E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
Kastell / Graf / Klessinger Einsatz mit Leidenschaft
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-2593-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Drei Klinik-Romane in einem E-Book
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7325-2593-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Drei mitreißende Klinikromane in einem Sammelband vereint!
Einfühlungsvermögen, Herzensgüte und Kompetenz - das sind drei Eigenschaften, die Chefarzt Dr. Stefan Holl und die Notärzte Dr. Andrea Bergen und Dr. Peter Kersten verbindet. Erstmalig in diesem Sammelband erscheint jeweils eine Geschichte der drei Mediziner aus der Klinik. Und ob bei dramatischen Operationen, mitreißenden Schicksalsschlägen oder den eigenen Sehnsüchten nach Liebe und Geborgenheit: Es steht viel auf dem Spiel! Zum Glück kann man sich immer auf diese Ärzte verlassen - denn sie sind im Einsatz mit Leidenschaft.
'Was sie bei ihrem Mann vermisste' von Katrin Kastell.
Als die hübsche Schwester Karin die Nachricht vom plötzlichen Herztod ihres Mannes erhält, bricht sie zusammen. Und in ihr wächst die fatale Überzeugung, dass Michaels Tod die Strafe des Schicksals ist - und allein ihre Schuld ...
'Unfall im Spielparadies' von Liz Klessinger.
Gerade hat sich Sandra Ullmann nach ihrer Scheidung ein neues Leben aufgebaut, als ihre geliebte kleine Tochter Jasmin im Spielparadies von einem Gerüst stürzt. Die herbeigerufene Notärztin Dr. Bergen kann ihr Entsetzen kaum verbergen, und ihre Befürchtungen sollen sich kurz darauf im Elisabeth-Krankenhaus auf tragische Weise bestätigen ...
Doch kann es wirklich sein, dass die lebensfrohe, temperamentvolle kleine Jasmin für immer an den Rollstuhl gefesselt ist?
'Ihr Herz schlug nur für ihre Tiere' von Karin Graf.
Noch niemals ist Justus Hagenberg einer Frau begegnet, die seine Gefühle so sehr in Aufruhr versetzt hat wie Karina Benning. Verzweifelt grübelt er darüber nach, wie er es bewerkstelligen soll, das Herz der schönen Pflegerin - das leider bereits von vierzehn Tieren besetzt ist! - zu erobern. Warum sie überhaupt so viele Tiere hat, kann er nicht wirklich verstehen. Das bedeutet doch eine ganze Menge zusätzliche Arbeit! Doch dann entdeckt er in einem Frisörsalon den völlig verwahrlosten Papagei Papageno, und mit einem Mal ist ihm alles klar ...
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„Jasmin, wir müssen uns beeilen!“ Ungeduldig sah Sandra Ullmann ihrer Tochter zu, wie sie versuchte, eine Schleife zu binden. „Komm, lass mich das machen!“ Sie bückte sich und band geschickt die Schnürsenkel zu.
„Mami, ich bin schon bald sieben“, protestierte Jasmin. „Ich kann das selbst.“
„Das weiß ich, mein Schatz“, antwortete Sandra, während sie Jasmin in die Jacke half. „Aber dein Vater wird wütend, wenn wir nicht pünktlich kommen.“ Hastig schob sie ihre Tochter zur Haustür hinaus, nahm ihre Handtasche, die an der Garderobe hing, und zog die Tür hinter sich zu.
Im Hausflur sah sie, dass Post in ihrem Briefkasten lag. Sandra holte den Brief aus dem Kasten und öffnete ihn. Ihr Magen zog sich zusammen, als sie das Schreiben aus dem Umschlag nahm: Sie wurde zu einem Gespräch ins Jugendamt gebeten. Seufzend steckte sie den Brief in ihre Handtasche.
„Hast du wieder Post von Papa bekommen?“, fragte Jasmin, die ihre Mutter beobachtet hatte.
Sandra zwang sich zu einem Lächeln. „Nein, das war nichts Wichtiges“, log sie und öffnete die schwere Flurtür, um Jasmin hinaustreten zu lassen. Gedankenverloren ging sie neben ihrer Tochter her, die leise ein Kinderlied summte. Die Vorladung bedeutete nichts Gutes. Vermutlich hatte ihr Exmann wieder eine Kürzung des Unterhalts durchgesetzt, oder er hatte sie beim Jugendamt angeschwärzt, was für eine schlechte Mutter sie sei. Seit der Scheidung im letzten Jahr machte er ihr das Leben zur Hölle.
Sandra sah auf ihre Armbanduhr. In einer halben Stunde mussten sie in der Kanzlei ihres Exmannes sein. Sie mussten auf jeden Fall pünktlich kommen, sonst würde Reinhold ihr wieder Vorwürfe machen. Sandra nahm Jasmin an die Hand und eilte mit ihr durch die Straßen. Während die Kleine neben ihr herhüpfte, hing Sandra ihren Gedanken nach.
