E-Book, Deutsch, Band 2, 498 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
Keith / Weiß BattleTech Legenden 02 - Der Söldnerstern
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95752-606-9
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gray-Death-Trilogie 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 498 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
ISBN: 978-3-95752-606-9
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
William H. Keith hat das Reisen im Blut. Das ist ein großer Vorteil, denn in der letzten Zeit ist er zu regelmäßigen Pendelfahrten zwischen dem 31. und dem 69. Jahrhundert gezwungen. Während seiner seltenen Abstecher ins 20. Jahrhundert, hat er erhebliche Schwierigkeiten sich daran zu erinnern, welches Jahr man gerade schreibt. Seine Bekannten sind der Ansicht, dass ihn dies zu einem liebenswürdigen Exzentriker macht, er aber besteht darauf, dass es sich um eine Art temporalen Jetlag handelt. Seine Psychiater studieren dieses Merkmal angestrengt, in der Hoffnung, Licht auf die Hintergründe seines monomanischen Triebs zu werfen, leere Computerbildschirme mit kleinen schwarzen Buchstaben zu bedecken. Wenn er nicht durch die Zeit reist und/oder stolpert, lebt Bill in den Bergen Westpennsylvanias mit seiner Ehefrau, der Söldnerkriegerin Nina; seiner Tochter, dem außerirdischen Genie Heather; einer alten ägyptischen Katzengöttin namens Merneptah und vier hyperaktiven Computern. Die Antwort auf die Frage, welches Mitglied dieser Menagerie zu einem beliebigen Zeitpunkt gerade die Oberhand besitzt, könnte möglicherweise der Schlüssel zur Quantentheorie und zum Letzten Geheimnis des Universums darstellen - möglicherweise aber auch nicht ... (Übernommen aus der Original-Ausgabe, erschienen 1993)
Weitere Infos & Material
2
So oft er die Sache auch durchging, Grayson sah nichts, was er noch hätte tun können. Devic Erudins Angebot war die einzige Möglichkeit, die sich der Gray Death Legion während ihres sechsmonatigen Aufenthalts auf Galatea geboten hatte. Wenn er keine Arbeit für seine Einheit auftreiben konnte, musste er sie auflösen, um seinen Männern die Gelegenheit zu bieten, eine Stellung bei einer größeren, besser ausgerüsteten Söldnertruppe zu finden. Galatea war der Hauptumschlagplatz für Söldner aus dem ganzen Lyranischen Commonwealth und Umgebung. Hier versammelten sich Söldnereinheiten und ihre Agenten auf der Suche nach Aufträgen und hierhin kamen Regierungsbeauftragte, um Söldner zu suchen und unter Vertrag zu nehmen.
Das Problem lag darin, dass es so viele Söldnereinheiten gab, die größtenteils volle Mechkompanien von zwölf Maschinen oder sogar ganze Regimenter aufbieten konnten. Die Gray Death Legion besaß bei ihrer Ankunft auf Galatea ganze fünf BattleMechs. Und nur zwei von ihnen, Lori Kalmars Locust und Graysons Shadow Hawk wurden von erfahrenen Kämpfern gesteuert. Im Verlauf der Woche hatten sich fünf weitere MechKrieger der Truppe angeschlossen, von denen zwei eigene Maschinen mitbrachten, so dass sich die Kampfkraft der Legion auf sieben Mechs vergrößerte. Die Einheit hatte auch Techs und Hilfstruppen anheuern können, und ihre Zeit dann damit verbracht, die Leute auszubilden und gebrauchte Bauteile zur Reparatur und Wiederaufrüstung ihrer Mechs zu beschaffen.
Kapitän Renfred Tor vom Sprungfrachter Ärgernis hatte ein paar Luft/Raumpiloten getroffen und rekrutiert, die bei Einsätzen im Raum oder am Boden mit ihren Luft-/Raumjägern als Unterstützung dienen konnten. Feldwebel Ramage verwandelte in der Zwischenzeit die Bodentruppen in eine gut ausgebildete MechAbwehr- und MechHilfsinfanterieeinheit. Inzwischen umfasste die Legion 186 Männer und Frauen, einschließlich aller Besatzungsmitglieder der alten Ärgernis, den Techs, Astechs und Bodentruppen, die sie von Trellwan mitgebracht hatten und der Handvoll erfahrener Veteranen, die sie auf Galatea hatten anwerben können.
