E-Book, Deutsch, Band 0545, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
Kaye Die verbotenen Küsse des Scheichs
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-443-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0545, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
ISBN: 978-3-95446-443-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Sie sehen aus, als würden sie in den Harem gehören, nicht ins Schulzimmer!', befindet Scheich Jamil empört. Eigentlich hat er die junge Cassandra als Gouvernante für seine Tochter engagiert, aber ihre betörend sinnliche Ausstrahlung führt den stolzen Scheich gefährlich in Versuchung. Bald sind seine Gefühle für Cassie alles andere als ehrenhaft - und unter den Sternen der Wüste küsst er sie heiß. Doch die Tradition verlangt, dass Jamil eine arabische Prinzessin heiratet. Nun steht er vor der schwersten Entscheidung seines Lebens: Pflicht ... oder Liebe?
Marguerite Kaye ist in Schottland geboren und zur Schule gegangen. Ursprünglich hat sie einen Abschluss in Recht aber sie entschied sich für eine Karriere in der Informationstechnologie. In ihrer Freizeit machte sie nebenbei einen Master - Abschluss in Geschichte. Sie hat schon davon geträumt Autorin zu sein, als sie mit neun Jahren einen Wettbewerb in Poesie gewann. 30 Jahre später hatte sie mit einem Historical Roman den Durchbruch.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Arabien 1820, Daar-el-Abbah
Scheich Jamil al-Nazarri, Herrscher von Daar-el-Abbah, las das Dokument sehr sorgfältig. Dabei hatte er wie so oft, wenn er sich konzentrierte, die Stirn gekraust und die Brauen zusammengezogen, was seinem Gesicht einen finsteren Ausdruck verlieh. Dennoch war nicht zu übersehen, dass er ein außerordentlich attraktiver Mann war.
Er trug die traditionelle Kopfbedeckung der Araber: ein Kopftuch, das Ghutra genannt und von einer Kordel, der Agal, gehalten wurde. Beim Lesen hielt er die Lippen fest zusammengepresst, doch ein leichter Schwung in den Mundwinkeln ließ darauf schließen, dass er über Humor verfügte, auch wenn dieser sich vielleicht nicht oft zeigte. Die gerade Nase und das feste Kinn verliehen ihm ein edles, selbstbewusstes Aussehen. Am auffälligsten allerdings waren die Augen, deren je nach Stimmung wechselnde Farbe jeden Europäer unweigerlich an den Herbst erinnern musste.
Es waren diese Augen, die Jamil von anderen gut aussehenden Männern unterschieden und ihn zu einem Menschen machten, den man nicht vergessen konnte.
Als mächtiger Herrscher von Daar-el-Abbah prägte Jamil sich seinen Mitmenschen im Allgemeinen sowieso sehr rasch ein. Schließlich gehörte er zu den wichtigsten Männern der Region. Sein Wüstenreich lag nicht allzu weit von Ägypten und dem Roten Meer entfernt und hatte eine gewisse strategische Bedeutung. Das hatte man ihm von Kind auf immer wieder in Erinnerung gerufen. Er war zum Herrscher geboren und erzogen worden. Und zwar sehr erfolgreich. Denn seit er vor acht Jahren seinem Vater auf dem Thron gefolgt war, hatte er sein Reich mit großem Geschick regiert. Jamil hatte Daar-el-Abbahs Unabhängigkeit gesichert und den Einfluss des Landes vergrößert, ohne sich dabei auf unnötiges Blutvergießen einzulassen.
Das allein bewies, welch geschickter Diplomat er war. Er war aber nicht nur für sein politisches Geschick bekannt, sondern auch dafür, dass man ihn als Feind nicht unterschätzen durfte. Obwohl Jamil den Scimitar, den er stets in einer Scheide am Gürtel bei sich trug, nur selten benutzte, fürchteten seine Gegner das gefährliche Krummschwert. Mit dem vergoldeten, mit Edelsteinen verzierten Griff sah es aus wie ein Kunstgegenstand. Aber tatsächlich handelte es sich um eine tödliche Waffe.
