E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Kaut / Leistenschneider Pumuckl Vorlesebuch - Wintergeschichten
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-440-15893-7
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-440-15893-7
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Pumuckl ist da! Jetzt als Vorlesebuch mit stimmungsvoll-lustigen Abenteuern zur Winter- und Weihnachtszeit. Ob's stürmt oder schneit, Pumuckl fällt immer ein neuer Schabernack ein, mit dem er Meister Eders Leben ordentlich durcheinanderwirbeln kann.
Sechs Original-Geschichten von Ellis Kaut und drei neue Pumuckl-Geschichten von Uli Leistenschneider begeistern Kinder ab 5 Jahren. Die wunderschönen klassischen Bilder in diesem liebevoll gestalteten Band stammen von der ursprünglichen Pumuckl-Illustratorin Barbara von Johnson.
Ein Lieblingsbuch zum gemeinsamen Schmökern und Kuscheln an gemütlichen Winterabenden.
Weitere Infos & Material
Der Wollpullover
Der Herbst ging in den Winter über und es wurde draußen immer kälter und kälter, und eine eisige Luft kam in die Werkstatt, wenn Meister Eder die Türe öffnete oder das Fenster, um zu lüften. Da sprang der Kobold immer schleunigst hinter den Ofen und schrie: »Nicht aufmachen, zieht, ist kalt, Pumuckl schnattert!« Es war auch kein Wunder, dass der Pumuckl immer gleich fror: sein Koboldsgewand bestand aus dünnem, luftigem Stoff. Meister Eder, der beim Arbeiten gern das Fenster öffnete, versuchte alles Mögliche, damit der Kobold nicht frieren musste. Er wickelte ihn in einen Schal, er bat den Kobold, hinter dem Ofen sitzen zu bleiben oder ins Bett zu kriechen – aber das war dem Pumuckl bald lästig. »Ich kann doch nicht den ganzen Tag im Schal, hinter dem Ofen oder im Bett sein. Ich bin ein Kobold und kein Kater! Ich will hüpfen und springen!«
»Dann hüpf doch, davon wird dir auch warm!«
»Aber ich kann doch nicht den ganzen Tag hüpfen, da tun mir ja die Beine weh! Du musst viel, viel mehr einheizen!«
»Noch mehr einheizen? Dann komme ich ja vor Hitze bald um. Ich kann unmöglich in einer solchen Wärme arbeiten! Komm schnell her, Pumuckl, ich reib dich warm!«
»Du kannst mich aber auch nicht den ganzen Tag warm reiben. Und ich friere den ganzen Tag!«
»Man müsste dich wärmer anziehen können, einen Wollpullover solltest du haben – dann wäre alles gut.«
»W-w-will gerne W-W-W-Wollpullover haben«, schnatterte Pumuckl, »w-wenn dann die K-Kälte aufhört!«
Meister Eder dachte nach.
»Wenn du nicht so klein wärst, könnte ich dir einen Pullover kaufen. Aber vielleicht ginge auch ein Babyjäckchen?«
»Bin kein Baby, will kein Babyjäckchen!«
»Oder ein Puppenjäckchen?«
»Bin keine Puppe, will kein Puppenjäckchen!«
»Aber weiterfrieren willst du auch nicht, oder?«
»Weiterfrieren will ich auch nicht.«
»Na also. Vielleicht gibt es einen Puppenpullover. Einen pudelwarmen Pumuckl-Puppenpullover! Was sagst du dazu?«
»Dass das ein schönes Wort ist mit vielen Pu’s drin.«
»Und mit noch viel mehr Wärme drin!«
Meister Eder war so froh, dass ihm das mit dem Puppenpullover eingefallen war, dass er alles liegen und stehen ließ und in ein großes Spielwarengeschäft ging. Da gab es eine Puppenabteilung mit allen Arten von Puppen, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Eine Verkäuferin fragte Meister Eder, was er wünsche. »Ich möchte einen Puppenpullover haben, einen ganz dicken, warmen Pullover.«
»In Wolle? Da haben wir nur Jäckchen für Babypuppen. Wie groß ist denn die Puppe?«
Eder guckte sich alle Puppen an und deutete dann auf einen nicht sehr großen Puppenjungen.