Warum konnte Reinhold sie nicht in Ruhe lassen? Sie war doch auf jede seiner Forderungen eingegangen, sie hatte nichts mitgenommen, als sie ausgezogen war, sie hatte nicht einmal seinen Namen behalten. Sie wollte nur eins: Jasmin.
Sandra erinnerte sich daran, wie sprachlos sie gewesen war, als Reinhold das Sorgerecht für Jasmin gefordert hatte. Er, der sich bis dahin kaum um seine Tochter gekümmert hatte, weil ihm seine Arbeit und sein Vergnügen immer wichtiger gewesen waren.
Ich muss blind vor Liebe gewesen sein, dass ich das nicht von Anfang an gesehen habe, dachte Sandra. Aber sie hatte sich geschmeichelt gefühlt, als Reinhold von Herringen, der erfolgreiche Anwalt aus altem Adelsgeschlecht, sich um sie bemüht hatte. Sie war noch in der Ausbildung zur Anwaltsgehilfin gewesen und hatte es genossen, dass der Chef sie umgarnte. Auf die Warnungen der älteren Kolleginnen hatte sie nichts gegeben.
Reinhold führte sie in die besten Restaurants der Stadt, er ging mit ihr in Boutiquen, in denen sie sich nach Herzenslust einkleiden durfte, und als er eines Tages einen teuren Ring hervorholte, waren sie verlobt. Ihr war es wie ein Traum vorgekommen, der sich im Laufe der Jahre zum Albtraum entwickelt hatte.
Von Anfang an hatte er sie betrogen. Während sie mit der kleinen Jasmin einsam in der großen Villa saß, die Reinhold noch mit seiner Mutter, der Gräfin Ursula, teilte, arbeitete er von früh bis spät, baute die Kanzlei aus und vergnügte sich mit seiner aktuellen Geliebten. Er versuchte nicht einmal, seine Affären zu verschleiern, und als Sandra ihn eines Tages mit einer dieser Frauen in ihrem Ehebett erwischt hatte, hatte es ihr gereicht.
Sandra erinnerte sich noch an sein überraschtes Gesicht, als sie mit dem Koffer in der einen Hand und Jasmin an der anderen in der Tür stand. „Du kommst doch sowieso wieder“, hatte er ihr noch nachgerufen, doch Sandra war nicht zu ihm zurückgekehrt. Das hatte er ihr bis heute nicht verziehen. Er hatte sogar versucht, sie wieder zu gewinnen, aber es war ihm nicht um ihre Liebe gegangen, sondern um sein Ansehen als ehrbarer Ehemann und Familienvater.
Als er endlich begriffen hatte, dass sie nicht zu ihm zurückkehren würde, hatte er Jasmin gefordert. Sie sollte bei ihm aufwachsen, weil sie eine standesgemäße Erziehung bekommen sollte, die sie, Sandra, ihrem Kind nicht geben könne. Keiner von ihnen hatte nachgeben wollen, und so hatte schließlich ein Richter entschieden, dass das Kind bei der Mutter aufwachsen und den Vater regelmäßig sehen solle.
Dabei geht es Reinhold gar nicht um Jasmin, dachte Sandra bitter. Es geht ihm nur darum, sich an mir zu rächen.
Sie waren an einer großen Kreuzung angekommen. Sandra nahm Jasmin wieder an die Hand und wartete darauf, dass die Ampel grün wurde. Eilig überquerten sie die befahrene Straße und bogen in einen kleinen Fußweg ein, eine Abkürzung in die Innenstadt.
„Mami, warum muss ich eigentlich jedes Wochenende zu Papa?“
Sandra holte kurz Luft. Jedes Mal, wenn sie Jasmin zur Kanzlei brachte, führten sie die gleiche Diskussion.
„Weil Papa und ich das so ausgemacht haben.“ Sie bemühte sich um eine ruhige Stimme. „Außerdem freut sich der Papa auf dich, er hat dich schließlich die ganze Woche nicht gesehen.“
„Stimmt gar nicht“, maulte Jasmin. „Papa freut sich überhaupt nicht. Der ist meistens gar nicht da, wenn ich bei ihnen bin. Ich muss dann immer mit Omi zusammen sein.“
„Papa hat nun mal viel zu tun, er muss oft auch am Wochenende arbeiten.“
„Warum kann ich nicht bei dir bleiben?“ Jasmins Stimme klang traurig. „Ich will nicht bei Omi sein.“
„Aber Omi hat dich auch lieb, außerdem kannst du dann wieder in deinem alten Zimmer wohnen.“ Hilflos sah Sandra auf ihre Tochter hinunter. Sie konnte Jasmin verstehen. Ihre Exschwiegermutter, Ursula von Herringen, war leider nicht die liebenswürdige Omi, die Kinder sich wünschen. Die alte Gräfin war streng und standesbewusst. Dennoch war Sandra sich sicher, dass sie ihre Enkeltochter liebte.
