E-Book, Deutsch, Band 1907, 64 Seiten
Reihe: Dr. Holl
Kastell Chefarzt Dr. Holl 1907
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1123-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vom Schicksal geprüft
E-Book, Deutsch, Band 1907, 64 Seiten
Reihe: Dr. Holl
ISBN: 978-3-7517-1123-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit zitternden Händen reißt Dr. Ella Gruber-Neuhaus den braunen Umschlag auf, und als sie die Fotos herauszieht, sinkt sie mit einem entsetzten Keuchen auf den Stuhl im Ärztezimmer. Heiße Röte steigt ihr in die Wangen, und sie spürt, wie ihr Herz einen Schlag aussetzt: Die Aufnahmen zeigen Jorge und sie unbekleidet in einer leidenschaftlichen Umarmung! Und an ihrer linken Hand prangt deutlich sichtbar der kostbare Verlobungsring, den Moritz ihr geschenkt hat ...
In diesem Moment wird Ella mit Entsetzen klar, dass ihre junge Ehe mit dem Unternehmer Moritz Gruber in großer Gefahr ist. Und sie selbst ist daran schuld! Ihre dumme Neugier und ein Glas Wein zu viel haben sie in die Arme eines notorischen Herzensbrechers getrieben - und der fordert nun für sein Schweigen Geld, viel Geld ...
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Vom Schicksal geprüft
Woran eine Ärztin zu zerbrechen drohte
Von Katrin Kastell
Mit zitternden Händen reißt Dr. Ella Gruber-Neuhaus den braunen Umschlag auf, und als sie die Fotos herauszieht, sinkt sie mit einem entsetzten Keuchen auf den Stuhl im Ärztezimmer. Heiße Röte steigt ihr in die Wangen, und sie spürt, wie ihr Herz einen Schlag aussetzt: Die Aufnahmen zeigen Jorge und sie unbekleidet in einer leidenschaftlichen Umarmung! Und an ihrer linken Hand prangt deutlich sichtbar der kostbare Verlobungsring, den Moritz ihr geschenkt hat ...
In diesem Moment wird Ella mit Entsetzen klar, dass ihre junge Ehe mit dem Unternehmer Moritz Gruber in großer Gefahr ist. Und sie selbst ist daran schuld! Ihre dumme Neugier und ein Glas Wein zu viel haben sie in die Arme eines notorischen Herzensbrechers getrieben – und der fordert nun für sein Schweigen Geld, viel Geld ...
Die vier Frauen, die auf den Abflug ihrer Maschine von Palma de Mallorca nach München warteten, verhielten sich auffallend still.
Ella Neuhaus betupfte leise seufzend ihre Schläfen mit einem Erfrischungstuch, Linda zog ständig die Brauen zusammen, was wie Gesichtsgymnastik aussah, und Sophie schluckte schon die dritte Tablette an diesem sonnigen Vormittag.
Die Nacht hatte es in sich gehabt. Die heiße Abschiedsparty war erst zu Ende gegangen, als der Tag schon recht deutlich dämmerte.
»War eine ganz schöne Sause«, bemerkte Yvonne mit geschlossenen Augen. Da die Vierte im Bunde sich kreislaufmäßig noch im Energiesparmodus befand, sprach sie so leise, dass nur Ella es hörte.
»Noch einmal richtig ausgelassen sein, bevor der Ernst des Lebens anbricht«, meinte Ella mit Selbstironie. »Mein Wunsch hat sich erfüllt, und Moritz wird's mir schon verzeihen. Außerdem wird er mit seinen Jungs auch kräftig gefeiert haben.«
Eine taufrisch wirkende Stewardess bezog jetzt Posten am Boarding-Schalter und setzte ein passagierfreundliches Lächeln auf. Wenig später forderte eine Lautsprecherstimme die Fluggäste auf, sich zum Einstieg zu begeben.
Als die vier Freundinnen endlich angeschnallt in der Maschine auf die Startfreigabe warteten, ging es Sophie schon etwas besser. Ella und sie saßen nebeneinander, die zwei anderen in der Reihe davor.
