Kehm-Seyffarth | Die Heilerin von Münster | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 454 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Kehm-Seyffarth Die Heilerin von Münster

Historischer Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-347-78096-5
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, 454 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-78096-5
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Christina ist eine junge Heilerin. Als es ihr gelingt, den Bischof von Münster zu heilen, gerät sie in den Fokus der Kirche und des ortsansässigen Medicus, der es gar nicht gerne sieht, dass eine junge Frau ihm ins Handwerk pfuscht. So gerät sie zwischen die Querelen um den Bischofsitz und den städtischen Intrigen des Adels und der Ritterschaft. Nur der junge Adelige Johann von Droste-Hülshoff, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht und eine Wölfin namens Luna, die sie als Welpen aufgenommen hat, stehen ihr zur Seite.

Eva Kehm-Seyffarth wurde am Niederrhein geboren. Sie lebt seit 23 Jahren als freiberufliche Künstlerin. Sie ist als Musikerin und Sängerin unterwegs und arbeitet auch als freischaffende Malerin. Zur Zeit lebt sie auf dem Land in der Nähe von Münster. Außer der Musik und der Malerei waren ,Flora und Fauna' schon von Kleinauf eines ihrer Steckenpferde. Sie verbrachte als Kind oft Zeit mit ihrer Mutter im Garten. Dort lernte sie viel über Pflanzen und Tiere. Dann kam die Leidenschaft für historische und fantastische Belletristik hinzu. So begann sie 2020 mit dem Schreiben. Zuerst entstand ein fantastisches Jugendbuch über die Elfe Hannah, die mit magischen Fähigkeiten den Kampf gegen die den Klimawandel ignorierenden Dunkelelfen aufnimmt. Das neue Buch ist historischer Roman um die Heilerin Christina, die es anno 1450 nach Münster verschlägt und dort Gefahren und Intrigen ausgesetzt ist. Ein zweiter Teil der ,Heilerin von Münster' ist in Planung.
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KAPITEL 1
(Herbst, anno 1448)

1. Steinpilze

„Komm hierher, ich habe welche gefunden! Hier wachsen ganz viele!“

Christina konnte ihren Bruder nicht sehen. Sie vermutete aber, dass er sich irgendwo in der Nähe aufhalten musste.

Es war Spätsommer und für die Jahreszeit überraschend warm und feucht. Der zunehmende Mond und die Regenfälle der letzten Tage mussten dazu geführt haben, dass die begehrten Leckereien endlich wuchsen.

Mutter liebte frische Steinpilze am Abend! Früher war sie mit den beiden Kindern oft gemeinsam in den Wald gegangen und hatte ihnen alle Sorten erklärt, die sie kannte. Es gab unzählige essbare und giftige Pilze. Aufgrund der jahrelangen Erfahrung beim Sammeln mit ihrer Mutter wusste Christina genau, wonach sie Ausschau halten musste. Nun waren das Mädchen und ihr Bruder längst alt genug, um ohne Aufsicht nach den schmackhaften Köstlichkeiten zu suchen.

Die Nachmittagssonne erhellte nur teilweise kleine Stückchen des Waldbodens. Andere Stellen lagen im Schatten.

Es war gar nicht so leicht, die braunhütigen Pilze zu finden, da sich die Augen immer wieder an die dunklen und hellen Stellen auf dem Waldboden gewöhnen mussten.

An dieser Stelle des Waldes wuchsen vorrangig Fichten und Eichenbäume. Erste braune Blätter machten die Suche nach den köstlichen Steinpilzen und Braunkappen nicht leichter.

Immer wieder dachte sie, sie hätte ein stattliches Exemplar gefunden, aber wenn sie erwartungsvoll näher trat, entpuppte sich das gefundene Objekt als ein gekrümmtes Blatt, welches zu Boden gefallen war.

So waren die beiden Kinder schon eine ganze Weile unterwegs, ohne eine nennenswerte Beute vorweisen zu können.

Erst als die Sonne hinter Wolken verschwand, war es leichter, die begehrten Steinpilze zu sichten.

