Kelts | Jace ... and no way back | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 608 Seiten

Kelts Jace ... and no way back


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96089-034-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 608 Seiten

ISBN: 978-3-96089-034-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dass Dirk Dohlinger ein 'Problem' mit Männern hat, weiß er nicht erst seit dem Abend, an dem er seinen Bruder Mike und dessen Lebensgefährten Jamie bei einer heißen Nummer überrascht hat. Er versucht jedoch krampfhaft, an seinem Leben als Ehemann und Vater festzuhalten und überspielt seine Unzufriedenheit. Es gelingt ihm auch gut, bis er von Mike zu einem Casting für ihre Agentur gedrängt wird. Dort begegnet er dem Model Jace Stolz. Zwischen den beiden völlig unterschiedlichen Männern fliegen die Funken und sie beginnen eine Affäre, die ihrer beider Leben komplett auf den Kopf stellt.

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1.


Dirk

Kennt ihr das auch? Den Moment, wenn man irgendetwas tut und das Schicksal einem dabei auf die Schulter tippt? Dieses innere Ziehen, das dich unmissverständlich darauf hinweist, dass du just in dem Moment einen Weg einschlägst, der dich an einen Ort führt, den du herbeisehnst und zugleich fürchtest wie den Teufel persönlich?

Haargenau so geht es mir gerade, als ich auf der kleinen Anzeige meines Telefons die Nummer von Mikes Telefonanschluss lese. Er und sein Mann, Jamie, drehen momentan in LA und sind somit weit weg. Was für mich aber keinen Schutz bedeutet.

Ich kneife die Augen zusammen, als könne ich das Läuten so zum Verstummen bringen, was natürlich völliger Schwachsinn ist. Vielleicht sollte ich meinem Bruderherz einen anderen Klingelton gönnen: Eine Truckhupe, so ein lautes, dröhnendes Monster, wäre passender als diese melodiösen Klänge.

Ich seufze laut und beschließe, mir erst mal einen Kaffee zu holen. Er wird ohnehin nicht aufgeben und mich ab jetzt im Minutentakt quälen, bis ich sein Gespräch annehme. Wobei er ja nicht wissen kann, warum ich mich so ziere.

Fünf Minuten später kehre ich in mein Büro zurück und schiele wieder auf das Display. Sag ich ja: Minutentakt! Es ist im Grunde völlig bescheuert, dass ich mich jedes Mal davor drücke, mit ihm zu telefonieren. Ich mag meinen Bruder und seinen Mann sehr.

Ehrlich.

Was ich hingegen gar nicht leiden kann, sind die Gefühle, die ihre grandiose Liebe in mir auslöst.

Das sanfte Geräusch von Vogelgezwitscher, vermengt mit meditativen Klängen, erfüllt abermals den Raum.

Definitiv der falsche Klingelton.

Und eben erwähntes Schicksal holt zum Paukenschlag aus. Das zarte Schultertippen habe ich erfolgreich seit Jahrzehnten ignoriert, nun klappt es seit Längerem nicht mehr. Nämlich seit mein kleiner Bruder einen Pornodarsteller an Land gezogen, sich mit an Unverschämtheit grenzender Offenheit geoutet und inzwischen an Jamies Seite zum Erotikstar aufgestiegen ist. Irgendwann um diesen Zeitpunkt herum hat sich der für mich zuständige Schutzengel samt Schicksal auf härtere Maßnahmen verlegt.

Und diesmal ist es irgendwie stärker, die Vorahnung massiver, irgendwie kompromisslos. Vielleicht habe ich dem Schicksal zu lange ein Schnippchen geschlagen, wer weiß. Weg mit diesen unerklärlichen Gedanken und zurück zur Realität, sprich dem läutenden Telefon.

Ich umrunde seufzend den ordentlich aufgeräumten Schreibtisch und sinke in meinen schwarzen Ledersessel. Ich schüttle meinen Kopf und starre den schwarzen Apparat an. Warum überfallen mich jedes Mal die gleichen blödsinnigen Gedanken, wenn ich mit den beiden Kontakt habe? Neid?

Nein, definitiv nicht. Ich gönne ihnen ihre wunderschöne, große Liebe von ganzem Herzen. Immerhin haben sie ja auch beide hart darum gekämpft.

