E-Book, Deutsch, Band 588, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
Kaye Die Wüstenblume und der Gentleman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-3372-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 588, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
ISBN: 978-3-7337-3372-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Ich habe die absurde Vorstellung, dass Ihre Küsse nach Pfirsich schmecken würden.' Königreich Nessarah, 1815. Zart wie eine Blüte und stolz wie eine Königin: Wer ist die geheimnisvolle Fremde, die der britische Archäologe Christopher Fordyce des Nachts mitten in der Wüste antrifft? Die schöne Tahira betört ihn mit ihrer liebreizenden Art - und entfacht in ihm zugleich ein brennendes Begehren nach ihren verlockenden Lippen. Doch nach märchenhaft leidenschaftlichen Stunden im warmen Wüstensand wird Christopher gewahr: Es kann keine gemeinsame Zukunft für ihn und seine geliebte Wüstenblume geben! Denn Tahira ist bereits einem anderen versprochen ...
Marguerite Kaye ist in Schottland geboren und zur Schule gegangen. Ursprünglich hat sie einen Abschluss in Recht aber sie entschied sich für eine Karriere in der Informationstechnologie. In ihrer Freizeit machte sie nebenbei einen Master - Abschluss in Geschichte. Sie hat schon davon geträumt Autorin zu sein, als sie mit neun Jahren einen Wettbewerb in Poesie gewann. 30 Jahre später hatte sie mit einem Historical Roman den Durchbruch.
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2. KAPITEL
Tahira sah das Artefakt verwundert an und drehte es in ihren Händen hin und her. Die Glieder der Kette waren von der intensiven tiefgelben Farbe, die auf einen hohen Goldanteil hinwies. Das Amulett selbst war rund, und der Rand war abwechselnd mit Diamanten und Türkisen besetzt. Über den Anhänger war ein betörendes Muster aus leuchtend blauen Emaillestreifen auf Gold gezeichnet, geformt wie Blütenblätter. Aber die Mitte des Amuletts war leer.
„Hier fehlt etwas“, sagte sie und strich mit dem Zeigefinger über die Stelle. „Ein weiterer Stein?“
„Möglich. Das möchte ich gern herausfinden, obwohl ich bezweifle, dass mir das je gelingen wird“, entgegnete Christopher. „Was halten Sie davon?“
„Ich denke, es ist das schönste Schmuckstück, das ich je gesehen habe.“ Tahira betrachtete das Amulett genauer. „Das Muster ist sehr auffallend und typisch für diese Gegend. In alten Manuskripten habe ich Bilder von ähnlichen Exemplaren gesehen. Es stammt mit ziemlicher Sicherheit aus dem Süden Arabiens und ist offenbar sehr alt und sehr wertvoll. Das Licht ist zu schlecht, als dass ich es genauer erkennen könnte, aber diese Diamanten scheinen makellos zu sein. Und die Türkise – auch hier kann ich nicht sicher sein, aber ich glaube nicht, dass ich jemals Steine in diesem besonderen Farbton gesehen habe.“
„Sie sind tatsächlich sehr rar. Ich habe noch nie Vergleichbares gefunden. Bis jetzt.“
„Oh!“ Endlich begriff sie. „Glauben Sie, diese Mine …“
„Ich hoffe es sehr.“
„An dieser Stelle gefunden, vor eintausendfünfhundert Jahren“, sagte Tahira verträumt und strich mit dem Finger über die Türkise. Das Amulett lag warm in ihrer Hand. „Wie wunderbar es wäre, wenn Sie das beweisen könnten. Ich habe mich noch nie von etwas so angezogen gefühlt. Wie sind Sie dazu gekommen?“
Christophers Lächeln wurde angespannt. „Es ist über meine Mutter zu mir gelangt. Allerdings nicht auf direktem Weg. Ich habe sie nicht gekannt. Sie starb bei meiner Geburt.“
„Oh, Christopher!“ Tahira spürte Tränen in ihren Augen. Selbst jetzt, nach all den Jahren, traf die Erinnerung an ihren eigenen Verlust sie unvermittelt. „Auch meine Mutter starb im Kindbett, als sie meine jüngste Schwester zur Welt brachte, aber wenigstens hatte ich noch zehn kostbare Jahre mit ihr. Es tut mir so leid.“
„Man kann nicht vermissen, was man nie gekannt hat, und auch nicht betrauern, was man nie hatte.“
Er sprach kurz und knapp, als wäre ihm die Frau egal, die ihm das Leben geschenkt hatte, doch das konnte nicht sein. Er war ein Mann, das war alles, und als solcher wollte er seinen Schmerz nicht zeigen. „Dann muss Ihnen dieses Amulett sehr viel bedeuten“, sagte Tahira. „Eine sehr kostbare Verbindung zu Ihrer Vergangenheit.“
Sie griff in den Ausschnitt ihrer Tunika und zog ihre goldene Kette hervor. „Meine Mutter hat mir dies hier gegeben. Es ist ein Beduinenstern. Der Stern der Reisenden. Ich trage ihn immer. Meine kostbarste Verbindung zu meiner Vergangenheit. Ich möchte mich niemals davon trennen.“
„Aber wie es nun einmal ist, so bin ich entschlossen, mich von meinem Amulett zu trennen.“
Tahira starrte ihn entsetzt an. „Trennen?“, wiederholte sie und dachte, sie hätte sich verhört, oder dass er das Wort falsch übersetzt hatte.