Jetzt stand Jamil auf und begann, das Dokument fest in den Händen haltend, im Thronsaal auf und ab zu gehen. Sein goldfarbener Kaftan schwang bei jedem Schritt und gab den Blick frei auf die weiße Galabija, die er darunter trug. Beide Kleidungsstücke konnten nicht verbergen, wie athletisch er gebaut war und wie kraftvoll und gleichzeitig geschmeidig er sich bewegte. Tatsächlich erinnerte vieles an ihm an den Panther, der sein Wappentier war.
„Ist etwas nicht in Ordnung, Hoheit?“
Halim, sein Berater, stellte die Frage vorsichtig. Er war das einzige Mitglied des Ältestenrats, das es überhaupt wagte, den Fürsten unaufgefordert anzusprechen. Allerdings war auch ihm bewusst, dass er dem Scheich nicht wirklich nahestand, obwohl er dessen Vertrauen genoss.
„Der Ehevertrag erscheint mir in jedem Punkt vernünftig“, gab Jamil zurück.
„Wie Sie sehen, Hoheit, sind all Ihre Bedingungen erfüllt worden“, sagte Halim erleichtert. „Die Familie der Prinzessin Adira hat sich äußerst großzügig gezeigt.“
„Nicht ohne Grund“, stellte Jamil fest. „Diese Ehe bringt der Familie große Vorteile. Vorteile, die kaum damit aufzuwiegen sind, dass man mir die Schürfrechte für eine Diamantenmine einräumt.“
„Sehr wohl, Hoheit.“ Halim verbeugte sich. „Wenn Sie also zufrieden sind, könnten wir zur Unterzeichnung des Dokuments kommen?“
Jamil nahm wieder auf seinem Thronsessel Platz. Es handelte sich um einen niedrigen Stuhl, dessen Sitzfläche mit Samt bespannt war. Die Füße hatten die Form von zwei liegenden Löwen und waren aus reinem Gold. Die ebenfalls goldene Rückenlehne erinnerte an die Strahlen der aufgehenden Sonne. Es handelte sich um einen sehr alten Thron, auf dem schon viele Generationen von Herrschern gesessen hatten. Diejenigen – behauptete die Überlieferung –, die ihn zu Unrecht beanspruchten, fielen innerhalb eines Jahres nach der Machtergreifung einem Fluch zum Opfer.
Der verstorbene Fürst war nicht müde geworden, die Bedeutung des Throns zu betonen. Stolz hatte ihn erfüllt, weil er darauf sitzen durfte. Jamil hingegen beklagte insgeheim, wie unbequem das alte Stück war. Aber da es nun einmal zur Tradition seines Landes gehörte, hatte er sich damit abgefunden, von eben diesem Thron aus seinen Pflichten als Herrscher nachzukommen.
Er machte es sich auf dem harten Sitz so bequem wie möglich, stützte das Kinn in die eine Hand und klopfte mit den Fingern der anderen auf das Dokument, das er auf einem niedrigen Tisch neben dem Thron abgelegt hatte. Die Mitglieder des Ältestenrats, die ihre Plätze gemäß ihrer Rangordnung eingenommen hatten, betrachteten ihn ängstlich.
Jamil unterdrückte ein Seufzen. Manchmal empfand er die Pflichten eines Herrschers als niederdrückend. Natürlich war dieser Ehevertrag wichtig. Aber seiner Meinung nach gab es derzeit noch weitaus Wichtigeres zu entscheiden. Persönlich interessierte ihn die geplante Hochzeit kaum. Selbstverständlich war ihm klar, dass er heiraten musste, um sein Reich zu festigen und einen Erben zu zeugen. In dem Ehevertrag wurden all die damit zusammenhängenden politischen und wirtschaftlichen Fragen geklärt. Daar-el-Abbah würde im Vater der Braut einen mächtigen Verbündeten finden. Mit der Geburt eines Sohnes würde die Erbfolge gesichert sein. Auch die finanziellen Vorteile waren nicht zu unterschätzen.
Doch welchen persönlichen Vorteil werde ich haben, fragte Jamil sich. Die Antwort lautete: keinen, absolut keinen.