Aber Grayson wusste, dass all ihre Arbeit umsonst gewesen war, wenn es ihm nicht schnell gelang, einen Auftraggeber zu finden. Es gab kaum jemanden, der Bedarf für eine Einheit von nicht einmal zwei vollen Lanzen hatte, schon gar nicht, wenn es sich dabei auch noch um eine neugegründete Truppe handelte, die gerade erst einen Feldzug hinter sich hatte. Nach sechs Wochen war der größte Teil des Geldes ausgegeben, das Grayson von der dankbaren Regierung Trellwans für die Befreiung ihrer Welt aus den Klauen des Draconis-Kombinats erhalten hatte. Nach Bezahlung der Hafengebühren Galateas und dem Kauf von Ersatzteilen für die Mechs, Treibstoff, Nahrungsmitteln, Waffen und Munition — nicht zu vergessen den Bestechungsgeldern für Hafenbeamte — hatte Grayson gerade noch genug übrig, um seine Truppen zu bezahlen. Ja, vor zwei Wochen hatte er sogar begonnen, ihnen Wechsel auszustellen, statt sie in C-Noten zu bezahlen. Kein Händler in Galaport akzeptierte die Wechsel einer Einheit als Bezahlung und es konnte nicht mehr lange dauern, bis auch die Legionäre sie nicht mehr annahmen.
Grayson war Erudin in einer der unzähligen Kneipen im Vergnügungsviertel von Galaport begegnet. Die Bar hieß ›Marauder Bill‘s‹, aber ein früherer Kunde hatte das ›B‹ des Neonschriftzugs zerschossen, so dass dieser jetzt nur noch ›Marauder ill‘s‹ lautete. Renfred Tor hatte den ersten Kontakt mit dem Mann geknüpft und Grayson später mitgenommen, damit er ihn kennenlernte.
Marauder Bill‘s — oder ill‘s — war eines von hundert einander zum Verwechseln ähnlicher Etablissements in einem Kilometer Umkreis um den Raumhafen. Von außen sah man nichts als verdreckten, von der Sonne gebratenen und vom Zahn der Zeit angefressenen Putz, der in der Wüstenhitze Galateas schimmerte. Im Innern des Gebäudes war es dunkel und nur ein bisschen kühler. Die Geräuschkulisse aus ungestümem Gelächter und Gesprächsfetzen wurde untermalt vom Klirren der Gläser und einer gelegentlichen Schlägerei zwischen Betrunkenen. Erudin hatte weit hinten gesessen, abseits der Scheinwerferkegel, in denen sich nackte Tänzerinnen wanden und abseits der schwerbewaffneten Söldner, die sich um einen Sitzplatz an der Bar oder den mittleren Tischen drängten.
Nichts an dem Mann, der zu ihrer Begrüßung aufstand, deutete auf einen MechKrieger hin. Er war einen Kopf kleiner als der schlacksige Grayson Carlyle und seine blassen Augen wurden von einer starken Brille grotesk vergrößert. Die Brille kennzeichnete ihn als den Bewohner eines Planeten ohne die notwendige Technologie für Netzhautimplantate oder korrigierende Augenchirurgie. Lostech nannte man solche Welten, auf denen im Laufe der Jahrhunderte unablässiger Kriegsführung der lange Sturz aus der Zivilisation in die Barbarei begonnen hatte. Allerdings benutzte man diesen Begriff nur für die Welten mit den größten Wissensverlusten. Schließlich hatte die gesamte Innere Sphäre einen ähnlichen Niedergang der Technik und Verlust an wissenschaftlichen Erkenntnissen hinnehmen müssen.
Welcher Auftrag mochte Grayson und seine Söldner auf einer Lostechwelt erwarten?