„Trennen“, wiederholte Christopher vehement. „Indem ich dieses Stück dem wahren Eigentümer zurückgebe.“
„Aber Sie sind doch sicher sein wahrer Eigentümer?“, sagte sie, zutiefst verwirrt und ein wenig verschüchtert wegen seines plötzlichen Stimmungswandels.
Christopher, der ihre Verwirrung spürte, bemühte sich um einen leichteren Tonfall. „Es tut mir leid. Ich hätte nicht so heftig sprechen sollen. Ich bin seit sechs Monaten in Arabien und versuche, die Steine zu finden, die denen im Amulett entsprechen, und diese Aufgabe hat mich einigermaßen erschöpft.“
„Aber warum überhaupt eine solche Suche beginnen? Ich verstehe nicht. Glauben Sie, dass dieses Amulett gestohlen wurde?“
Er lachte kurz auf. „Da bin ich fast sicher. Von Grabräubern, vor Hunderten von Jahren. Aber was seine jüngere Herkunft angeht …“ Er verzog das Gesicht. „Ich habe aus sicherer Quelle erfahren, dass ich der rechtmäßige Eigentümer bin.“
„Und doch wollen Sie es weggeben? Es muss sehr wertvoll sein. Warum verkaufen Sie es nicht, wenn es Sie schmerzt, es zu besitzen.“
Er erschauerte. „Gewinn durch ein solches Objekt erwerben – nein, undenkbar. Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.“
Tahira runzelte die Stirn. „Weil es ein heiliger Gegenstand ist? Das kann ich verstehen, aber warum geben Sie es dann nicht einem Museum?“
Sie hielt das für einen guten Vorschlag, doch er verzog nur wieder das Gesicht. „Den Vorschlag hat mir schon einmal jemand gemacht. Sie können nicht verstehen, was ihm hätte klar sein müssen: warum auch das unmöglich ist. Das Amulett gehört hierher, nach Arabien, und nirgends sonst hin.“
„Ihre Gefühle ehren Sie“, sagte Tahira, was stimmte, obwohl sie vermutete, dass diese Gefühle weit von der Wahrheit entfernt waren. „Aber den ganzen Weg hierher nach Arabien zu machen, auf einer … einer Suche, wie Sie es nennen, die Sie anscheinend nicht zu Ende bringen können, erscheint mir, ehrlich gesagt, sehr ungewöhnlich. Was, wenn Ihre Suche sich als vergeblich erweist?“
„Sie darf nicht vergeblich sein. Erst wenn ich dieses Ding loswerde, kann ich …“ Christopher verstummte, kniff die Augen zu und bemühte sich offensichtlich um Selbstbeherrschung. „Ich muss es zurückgeben“, sagte er mit einer Endgültigkeit, die ihr deutlich zeigte, dass dieses Thema beendet war. „Es gibt keine Alternative.“
Warum nicht?, hätte sie gern gefragt. Warum betrachten Sie diesen schönen Gegenstand, als würden Sie ihn verachten? Warum müssen Sie ein Erbstück loswerden, eine Gabe von der Mutter, die Sie nie gekannt haben? Warum ist es so wichtig, dass Sie sechs Monate Ihres Lebens mit einer beinahe unmöglichen Aufgabe verbracht haben? Aber er würde ihr keine dieser Fragen beantworten, soviel war klar. „Wie wollen Sie feststellen, woher das Stück kommt?“, fragte Tahira stattdessen. „Und an wen wollen Sie es zurückgeben?“
