Kellen | The Map of Longing | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 528 Seiten

Kellen The Map of Longing

Roman - Der neue emotionsgeladene New-Adult-Roman der TikTok-Sensation!
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-641-30508-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman - Der neue emotionsgeladene New-Adult-Roman der TikTok-Sensation!

E-Book, Deutsch, 528 Seiten

ISBN: 978-3-641-30508-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein attraktiver Fremder. Ein Spiel voller Emotionen. Eine Liebe, die alles verändert.

Grace wurde nur aus einem Grund geboren: Sie sollte ihre schwerkranke Schwester Lucy retten. Als Lucy trotz aller Bemühungen stirbt, sieht Grace keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Bis sie eines Tages die »Karte der Sehnsüchte« entdeckt – ein Spiel mit Aufgaben, das Lucy sich vor ihrem Tod ausgedacht hat. Den Anweisungen folgend sucht Grace einen Fremden namens Will auf. Sofort fühlt sie eine tiefe Verbundenheit zu dem geheimnisvollen Mann. Gemeinsam folgen sie der Karte und begeben sich auf eine Reise voller Möglichkeiten und vergessener Träume, aber auch voller Schmerz. Wie kannst du vorankommen, wenn die Vergangenheit dich immer wieder zurückhält? Grace glaubt, die Antwort zu kennen: durch Liebe. Doch um Will lieben zu können, muss sie erst sich selbst akzeptieren. Und das ist die schwierigste Aufgabe von allen.

Alice Kellen ist eine internationale Bestsellerautorin. Sie schreibt Geschichten über universelle, übergreifende Themen wie Liebe, Freundschaft, Unsicherheiten, Verlust und der Sehnsucht nach einer besseren Zukunft. Mit ihrer Familie lebt sie in Valencia.
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1

Ich heiße Grace


Manchmal lege ich mich ins Bett, schließe die Augen und stelle mir den Beginn meines Lebens vor. Ich sehe ein Spermium, das schneller ist als die anderen und sich zügig bewegt, bis es die Eileiter erreicht. Es schlängelt sich durch und schafft es, die von allen ersehnte Eizelle zu erobern, indem es die Plasmamembran durchbricht. Und dann, nach der Befruchtung, trete ich in Erscheinung. Ich habe noch keine Augen, keinen Mund und keine Gliedmaßen, aber ich existiere.

Eine Existenz zu einem bestimmten Zweck.

Die meisten Menschen, die ich kenne, fragen sich regelmäßig, warum sie auf die Welt gekommen sind, was ihr Ziel ist oder ob ihr Leben einen Sinn hat. Darauf weiß ich keine Antwort, aber mein Schicksal stand von Anfang an fest, so wie das Gras wächst, um das Vieh zu ernähren, oder so wie die Bienen alles eifrig bestäuben. Daher habe ich als Kind, wenn ich in der Schule aufgefordert wurde, aufzustehen und mich vorzustellen oder einen Aufsatz über meine Familie zu schreiben, immer mit folgendem Satz angefangen:

Großvater sagt immer, dass ich mit einem Superhelden-Umhang auf die Welt gekommen bin. Einem lilafarbenen Umhang natürlich. Einem wehenden Umhang über den Schultern, der für andere unsichtbar ist, auch für die Hebamme, die bei meiner Geburt dabei war. Wahrscheinlich waren alle, obwohl ich heftig geweint habe, nur hinter einer Sache her: der kostbaren Nabelschnur mit dem Blut, dessen Stammzellen sie auf Lucy übertragen konnten, um die myeloische Leukämie zu bekämpfen, die sie bei ihr im Alter von anderthalb Jahren diagnostiziert hatten.

Während ich aufgewachsen bin, habe ich nicht oft darüber nachgedacht, aber ich glaube, dass uns das besonders eng miteinander verbunden hat, auch wenn wir nicht unterschiedlicher hätten sein können. Meine Schwester war sanft, und alle sagten, ihr Lächeln sei aufrichtig und ansteckend gewesen; die Ärzte bewunderten sie, meine Mutter nannte sie ihren , und wenn ihr Gesundheitszustand es ihr erlaubte, zur Schule zu gehen, waren alle Mitschüler ganz versessen auf sie. »Du leuchtest, Lucy«, hat Dad ihr versichert, »du bist wie ein funkelnder Stern.«

Und wer möchte nicht mit den Sternen, dem Mond oder anderen Gestirnen, Sternbildern oder faszinierenden, unendlichen Galaxien verglichen werden?

