Keller | Über den Tod | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 96 Seiten

Keller Über den Tod

In Sterben und Tod die Hoffnung behalten
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7655-7679-9
Verlag: Brunnen Verlag Gießen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

In Sterben und Tod die Hoffnung behalten

E-Book, Deutsch, 96 Seiten

ISBN: 978-3-7655-7679-9
Verlag: Brunnen Verlag Gießen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das neue Buch des bekannten Autoren und Theologen, Timothy Keller, ist eine brillante Analyse der Unfähigkeit unserer Kultur, mit dem Tod umzugehen. Der Tod ist weitgehend aus unserem Alltag verbannt. Trotzdem wird jeder ihm eines Tages begegnen. Wir werden den Verlust von Angehörigen und Freunden zu beklagen haben und mit Trauer konfrontiert. Irgendwann werden auch wir selber sterben und der Tatsache unseres eigenen Todes ins Auge sehen müssen. Als Theologe zeigt Timothy Keller in den ersten beiden Kapiteln, wie der christliche Glaube Hoffnung gibt. Und diese Hoffnung gibt die Kraft dazu, in der Trauer weder zu verzweifeln noch die Trauer zu verdrängen. Kurz nachdem die englische Ausgabe des Buchs erschienen war, erhielt Timothy Keller selbst die Diagnose, dass er einen todbringenden Krebs in sich trägt. Die deutsche Ausgabe wurde daher um ein sehr persönlich geschriebenes Kapitel erweitert: Er beschreibt dort, wie er sich selbst auf seinen eigenen bevorstehenden Tod vorbereitet hat und wie sein Glaube in dieser Zeit an Tiefe gewonnen hat.

Dr. Timothy Keller, Jahrgang 1950, gründete zusammen mit seiner Frau Kathy die Redeemer Presbyterian Church in New York City. Heute ist er als Buchautor und Gemeindeberater tätig. Timothy Keller hat u. a. auch 'Warum Gott?', 'Jesus-seine Gesichte, unsere Geschichte', 'Gott im Leid begegnen' und 'Hoffnung in Zeiten der Angst' geschrieben. Er war bereits vor vielen Jahren an Krebs erkrankt und erkrankte im Jahr 2020 erneut.
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Weitere Infos & Material


1. Die Angst vor dem Tod


So macht Bewusstsein Feige aus uns allen (Hamlet)

So konnte er durch den Tod den entmachten, der mit Hilfe des Todes seine Macht ausübt, nämlich den Teufel, und konnte die, deren ganzes Leben von der Angst vor dem Tod beherrscht war, aus ihrer Sklaverei befreien. Hebräer 2,14-15

Der Tod ist die große Zäsur, die geliebte Menschen von uns nimmt – oder uns von ihnen.

Der Tod ist die große Trennung, in der die materiellen von den immateriellen Teilen unseres Wesens abgespalten werden und einen ganzen Menschen zerreißt, der nie dazu bestimmt war, auch nur für einen Augenblick körperlos zu sein.

Der Tod ist die große Beleidigung, denn er erinnert uns daran, dass wir, wie Shakespeare sagte, Futter für die Würmer sind.4

So ist der Mensch buchstäblich in zwei Hälften gespalten: Er weiß um seine eigene, herrliche Einmaligkeit, weil er sich überall von der Natur abhebt und sie überragt, und doch braucht er nur ein paar Meter unter die Erde zu gehen, um blind und stumm zu verwesen und für immer zu verschwinden.5

Der Tod ist abscheulich und beängstigend, grausam und unnormal. Leben ist nicht so, wie es sein sollte, und unsere Trauer im Angesicht des Todes erkennt das an.

Der Tod ist unser großer Feind, mehr als alles andere. Er erhebt seinen Anspruch auf jeden Einzelnen von uns und verfolgt uns unerbittlich all unsere Tage. Moderne Menschen schreiben und reden endlos über die Liebe, vor allem über die romantische Liebe, die viele vergeblich suchen. Aber niemand kann dem Tod entgehen. Jemand hat mal gesagt, dass alle Kriege und Seuchen die Zahl der Toten nie erhöht haben – es war immer ein Tod pro Mensch. Dennoch scheinen wir weit weniger darauf vorbereitet zu sein als unsere Vorfahren. Woran liegt das?