„Bei Omi darf ich nichts machen“, beschwerte sich die Kleine. „Wenn ich meine Sachen rumliegen lasse, muss ich sie sofort aufräumen, und meine Freunde darf ich auch nicht sehen“, beklagte sich Jasmin. „Und neben dem Teller liegen immer so viele Gabeln und Löffel und Messer, dass ich nie weiß, welche ich nehmen soll.“
„Das lernst du schon noch“, ermunterte Sandra sie, als sie in die Fußgängerzone einbogen.
„Aber wenigstens gehen wir wieder zum Ballettunterricht“, seufzte Jasmin. „Dann sitzt zwar Omi die ganze Zeit dabei und sieht zu, aber es macht trotzdem Spaß.“
„Na, siehst du!“ Sandra war froh, dass sich Jasmins Stimmung aufhellte.
„Und hoffentlich fahren wir wieder zu Hannah!“, plapperte die Kleine und sah ihre Mutter erwartungsfroh an. „Die hat nämlich zwei ganz süße Katzen.“
„Wer ist Hannah?“ Sandra ahnte es.
„Papa sagt, sie ist eine Bekannte. Aber das stimmt nicht. Die sind nämlich verliebt. Ich habe gesehen, wie die sich geküsst haben.“ Sie kicherte. „Die haben gedacht, ich merke das nicht.“
Sandra bemühte sich, die Fassung zu wahren. Warum musste Reinhold seine Tochter mit zu seinen Liebschaften nehmen? Er verwirrte das Mädchen damit nur.
Sie hastete mit Jasmin durch die Fußgängerzone. Die Kanzlei befand sich in einem noblen Bürogebäude am Ende der breiten Einkaufsstraße.
„Sandra?“ Ein gut aussehender Mann mittleren Alters stellte sich ihr in den Weg.
Verwirrt bliebt sie stehen und sah ihn an.
„Erkennst du mich nicht mehr?“ Der Mann lächelte sie an. Er hatte dunkles, kurzes Haar, bernsteinfarbene Augen und trug sportliche Kleidung.
Plötzlich dämmerte es ihr. „Alex!“, rief sie. „Alex Bode!“ Sie starrte ihn an und spürte, wie es in ihrem Bauch zu kribbeln begann. „Das kann nicht wahr sein!“, murmelte sie. „Wann haben wir uns das letzte Mal gesehen?“
„Vor zehn Jahren“, antwortete er und lächelte. „Damals auf der Abifeier. Am nächsten Morgen musstest du deine Lehre bei diesem Rechtsanwalt antreten. Ein halbes Jahr später wart ihr dann verlobt“, fügte er süffisant hinzu.
„Du hast dich nach dem Abi aus dem Staub gemacht und bist in eine andere Stadt gezogen“, protestierte Sandra.
„Als wenn das ein Grund gewesen wäre, sofort etwas mit dem Chef anzufangen“, konterte Alex. Dann mussten beide lachen.
„Es scheint, als hätten wir das immer noch nicht überwunden“, gab Alex zu, und Sandra schüttelte lächelnd den Kopf. Dann fiel ihr wieder die Uhrzeit ein. „Es tut mir leid, Alex, aber wir müssen weiter.“ Zögernd blieb sie stehen.
„Wenn du Lust hast, kannst du am nächsten Samstag zu meiner Einweihung kommen. Um elf Uhr geht es los.“ Er holte einen Flyer aus seiner Jackentasche. „Ich eröffne ein Spielparadies, es ist ganz in der Nähe.“ Erwartungsvoll sah er sie an.
Sandra blickte kurz zu ihrer Tochter, die Alex neugierig ansah.
„Ich weiß nicht, ob ich kommen kann“, erwiderte sie mit gedämpfter Stimme.
„Du würdest mir eine große Freude machen.“ Alex beugte sich zu Jasmin hinunter. „Und du kommst auch mit, dann kannst du gleich die neuen Spielgeräte testen.“
„Oh, ja! Mami, bitte, lass uns hingehen!“, bettelte Jasmin.
„Ich glaube nicht, dass es klappt“, sagte Sandra hastig. „Jasmin ist am Wochenende immer bei ihrem Vater. Wir müssen jetzt wirklich gehen.“ Sie zog die Kleine weiter. „War nett, dich gesehen zu haben“, rief sie im Gehen und winkte Alex zu, der ihr enttäuscht hinterhersah.
***
Sandra war immer noch aufgewühlt von der Begegnung mit Alex, als sie in die Kanzlei eintrat. Sie...




