er aufs Ganze. Hätte er es bei einem Kuss belassen – Schwamm drüber. Aber der „Schülerin“ gleich an die Wäsche zu gehen, das erschien nicht nur im Schulhaus, sondern auch in einem Weinkeller nicht schicklich. Und so erntete unser Lehrer eine saftige Ohrfeige, die ihn mit einem Schlag in die raue Wirklichkeit zurückkatapultierte. Vor Schreck war ihm die Flasche aus der Hand gefallen und am Boden zerschellt. Da floss sie nun, die edle Brühe und mit ihr alle Hoffnungen Rogers auf fröhliche Minne in seinem Weinkeller. Eine Stunde später, es können auch zwei gewesen sein, saßen sie wieder beisammen. Die einen glücklich und entspannt, die anderen unglücklich und verkrampft. Der Gastgeber eröffnete das Gespräch. „Bleibt es dabei? Wir begeben uns in die Schweiz. Die Schwiezer sind unsere Zukunft. Wie ich die kenne, machen die keine halben Sachen. Selbst wenn ihr Käse Löcher hat. Spaß beiseite. Die Schweizer sind für Qualität bekannt. Und sie haben sich immer wieder von dem Rest Europas abgehoben. So haben sie schon immer eigene Konzepte entwickelt. Wie angeblich die Kryokonservierung an lebenden Objekten. Machen wir uns an die Arbeit!“ Roger schaute in die Runde: bejahendes Kopfnicken, zuversichtliche Gesichter. Optimismus und Unternehmergeist allenthalben. „Gut. Hier mein Vorschlag: Wir treffen uns in vier...




