Kasasian | Der Fluch des Hauses Foskett | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 496 Seiten

Reihe: Gower Street Detective

Kasasian Der Fluch des Hauses Foskett


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-455-00066-5
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 496 Seiten

Reihe: Gower Street Detective

ISBN: 978-3-455-00066-5
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sidney Grice ist zurück, und seine Laune ist nicht besser geworden! Die Stimmung in der Gower Street 125 ist mies. Seit Sidney Grice durch seine Ermittlungen einen unschuldigen Mann an den Galgen gebracht hat, laufen die Geschäfte schlecht. Der scharfsinnigste Detektiv des viktorianischen England liegt stundenlang apathisch in der Badewanne. Selbst zum Einsetzen seines Glasauges fehlt ihm die Kraft. March Middleton, Sidneys Patentochter, langweilt sich zu Tode ... Bis zu dem Tag, an dem ein Mitglied des bizarren Clubs »Finaler Sterbefallverein« sein Leben aushaucht - mitten in Sidneys Wohnzimmer. Immerhin haben Sidney und March endlich wieder etwas zu tun. Und das nicht zu knapp, denn es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Die Ermittlungen führen das ungleiche Paar von London bis nach Kew in ein unheimliches Herrenhaus, dessen Eigentümerin, die enigmatische Baroness Foskett, eine alte Bekannte Sidneys ist. Dies ist Band 2 der historischen Krimireihe mit Sidney Grice. Weitere kuriose Fälle gibt es hier: Band 1 - Mord in der Mangle Street Band 3 - Tod in der Villa Saturn Band 4 - Die Geheimnisse der Gaslight Lane

Martin R. C. Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen, hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter leben die beiden auf Malta. Kasasians beliebte Gower Street-Reihe um Detektiv Sidney Grice erscheint bei Atlantik.
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Weitere Infos & Material


Cover
Titelseite
Für Robert, in Liebe
Einleitung
1 Der Fluch der Fosketts
2 Der Staub und der Traum
3 Ein Gast und ein paar Kunststücke
4 Der Narrenverein
5 Der tanzende Totenschädel
6 Die Spinner von Wapping
7 Der Zahnarzt und die Müllerstochter
8 Rosinenschnecken und Herrenschuhsohlen
9 Adlerschnäbel und Opium
10 Schellackpolitur und die zweitbeste Teekanne
11 Der Dorn und der Dickwanst
12 Cutteridge und der Schlüssel
13 Thomas von Aquin und die Natter
14 Flüstern im Dunkeln
15 Der Doktor und die Beeren
16 Branntkalk und Samt
17 Der Mann ohne Arme
18 Das Blut eines Löwen
19 Löschpapier und Goldfische
20 Das Haus der Untiere
21 Das Kosakenregiment
22 Das Schweigen der Hyänen
23 Kali und der Zahnstocher
24 Das Geburtstagsgemetzel
25 Tote Hunde und tanzende Mandarine
26 Melton Mowbray und Lucinda
27 Gift und Raubtiere
28 Zwei Krankenschwestern und die Marquess of Salisbury
29 Schwielen, Striemen und der Schnitter
30 Piggetys Katzen in weißen Lettern
31 Katzen und Kalauer
32 Die Chorea und der Walfisch
33 Tote hüben wie drüben
34 Kerzenstummel und strafende Engel
35 Blut und Wasser
36 Courcys Krawatte und Saugläuse
37 Große Seeschlachten im Hinterzimmer
38 Ohrfeigen und Papierfetzen
39 Orientalische Pantoffeln und Maudy Glass
40 Französisches Blut und Kommodore Bracelet
41 Lanzen und Telegramme
42 Moosgrüner Samt und schwarzer Schnee
43 Meerjungfrauen und Vermummte
44 Der neunte Sinn
45 Kohlestaub, Fingerabdrücke und Todesfallen
46 Der Tod in langen Reihen
47 Ein Meer von Sternen
48 Schmarotzer, Ungeheuer und fette Hennen
49 Der Schlaf der Ungerechten
50 Dreifingerfaultiere und Hauptmann Dubois
51 Taschendiebe und königliche Gartenpartys
52 Der ewige Schrei
53 Kaninchen und der Marquis de Sade
54 Kraftbrühe und der Krankenhausgeist
55 Schokolade und Seetang
56 Der Fuchs und der Spatz
57 Kiesel und Icener
58 Affenjagen
59 Gummistiefel und Küsse
60 Rätsel und Racker
61 Schottische Könige und Belohnungen
62 Hengste, Stöcke und belegte Brote
63 Finsternis
64 Das Netz und der Käfig
65 Durchweichte Botschaften und das St. Leger
66 Der Schürhaken und das Fleischerbeil
67 Der Schürhaken und der Strang
68 Einsatz eines Lebens
69 Salz und die Rache des Sohnes
70 Spiel im Garten
71 Gaslecks und Krumen
72 Vier Minuten und achtundvierzig Sekunden
73 Die Asche von Mordent House
74 Muscheln und der Foskett'sche Daumen
75 Die Ökonomie der Hoffnung
76 Das Vorkommen stillschweigender Verwunderung
77 Uhren und ein Funken Anstand
78 Der Prozess
79 Die Gänge der Verdammnis
80 Acht Minuten
81 Hexerei, Tee und Crumpets
Nachwort
Über M.R.C. Kasasian
Impressum