»Die Tabletten wirken«, sagte sie erleichtert. »Du solltest auch eine nehmen.«
Doch Ella wollte nicht. »Nicht mehr nötig. Es geht mir schon besser. Mein Kater war wohl nicht ganz so aggressiv wie deiner. Und bis wir in München landen, vergeht ja auch noch ein wenig Zeit. Moritz holt uns alle ab.«
Während des ruhigen Fluges ließ Ella die drei Tage, die sie mit ihren Freundinnen in Palma verbracht hatte, noch einmal Revue passieren.
Sie hatten alles mitgenommen, was die Stadt bot, und das Nachtleben nach Kräften ausgekostet. Jetzt noch eine Woche Erholung – und dann Hochzeit mit Dr. Moritz Gruber, einem Großneffen des Pharmakonzern-Gründers Heinrich Huber. Gemeinsam mit seinem Vater Albert hielt Moritz die Mehrheit an der AG.
»Du heiratest ein paar Stufen hinauf, aber du hast es auch verdient«, meinten die Freundinnen (fast) einstimmig. Nur Yvonne gelang es nicht immer, ihren Neid zu verbergen, weswegen ihr Lächeln oft ziemlich säuerlich wirkte.
Nach dem, was Ella sich auf Mallorca geleistet hatte, war sie sich nicht mehr so sicher, ob sie Prinz Charming Moritz »verdient« hatte. Die Affäre war zwar heftig, aber nur kurz gewesen, somit vorbei und würde auch in Zukunft keinerlei Bedeutung mehr für sie haben. Ein nettes kleines Abenteuer, nichts weiter.
Vergeben und vergessen. Nun war sie bereit, Moritz eine treue Ehefrau zu sein und später den gemeinsamen Kindern eine liebevolle Mutter.
Sophie war eingenickt und fuhr hoch, als die Maschine auf dem Rollfeld aufsetzte.
»Da bist du ja wieder«, sagte Ella und betrachtete die Freundin prüfend. »Hast du noch Kopfschmerzen?«
Sophie gähnte ausgiebig hinter vorgehaltener Hand.
»Sie sind weg. Zum Glück.«
Ella kramte nach dem Spiegel in ihrer Handtasche, um sich kritisch zu betrachten.
»Sag mir ehrlich, wie sehe ich aus? Wird Moritz merken, dass wir die Nächte durchgemacht haben?«
»Selbst wenn, so würde er keine Bemerkung darüber fallen lassen. Dazu ist er zu sehr Gentleman.«
Dennoch machte sich die Freundin jetzt die Mühe, Ellas Gesicht genauer anzuschauen.
»Nein«, stellte sie schließlich fest. »Dein Aussehen ist perfekt wie immer. Leg vielleicht noch ein wenig Lipgloss auf, das dürfte reichen. Ansonsten keine Ringe, keine Schatten um die Augen. Sorge dich nicht, Frau Doktor. Dein zukünftiger Mann wird glücklich sein, dich wieder in die Arme schließen zu dürfen.«
Bis die vier Freundinnen dann an ihr Gepäck kamen, verging noch eine ganze Weile. Ella wartete immer noch auf ihren Koffer, als ihr Handy klingelte.
»Hallo, Schatz, ihr seid also gut gelandet. Leider kann ich dich nicht abholen. Ganz kurzfristig wurde eine Telefonkonferenz angesetzt. Aber wir sehen uns heute Abend.«
»Wie schade!«, erwiderte Ella bedauernd. »Ich hatte den Mädels schon versprochen, dass sie alle von dir bis vor die Haustür gefahren werden.«
»Nehmt euch ein Taxi. Ich trage die Kosten!«, versprach Moritz großzügig. »Jetzt muss ich los. Küsschen. Hattet ihr viel Spaß?«
»Es war toll«, sagte Ella, froh darüber, dass er jetzt in diesem Moment ihr Gesicht nicht sehen konnte. Vielleicht hätte er dann doch etwas von der Röte bemerkt, die ihr langsam den Hals hinaufkroch und dort verweilte. Erst nach dem Ende des Gesprächs kehrte ihre Gelassenheit zurück.