Das hätte ich mir auch gewünscht.

Ich, die immer wie ein schwarzes Loch war: Niemand versteht mich so richtig, auch wenn das, was ich sage, in der Theorie absolut Sinn ergibt, und ich bin sogar für mich selbst ein Rätsel mit meinem Gravitationsfeld, das verhindert, dass mir auch nur der kleinste Partikel entrinnt.

Anders als Lucy mit ihrem Leuchten muss ich mich daher ständig um ein Lächeln bemühen. »Es ist, als ob meine Lippen aus harter Pappe wären«, habe ich mal meinem Großvater anvertraut. Woraufhin er, nachdem er mich gut zugedeckt hatte, geantwortet hat: »Weißt du, dass Pappe weicher wird, wenn man ein wenig Wasser dazugibt? Probier es mal aus und schau, was passiert, Grace.« Ich schäme mich, zuzugeben, dass ich mich nie besonders angestrengt habe. Aber ich habe meine Gründe: Die Erde ist ein feindlicher Ort. Ich kann das Leben nicht als ein Geschenk betrachten, sondern nur als einen steinigen Weg voller Schmerzen, Ungerechtigkeiten, Krankheiten und verschiedenen Mangelerscheinungen.

Das habe ich in einer schlaflosen Winternacht auch zu Lucy gesagt, als sie aufgestanden war, um sich ein Glas Wasser zu holen, während draußen vor dem Fenster Schneeflocken fielen. Unsere Zimmer liegen sich gegenüber, sodass der Unterschied deutlich ins Auge fällt: Ihre Tagesdecke ist rosa, meine dunkelviolett; sie hat alle Stofftiere aus ihrer Kindheit aufbewahrt, während ich meine auf den Dachboden verbannt habe; sie hat gerahmte Bilder in Pastellfarben an den Wänden, ich Schwarz-Weiß-Fotos von Vivian Maier und Zettel, auf die ich einzelne Worte schreibe, die mich faszinieren.

»Lucy, ich verstehe das Leben nicht.«

»Was meinst du damit?«

»Es ist überbewertet.«

Sie hat das Wasserglas auf meinen Nachttisch gestellt, und ich habe ihr Platz in meinem Bett gemacht. Ihre Hände waren kalt. In der Dunkelheit konnte ich ihre Silhouette kaum erkennen, aber ich nahm ihr blondes Haar wahr, das ausgebreitet auf dem Kissen lag, ihre blasse Haut und die dunklen Schatten unter den Augen in ihrem von den Medikamenten aufgedunsenen Gesicht, im Gegensatz zu ihren Beinen, die so dünn waren wie die eines Flamingos.

»Vielleicht liegt das Problem darin, dass du versuchst, das Leben zu ›verstehen‹. Es ist kein Rätsel, Grace. Glaub mir, ich habe viel darüber nachgedacht. Ich habe es oft als ein Spiel betrachtet, aber ein fieses, weil es keine Spielanleitung oder Taktik gibt und es nur darum geht, zu würfeln und zu sehen, welche Zahlen herauskommen.«

Lucy war ein großer Fan von Spielen, weil das Krankenhaus ihr zweites Zuhause war. Dort hat sie sich die Zeit mit einem Kartenspiel oder einem anderen Spiel vertrieben, das sie gerade bekommen hatte. In meiner Familie sind wir alle erfahrene Gegner, aber Lucy konnte niemand besiegen.

»Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis und zu viel Zeit zum Nachdenken«, sagte sie immer, wenn ich sie fragte, warum sie jeden meiner Spielzüge voraussehen konnte. Anstatt etwas zu erwidern, habe ich dann einfach die Karten für die nächste Runde verteilt.

Lucy von ihrer Krankheit zu trennen war, als würde man verschiedene Ölfarben mischen und dann versuchen, die einzelnen Farben wiederherzustellen. Die beiden bildeten eine Schlingpflanze mit Blüten und Dornen: Manchmal gewann der Frühling eine Schlacht, und Lucy blühte für eine Weile auf, aber früher oder später kehrte der Winter zurück.

»Sie hätte geheilt werden müssen«, sagte Dad.