4 Der Narrenverein


»Eine ganz üble Geschichte«, fuhr Mr Green fort, als Molly das Zimmer verlassen hatte. »Haben Sie schon einmal von Finalen-Sterbefall-Vereinen gehört, Mr Grice?«

»In meinen Akten finden sich drei derartige Klubs«, sagte Sidney Grice, »und in einem jeden wurden Mitglieder ermordet oder starben unter höchst dubiosen Umständen. Da ich jedoch nicht hinzugezogen wurde, blieben diese Fälle ungelöst.«

Ich schenkte uns Tee ein.»Was genau ist ein Finaler-Sterbefall-Verein?«

»Ein Verbund von Narren«, sagte mein Vormund, »mit großem Vermögen und mikroskopisch kleinen Spuren gesunden Menschenverstands.«

Unser Gast richtete sich ungehalten auf. »Lassen Sie es mich weniger gefühlsbetont beschreiben«, setzte er an.

Nun war es an Sidney Grice zu stutzen. »Alle Welt weiß, dass ich keine Gefühle habe außer meiner zwiefachen Liebe – zu Besitztümern und zur Wahrheit.«

»Milch und Zucker?«, fragte ich, und Mr Green nickte.

»Solche Vereine sind meist reine Männerbünde«, erläuterte er, »wenngleich dem unseren auch zwei Damen angehören –, deren Mitglieder entweder keine Erben haben oder solche, an denen ihnen nichts liegt. Ihre Testamente sehen nun einen Geldbetrag vor, der gewöhnlich auf dem Gesamtvermögen des ärmsten Mitglieds fußt, wobei alle einer unabhängigen Buchprüfung unterzogen werden. Diese Testamente werden einem gemeinsam bestellten Advokaten ausgehändigt, der dann jeweils im Todesfall den Nachlass einziehen und verwalten wird, um das vereinte Kapital an das letzte überlebende Mitglied auszuschütten. Für seine Dienste erhält der Advokat einen Anteil von zwanzig Prozent an jeglicher Mehrung des Vermögenswerts. Das …«

»Mit anderen Worten«, unterbrach ihn Sidney Grice, »es liegt im ureigenen Interesse jedes Mitglieds, ein vorgängiges Ableben seiner Gefährten sicherzustellen.«

»Und deshalb trete ich an Sie heran.« Horatio Green hob mit beiden Händen vorsichtig seine Teetasse. »Schauen Sie, zu siebt haben wir den Verein gegründet und dem Fonds je elftausend Pfund zugesichert, sodass dem letzten Mitglied ganze siebzigtausend Pfund zuzüglich Zinsen zufallen.«

»Und wer bekommt die verbleibenden siebentausend Pfund?«, erkundigte sich mein Vormund.

»Na Sie, Mr Grice.«

Sidney Grice sah auf seine Taschenuhr. »Erklären Sie.«

Mr Green nippte an seinem Tee. »Wir sind nicht so leichtsinnig, wie Sie vermuten, Mr Grice. Zunächst einmal haben wir nur den charakterlich Höchststehenden Beitritt zu unserem Verein gestattet, außerdem sind wir auf die List verfallen, den Tod jedes Mitglieds zu untersuchen, ganz gleich, wie natürlich sein Verscheiden wirken mag. Zu diesem Zweck kamen wir überein, den fähigsten unabhängigen Ermittler im ganzen Empire zu engagieren.«

»Dann sind Sie an der richtigen Adresse«, sagte mein Vormund.

