Kaster Ferdi, Lutz und ich auf Klassenfahrt
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7026-5904-2
Verlag: Jungbrunnen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 96 Seiten
ISBN: 978-3-7026-5904-2
Verlag: Jungbrunnen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Armin Kaster las als Junge Weltliteratur, die er nicht verstand, und wünschte sich dennoch Schriftsteller zu werden. Nach exotischen Ausflügen in den Groß- und Außenhandel sowie die Wirtschaftswissenschaft, bog er ab zur Pädagogik und danach zur Kunst. Jetzt arbeitet er als freier Autor und Künstler und lebt mit seiner Familie in Düsseldorf. Seit Jahren führt er literarisch-künstlerische Projekte mit Kindern und Jugendlichen im In- und Ausland durch. Dabei begeistern ihn vor allem die originellen Lebenswelten junger Menschen, die er am liebsten in Geschichten verwandelt.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Hetz! Mich! Nicht!
Am nächsten Morgen standen Ferdi und Lutz an meinem Bett und sangen: „Jetzt gehts lo-hos, jetzt gehts lo-hos ...“
Sie trugen dunkle Sonnenbrillen und hatten kurze Hosen an.
Ich fragte: „Was geht denn los ...?“, und blinzelte verschlafen zum Fenster. Die Sonne schien.
„It’s Ausflug-Time!“, sagte Ferdi.
Er hielt die Daumen hoch.
„Außerdem wartet der Bus“, ergänzte Lutz.
„Nicht schon wieder ...“, stöhnte ich.
„So ist das Leben!“, sagte Ferdi und zog die Sonnenbrille runter. Dann sagte er „Ssälawie!“, was vermutlich Französisch war. Vor seinem Bauch hing die Notfalltasche.
„Wie spät ist es denn?“, frage ich.
„Neun.“
Ferdi öffnete die Tasche. Sie war prall gefüllt mit Weingummifröschen.
„Du hast ewig lang geschlafen“, moserte Lutz.
„Ich war ja auch ohnmächtig!“
„Aber wegen dir ist alles ausgefallen.“
Lutz’ Wangen hatten weiße Flecken von der Sonnencreme. „Und jetzt?“, fragte ich.
„Gehts in den Tierpark!“, riefen sie und gaben sich einen Handschlag. Damit verschwanden beide durch die Tür.
Als ich in den Bus stieg, saßen alle da, wo sie gestern auch schon gesessen hatten. Oma Inge begrüßte mich mit einem kurzen Nicken. Und Herr Pflaume las in einem Heft mit Ponys und Ziegen.
Ich brummte: „Morgen ...“, und setzte mich auf meinen Platz. „Sollen wir?“
Lutz zog das Quartett aus der Tasche-mit-den-7-Sachen.
Ich schüttelte den Kopf. Denn ich hatte weder Lust auf das Auto-Quartett, noch wollte ich in den Tierpark. Außerdem trug ich die Unterhose von gestern, und die Zähne waren auch noch nicht geputzt.
„Fröschchen?“, fragte Ferdi.
Ich griff in die Notfalltasche.
Und Lutz zog die Möhrchen und das Butterbrot von gestern hervor. Als er beides unter den Sitz fallen ließ, rief ich: „Da vorne ist der Mülleimer!“
Aber Lutz sah nur zum Fenster hinaus.
„Da-ha!“
Ich zeigte in den Gang. Neben der Toilette war der Mülleimer.
„Ob wir noch das Bergwerk besichtigen?“, überlegte Ferdi.
„Lieber Bötchen fahren“, sagte Lutz.
„Oder mal zum Mülleimer“, schlug ich vor.
„Ich fände eine Nachtwanderung auch gut“, sagte Ferdi.
„Ich nicht!“, sagte Lutz.
Ferdi beugte sich hinüber.
„Weil ...?“
Lutz senkte den Kopf.
„Weils nachts dunkel ist ...“
„Im Bergwerk ist es nicht heller“, sagte ich.
Da schrillte Oma Inge: „Wer war das?“
Sie hielt ihren Schirm hoch. Der war krumm und ohne Griff.
„Herr Pflaume wars!“, sagte Ferdi und versteckte sich hinter dem Sitz.
Ein paar Mädchen kicherten.
Und ich rief: „Lutz wars!“
Oma Inge kam durch den Gang. Und obwohl es doch meine Oma war, bekam ich etwas Angst vor ihr.
„Stimmt das, Bürschchen?“, fragte sie.
Lutz zog sein Comic aus der Tasche und fing an zu lesen.
Ich kickte das Brot in den Gang. Direkt vor Oma Inges Füße. Dann sagte ich laut und deutlich:
„So eine Sauerei! Ich frage mich, wer hier Brote in den Bus wirft!“
Doch Oma Inge beachtete mich nicht.
„Und?“, fragte sie. „Hast du meinen Schirm auf dem Gewissen?“
Lutz las weiter.
Da machte Oma Inge einen Schritt nach vorne und das Butterbrot verschwand mit einem Schmatzen unter ihrem Schuh.
Ferdi schaute zu Boden und sagte: „Sie haben Leberwurst am Knöchel!“
Lutz lachte, und Oma Inge drehte sich um und hüpfte zurück.
