E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Katzmarz / Norten ALPTRAUMHAFT
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-942533-47-8
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Des Hubert Katzmarz' gesammelter Werke zweiter Teil
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-942533-47-8
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hubert Katzmarz wurde am 3. November 1952 in Recklinghausen geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Seine ersten Geschichten schrieb er bereits als Kind. Seinem großen Interesse für Literatur folgend studierte er zunächst Sprachen, später Kommunikationsforschung und Phonetik in Bonn. Seine Erzählungen erschienen in Zeitschriften und Magazinen, sowie in diversen Anthologien. In seinem 1987 gegründeten Verlag veröffentlichte er Kriminalromane sowie Science Fiction und Literatur aus dem Bereich der Fantastik, diese insbesondere mit Michael Siefener in der eigenen Zeitschrift DAEDALOS. Bis zu seinem Tod im Oktober 2003 war Hubert Katzmarz mit der Journalistin Ellen Norten verheiratet. Ellen Norten, geboren 1957 in Gelsenkirchen, ist promovierte Biologin und Wissenschaftsjournalistin. Als freie Mitarbeiterin arbeitete sie zunächst bei verschiedenen Hörfunksendern, insbesondere beim Deutschlandfunk. Danach folgte eine längere Mitarbeit bei der Fernsehsendung 'Hobbythek', auch vor der Kamera. In dieser Zeit entstanden mehrere Sachbücher und Ratgeber. In den letzten Jahren war Ellen Norten Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk in München und moderierte dort die Sendungen 'IQ' auf Bayern 2, 'Wissenschaft und Technik' auf B5 aktuell und 'alpha-Forum' im Fernsehkanal BR-alpha. Zur Zeit arbeitet sie als freie Autorin.
Autoren/Hrsg.
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Spähtrupp aus dem All
Vorwort des Herausgebers Hubert Katzmarz
Mit dem vorliegenden Heft kann ich den geneigten Lesern ein besonders exquisites Stückchen Literatur vorlegen. Es handelt sich um den frühesten längeren Text des damals acht- oder neunjährigen Bertram Kuzzath, der unter dem Eindruck der Nachrichten über die noch sensationellen ersten Raumflüge bemannter und unbemannter Art entstanden ist. In offenherziger Art zeigt er die naiv-kindliche Rezeption des durch sämtliche Medien so wie so schon reichlich naiv verbreiteten Geschehens auf. Man spürt förmlich das Bemühen des Kindes, sich die wissenschaftlich komplexen und meist falsch dargestellten Sachzusammenhänge plausibel zu machen, was natürlich nicht gelingen kann und ebenso durch die klischeehafte und manchmal mißverstandene Verwendung dramaturgischer Elemente der damals gängigen »utopisch-technischen« Literatur sich oft ins unfreiwillig Komische wendet.
Wiedergegeben wird hier der originale Text, eine wortgetreue Umsetzung des handschriftlichen Manuskripts in gesetzten Text. Das ursprüngliche Vorhaben eines Faksimiles scheiterte leider am inzwischen arg vergilbten Papier und an der reichlich angeblaßten Tinte. Alle Fehler gleich welcher Art sind erhalten, alle »Korrekturen«, Streichungen, Einfügungen, Kommentierungen etc. des Autors wurden im Satz nachgebildet, so daß auch ohne Faksimilierung ein originalgetreuer Eindruck vermittelt werden dürfte.
Hubert Katzmarz
Bonn im September 1997
Der Roman erschien 1997 als Privatdruck. Das Vorwort war ursprünglich Nachwort. Die Titelillustration ist eine Zeichnung von Percival Lovell, amerikanischer Privatastronom; sie stellt den Mars mit »Marskanälen« dar. Das Frontispiz sind »rätselhafte Flugkörper« von einem Nürnberger Flugblatt von 1561. Die Abbildungen stammen vom Autor aus der Zeit der Entstehung des Textes. Die Kapitelüberschrift »300 Jahre zuvor« auf Seite 101 wurde der Verständlichkeit halber in »Der Professor und die Fremden« geändert.