Der Segen der modernen Medizin


Ein Grund dafür ist paradoxerweise, dass der große Segen der modernen Medizin den Tod und das Sterben vor uns verbirgt. Annie Dillard widmet in ihrem Roman The Living eine ganze Seite der erstaunlichen Vielfalt an Möglichkeiten, wie der Tod im 19. Jahrhundert die Lebenden ohne Vorwarnung aus ihren Häusern und Familien riss:

Frauen bekamen Fieber und starben, weil sie Kinder zur Welt brachten, und die Kinder starben an den Strapazen oder der schlechten Luft. Männer starben durch Flüsse und Pferde, Stiere, Dampfsägen, Mühlräder, Steinschlag, umstürzende Bäume oder rollende Baumstämme […] Kinder kamen ums Leben, weil […] harte Dinge wie Bäume sie zertrümmerten, oder der Boden, wenn Pferde sie abwarfen, oder sie hinfielen; sie ertranken im Wasser; oder sie wurden krank und Ohrenschmerzen bohrten sich in ihr Hirn, Fieber von Masern verbrannte sie oder eine Lungenentzündung ließ sie über Nacht sterben.6

Der Tod war etwas, was die Menschen aus nächster Nähe erleben konnten. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der bekannte britische Pfarrer und Theologe John Owen (1616–1683) überlebte jedes seiner elf Kinder und auch seine erste Frau. Da die Menschen dort starben, wo sie lebten, nämlich zu Hause, sah Owen buchstäblich fast jeden Menschen, den er liebte, vor seinen Augen sterben. In der Kolonialzeit verlor eine durchschnittliche Familie in den Vereinigten Staaten eines von drei Kindern, bevor es erwachsen war. Und da die Lebenserwartung aller Menschen zu jener Zeit bei etwa vierzig Jahren lag, verloren viele ihre Eltern, als sie noch Kinder waren. Fast jeder wuchs mit dem Anblick von Leichen und dem Tod von Verwandten auf, ob jung oder alt.7

Medizin und Wissenschaft haben uns von vielen Ursachen für einen frühen Tod befreit. Heute stirbt die große Mehrheit der Menschen in Krankenhäusern und Hospizen, weit weg von den Augen der anderen. Heutzutage ist es normal, dass ein Erwachsener noch niemanden sterben gesehen und noch nicht einmal einen Leichnam zu Gesicht bekommen hat, außer vielleicht beim kurzen Blick auf einen offenen Sarg bei einer Beerdigung.

Atul Gawande hat wie manche andere darauf hingewiesen, dass diese Verborgenheit des Sterbens in der modernen Gesellschaft auf die Neigung aller Kulturen hinweist, die Unausweichlichkeit des Todes zu verleugnen. In Psalm 90,12 werden die Leser wörtlich dazu aufgefordert, ihre Tage zu zählen, damit wir „ein Herz voll Weisheit erlangen“. Die Gefahr war schon immer gegeben, dass Menschen ihren eigenen Tod ausblenden. Natürlich wissen wir intellektuell und rational, dass wir sterben werden, aber tief im Inneren verdrängen wir es und tun so, als würden wir ewig leben. Das ist nicht weise, wie der Psalmist sagt. Der Tod ist das einzig absolut Unvermeidliche, doch der moderne Mensch plant ihn nicht mit ein und lebt nicht so, als ob er eintreten würde. Aus Angst meiden wir Ärzte, leugnen die Sterblichkeit unseres Körpers und gehen davon aus, dass er einfach ewig weiterlebt. Angesichts des bevorstehenden Todes fordern wir dann unrealistische und extreme medizinische Maßnahmen.8 Über den Tod zu reden empfinden wir mindestens als „geschmacklos“. Der Anthropologe Geoffrey Gorer argumentiert in seinem Essay „The Pornography of Death“ („Die Pornografie des Todes“), dass der Tod in der heutigen Kultur Sex als das neue Tabu abgelöst hat, über das man nicht spricht.9