„Jetzt hast du ein Problem!“, sagte ich.
Doch Lutz machte nur „Pff ...“ und las weiter.
Während der Fahrt schaute ich ständig nach vorne, um zu sehen, welche Laune Oma Inge hatte. Sie saß ganz ruhig neben Herrn Pflaume und starrte aus dem Fenster. Als wir ausstiegen, passierte auch nichts. Oma Inge tat so, als gäbe es uns nicht. Sie stand auf dem Parkplatz und kratzte das Brot mit dem krummen Schirm ab. Und wir liefen möglichst unauffällig an ihr vorbei zur Kasse vom Tierpark.
Dort saß ein Mann und verkaufte Tierfutter, das Tütchen für 50 Cent.
„Das sieht aber gut aus“, sagte Ferdi.
Er legte ein Geldstück auf die Theke und bekam eine Tüte. Als er sich eine Handvoll Futter in den Mund steckte, riss er die Augen auf und rief: „Lecker!“
Ferdi hielt mir die Tüte hin und ich probierte.
„Stimmt “, sagte ich und kramte ein Geldstück aus meiner Tasche. Schließlich hatte ich nur ein paar Gummifrösche im Bauch.
Der Mann im Kassenhäuschen sah zur Seite und sagte:
„Der Nächste bitte ...“
Ich rief: „Ich bin der Nächste!“
Doch der Mann sagte: „Du warst schon dran.“
Ich knallte mein Geldstück auf die Theke.
„Das war Ferdi! Und jetzt bin ich dran!“
Da schnappte sich der Mann mein Geld und sagte:
„Futter ist aus. Der Nächste bitte ...“
Die anderen wurden unruhig. Sie standen hinter Oma Inge, die aufgeregt winkte.
„Wann gehts denn endlich weiter?!“, rief sie.
Ich winkte zurück und antwortete: „Moment noch ...“
Dann fragte ich: „Also?“
„Also was?“
„Was ist jetzt?“
„Was soll sein?“
„Das Tierfutter! Was ist damit?“
„Damit ist nichts. Das ist aus!“
„Dann will ich mein Geld zurück!“
„Geht nicht. Geld ist auch aus.“
„Wie ...?“
Der Mann grinste, dann sagte er: „Der Nächste bitte ...“
„Das ist ungerecht!“, rief ich, als wir beim Streichelzoo ankamen. Ich war jetzt richtig wütend.
Ferdi hielt mir seine Futtertüte hin.
„Nimm mal. Beruhigt die Nerven.“
„Aber das ist un-ge-recht!“
„Nee, das ist Tierfutter!“, sagte Lutz.
Ferdi schmatzte: „Fo find fi Fiere fenn?“, und zeigte in das Gehege.
Bis auf einen Holzverschlag mit abgewetzter Wiese voller Ziegenkot war nichts zu sehen.
„Die schlafen noch“, erklärte ich und wollte eigentlich nochmal über den Mann im Kassenhäuschen sprechen. Doch Ferdi öffnete die Notfalltasche und warf ein paar Gummifrösche ins Gehege. Sofort sprangen die Ziegen aus dem Verschlag und machten sich darüber her.
„Hey! Das ist pures Gift für Ziegen!“, rief Lutz. „Die dürfen keinen Zucker bekommen!“
Er öffnete das Gatter vom Streichelzoo und betrat das Gehege.
„Die mögens aber“, sagte Ferdi und warf noch mehr hinein.
„Nicht alles was gut schmeckt, sollte man essen“, sagte ich und tippte an Ferdis Bauch.
Lutz wuselte zwischen den Ziegen herum. In null Komma nix hatte er die Gummifrösche eingesammelt. Doch den Ziegen gefiel das nicht. Sie drängten sich um Lutz und stupsten ihn an.
„Was hat er denn?“, fragte Ferdi.
Lutz wedelte mit den Armen.
„Ist mir egal!“, sagte ich und schnappte mir den nächsten Frosch. Meine Laune wurde immer schlechter.
Da kam Herr Pflaume.
„Na, mein Lieber. Gehts dir besser?“
„Nö“, sagte ich und verschränkte die Arme.
„Hast du Kopfweh?“
„Nie gehabt.“
„Und ist dir noch schwindelig?“
Ich sagte: „Bis auf den Pupsreiz ist alles in Ordnung“, und ließ einen fahren.
Herr Pflaume zog die Stirn in Falten.
„Das kenne ich“, sagte er. „Hülsenfrüchte mit Zucker wirken wie Kanonenfutter.“
Da hörte ich Lutz schreien. Was mich noch wütender machte.
„Sei mal still!“, rief ich. „Man versteht ja sein eigenes Wort nicht mehr!“
Die Ziegen sprangen an ihm hoch. Und Lutz wurde so laut, dass ich es nicht mehr aushielt.
„Jetzt ists aber gut!“, rief ich und stürmte in das Gehege. Da entwich mir der nächste Furz.
Ich sagte: „Hoppla!“, und sah, wie die Ziegen ihre Köpfe hoben und aufgeregt schnupperten. Dann liefen sie auf mich zu.
„Was soll ’n das...




