Kastell | Chefarzt Dr. Holl 1895 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1895, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

Kastell Chefarzt Dr. Holl 1895

Wenn die Welt sich nicht mehr dreht
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7325-9914-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wenn die Welt sich nicht mehr dreht

E-Book, Deutsch, Band 1895, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

ISBN: 978-3-7325-9914-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein furchtbares Drama spielt sich in der Berling-Klinik ab: Weil ihr Freund, der erfolgreiche Anwalt Dr. Simon Riedel, sie für die Krankenschwester Jasmin verlassen hat, stürzt sich das bekannte Fotomodell Kerstin Buchmann aus dem zweiten Stock!
Die junge Frau überlebt den Suizidversuch schwer verletzt, doch sie wird von nun an immer auf fremde Hilfe angewiesen sein - auf Simons Hilfe!
Schweren Herzens kehrt der Anwalt tatsächlich zu ihr zurück ...

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Wenn die Welt sich nicht mehr dreht

Packender Arztroman um eine Verzweiflungstat

Von Katrin Kastell

Ein furchtbares Drama spielt sich in der Berling-Klinik ab: Weil ihr Freund, der erfolgreiche Anwalt Dr. Simon Riedel, sie für die Krankenschwester Jasmin verlassen hat, stürzt sich das bekannte Fotomodell Kerstin Buchmann aus dem zweiten Stock!

Die junge Frau überlebt den Suizidversuch schwer verletzt, doch sie wird von nun an immer auf fremde Hilfe angewiesen sein – auf Simons Hilfe!

Schweren Herzens kehrt der Anwalt tatsächlich zu ihr zurück …

Um ein Haar hätte Rechtsanwalt Dr. Simon Riedel die kleine Tanne umgefahren, als er nervös den Wagen in die freie Lücke lenkte, aber es war noch mal gut gegangen. Erleichtert stellte er den Motor ab und blieb dann erst einmal eine Minute reglos hinter dem Steuer sitzen, um wieder ruhiger zu werden.

Mit geschlossenen Augen lauschte er den Geräuschen auf dem Parkplatz hinter ihm, dann atmete er mehrmals ganz tief bis in den Bauch hinein und stieg aus.

Es war drei Uhr am Nachmittag. Soeben waren dicke Regenwolken über die Stadt gezogen, doch schon spiegelte sich wieder die Sonne in den Pfützen. Für Ende April war es ungewöhnlich warm. Der Mann zog den Regenmantel aus und warf ihn auf die Rückbank. Den brauchte er jetzt nicht. Sorgfältig versperrte er das Auto und ging auf das große Haus zu.

Fünf Minuten später gab er Dr. Stefan Holl, dem Chefarzt der Berling-Klinik, die Hand.

„Wie geht es ihr?“, fragte er angespannt, nachdem er kurz gegrüßt hatte.

Dr. Holl deutete auf die Sitzgruppe am Fenster.

„Nehmen Sie doch Platz, Doktor Riedel!“, bat er. „Im Sitzen redet es sich leichter.“

Simon Riedel kam der freundlichen Aufforderung sofort nach. Die ruhige Art Dr. Holls wirkte wohltuend und spannungslösend auf sein eigenes Befinden.

Der junge Anwalt kannte den Klinikchef seit seiner Referendarzeit, die er in der Kanzlei Lassow verbracht hatte. Dr. Axel Lassow wiederum war ein Schwager von Dr. Holl. Und weil Simon über den Frauenarzt nur Gutes wusste, hatte er seine Verlobte sofort zu ihm geschickt, als sie diese harte Stelle in der Brust entdeckt hatte.

Simon sah die Szene vor sich, als wäre sie gerade erst passiert. Kerstin war aschfahl geworden, als sie die Unebenheit bemerkt hatte. Sie hatte zu weinen begonnen und natürlich sofort an Krebs gedacht. Noch am gleichen Tag hatte sie zur Abklärung des Befundes die Berling-Klinik aufgesucht.

Chefarzt Dr. Holl kümmerte sich persönlich um die schöne Patientin, deren Konterfei im ganzen Land bekannt war. Sie warb für Parfüms, für Haarshampoo, für Gesichtscremes und für Mode.

Dr. Holl lehnte sich zurück und schenkte seinem Besucher ein aufmunterndes Lächeln.

„Sie können ganz beruhigt sein, der Knoten hat sich als Zyste erwiesen. Sie ließ sich gut entfernen. Und es wird auch keine Narbe zurückbleiben.“ Anhand des Krankenblattes erläuterte der Chefarzt die einzelnen Befunde.

Simons Miene entspannte sich von einer Sekunde zur anderen.

„Eine wunderbare Nachricht!“, sagte er. „Herr Doktor Holl, ich danke Ihnen.“

„Jetzt sollten Sie Ihre Verlobte aber nicht länger warten lassen. Sie wird schon ziemlich ungeduldig sein.“

Simon verließ das Chefarztbüro. Erst draußen auf dem Gang stellte er fest, dass er die Blumen im Wagen vergessen hatte. Also kehrte er zum Parkplatz zurück, um sie zu holen.

Als er zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit durch den Haupteingang ging, diesmal mit dem Strauß in der Hand, war ihm, als wäre eine große Last von ihm genommen. Kerstin war also nicht ernsthaft erkrankt. Und bald würde sie ihre Arbeit als Top-Model wieder aufnehmen können.

Ganz in Gedanken marschierte er den Gang entlang, der von der großen Eingangshalle in den rechten Flügel des Gebäudes führte, als ihm plötzlich bewusst wurde, dass er keine Ahnung hatte, ob er überhaupt auf dem richtigen Weg war.

Als ihm eine äußerst attraktive Frau im grünen Kittel entgegenkam, sprach er sie an.