Ellen Norten
im Sommer 2012
Die Erfindung des Professors
Still beleuchteten die Scheinwerfer den großen Platz. In kaltes Licht getaucht ragten die riesigen Gemäuer gegen den klaren Nachthimmel (empor). Ein leichter Wind strich über die hohen Pappeln, die am Rande einer breiten Straße ihre Kronen zu den Sternen streckten, und ließen die Blätter ihr einstimmiges Lied rauschen. Von Ferne schlug die Turmuhr Mitternacht.
Plötzlich durchbrach der Mond ein Wolkenfenster und sein milchiges Licht überflutete die Schattenseite des Gebäudes.
Ein riseiges Gestell aus Eisen wurde sichtbar, an dem eine Vielfalt von Hebeln, Knöpfen und Meßinstrumenten befestigt war. Der Stahlbau lief nach oben hin spitz zu und ragte etwa sieben Meter über dem Erdboden empor. Der ganze Koloß ruhte auf schweren Betonpfeilern, die fest in (die) der Erde verankert waren.
Mächtig und majestätisch nahm er die Fläche ein, wie etwas Übernatürliches; und doch war es von Menschenhand geschaffen.
Menschen schickten Raumschiffe zu Mars und Venus und kolonisierten die Planeten, und doch fehlte ihnen etwas Wichtiges.
Schon drei Jahre lang beschäftigten sich Professor Kambre und seine Mitarbeiter mit diesem Problem: Einen ohne Abfall arbeitenden Atomantrieb. Damit wäre gleichzeitig die (Frage) Problem der Radioaktiven Verseuchung gelöst.
Bisher mußten die Raumschiffe mit flüssigen Stoffen starten, wie in der Pionierzeit, und konnten erst die Atomwerke in Kraft setzen, wenn sie genügenden Abstand zur Erde besaßen. Und das kostete Geld. Sehr viel Geld. —
Plötzlich knarrte eine Tür. Schritte verhallten über die große Fläche und ein hochgebauter, bulliger Mann machte sich an den Hebeln der Maschine zu schaffen.
Lautlos glitt eine Öffnung zur Seite und gab den Blick ins Innere frei, das von einer Lampe an der Decke beleuchtet wurde.
Ein Senkrechter Schacht führte in die Tiefe, an dessen Rand Sprossen befestigt waren, damit man bequem hinabsteigen konnte. Der Mann ließ sich die Leiter hinab und dann war alles wieder ruhig.
Nach einiger Zeit drang ein leises Summen von unten (hinauf) herauf, das nach und nach anschwoll und plötzlich jäh abbrach. Der Boden erdröhnte, die Pfeiler zitterten und eine riesige Stichflamme erhellte die Umgebung, doch schon bald war das »Wunderding« in Rauch eingehüllt. Mit einem Male hatte der Spuk ein Ende.
Stimmen wurden laut. »Der Professor ist nicht auf seinem Zimmer!« rief irgendeiner sehr aufgeregt und schon rannten einige auf den Hof. Ruhig lag die Versuchsrakete auf ihren Stützen. Fragend sahen sich die Männer an.
Sie lauschten, ob sie nicht das geringste hören würden; doch es blieb still wie zuvor.
Endlich öffnete einer die Luke und stieg die etwa dreißig Meter hinab. Zögernd folgten ihm die anderen.
Der Schacht endete in einer Art Diele, an deren Rückwand die Schalthebel und sonstigen Instrumenten angebracht waren.
Der Professor stand an einem Pult und beobachtete gespannt das Geschehen auf einem Bildschirm.
Die Männer stutzten. »Herr Professor!« stieß schließlich einer hervor.
Langsam wandte sich der Wissenschaftler um und erzählte mit leuchtenden Augen: »Ich habe (den) die Lösung gefunden! Schon morgen soll das Raumschiff den neuen Motor erhalten, und zu Ehren des Merkur, durch den ich auf den Einfall gekommen bin, soll es Merkur getauft werden!«
Staunend und doch zugleich ungläubig starrten die Ankömmlinge den Professor an. —
Am nächsten Tag ließ der Professor eine Versammlung der IRB (Internationale Raumfahrt Behörde) einberufen, ohne auf das Thema hinzuweisen. Er wollte die Raumfahrtexperten überraschen.
Nahezu fünfhundert Wissenschaftler besuchten den Vortrag des Professors.