Christina sah zum Himmel hinauf. Dicke graue Wolken hatten sich vor das sommerliche Blau geschoben. Vielleicht würde es sogar bald anfangen zu regnen. Verdammt, wo trieb sich ihr kleiner Bruder nur wieder herum?

Sie hasste es, wenn er sich immer wieder durch andere Dinge ablenken ließ. Es war schon häufiger vorgekommen, dass Malte einen interessanten Stein, ein verletztes Tier oder irgendetwas anderes gefunden hatte, was seine ungeteilte Aufmerksamkeit erregte. Er sah und hörte dann nichts anderes mehr!

Mehrmals rief sie seinen Namen, bekam aber immer noch keine Antwort. Sie bückte sich und drehte die Pilze mit einer gekonnten Handbewegung heraus. Wo einer stand, konnte man oft auch weitere Exemplare finden. Das wusste sie aus Erfahrung.

Als sie sich genauer umschaute, entdeckte sie tatsächlich mehrere kleine Gruppen der köstlichen Pilze.

Behutsam drehte sie die bauchigen Stiele heraus und sah sich das Fruchtfleisch genauer an.

Der Schwamm unterhalb des Hutes hatte ein zartes Gelb, das sich leicht bläulich verfärbte, wenn man darauf drückte.

Christina brach den Pilz auseinander und betrachtete sein Innenleben.

Der größte der Pilze hatte Würmer und viele braune Löcher. Sie warf ihn enttäuscht zurück auf den Waldboden. Zum Glück hatten die kleineren Pilze festes weißes Fleisch und wiesen keinerlei Schädlingsbefall auf.

Wenn man das Myzel mit herausriss, so nannte man die Wurzeln der Fruchtkörper, würden im nächsten Jahr an dieser Stelle keine Pilze mehr wachsen! Das hatte Mutter den Kindern früh beigebracht.

Mittlerweile kannte sich Christina sehr gut mit den Gaben des Waldes aus, sodass sie ihrer Mutter eine große Hilfe war. Sie hatte mit der Zeit viel gelernt über Kräuter, Pilze, Beeren und Heilpflanzen, wie man sie fand und wozu man sie benutzen konnte. Ihre Mutter war eine weit über die Grenzen des Dorfes bekannte Heilerin.

Natürlich ging ihre Mutter Anna davon aus, dass Christina irgendwann ihren Platz einnehmen würde!

Ihre Mutter sagte immer, sie selbst habe eine natürliche Begabung, Menschen und Tiere zu behandeln, und diese Gabe hätte ihre Tochter von ihr geerbt.

Aber es gab noch so unglaublich viel zu lernen, und das Mädchen fühlte sich so manches Mal überfordert, obwohl sie wissbegierig und neugierig war.

Anna beruhigte sie dann immer wieder mit den Worten, dass es noch viele Jahre dauern würde, bis die Verantwortung auf ihren Schultern lag.

Nicht selten hatte Christina früher ihren kleinen Bruder beneidet, da er mit den anderen Jungen spielen durfte, während sie ihre Mutter zu den Kranken begleitete.

Mittlerweile war Malte dreizehn Jahre alt und wollte unbedingt ein berühmter Ritter werden!

So vertrieb er sich die Zeit oftmals mit den anderen Jungen des Dorfes.

Er kämpfte mit seinen Freunden dann mit Holzschwertern und Stöcken, während Christina ihrer Mutter half, nach ihren Rezepturen Teemischungen zuzubereiten oder Salben und Tinkturen herzustellen.

„Malte, verdammt, wo bist du?“, rief das Mädchen noch einmal lauter, nachdem sie die Pilze eingesammelt und behutsam in ihr Weidenkörbchen gelegt hatte.

Sie hörte ein Knacken nicht unweit der Stelle, an der sie stand. Misstrauisch drehte sie ihren Kopf in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Ihr Bruder hatte bestimmt wieder Flausen im Kopf und wollte sie erschrecken? Hier im Wald begegnete man nur selten einem Dorfbewohner. Fremden war sie hier tatsächlich noch niemals begegnet. Noch einmal knackte es im Gehölz.

„Malte, bist du das?“, flüsterte sie unsicher.