Er behielt seine Gedanken für sich, als er Erudin die Hand schüttelte. »Sie müssen Grayson Carlyle sein«, eröffnete der Mann das Gespräch. Er sah zwar eher wie ein Bücherwurm aus, aber sein Händedruck war fest und eine Aura ruhiger Entschlossenheit umgab ihn. »Ihr Pilot hat mir viel von Ihnen erzählt.«
»Dann sind Sie im Vorteil, Mr. Erudin, denn ich weiß nichts über Sie.«
»Bürger Erudin bitte, Herr Hauptmann«, erklärte Tor.
»Er ist Anführer einer hübschen kleinen Revolution ein paar Lichtjahrzehnte von hier.«
Diese Bemerkung ließ Grayson fragend eine Braue heben. ›Ein paar Lichtjahrzehnte‹ deutete auf die Grenzregion zwischen dem Lyranischen Commonwealth und dem Draconis-Kombinat hin. Die angespannte Situation dieser Grenzbereiche zwischen den großen Häusern hielt Söldnereinheiten, Waffenhändler und ganze Flotten und Armeen beschäftigt. Die Grenzwelten wechselten mit monotoner Regelmäßigkeit ihren Besitzer.
»Nein, nein, nicht der Anführer«, korrigierte Erudin und nahm wieder Platz. »Ich bin jedoch Repräsentant des Revolutionsrats von Verthandi. Wir befinden uns im Kampf mit Haus Kurita und wir brauchen Hilfe ... wir brauchen dringend Hilfe.«
»Das würde ich auch meinen«, hatte Grayson auf diese Eröffnung bemerkt. In diesem Moment wurden sie von einer jungen Dame unterbrochen, die mehr Federn und Talmi trug als Bekleidung und nach ihrer Bestellung fragte. Tor hatte eine Runde Lugen Coladas bestellt, aber Grayson unterbrach ihn und änderte seine Bestellung in ein Glas Eiswasser um. Dann wandte er sich wieder seinem Gesprächspartner zu und lauschte dessen Geschichte.
Verthandi war der zweite der drei Planeten des Nornsystems, was Grayson wenig sagte. Und warum sollte es? Es gab so viele Welten ... Verthandi war einmal eine friedliche Welt gewesen, erklärte Erudin, die sich ganz der Landwirtschaft gewidmet hatte. Außerdem war Verthandi in weiten Teilen des Commonwealth für seine Universität in der Hauptstadt Regis bekannt gewesen.
»Aber all das war einmal«, fuhr er fort. »Vor zehn Jahren kam es zu einer großen Kurita-Offensive ...«
Grayson nickte. »Ja, auf Harvest.« Damals war er selbst dabei gewesen, wenn auch als zehnjähriger Knabe. In jenem Jahr war er formell zum MechKriegerAnwärter bei Carlyle‘s Commandos, dem Regiment seines Vaters, geworden. Er konnte sich noch deutlich an die Sorgen seines Vaters erinnern, als eines von Kuritas Schwert-des-Lichts-Regimentern während der Schlacht um Harvest im Rücken des Commandos gelandet war. Sie hatten sich zurückziehen müssen, um nicht aufgerieben zu werden. »Als Harvest verlorenging, hat das Commonwealth eine Reihe von Grenzwelten förmlich abgetreten, nicht wahr?«
»Eine davon war Verthandi«, bestätigte Erudin. »Die erste Maßnahme des Kombinats war der Aufbau einer Flottenbasis auf unserem Mond Verthandi-Alpha. Wir waren völlig auf die militärische Unterstützung der Lyraner angewiesen gewesen. Abgesehen von ein paar Frachtern und Kauffahrern hatten wir keine Schiffe — nicht einmal für einen kurzen Flug zu unserem Mond.«
Grayson nickte wieder. Es passte in das Bild einer Lostechwelt, dass Verthandis Bewohner für Transport und Handel auf andere angewiesen waren. Und er wusste, dass Haus Kurita sie sicherlich nicht darin bestärkt hatte, unabhängiger zu werden. Ganz im Gegenteil. Je abhängiger die Verthander von Kurita waren, desto besser für die Draconier. Welten, die...