»Meine Herren!« eröffnete dieser seinen Vortrag, »ich möchte Ihnen einen Atomantriebsstoff vorführen, den man fast ohne Abfälle verwenden kann. Erst heute Nacht kam ich durch einen glücklichen Zufall, nach dreijähriger, mühevoller Arbeit, auf den zündenden Gedanken. Wenn man meine Erfindung acceptiert, kann sich die IRB rühmen, als erste Raumfahrtgesell- ein Schiff dieser Art in Betrieb zu haben.« Selbst die Gelangweilten horchten bei diesen Worten interessiert auf. Während Kambre seine Pläne (erleuterte) erläuterte, brachten einige seiner Mitarbeiter ein Stück reines Uran und eine Flasche herein, die (Mit) mit Wasserstoff gefüllt war.
»Der Antrieb arbeitete einfach und ungefährlich,« erklärte Kambre, »wenn ich das Uranstückchen elektrisch lade und mit Wasserstoff besch einen Augenblick lang beschieße …«
»Dann werden sie die ganze Stadt in die Luft jagen!« unterbrach ihn einer der Gelehrten. Alle mußten lachen, doch Kambre fuhr unbeirrt fort: »So entsteht im Inneren der Atome eine Explosion, die äußerlich nur durch eine kurz aufleuchtende Stichflamme wahrgenommen werden kann. Von diesem Augenblick an strahlt der Uranblock ununterbrochen Radioaktivität aus, die organischem Leben unschädlich wirkt und im Gegensatz zu früherem nuklearen Antrieb gespeichert werden kann!« Kambre schwieg, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
Ungläubig schüttelten die Wissenschaftler den Kopf. Sie meinten, der Professor sei nicht ausgeschlafen und durch die langen Grübeleien durcheinander. Doch er ließ sich nicht einschüchtern. Er wollte das Experiment zum Beweis vor den Augen aller durchführen.
Kambre legte den Block auf das Rednerpult und öffnete das Ventil der Wasserstoffflasche. Zischend schoß das Gas auf den Uranblock. Erschrocken schützten die Anwesenden mit den Händen ihre Gesichter und harrten mit angehaltenem Atem einer Explosion, die sie alle vernichten würde. Doch nichts desgleichen geschah. Es (war) (still im Saal) herrschte Stille im Saal. Die große Uhr tickte nervenzerreißend und dann —!
Ein Greller Blitz durchfüuhr das Halbdunkel. Der Uranblock glühte und aus seinem Inneren zuckten kurze Blitze Stichflammen. Vorsichtig blickten die Anwesenden auf. Doch gegen aller ihrer Erwartungen, war nicht viel geschehen.
Endlich hatte sich die Aufregung gelegt, als ein neuer Grund zur Unruhe auftrat. Über dem Ausgang der Halle leuchtete eine kleine Lampe im grellen Rot. Das war das Zeichen für sehr hohe Radioaktivität. Die Wissenschaftler wollten schon in wilder Panik den Gefahrenbereich verlassen, als Kambres energische Stimme zwischen die ängstlichen Rufe donnerte: »Beruhigen sie sich! Es besteht kein Grund zur Aufregung. Wie ich schon erwähnt habe, schaden die Strahlen niemandem!«
»Wenn sie, Professor, meinen, wir würden uns ihren Versuchen zur Verfügung stellen, so irren sie sich gewaltig. Wenn ich noch einmal lebend dieses Loch verlassen sollte, so werde ich Klage gegen sie erheben!« bemühte sich ein schmächtiger Kerl mit zitternder Stimme hervorzubringen. Diese Worte machten nicht den geringsten Eindruck auf Kambre.
Nach einiger Zeit brachten die Mitarbeiter des Professors vier Biologen herein, die die Strahlen analysierten und untersuchten.
Noch am gleichen Abend wurde das Ergebnis der Proben verkündet: die Strahlen schließen jeden Schaden auf organischem Leben aus.
Die Regierung gewährte dem Professor den Bau eines Raumschiffes auf ihre Kosten nach Kambres Plänen, das er »Merkur« taufte.
Nach drei erfolgreichen Probeflügen sollte der Merkur zum erstenmale Menschen in das All tragen. —
Der Flug zum Mars
»Was geht auf dem Mars vor?« »Wo bleibt die Funkverbindung zum Mars?« So schwirrten die Fragen über die Gänger des...