„Die Steine sind der Schlüssel“, erwiderte Christopher, und seine ernste Miene wurde bei diesem Themenwechsel etwas heiterer. „Die Kombination dieses besonderen Farbtons der Türkise mit der Reinheit der Diamanten und dem Goldton ist einzigartig. Wenn ich herausfinden kann, woher sie kommen, sie geographisch einordnen kann, beweisen, dass sie alle gefunden wurden, als das Amulett gemacht wurde, dann werde ich wissen, dass ich am richtigen Ort bin.“
„Wie viele Orte haben Sie aufgesucht?“
Er zuckte die Achseln, aber sie sah erfreut die Andeutung eines Lächelns. „Ich habe meine Wanderungen auf den Süden beschränkt und mich auf die Königreiche konzentriert, von denen ich weiß, dass dort Diamanten und Gold abgebaut wurden.“
„Wie sind Sie an solche Informationen gelangt?“
„Nun, Sie sagten selbst, dass dieses Amulett im Stil Südarabiens gearbeitet ist, und ich bin ein Gutachter. Erze und Mineralien sind mein Geschäft, und ich habe … ich habe eine Begabung dafür. Als ich den Ort etwas eingegrenzt hatte, war es recht einfach.“
Dies war der Beweis – nicht, dass sie dafür einen gebraucht hätte –, wie wichtig dieses Unternehmen für Christopher war. „Sie müssen durch viele Königreiche gekommen sein“, sagte Tahira beeindruckt. „Um so weit zu reisen, müssen Sie große Mühen auf sich genommen haben. Strapazen, Papiere, Genehmigungen …“
„Oh, ich kann Papiere vorlegen, wenn es sein muss“, gab er zurück und winkte ab. „Aber ich ziehe es vor, unauffällig zu bleiben. Behörden, die helfen wollen, können manchmal – nun ja, übermäßig neugierig sein. Und manchmal auch übermäßig misstrauisch. Seien Sie ehrlich, Sie waren auch misstrauisch, oder?“
Neckte er sie? Nein, dieser Glanz in seinen Augen – das war mehr eine Herausforderung. „Nun, inzwischen verstehe ich, warum Sie hier sind, und ich bin keine Behörde, Christopher. Allerdings kann ich Ihnen versichern: Wenn Sie dabei erwischt werden, wie Sie in dieser Mine herumschnüffeln, sind Sie in ernsthaften Schwierigkeiten.“
„Daher mein Entschluss, mitten in der Nacht hierherzukommen. Ich habe keine Zeit, mich mit den Behörden auseinanderzusetzen, Tahira. Ich muss einen Weg finden, so schnell wie möglich einen solchen Stein in die Hand zu bekommen. Der Türkis ist das wertloseste Stück in diesem Amulett, aber er ist selten, und damit ist er der Schlüssel zur Herkunft. Und daher möchte ich, ähnlich wie Sie, weder bekannt machen, was ich tue, noch dabei erwischt werden. Wir sind ein gutes Team, meinen Sie nicht?“
Tahira dachte, dass sie wohl ein wenig verrückt sein musste, um sich mit dieser Sache einverstanden zu erklären. Sie nahm an, dass seine Kühnheit sie angesteckt haben musste. Es ließ sich nicht leugnen, dass ihre Chance, erwischt zu werden, immer größer wurde, je öfter sie entfloh, aber die Zeit war ebenso wenig auf ihrer Seite, wie sie auf Christophers war. Dieser Mann, dieser Fremde, der sie abwechselnd anzog und einschüchterte, wollte ihre Hilfe bei dieser überaus faszinierenden Suche. Eine solche Gelegenheit würde sie nie wieder bekommen. Es war unmöglich für sie abzulehnen.
„Ich denke, wir werden ein ausgezeichnetes Team sein.“ Lächelnd...