Tatsächlich stand nur wenige Wimpernschläge später ihr kleiner Bruder mit einem Grinsen vor ihr. Sie wollte gerade mit einer Schimpftirade ansetzen, als der Junge seinen Finger an die Lippen hob.

„Die graue Wölfin ist wieder da!“, flüsterte er aufgeregt. „Ich wollte doch nur nicht so schreien, damit sie nicht wieder wegläuft!“

Man konnte seinem Tonfall und seinem betretenen Gesichtsausdruck anmerken, dass er es tatsächlich bedauerte, sich nicht sofort gemeldet zu haben, als seine Schwester nach ihm rief.

Christina musste innerlich schmunzeln, behielt aber ihren tadelnden Gesichtsausdruck bei.

„Du hast versprochen in der Nähe zu bleiben und dich zu melden, wenn ich dich rufe!“, beschwerte sie sich.

Das Mädchen versuchte ihre Stimme strenger klingen zu lassen, ganz so, wie es ihre Mutter immer tat, wenn sie eines der Kinder tadelte. Dann drangen Maltes Worte zu ihr durch. „Luna ist wieder da?“

Ihr tadelnder Gesichtsausdruck hellte sich augenblicklich auf, und sie schaute sich neugierig um. Ungefähr drei Schritte hinter ihrem kleinen Bruder entdeckte sie die imposante Wölfin. Das Tier war mächtig gewachsen! Christina stellte ihren Korb auf dem Waldboden ab und ging vorsichtig auf Luna zu.

Die Wölfin hatte sich den Sommer über nicht blicken lassen. Vor vielen Monaten, an einem milden Frühlingstag, war sie einfach im Wald verschwunden und seitdem nicht wieder aufgetaucht. Christina war darüber lange sehr traurig gewesen. Ihre Mutter hatte ihr erklärt, dass Wildtiere immer wieder ihre Freiheit suchten und man ihnen diese auch gewähren müsse. Sie erklärte ihr, dass manche Tiere nie wieder zurückkehrten und sich ein eigenes Revier suchten.

Christina musste daran denken, wie sie Luna das erste Mal gesehen hatte.

Es war jetzt mehr als zwei Jahre her, dass die Kinder des Dorfes den verwundeten Wolfswelpen irgendwo im Wald gefunden und zu der Heilerin gebracht hatten. Sie hatten das kümmerliche Tier auf dem Boden ihrer Hütte abgesetzt und Christina hatte sich sofort in den hilflosen Welpen verliebt.

Erst weigerte sich Christinas Mutter, das junge Tier zu behandeln, da es damals fast aussichtslos erschien, dass das verletzte und unterernährte Wildtier genas.

Nachdem Christina und Malte ihr aber keine Ruhe ließen, ließ sich ihre Mutter erweichen. Die Kinder mussten ihr schwören, sich in Zukunft gut um die junge Wölfin zu kümmern.

Da ihr damals elfjähriger Bruder noch sehr kindlich war, und nur Flausen im Kopf hatte, blieb die ganze Verantwortung an Christina hängen.

Natürlich hatte es erheblichen Widerstand im Dorf gegeben! Einige der Bewohner waren gar nicht damit einverstanden, ein solch gefährliches Wildtier in ihrer Mitte aufzunehmen. Es würde schließlich rasch wachsen und dann nicht mehr so leicht zu kontrollieren sein.

Einer der Dorfbewohner fürchtete um seine Ziegen, eine der Frauen sorgte sich sogar um die Sicherheit ihrer Kinder. Über Tage stritten sich die Dörfler um den Verbleib des Tieres.

Letztendlich hatte der Dorfälteste ein Machtwort gesprochen. Luna durfte bleiben, solange sie keinen Dorfbewohner angriff und niemand durch sie zu Schaden kam.

Wie durch ein Wunder erholte sich das kranke Tier und wurde zusehends zutraulicher. Die junge Wölfin hatte schnell gelernt, dass ihr kein Schaden im Dorf zugefügt wurde und Christinas Familie als Rudel akzeptiert.

Gerade Christina und ihr kleiner Bruder hatten damals sehr viel Zeit mit Luna verbracht. So kam es, dass die junge Wölfin immer öfter die kleine Familie...



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