»Allerdings«, fuhr Mr Green fort, »war Mr Cochran unwillens, diese Herausforderung anzunehmen. Also bin ich zu Ihnen gekommen.«

Sidney Grice fasste sich an sein Auge. »Bin ich eine Taube, die Brosamen dieses eitlen Hochstaplers aufzupicken?«

Mr Green stellte glucksend seine Tasse ab. »Reingelegt, Mr Grice. Wie Sie sehen, sind Sie nicht der Einzige, der grob sein kann. Sie sind selbstverständlich unsere erste und alleinige Wahl.«

»Ich betrachte es weiterhin als ein Unding, dass man mich nicht eher aufgesucht hat.« Mein Vormund schenkte Mr Green einen eisigen Blick. »Sollte ich das Mandat annehmen, Mr Green« – er pochte auf seine Uhr und stellte den Minutenzeiger vor –, »so nur deshalb, weil mir die Aussicht auf eine Untersuchung Ihres Todes grenzenloses Vergnügen bereiten dürfte. Hoffen wir, dass ich nicht allzu lange darauf warten muss.«

Mr Green hakte beide Daumen in seine Westentaschen und ließ die Finger darauf tänzeln. »Tja, was auch kommen mag, ich werde nicht der Erste sein. Wir haben uns erst vor einer Woche gegründet und schon ein Mitglied verloren.«

»Es tut mir zutiefst leid«, sagte mein Vormund.

»Vielen Dank, aber …«

»Dass ich diesen nutzlosen Trampel eingestellt habe«, fuhr Sidney Grice fort. »Dieser Tee ist so lasch wie ein Franzose, und was treibt sie da eigentlich in der Diele?«

»Ich höre nichts«, sagte ich.

Mr Green legte den Kopf schräg. »Ich auch nicht.«

»Stumpfe Geister haben stumpfe Sinne«, beschied uns mein Vormund und zog zweimal scharf an der Klingelschnur. »Dann sollten Sie mich wohl mit den Einzelheiten vertraut machen.«

»Er hieß Edwin Slab«, setzte Mr Green an, doch mein Vormund brachte ihn mit erhobener Hand zum Schweigen.

»Sie werden mir dann Auskunft geben, wenn ich darum bitte. Alsdann …« Er nahm einen kleinen Ledereinband vom Tisch neben seinem Sessel und zog seinen versilberten mechanischen Bleistift Marke Mordan aus der Innentasche seiner Jacke. »Welchen Namen trägt Ihr alberner Verein?«

»Wir haben ihn ›Klub des letzten Todes‹ getauft.«

»Wie originell«, murmelte mein Vormund. »Und wer sind die übrigen Mitglieder?«

»Ich habe eine Liste mit Namen, Anschrift, Beruf und Alter aufgestellt.« Mr Green hielt ihm einen gefalteten Bogen Papier hin. Sidney Grice lehnte sich zurück, schloss die Augen und sagte: »Lesen Sie vor. Fürs Erste bloß Namen und Alter.«

Unser Besucher faltete den Bogen auseinander, hängte sich eine Hornbrille um die Ohren und begann: »Edwin Slab, einundachtzig Jahre.«

Mein Vormund hob eine Braue. »Kein wahrscheinlicher Sieger also.« Mr Green widersprach.

»Wir haben darauf geachtet, dass sämtliche Mitglieder ähnliche Lebenserwartungen haben. Die Slabs blicken auf Generationen von Hundertjährigen zurück, und bis gestern war Edwin bei bester Gesundheit.«

»Sie waren befreundet?«

»Herzlichst. Ich habe ihn in den Verein eingeführt.«

»Und wie ist Mr Slab nun auf Platz eins gelandet?«

Es schepperte laut, und Sidney Grice schnellte herum. »Dreckige Gassenlümmel. Haben diese Bengel nichts Besseres zu tun, als Steine gegen meine Fenster zu werfen? An rostigen Röhren, die man sie runterschicken könnte, mangelt es ja nicht.«

»Und nicht an Ratten und Krankheiten, die sie da unten befallen würden«, wandte ich ein. Mein Vormund blieb ungerührt.