Er verspürte nicht den geringsten Wunsch nach einer Gattin. Schließlich kannte er die Ehe bereits. Ein zweites Mal würde er nur heiraten, weil es zum Wohle seines Landes war, dieses Landes, dem er mit Leib und Seele gehörte. Nein, er wollte ganz gewiss nicht erneut eine Frau, die der Ältestenrat für ihn ausgesucht hatte – obwohl es natürlich stimmte, dass alle arabischen Prinzessinnen einander sehr ähnlich waren. Seine erste Frau, die arme Karida, die im Kindbett gestorben war, hatte er recht sympathisch gefunden. Zwar hatte sie kein großes Interesse an ihm gezeigt, aber sie war stets freundlich gewesen. Und ihn hatte es nicht gestört, dass sie am liebsten auf ihrem Diwan lag und Süßigkeiten naschte.
Sympathie, fand er, war allerdings nicht genug, um eine zweite Ehe einzugehen. Gemeinsame Interessen wären schön gewesen … Doch leider empfand er für diese Prinzessin, deren Namen er sich nicht einmal merken konnte, nur Gleichgültigkeit. Außerdem gefiel es ihm, allein zu leben. Wenn doch die Mitglieder des Ältestenrats nicht so wild entschlossen gewesen wären, ihn so bald wie möglich wieder zu verheiraten!
Nun seufzte er doch. Er wusste ja, dass sein Land einen Thronerben brauchte. Deshalb würde er eine Gattin nehmen müssen, und zwar gemäß der Tradition eine, die der Ältestenrat ihm vorschlug. Das behagte ihm zwar nicht, dennoch wäre er niemals auf die Idee gekommen, dagegen zu rebellieren. Früher oder später würde er sich fügen. Allerdings lieber später, zumal er sich ziemlich sicher war, dass er noch nicht bereit war für ein weiteres Kind. Genügte es nicht, dass seine Tochter ihm Kopfzerbrechen bereitete? Niemand schien in der Lage zu sein, sie so zu erziehen, wie er sich das vorstellte. Und damit waren seine Gedanken wieder bei dem Punkt angekommen, der ihn seit Wochen ständig beschäftigte: Was sollte er nur mit seiner achtjährigen Tochter Linah tun?
Noch einmal seufzte Jamil, laut und lange diesmal. Die vor ihm versammelten Mitglieder des Ältestenrats schauten einander beunruhigt an. Fünfundzwanzig Augenpaare wurden dann wieder auf den Boden gerichtet, denn es war verboten, den Fürsten direkt anzusehen. Jeder der Männer trug ein Gewand, das ihn als Würdenträger auszeichnete: eine grün gemusterte Ghutra, die von einem goldfarbenen Agal gehalten wurde. Dazu eine Galabija mit dem aufgestickten Wappentier, dem Panther.
Die fünfundzwanzig Ratgeber reichten bei weitem nicht aus, um den Thronsaal zu füllen. Hinter ihnen erstreckte sich eine große leere Fläche. Im Fußboden aus weißem Marmor spiegelten sich die Sonnenstrahlen, die durch die weit oben in den Wänden angebrachten runden Fenster fielen. Auch die fünf riesigen Kristalllüster glänzten und blitzten im hellen Licht.
Die meisten der hier versammelten Männer gehörten bereits seit vielen Jahren dem Ältestenrat an. Fast alle hielten eisern an den alten Traditionen fest und verabscheuten jede Änderung. Wenn er ihre Argumente hörte, empfand Jamil meist eine große Unzufriedenheit und Ungeduld. Wie oft hatte er sich schon gewünscht, sie durch weltoffenere Männer ersetzen zu können. Doch da er kein Dummkopf war, hatte er sich nie wirklich dazu entschlossen. Stattdessen sagte er sich, dass es viele Möglichkeiten gab, eine Ziege zu häuten.
Ja, er würde Daar-el-Abbah zu einem modernen Staat machen. Er würde seine Untertanen mitnehmen auf die Reise in die neue Zeit, ob ihnen das nun gefiel oder nicht. Am liebsten wäre es ihm freilich, wenn sie von sich aus die Vorteile mancher Veränderungen erkennen würden. Hatten nicht einige bereits eingesehen, dass Diplomatie besser war als Krieg? Nun, auch diese Ehe war ein diplomatischer Akt. Deshalb würde er sich den Wünschen des Ältestenrats letztendlich beugen.
Sollte er den...




