Kaufman / Spooner | These Broken Stars. Sofia und Gideon (Band 3) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 528 Seiten

Reihe: These Broken Stars

Kaufman / Spooner These Broken Stars. Sofia und Gideon (Band 3)


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-646-92937-9
Verlag: Carlsen Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 3, 528 Seiten

Reihe: These Broken Stars

ISBN: 978-3-646-92937-9
Verlag: Carlsen Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Vor zwei Jahren waren Lilac und Tarver die einzigen Überlebenden eines Raumschiffabsturzes und gezwungen, von da an ein Doppelleben zu führen. Vor einem Jahr haben Jubilee und Flynn die gesamte Galaxis auf die finsteren Machenschaften von LaRoux Industries aufmerksam gemacht. Jetzt treffen die vier auf dem Planeten Corinth, im Herzen der Galaxis, auf zwei weitere Rebellen gegen den übermächtigen Konzern LaRoux Industries. Sofia Quinn ist eine charmante Hochstaplerin. Gideon Marchant ist ein Hacker, der die besten Sicherheitsvorkehrungen umgehen kann. Gemeinsam wollen sie LaRoux endlich zu Fall bringen, und dabei steht nicht nur ihr Leben auf dem Spiel, sondern auch ihre Liebe. Alle Bände der Serie »These Broken Stars«: These Broken Stars ? Lilac und Tarver These Broken Stars ? Jubilee und Flynn These Broken Stars ? Sofia und Gideon Die Serie ist abgeschlossen.

Amie Kaufman wuchs in Australien und Irland auf und hatte als Kind das Glück, in der Nähe einer Bücherei zu wohnen. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Hund Jack in Melbourne und schreibt Science-Fiction- und Fantasy-Romane für Jugendliche. Sie liebt Schokolade und Schlafen, hat eine riesige Musiksammlung und einen ganzen Raum voller Bücher.