Wenn schon die Menschen vor dreitausend Jahren ein Problem mit der Verdrängung des Todes hatten, wie wir in Psalm 90 sehen, dann ist unser Problem heute noch unendlich viel größer. Der medizinische Fortschritt fördert die Illusion, dass der Tod auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben werden kann. Seltener denn je findet man Menschen, die sich mit ihrer eigenen Sterblichkeit versöhnt haben, so wie man es früher tat oder wenigstens anstrebte. Es gibt heute sogar Philosophen, die ernsthaft meinen, dass der Tod ein „Performanceproblem“ sei, das technisch gelöst werden könne.10 Viele im Silicon Valley sind davon besessen, die Sterblichkeit zu überwinden und ewig zu leben. Die Menschen gehen in der Moderne also unrealistischer und unvorbereiteter mit dem Tod um als alle anderen Menschen in der Geschichte.

Diesseitiges Glück


Ein zweiter Grund, warum wir heute solche Probleme mit dem Tod haben, ist die Forderung des säkularen Zeitalters nach diesseitiger Bedeutung und Erfüllung. Der Anthropologe Richard Shweder untersucht, wie nichtwestliche und ältere Kulturen ihren Mitgliedern geholfen haben, dem Leiden zu begegnen.11 Dies geschah immer in Verbindung damit, die Menschen über den Sinn des Lebens aufzuklären, also über das Wichtigste, wofür jeder Mensch leben sollte. Viele Gesellschaften glauben, dass man vor allem für sein Volk und seine Familie (Kinder und Enkel) leben sollte, für die man nach dem Tod weiterlebt. Der Buddhismus und viele andere alte östliche Kulturen lehren, dass der Sinn des Lebens darin besteht, die illusorische Natur dieser Welt zu erkennen und sie durch innere Ruhe und Loslösung der Seele hinter sich zu lassen. Andere Kulturen glauben an Reinkarnation, den Himmel oder das Nirwana nach dem Tod, sodass das höchste Ziel des Menschen darin besteht, so zu leben und zu glauben, dass seine Seele in den Himmel kommt.

Diese vielen verschiedenen Ansätze haben eines gemeinsam, so Shweder: Immer lag das Wichtigste, wofür es sich zu leben lohnte, außerhalb der materiellen Welt und des Lebens; ein Ziel, dem Leiden und Tod nichts anhaben konnten. Man kommt in den Himmel, wenn man stirbt, oder man entrinnt dem Kreislauf der Reinkarnation und geht in die ewige Glückseligkeit ein; man löst sich von der Illusion der Welt und kehrt zur Allseele des Universums zurück oder führt ein ehrenvolles Leben und wird nach dem Tod in die Gemeinschaft der Ahnen aufgenommen. In keinem Fall können Schicksalsschläge und Tod den Sinn des Lebens zerstören, sondern sie beschleunigen die Reise dorthin sogar noch, sei es durch spirituelles Wachstum, das Erlangen von Ehre und Tugend oder den Eingang in ewige Freuden.

Demgegenüber ist die moderne säkulare Kultur grundsätzlich diesseitig. Viele meinen heute, dass diese materielle Welt alles ist, was es gibt, weil es keinen Gott, keine Seele oder keinen Geist gibt, keine transzendente oder übernatürliche Dimension der Realität. Wenn das so ist, dann muss das, was Ihrem Leben Sinn und Bedeutung gibt, innerhalb dieser irdischen Grenzen zu finden sein. Sie müssen quasi Ihr Herz an etwas hängen, das im engen Rahmen von Zeit und Raum liegt. Was auch immer Ihrem Leben einen Sinn geben soll, es muss eine Form diesseitigen Glücks, Trosts oder Erfolgs sein. Oder bestenfalls eine Liebesbeziehung.

Der Tod durchkreuzt natürlich all diese Dinge. Während also andere Kulturen und Weltanschauungen Leiden und Tod als entscheidende (und nicht als letzte) Kapitel in einer kohärenten Lebensgeschichte betrachten, ist die säkulare Sicht völlig anders: Leiden ist eine Unterbrechung und der Tod das endgültige Ende. Shweder beschreibt die Rolle des Leides für...



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