Kaul | Mord aus heiterem Himmel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 358 Seiten

Reihe: Kommissar Zweifels kuriose Fälle

Kaul Mord aus heiterem Himmel


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-9761-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 358 Seiten

Reihe: Kommissar Zweifels kuriose Fälle

ISBN: 978-3-7693-9761-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zweifel und Zick knobeln an ihrem ersten Fall. Ein Allgäu-Krimi der besonderen Art. Ein unglaublicher Tatort. Ein wahnwitziger Todesfall. Ein wortwitziges Ermittlerduo. Der Himmel ist heiter über Bad Wörishofen. Doch der Sommer wird mörderisch. Ein Kunstprofessor beendet sein wichtigstes Manuskript. Kurz darauf stürzt er mitten über dem Kurpark aus großer Höhe in den Tod. Ein rätselhafter Selbstmord? Eine luftige Art des Mordens? Kommissar Zweifel und seine junge Kollegin Zick stehen vor einem Labyrinth aus Fragen. Bei Ihren Ermittlungen beweisen sie Spirit, Cleverness, Schlagfertigkeit und Humor. Nach schmerzhaften Begegnungen und kniffligen Wortgefechten steht Ihnen die entscheidende Konfrontation bevor.

Achim Kaul ist ein erfolgreicher Autor aus Friedberg. Seit 2019 veröffentlichte er vier Kriminalromane mit dem beliebten Ermittlerduo Zweifel und Zick. Daneben erschienen unter dem Pseudonym Micha Luka drei Abenteuerromane mit Käptn Sansibo und seiner schrägen Mannschaft. »Überwegs - Vonwegens Begegnungen«, der Roman einer abenteuerlichen Odyssee quer durch Europa, erschien 2022. Im selben Jahr erhielt Kaul in München den renommierten SpaceNet Award für eine seiner Kurzgeschichten. »Du sollst nicht langweilen«, eine Sammlung seiner fesselnden Storys, erschien 2024.
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1. Kapitel


23. Juli

Melinda Zick knallte ihren halbvollen Kaffeebecher auf den Frühstückstisch. Sie war wütend auf ihre Mutter, die ihr diesen bescheuerten Namen gegeben hatte. Sie war wütend auf ihre nervtötenden Nachbarn, die jeden verdammten Abend auf dem Balkon unten grillten und ihr unverschämte Kommentare zuriefen. Sie war wütend auf die letzte Nacht, auf diesen elenden Albtraum, auf das verfluchte Messer in diesem Albtraum.

Sie war vor allem wütend auf sich selbst.

Mit geschlossenen Augen atmete sie tief durch, sprang vom Tisch auf, riss ihre Jacke von der Stuhllehne und floh aus ihrer Wohnung, nicht ohne die Eingangstür gewaltig krachen zu lassen.

Als sie das Treppenhaus hinunterrannte, verhallte das Echo ihrer Tür allmählich. Die lieben Nachbarn standen sicher senkrecht im Bett. Bei dieser Vorstellung verpuffte ihre Wut wie Popcorn und wurde federleicht.

»Morgen, Leute«, dachte sie, grinste vor sich hin und stürmte ins Freie.

Zwei Stunden zuvor betrat Ferdinand Alba den Kurpark. »Ein fabelhafter Morgen«, dachte er. Der Himmel blank gefegt, die frische Morgenluft Balsam für seine Seele. Kein Ton war zu hören im Kurpark. Die Pfauen und Goldfasane träumten in ihrer Voliere von fernen Ländern. Die große Wiese, eingerahmt von gewaltigen Platanen, Ahorn- und Mammutbäumen, lag unberührt vor ihm. Zu dieser frühen Stunde war das nicht anders zu erwarten. Sechs Uhr war eine gute Zeit für ihn, um sich unbeobachtet seinen Qi-Gong-Übungen widmen zu können. Nur flüchtig erklang ein entferntes Fauchen, ein merkwürdiges Geräusch, welches er nicht einordnen konnte.