„Guten Tag“, sagte er, „ich möchte zu Frau Buchmann. Sie liegt auf Dr. Holls Privatstation …“

„Ich weiß Bescheid“, unterbrach sie ihn lächelnd. „Wenn Sie wollen, können Sie mit mir kommen, denn dahin muss ich auch. Ich bin Schwester Jasmin.“

Simon folgte der schlanken Pflegerin. Sie ging etwas schneller als er, und so hatte er Muße, ihren schön geflochtenen langen Zopf zu betrachten, der vom Hinterkopf bis weit über die Schultern reichte. Es musste sehr schön aussehen, wenn sie das Haar offen trug.

Ein paar unschuldige Augenblicke lang genoss er das heimliche Bild, das er sich von der Krankenschwester machte. Dann blieb sie plötzlich stehen und wies auf die geschlossene Tür vor ihnen.

„Dies ist Frau Buchmanns Zimmer.“

„Danke, Schwester Jasmin.“ Während er noch überlegte, was er noch sagen könnte, ging sie schon weiter. Er empfand ein flüchtiges Bedauern. Doch bevor er sich weiter mit diesem Gefühl beschäftigte, drückte er die Klinke herunter und trat ein.

„Grüß dich, Liebling!“, rief er. „Ich habe schon mit Doktor Holl gesprochen. Es ist alles okay.“

Kerstin streckte ihm beide Arme entgegen.

„Simon!“, rief sie. „Ich hab dich so vermisst!“ Ihre Augen schimmerten feucht.

Er legte die Blumen aufs Bett und gab ihr einen Kuss.

„Bald ist alles wieder gut, Schatz. Ein paar Tage noch, dann ist es überstanden.“

„Es macht wahrhaftig keinen Spaß, hier allein herumzuliegen“, schmollte sie leise.

„So hast du aber doch endlich einmal Zeit, etwas zu lesen“, hielt ihr Simon entgegen und wies auf den Bücherstapel neben ihrem Bett, bevor er sich setzte. „Wie war die Operation?“

„Ich habe überhaupt nichts gemerkt. Doktor Holl schaut täglich nach mir. Er ist ein toller Arzt. Ich habe sehr viel Vertrauen zu ihm.“

Simon lächelte verschmitzt. „Du wirst dich doch nicht in ihn verliebt haben? Soviel ich weiß, ist er seit vielen Jahren glücklicher Familienvater.“

Kerstin überging seine scherzhafte Bemerkung.

„Ich möchte gern die Narbe sehen“, sagte sie. „Hoffentlich hat Doktor Holl wirklich so gut gearbeitet, wie er mir versprochen hat.“ Sie machte Anstalten, den Verband zu lösen.

Aber Simon hielt ihre Hände fest.

„Das solltest du nicht tun, Schatz, sondern diese Entscheidung Doktor Holl überlassen. Gerade hast du doch gesagt, dass du ihm vertraust. Also halte dich an seine Anordnungen! Es wird zu deinem Besten sein.“

Kerstin fügte sich dem Rat ihres Verlobten nur widerstrebend. Sie betrachtete nachdenklich die Blumen.

„Wie kommst du ohne mich zurecht?“, erkundigte sie sich dann.

„Mach dir keine Sorgen“, erwiderte er spontan. „Es klappt alles bestens.“

„Dann vermisst du mich also gar nicht“, schloss sie aus seiner Antwort.

Simon schüttelte nachsichtig den Kopf.

„So war das nun auch wieder nicht gemeint. Ich wollte damit nur sagen, dass wir die Zeit schon irgendwie überstehen. In ein paar Tagen sind wir wieder zusammen.“

„Freust du dich darauf?“, fragte sie mir kokettem Lächeln.

Er seufzte innerlich in einem Anflug von Unmut, ließ sich aber nichts anmerken.

„Natürlich freue ich mich sehr.“

„Liebst du mich?“, wollte sie nun wissen.

„Ich liebe nur dich.“

„Bist du mir auch treu?“

„Warum nimmst du mich ins Kreuzverhör, Schatz? Zweifelst du an mir?“

Kerstin lächelte verhalten. „Ich will nur immer wieder hören, dass ich die einzige Frau in deinem Leben bin.“

Sie zog seinen Kopf zu sich heran und küsste ihn fordernd auf den Mund.

***

Am nächsten Tag brachte ein Bote einen neuen Strauß für Kerstin Buchmann. Allmählich verwandelte sich ihr Zimmer in ein Rosenparadies.

Jasmin Mehring gab die Blumen an Lernschwester Biggi weiter.

„Bring den Strauß zu Frau Buchmann!“, ordnete sie an. „Und nimm gleich eine Vase mit, damit du nicht zweimal laufen musst.“

Biggi Schulz befolgte den Auftrag der Kollegin willig. Sie war etwas langsam im Denken und Handeln, tat aber alles gewissenhaft, was man ihr auftrug.

Unterwegs schnupperte sie wie eine neugierige Katze an den roten Rosen. Noch nie hatte sie von einem Jungen Blumen geschenkt bekommen.

Sie drückte die Klinke von Zimmer 20 herunter und trat ein.

„Wieder ein Strauß für Sie. Wo soll ich ihn hinstellen?“

Kerstin fuhr hoch. „Sie haben mich erschreckt!“, rief sie. „Ich war gerade eingeschlafen. Hat man hier denn nie seine Ruhe?“

„Entschuldigung“, murmelte Biggi, ganz erschreckt über die unerwartete Reaktion.

„Klopfen Sie das nächste Mal an!“, befahl Kerstin ungnädig. „Und ziehen Sie den Vorhang vor! Das grelle Licht tut mir in den Augen...



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