Um genau zu sein, war das, rein medizinisch gesehen, auch der Fall. Sie wurde geheilt. Doch ein paar Monate später wurde bei ihr eine Graft-versus-Host-Erkrankung diagnostiziert. Mit anderen Worten: eine ernste Komplikation nach der allogenen Transplantation, die sich auf den unerbittlichen Kampf meiner Zellen gegen Lucys Immunsystem zurückführen ließ. Man verabreichte ihr Kortikosteroide und Immunsuppressiva, damit sie das Transplantat nicht abstieß, aber dadurch wurden ihre Abwehrkräfte so geschwächt, dass sie anfällig für opportunistische Infektionen war, von Lungenentzündung bis hin zu multiplen Harnwegserkrankungen.

Wenn davon die Rede war, konnte sie nur an einen Haufen sich windender Würmer denken.

Das Faszinierende an Lucy war, dass sie trotz allem keine Wut auf die Welt verspürte. Doch je mehr sie ihre Krankheit akzeptierte, desto mehr störte mich das. Die große Frage, die mich immer umtrieb, lautete: Warum? Mein Großvater sagt, dass das schon bei mir als kleines Kind deutlich wurde und es mal zu einem Problem werden würde, weil die Phase, in der Kinder alles infrage stellen, bei mir besonders ausgeprägt war.

»Warum kann es keine neuen Farben geben?«, »Warum haben Kühe schwarze Flecken und keine violetten?«, »Warum haben alle Jungen in der Klasse kurze Haare?«, »Warum heißen Gurken Gurken?«, »Warum ist Meerwasser salzig?«

Der erste kleine Zettel, den ich geschrieben habe, hängt heute noch an der Wand meines Zimmers. WARUM? Alle anderen habe ich im Laufe der Zeit ausgetauscht: Es gab eine Phase, in der ich von dem Wort besessen war, und eine andere, in der ich nicht aufhören konnte, an die Schönheit von , oder zu denken. Meine Wand ist eine Schlange, die sich regelmäßig häutet.

Die große Frage jedoch bleibt. Egal, wie viel Zeit vergeht, sie übersteht Regen und Kälte, und hohe Temperaturen können ihr nichts anhaben. Sie ist unvergänglich.

»Warum nur war Lucy krank?«

Die übliche Antwort darauf lautet: »Weil es eben so ist, weil das Leben so ist, weil die Erde ein zufälliger und chaotischer Ort ist, es gibt keine Regeln oder Statistiken dafür. Also hör auf, darüber nachzudenken, nimm das verdammte Papier von der verdammten Wand und akzeptier es ein für alle Mal.«

Aber da ich nicht zu den gewöhnlichen Menschen gehöre, bin ich beharrlich.

Wo steht das geschrieben? Gibt es in dem riesigen Universum einen geheimen Code für jeden von uns, der so kompliziert ist wie unsere eigene DNA? Könnten wir unser Schicksal ändern, wenn wir erraten könnten, was in der Zukunft passieren wird? Entscheidet womöglich ein höheres göttliches Wesen, dass ein zweijähriges Mädchen es verdient, an Krebs zu erkranken, zu ertrinken, zu verhungern oder ein anderes Unglück zu erleiden?

Meine Mutter hat mir mal erzählt, wie alles angefangen hat: Es waren die Petechien. Lucys kleines Bäuchlein war mit rötlichen Flecken bedeckt, und dann kamen die blauen Flecken.

»Bist du hingefallen?«

»Nein«, sagte sie.

»Hat dich im Park ein anderes Kind geschlagen?«

Wieder schüttelte sie den Kopf. Nach einem Routinebesuch beim Kinderarzt kam sie zur Untersuchung ins Krankenhaus.

Schon bald stand die Diagnose fest. Und die Chemotherapie. Und meine triumphale Ankunft in der Welt mit all den Hoffnungen auf ein paar Zellen.

Doch das Glück war nur von kurzer Dauer.

Wenn ich zurückblicke, denke ich, dass ich in einem verlassenen Palast aufgewachsen bin, der zu einem Trümmerhaufen zusammengestürzt ist.

Meine Eltern haben sich auf einer Party der Firma kennengelernt, für die sie arbeiteten, und ich...


Kellen, Alice
Alice Kellen ist eine internationale Bestsellerautorin. Sie schreibt Geschichten über universelle, übergreifende Themen wie Liebe, Freundschaft, Unsicherheiten, Verlust und der Sehnsucht nach einer besseren Zukunft. Mit ihrer Familie lebt sie in Valencia.



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