Die Verkäuferin nickte. »Welche Farbe, Weiß, Rosa oder Hellblau?«
»Dunkelblau oder Dunkelgrün.«
»Babyjäckchen gibt es nur in Hell.«
»Das wird aber doch in einem Tag schmutzig!«
»In Dunkel haben wir für diese Größe nur Stoffmäntelchen.«
»Nein, Stoff wärmt zu wenig.«
Die Verkäuferin lachte. »Das ist doch für eine Puppe nicht so wichtig.«
»Doch, das ist wichtig«, sagte Eder entschieden.
Die Verkäuferin lächelte nachsichtig. »Kinder nehmen das oft sehr genau, da haben Sie recht. Aber wenn Sie dem Kind sagen, dass ein Mantel für eine Puppe wärmer ist als ein Pullover, dann wird es das auch glauben.«
»Nein, das wird er nicht glauben. Außerdem ist ein Mantel zum Herumhüpfen unpraktisch und lästig.«
»Ich verstehe nicht …«
»Das ist auch schwer zu verstehen, aber glauben Sie mir, ich brauche einen Pullover.«
Das Lächeln der Verkäuferin wurde etwas eisig. »Solche Kleinigkeiten stricken meist die Puppenmütterchen selbst. Oder die Muttis oder die Tanten. Ist ja an einem Abend gestrickt. Sicher hat Ihr Kind auch irgendwelche Tanten.«
»Es hat sicher keine Tanten«, sagte Eder bestimmt.
»Nun ja – oder eine Mutti«, ergänzte die Verkäuferin jetzt ungeduldig.
»Nein, hat er auch nicht – aber Sie haben mich auf eine Idee gebracht. Ich danke Ihnen, Fräulein«, und damit verließ Eder das Geschäft.
Wie tat jetzt der Verkäuferin ihr spitzer Ton leid! Ein Kind, das weder Tanten noch eine Mutter hat! Während sie sich vornahm, beim nächsten Kunden besonders liebenswürdig zu sein, ging Eder vergnügt heimwärts. Ihm war nämlich bei dem Gespräch Frau Schröder eingefallen. Sie war zwar keineswegs verwandt, aber sie wohnte im Vorderhaus und strickte unentwegt für Nichten und Neffen, und an warmen Tagen hatte Eder sie schon des Öfteren im Hof begrüßt, denn da hatte sie sich auf einen Stuhl unter die Kastanie gesetzt und gestrickt. Er hatte ihr sogar gratis den Sitz dieses alten Stuhls ein wenig abgeschliffen, weil sie mit ihrem Rock daran hängen geblieben war und deshalb jammerte. Frau Schröder würde ihm sicher einen Gefallen tun und den kleinen Pullover stricken.
Er ging also schnurstracks zu ihr. Natürlich musste er ein wenig flunkern und eine Geschichte von einem Geburtstagsgeschenk erzählen, das er in Form eines Puppenpullovers einer kleinen Nichte machen wollte. Er behauptete, der Geburtstag sei schon übermorgen und darum sei die Sache besonders eilig. Frau Schröder hielt Meister Eder für einen besonders netten Onkel und erklärte sich sofort bereit, den Pullover zu stricken.
»Sie müssen mir nur die genauen Maße geben, Herr Eder«, meinte sie. »Am besten wäre es allerdings, wenn Sie mir die Puppe bringen würden.«
»Nein, das geht nicht – aber was für Maße brauchen Sie denn?«
»Die Brustweite, die Halsweite, die Ärmellänge und die gesamte Länge vom Hals bis zur Hüfte.«
Meister Eder notierte sich das und Frau Schröder versprach, dicke, dunkelgrüne Wolle zu besorgen.