Er zog seine Leinenschuhe aus und lief barfuß über das feuchte Gras, bis er einen geeigneten Platz gefunden hatte. Dort stellte er sich locker hin, fokussierte einen größeren Ast am Rand der Wiese, vermutlich ein Opfer des nächtlichen Gewittersturmes, holte tief und langsam Atem und begann mit den Atemöffnern. Die gleichmäßigen und konzentrierten Bewegungen ließen ihn zur Ruhe kommen. Nachdem er anschließend die acht edlen Übungen jeweils fünf Mal wiederholt hatte, verbeugte er sich.

Er warf einen Blick zu dem dunklen Ast hinüber. Etwas daran hatte seine Neugier geweckt. Er schien nun anders dazuliegen als zuvor. Aus der Entfernung von etwa sechzig Metern war das schwer zu beurteilen.

Alba näherte sich dem Schatten am Wiesenrand. Was er nun zu sehen glaubte, konnte nicht wahr sein. Seine Schritte verlangsamten sich, wurden kleiner. Schließlich stand er vor dem vermeintlichen Ast und blickte fassungslos in das starre Gesicht Professor Mindelburgs. Ihm wurde schwindlig, seine Knie gaben nach. Er schwankte und gleich darauf lag er neben der Leiche.

»Zweifel, jetzt reicht es allmählich«, sagte Alois Klopfer. Der Chef des Kommissars redete wie immer, wenn er sich aufregen musste, besonders leise.

Kommissar Adam Zweifel lehnte sich bequem in seinem Stuhl zurück und streckte die langen Beine aus. Die Arme hinter seinem kahlen Kopf verschränkend musterte er seinen Vorgesetzten mit der ganzen Gelassenheit seiner 48 Jahre.

»Wie viele sind es diesmal?«, fragte er mit müdem Unterton.

Sein Chef, der einige Jährchen jünger war, warf ihm einen scharfen Seitenblick zu.

»Sie könnten die Sache ruhig ein bisschen ernster nehmen.«

»Als ob wir sonst keine Probleme hätten.«

»Sie sind es, der unnötig Probleme produziert, mein Lieber. Wenn die Presse schon ihre Messer wetzt, dann — und darauf können sie ihre Riesterrente verwetten — wird mir der Herr Polizeipräsident morgen mit ein paar deutlich ausgesprochenen Verhaltensmaßregeln behilflich sein.«

»Wegen ein paar Smartphones, die zufällig Bekanntschaft mit Newtons Gesetz gemacht haben? Abgesehen davon hab’ ich keine Riesterrente.«

»Zweifel, sie sind zwar Gesetzeshüter, aber für die Naturgesetze sind Sie nicht zuständig.«

»Sie lassen sich aber so leicht anwenden.«

»Ich wiederhole mich äußerst ungern, Zweifel, es reicht! Ich verbiete Ihnen hiermit ein für alle Mal, unschuldigen Passanten die Handys aus der Hand zu schlagen.«

»Ich kann nun mal den Anblick nicht ertragen. Den Kopf permanent über so ein dämliches Teil gesenkt mitten durch die Menschenmassen latschen, ohne auf andere zu achten. Das ist krankhaft. Die sind alle wie ferngesteuert. Sie müssen die mal beobachten, wenn …«

»Mir ist ihr gestörtes Verhältnis zur modernen Kommunikationstechnik hinreichend bekannt, mein Lieber. Vielleicht können wir uns jetzt über — ja, was ist denn?«

Die Bürovorsteherin Lucy kam herein, wie immer ohne anzuklopfen. Sie wedelte lässig mit einem Blatt Papier.

»Arbeit für den Kommissar«, flötete sie.

Melinda Zick fuhr gerade mit ihrem Fahrrad, das gegen ca. fünf verkehrstechnische Vorschriften verstieß, auf den Hof der Polizeiinspektion, als ihr Handy klingelte.

»Mel, du musst mir helfen.« Es war ihr Bruder Zacharias. Ihre Mutter hatte ein eigenartiges Talent bei der Namensfindung ihrer Kinder bewiesen. Nach Mels fester Überzeugung war sie damals komplett unzurechnungsfähig gewesen. Und objektiv betrachtet, bestanden berechtigte Zweifel daran, dass ihr Geisteszustand sich seither geändert hatte. Ihre Mutter war und blieb eine Spinnerin. Leider schien ihr Bruder einiges von ihr geerbt zu haben.