Moritz würde nie etwas von ihrem spontanen Seitensprung erfahren. Es war einfach so passiert. Und da die Freundinnen nichts davon mitbekommen hatten, konnten sie auch nichts ausplaudern.
***
»Sie scheinen sich ja prächtig erholt zu haben, Frau Doktor Neuhaus.« Chefarzt Dr. Holl lächelte seine junge Mitarbeiterin wohlwollend an. »Gut sehen Sie aus.«
Ella Neuhaus fühlte sich geschmeichelt.
»Ja, es war sehr nett«, erwiderte sie und log dann, dass sich die Balken bogen. »Wir haben die Insel erkundet, sind im Hotelpool geschwommen und ganz viel spazieren gegangen. Erholung pur. Es waren angenehme Tage.«
»Nun sind Sie also gestärkt für das große Fest«, stellte Stefan Holl fest. »Wohin geht denn die Hochzeitsreise?«
»Die Flitterwochen sind erst für den Sommer geplant«, erzählte Ella dem Chefarzt. »Mein Verlobter kann jetzt nicht weg. Ich nehme nur zwei Tage Urlaub, dann bin ich wieder an Bord.«
»Mir soll's recht sein«, sagte Dr. Holl.
»Zum Sektfrühstück nach dem Standesamt kommen Sie doch?«
Ella wusste über die Gästeliste nicht genau Bescheid. Zwar hatte sie ihrer zukünftigen Schwiegermutter ihre diesbezüglichen Wünsche mitgeteilt, aber Karin Gruber war manchmal etwas selbstherrlich in ihren Entscheidungen.
»Ja, ich habe schon zugesagt. Meine Frau begleitet mich.«
»Das freut mich sehr, Doktor Holl.«
In der Kitteltasche des Klinikchefs piepste der Pager.
»Wir sehen uns später noch!«, rief er im Weggehen und eilte in den Kreißsaal, wo noch heute Drillinge auf normalem Weg das Licht der Welt erblicken sollten.
Die Eltern hatten schon einen vierjährigen Sohn.
Es hatte einige Diskussionen mit dem Ehepaar und dem Team um Dr. Holl gegeben, aber schließlich hatte sich der Chefarzt auf eine natürliche Geburt eingelassen. Dennoch stand der OP zwei bereit, falls es doch zu unerwarteten Komplikationen kommen sollte.
Auch für die erfahrenen Mitarbeiter der Geburtshilfe war eine Drillingsgeburt etwas Besonderes. Im Abstand von fünf Minuten wurden die Babys geboren. Zuerst zwei Jungen, dann ein Mädchen. Das Geburtsgewicht betrug bei allen um die zweitausend Gramm. Bis sie aus der Obhut der Berling-Klinik entlassen werden konnten, mussten sie erst noch in den Frühchen-Betten bleiben, bis sie das notwendige Gewicht erreicht hatten. Ansonsten aber waren alle gesund.
Das gesamte Team freute sich mit den glücklichen Eltern.
Und als Dr. Holl abends nach Hause kam, hatte er natürlich viel zu erzählen.
»Drillinge?« Juju, das jüngste der vier Holl-Kinder, legte ihren hübschen Kopf auf die Seite. »Wird es da denn nicht ziemlich eng im Bauch?«
»Allerdings«, pflichtete Stefan der Zehnjährigen bei. »Das heißt auch, dass jedes einzelne Baby natürlich weniger Gewicht hat als ein Einzelkind. So einen Frauenbauch kann man ja nicht ins Unendliche dehnen.«
»Wie war das denn mit den Zwillingen damals, Mama?«
»O Gott, das ist ja nun schon über zwanzig Jahre her«, erwiderte die ehemalige Kinderärztin Dr. Julia Holl. »Eigentlich war die Schwangerschaft ganz normal, nur der Bauchumfang war tatsächlich größer als bei Chris oder bei dir.«
Jetzt wandte sich das wissbegierige Kind an den Vater.
»Streiten sich mehrere Babys um den besten Platz im...