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1 SOFIA Die Sprenkel von Sonnenlicht im Gras sind wunderschön, auch wenn ich weiß, dass es bloß eine Illusion ist. Das Licht erzeugt keine Wärme auf meiner Haut, ich werde weder Sonnenbrand noch Sommersprossen davon bekommen. Meine Füße biegen die Grashalme nicht um, sie sinken einfach so durchs Gras auf den Marmorboden unter den holografischen Bildern. Noch vor einem Jahr hätte ich beim Anblick von Sonne und blauem Himmel laut aufgeseufzt, selbst wenn es nur ein Hologramm gewesen wäre, doch heute verstärken die Bilder nur mein Heimweh. Was würde ich dafür geben, den Kopf zu heben und die grauen Wolken zu sehen, wie sie am Horizont auf den Sumpf treffen; eine Weite, die kein Hologramm im Empfangsbereich eines Bürogebäudes nachbilden könnte. Der Holo-Park ist voller Leute, und während viele von ihnen offenbar Angestellte im Headquarter von LaRoux Industries sind, ist es bei anderen nicht so leicht zu sagen. Manche tragen in Anlehnung an die 1920er-Erdenjahre alt anmutende Vintage-Brieftaschen –der neueste Modefimmel unter den Reichen und Schönen –, andere haben bloß ihre Palm-Pads dabei. Handtaschen und so mit sich rumzutragen ist auch vollkommen absurd, wenn alles, was man früher hineingetan hätte, schon vor Hunderten von Jahren digitalisiert worden ist. Doch dank dieses Trends kann ich alles dabeihaben, was ich brauche, ohne aufzufallen. Noch vor ein paar Jahren hätte ich der damaligen Mode entsprechend ein pseudo-viktorianisches Kleid anziehen und meine Sachen unter einem sperrigen Rock verstecken müssen. In meinem kurzen 1920er-Freizeitkleid dagegen kann ich, wenn nötig, schnell rennen. Und was das Wichtigste ist: Die luftige, unschuldig wirkende, elfenbeinfarbene Spitze lässt mich noch jünger aussehen als meine siebzehn Jahre. Ich halte meine Handtasche nah am Körper und atme tief durch, während ich mit dem Blick die Massen von Leuten absuche. Die Anspannung im Raum lässt meinen Puls schneller werden. Sie ist bloß ganz subtil – die Leute, die sich hier vor aller Augen verstecken, machen das perfekt. Fast. Denn ich, die ich auf Avon aufgewachsen bin, erspüre die Stimmungen in so einer Menschenmenge. Und ich weiß, wie schnell ein Protest sich in einen Aufstand verwandeln, wie schnell eine friedliche Stadt zu einem Schlachtfeld werden kann. Keine Ahnung, ob das große Sicherheitsnetzwerk von LaRoux Industries über die für heute angesetzten Proteste aus dem Untergrund informiert ist. Ich habe von einem meiner Kontakte bei Corinth Gegen Tyrannei davon erfahren – ein selten bescheuerter Name, aber die Leute mögen die romantische Vorstellung, für die gute Sache gegen die Unterdrücker zu kämpfen. Als ich mich so im Holo-Park umblicke, habe ich nicht gerade den Eindruck, dass die Leute hier überhaupt wissen, was Unterdrückung ist. Limonaden- und Wasserspender flitzen auf schwebenden Tabletts umher und der Raum ist von angeregten Gesprächen und Lachen erfüllt. Ich reiße meinen Blick von einem Paar los, das vollkommen fasziniert ein etwa fünf- oder sechsjähriges Kind beobachtet, das holografischen Vögeln hinterherjagt. Es hat schon seinen Grund, dass LaRoux Industries jedes Jahr den ersten Platz auf der Liste der besten Arbeitgeber der Galaxie belegt, und hätte ich den heutigen Protest organisiert, hätte ich mit Sicherheit nicht den neuen Holo-Park im zwanzigsten Stock von LRI als Ort dafür gewählt. Für Angestellte ist der Eintritt frei und alle anderen zahlen auch nur einen kleinen Betrag. Der Holo-Park ist Teil von LaRoux’s neuem PR-Programm. »Seht her, wie großzügig ich bin«, sagt er damit. »Ich opfere ganze Etagen meines Headquarters, um den Menschen und ihren Kindern sichere Orte zum Entspannen und Spielen zur Verfügung zu stellen.« Mir wird ganz schlecht, wenn ich daran denke, wie er versucht die gesamte Galaxie dazu zu bringen, ihn zu lieben, und die Leute vergessen zu lassen, was für Anschuldigungen gegen ihn über den Avon-Funkspruch verbreitet wurden – nicht zuletzt, weil es funktioniert. Die Leute hier scheinen glücklich zu sein. Niemanden interessiert es, dass auf Avon unzählige Menschen ums Leben gekommen sind, bevor Flynn Cormac vor einem Jahr seine berüchtigte Rede gehalten hat. Niemanden interessiert es, dass Roderick LaRoux ein Ungeheuer ist. Es sind nur vereinzelte Grüppchen, die tatsächlich glauben, was Flynn der Galaxie damals mitgeteilt hat. Die Leute sind bloß hier, weil es sich auf ihren Media Pages gut macht, wenn sie auf einem Protest waren. Manche hoffen wahrscheinlich sogar darauf, festgenommen zu werden, damit sie später ihr Knastfoto im Hypernet posten können. Aber für mein Vorhaben ist es die perfekte Ablenkung. Ich weiß nichts außer dem Namen der Kontaktperson, mit der ich hier verabredet bin –Sanjana Rao –, und auch wenn der Name auf familiäre Wurzeln