»Zack«, sie wusste, dass er diese Abkürzung seines Namens hasste, »was glaubst du wohl, was ich heute den ganzen Tag zu tun habe?«

»Du musst mir helfen, Mel.« Pause. »Und nenn’ mich nicht Zack, verdammt.«

»Wieso bist du überhaupt schon wach? Ist doch gerade mal halb Neun.«

»Das ist ja der Punkt. In einer halben Stunde stehen die Typen von der Bank bei mir auf der Matte.«

»Seit wann kommen die persönlich vorbei? Dein Kontostand muss ja unterirdisch sein.«

»Mel, du hörst mir einfach nie zu. Die kommen doch wegen meines Projektes.« Schlagartig fiel ihr ein, dass ihr Bruder in Kürze einen Laden aufmachen wollte: »Dessert Inn - vegane Desserts vom Allerfeinsten«. Sie stieg vom Rad. »Ich hab’ doch keine Ahnung, wie ich mit denen reden soll«, sagte er.

»Sei einfach höflich und beantworte alle Fragen. Aber phantasier’ nicht rum.«

»Mel, das würd’ echt viel bringen, wenn du, also wenn eine von der Polizei, mit dabei …«

»Ich kann nicht!«, fiel sie ihm ins Wort und schloss gleichzeitig ihr Rad ab. Gerade kam ihr Chef, Kommissar Zweifel, um die Ecke und winkte sie zu sich. Sie gab ihm ein Zeichen. »Du schaffst das schon allein. Bis dann.« Sie legte auf und packte ihr Handy weg.

»Morgen Melzick«. Adam Zweifel war der Einzige, der sie so nannte. Sie hatte sich nie darüber beschwert. Insgeheim gefiel ihr diese Anrede ganz gut. Das hatte irgendetwas Straßenkämpferisches.

»Zweifellos ein guter Morgen«, war ihre Standardantwort.

»Wir haben einen Kunden.«

»Wer ist es?«

»Steigen Sie ein, ist nicht weit. Kurpark.«

»Ist jemand im Kneipp-Becken ersoffen?«

»Melzick — nicht in diesem Ton!«

Einige Minuten später waren sie dort.

Alles an dem imposanten Gebäudekomplex atmete Reichtum: Die edlen, in Kaisergelb gehaltenen Fassaden mit den raumhohen, doppelflügeligen, strahlend weiß gerahmten Sprossenfenstern, die säulenverzierten, weitläufigen Terrassen, die smaragdgrünen, kunstvoll geschmiedeten Balkonbrüstungen, die großzügig und erhaben geschwungenen Kuppeln aus hellem Marmor, welche die beiden Penthäuser krönten, sowie der reichlich prätentiöse Fahnenmast, der für jedes der Gebäude anzeigen mochte, ob die jeweilige Königin anwesend war.

Die Blätterschatten der, altehrwürdigen Baumsenioren spielten millionenfach auf den kostbaren Mauern, die speziell für das Morgenlicht entworfen zu sein schienen. Reine Luft wie aus Seide. In der Ferne, in blassem Blau schimmernd, die unregelmäßigen Diamanten der Alpenkette. Ein trügerisch friedlicher Anblick.

Zwei eisgraue Augen blickten aus einem der Panoramafenster des südlich gelegenen Penthauses und nahmen den feinen Schleier wahr, der sich über die Stadt zu senken begann.

»Wer ist das?«, fragte Kommissar Adam Zweifel den Mann in der dunkelblauen Uniform. Dieser bemühte sich, ruhig und sachlich zu schildern, was er wusste. Es gelang ihm nicht.

»Wahnsinn, das ist einfach der Wahnsinn!«

»Nein, ich meine die alte Dame dort auf der Bank und den jungen bleichen Herrn daneben«, versuchte Zweifel die Aufregung mit ruhigem Ton zu dämpfen. Es gelang ihm. Max Kater, so hieß der junge Mitarbeiter des Wachdienstes, riss sich zusammen.

»Natürlich, selbstverständlich, sie haben recht. Äh, Augenblick.« Er holte ein Notizbuch aus seiner hinteren Hosentasche und schlug es hastig auf.

»Das ist Frau Eichhorn, Anna Eichhorn, 82 Jahre«,...



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