Als der Schreinermeister nach Hause kam, guckte der Kobold nur mit dem Kopf aus einem Haufen Sägespäne hervor, in denen er sich frierend verkrochen hatte.
»Hast du den pudelwarmen Pumuckl-Puppen-Pullover?«, krähte er.
»Nein, aber du bekommst einen nach Maß. Komm her, ich will gleich Maß nehmen!«
Pumuckl hüpfte, von oben bis unten voller Sägespäne, auf die Hobelbank. Eder fing zu messen an.
»10 Zentimeter die Halsweite, 18 Zentimeter die Brustweite, 15 Zentimeter die Ärmellänge«, notierte er. Prüfend sah er dann den Kobold an.
»Einen dünnen Hals hast du eigentlich zu deinem großen Wuschelkopf, vielleicht sollte man die Kopfgröße auch aufschreiben?«
»Ich brauche doch keinen Pullover für den Kopf, sondern einen für den Bauch!«, protestierte der Kobold.
Das leuchtete Meister Eder ein und er unterließ es, die Kopfgröße zu notieren. Leider, wie sich später herausstellte. Mit den Maßen ging er gleich wieder zu Frau Schröder, und die versprach, noch am Abend das Pulloverchen zu stricken.
Pünktlich am nächsten Vormittag brachte sie das kleine Meisterwerk. Es war warm und weich. Meister Eder bedankte sich herzlich, bezahlte die Wolle – für die Arbeit nahm Frau Schröder nichts an – und dann kam der große Augenblick! »Pumuckl, der Pullover ist da!«
Pumuckl zog ihn sich gleich über den Kopf. Aber – der Kopf ging nicht durch den Halsausschnitt.
»Wo kann denn der Kopf raus – ich finde keinen Platz für meinen Kopf«, schrie der kleine Kerl.
Meister Eder versuchte ihm zu helfen, aber alles Zerren und Ziehen half nichts.
»Was machen wir jetzt?«, sagte Meister Eder betreten und wollte den Pullover dem Pumuckl wieder vom Kopf herunterziehen. Aber der Kobold hielt ihn mit beiden Händen fest. »Nicht! Nicht! Da drinnen ist es schön warm!«
»Aber du kannst doch nicht mit dem Pullover über dem Kopf herumlaufen!«
»Warum nicht? Ich kann doch durch die Maschen gucken!«
»Aber das ist ja Unsinn!«
»Dann mach das Loch größer! Du hast doch einen Bohrer. Bohr es größer!«
»Doch nicht mit dem Bohrer!«
»Dann mit der Säge!«
Eder lachte. »Nein, die Säge ist nicht das richtige Werkzeug.«
»Dann vielleicht mit der Schere!« Pumuckl hüpfte mit dem Pullover über dem Kopf herum.
»Nein, ich werde ihn Frau Schröder geben und sie bitten, das abzuändern. Komm, gib den Pullover wieder her.«
»Nein, ich gebe ihn nicht mehr her. Nein! Nein! Nein! Ich will nicht mehr länger frieren. Ich will nicht! Ich will nicht! Ich will nicht!« Und damit rannte er zur Werkstatt hinaus und in die Wohnung hinauf. Er konnte ganz gut durch die Strickerei durchsehen.
Der Anblick des davonhüpfenden Pullovers war so komisch, dass Eder lachend in seiner Werkstatt blieb und dachte, dass der Kobold nach einiger Zeit zurückkommen und ihm den Pullover wiedergeben würde. Sicher könnte dann Frau Schröder den Halsausschnitt erweitern.
Der Pumuckl kam auch zurück. Aber wie! Eder hörte ihn schon im Flur draußen singen:
»Die Schere ist ein feines Ding,
schneidet...