im alten Indien schließen lässt, könnte sie auch gut blond und blauäugig sein, so wie die Nationalitäten der Erde über die Jahrhunderte durcheinandergewürfelt wurden. Sie hat geschrieben, dass sie mich auf dem Palm-Pad anklingelt, sobald sie da ist, aber ich kann trotzdem nicht anders, als die ganze Zeit nach ihr Ausschau zu halten. Mein Blick wandert zu den Fahrstühlen, die in dieser Parksimulation geschickt als Eingang zu einem Karussell getarnt sind. In dem einen Jahr, das ich jetzt schon hinter LaRoux her bin, war ich ihm noch nie so nah wie heute, und am liebsten würde ich in die Hochsicherheitsfahrstühle einbrechen und bis ins Penthouse zu ihm hinauffahren. Ein Jahr der falschen Identitäten und der Isolation; ein Jahr der schmerzhaften Tattoo-Entfernungen, trotz derer immer noch Reste meines Gen-Tattoos zu erkennen sind; ein Jahr, in dem ich keine Spuren hinterlassen und alle Überbleibsel meines alten Lebens immer bei mir hatte, für den Fall, dass ich wieder alles stehen und liegen lassen und weglaufen muss. Aber an LaRoux selbst ist kein Herankommen. Wäre es anders, hätte ihn schon vor Jahren irgendjemand umgebracht – denn auch wenn er in der Galaxie im Großen und Ganzen sehr geachtet wird, gibt es genug Menschen, über die er auf seinem Weg zur Macht hinweggetrampelt ist und die ihn als das sehen, was er ist. Nein, der direkte Angriff wird niemals klappen. LaRoux zu beseitigen erfordert Raffinesse. Ich werfe einen Blick auf meinen Unterarm, eine Angewohnheit, die ich besser ablegen sollte. Wer schlau ist, könnte sich denken, was der Blick bedeutet – niemand, der auf Corinth oder einem der anderen älteren Planeten geboren wurde, trägt ein Gentattoo – und trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen. Der blasse Rest von meinem Tattoo ist gut abgedeckt, aber ich muss aufpassen, mit dem Unterarm nicht übers Kleid zu reiben, sonst werden mich die Make-up-Flecken auf dem Stoff verraten. Ich würde gern auf meinem Palm-Pad nachsehen, ob ich möglicherweise Dr. Raos Nachricht überhört habe, aber hier zu stehen und wiederholt mein Pad zu checken, wäre ein deutliches Zeichen von Nervosität, sollte mich jemand beobachten. Als ich den Kopf hebe, sehe ich, dass mich tatsächlich jemand beobachtet. Und es ist nicht die, auf die ich warte. Ein junger Mann sitzt an einen Baum gelehnt da – einen Baum, den es natürlich nicht gibt. Es ist eine Marmorsäule, aber das Hologramm lässt es so aussehen, als würde der junge Mann sich in einem Park befinden und entspannen. Nur hat er einen Lapscreen auf dem Schoß, der mit einem Kabel an den Baum angeschlossen ist. Hier gibt es kabellosen Strom, daher weiß ich, dass er den Screen nicht auflädt. Es ist eine Datenverbindung. Das allein ist schon ziemlich seltsam, eigentlich sind an einem öffentlichen Ort wie diesem alle zugänglichen Informationen im Hypernet zu finden. Doch was mich richtig stutzig macht und mein Herz vor Schreck beinah stehen bleiben lässt, ist sein graugrünes Hemd von LaRoux Industries mit dem gestickten Lambda auf der Brust. Er arbeitet hier – und er beobachtet mich. Mein Mund wird ganz trocken, am liebsten würde ich schnell in eine andere Richtung sehen. Stattdessen senke ich den Blick, tue so, als wäre ich verwirrt, dass er gerade mich auserwählt hat, als fühlte ich mich geschmeichelt, wäre schüchtern. Als ich wieder aufblicke, sieht er immer noch in meine Richtung und grinst mich an. Er versucht gar nicht zu überspielen, dass er mich beobachtet, tippt sich nur mit den Fingerspitzen an die Augenbraue, als würde er einen Hut tragen. Wie der typische Büromensch sieht er nicht gerade aus, so lang wie seine aschblonden Haare sind, und dann lehnt er auch noch in dieser unverschämt lässigen Haltung an der Säule. Ich hole tief Luft, um mich zu beruhigen. Ich darf mir meine Angst, er könne wissen, dass ich nicht hierhergehöre, nicht anmerken lassen. Stattdessen erwidere ich sein Lächeln, mime das schüchterne süße Mädchen, und zu meiner Erleichterung wird sein Grinsen breiter. Also flirtet er nur. Er zwinkert mir zu, dann drückt er einen Knopf auf seinem Lapscreen. Ein holografischer Vogel mit glänzendem roten Federkleid fliegt an mir vorbei. Doch plötzlich erstarrt er in der Luft und alle Hintergrundgeräusche verstummen: der Vogelgesang und die rauschenden Blätter – alles weg. Teilweise verstummen sogar das Lachen und die Gespräche. Und dann verschwindet auf einmal der gesamte Holo-Park und wir bleiben in einem riesigen weißen Raum zurück. Außer den Holo-Projektoren, den vielen Leuten und den Marmorsäulen befindet sich in der Mitte des Raums ein aufrecht stehender Metallring, zweimal so groß wie ich. Er ist aus einer seltsam schimmernden Legierung und steht auf einem Sockel, der mit Skalen und Steuerinstrumenten bedeckt...



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