»Es ist kein Schaden entstanden«, bemerkte Mr Green. »Sie hätten mal sehen sollen, was die gestern Abend in meiner Apotheke angerichtet haben. Als ich gerade schließen wollte, stürmte eine ganze Horde rein und fing an, Ware von den Regalen zu fegen. Ich wollte die Burschen aufhalten und wurde zu allem Ärger noch umgerissen. Ich wage nicht, daran zu denken, was noch hätte geschehen können, wäre nicht ein Pfarrer mit seiner Tochter aufgetaucht und hätte sie verscheucht.«

»Haben sie etwas gestohlen?«, fragte ich.

»Dazu hatten sie keine Gelegenheit. Ein paar Dinge gingen zu Bruch, mehr nicht. Der Pfarrer hob das meiste auf, und ich stellte es zurück in die Regale, während seine Tochter um Fassung rang. Damen tun sich schwer mit Erregung.«

»Sie erleben so selten welche«, teilte ich den beiden mit.

Sidney Grice, der sich erneut mit geschlossenen Lidern zurückgelehnt hatte, schlug die Augen auf und fragte: »Wie viele?«

»Sechs oder sieben.«

»Was denn nun?«

»Spielt es eine Rolle?«

»Käme es zur Verhandlung, würde es für den siebten Bengel eine ungeheure Rolle spielen. Sind Sie diesem Pfarrer vorher schon einmal begegnet?«

Mr Green zuckte zusammen und fuhr sich ins Gesicht. »Ich kenne ihn von einem vorherigen Besuch – ein Pastor Golding von der Sankt-Agatha-Kirche. Er hat selber ein Ohrenleiden und bat mich um Rat.«

»Das bemerkenswerteste Bagatellvergehen, das mir in den vergangenen vier Jahren untergekommen ist.« Mein Vormund wedelte mit einer Hand. »Fahren Sie fort.«

»Nun, ich riet ihm, nach dem Frühstück …«

»Nicht mit diesem Gewäsch. Erzählen Sie mir von Mr Slab.«

Mr Green plusterte sich auf, aber nur für einen Augenblick. »Der Arzt geht von einem Anfall aus.«

»Sie zweifeln daran?«

Mr Green breitete die Arme aus, als wollte er zeigen, dass seine Hände leer waren. »Ich habe keine eigene Meinung in der Sache, Mr Grice, aber die Vereinsregeln verpflichten mich, Sie um eine Untersuchung zu bitten.«

Mein Vormund gähnte. »Ich kann mich derzeit kaum vor Arbeit retten.«

»Es gibt jedes Mal eintausend Pfund, Mr Grice, und noch einen Bonus von zweitausend Pfund, sollten Sie beweisen können, dass ein Mitglied von einem anderen ermordet wurde.«

»Wann fällig?«

»Nach dem Tod des letzten Mitglieds.«

»Und wenn ich vorher sterbe? Bleibt das Geld dann im Vereinsvermögen? Falls ja, setze ich mich derselben Gefahr aus, wie Sie es dämlicherweise tun.«

»Das haben wir bedacht. Sollten Sie vor uns allen sterben, wird das Geld für jeden von Ihnen untersuchten Fall derjenigen Person hinterlassen, die Sie als Erben eingesetzt haben.«

»Es gibt aber niemanden, dem ich Geld hinterlassen wollte. Vom Kinderfluch bin ich verschont geblieben.«

»Sie haben eine Mutter«, sagte ich. Er zuckte mit den Schultern.

»Ein paar tausend Pfund würden ihr nichts bedeuten. So viel gibt sie vermutlich jeden Monat aus, um bröcklige Steinklumpen von diesem alten Tempel in Athen mitgehen zu lassen.«

»Jemand anderes im Kreis Ihrer Verwandten und Freunde, an dem Ihnen liegt«, schlug...


Kasasian, M.R.C.
Martin R. C. Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen, hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter leben die beiden auf Malta. Kasasians beliebte Gower Street-Reihe um Detektiv Sidney Grice erscheint bei Atlantik.

Weber, Alexander
Alexander Weber, geboren 1969, ist promovierter Anglist und lebt als freier Übersetzer in Berlin. Er hat u.a. Werke von Robert Gerwarth, Gay Talese und Prinz Harry ins Deutsche übertragen.

Martin R. C. Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen, hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter leben die beiden auf Malta. Kasasians beliebte Gower Street-Reihe um Detektiv Sidney Grice erscheint bei Atlantik.



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