Liegt die Antwort etwa irgendwo da unten? Versteckt in kryptischen Buchstaben, die sich in den Rillen des alten Bohlenbodens verbergen, oder warum starre ich in die Dämmerung unter meinem Schreibtisch?

Hilft nichts. Ich weiß, warum. Jeder Versuch, mir selbst ein Schnippchen zu schlagen, ist verlorene Zeit. Ich weiß es schon lange. Aber … es zu verschweigen, hilft, es zu verdrängen. Genauso praktisch wie jede Situation, die mich mit erhobenen Zeigefinger daran erinnert, lieber umgangen zu werden.

Leider Gottes sind Mike und Jamie der Prototyp einer solchen Situation und eine Begegnung mit ihnen ist kein erhobener Zeigefinger, sondern gleicht dem amerikanischen Plakat, auf dem dick und fett steht: ‚WE WANT YOU!‘

Sehnsucht!

Schwupp, jetzt ist es raus. Ich hab’s gewusst, kaum bricht Mike in meinen sorgsam durchgeplanten und biederen Alltag ein, kann ich der Wahrheit nicht länger entkommen.

Verflucht aber auch. Ich reibe mein Gesicht und hole krampfhaft Luft. Ja, verdammt, ich habe Sehnsucht! Nach … nach dem, was die beiden miteinander haben. Diese Wahnsinnsliebe, die jeden in ihrer Nähe dahinschmelzen lässt, mich eingeschlossen.

Es läutet abermals!

Dicht neben meinem Ohr haut ein ganzes von besagtem Schicksal verpflichtetes Orchester auf einen drei Meter großen Gong.

Ich nehme das Gespräch entgegen und mein Leben macht einen Purzelbaum.

„Hi, kleiner Bruder.“

Michael lacht am anderen Ende durch die Entfernung etwas zeitverzögert. „Hi, wo treibst du dich denn rum? Definitiv keine Zeit für die Mittagspause, oder?“

War ja klar, dass er vorher checkt, ob er mich erwischt. „Nein, ich war gerade Kaffee holen. Was gibt’s so Dringendes, dass du mich mit minütlichen Anrufen quälst? Ihr kommt doch übermorgen sowieso her.“

Statische Geräusche knistern in der Leitung. „… verschieben muss.“

Was? Irgendwas stört die Verbindung. Ich warte ein paar Sekunden, aber er ist wohl fertig. Das Fragment des Satzes ergibt keinen Sinn. „Mike, ich habe dich nicht verstanden, was ist los?“

„Das wird nichts mit übermorgen! Mein Drehpartner ist ausgefallen und wir müssen auf Ersatz warten. Wir haben die Flüge um eine Woche nach hinten verschoben.“

Ich muss lachen. Drehpartner ausgefallen? „Was hast du angestellt? Hat er dich nackt gesehen und die Flucht ergriffen?“

Mike kichert haltlos und wirft einen englischen Satz in den Raum, der nicht mir gilt. Im Hintergrund höre ich weitere fröhliche Stimmen. Ich kann es immer noch nicht fassen, womit er inzwischen recht gutes Geld verdient. Seit einem Jahr bearbeitet er mich schon, dass ich ihn endlich in LA besuche und seine und Jamies Kollegen kennenlerne.

Bis heute habe ich mich erfolgreich davor gedrückt, wobei meine Familie meist als Ausrede herhalten muss. Dieser Besuch würde mir das Genick brechen. Definitiv zu viel Testosteron auf einem Haufen! Hat mir letztes Jahr bei den Highlandgames schon gereicht. Nicht, dass ich auf Männer in Röcken stehe, mir reichen Männer an sich schon! Vor allem, wenn es solche gut trainierten, verdammt sympathischen Kerle wie Mikes Freunde und Mitschotten sind. Und wenn mir das schon Probleme macht, was wird dann erst passieren, wenn ich seinen Kollegen drüben begegne? Diese Männer sind alle wie aus dem Katalog und … na ja. Ich will nicht länger darüber nachdenken. Schön blöd!

Ah, er redet weiter.

„Dirk, du musst uns einen riesigen Gefallen tun.“

Oh nein. Ich seufze schon, ehe er weiterspricht. Mike und seine Gefallen! Das kann nur etwas sein, was mir Ärger einbringt. War schon immer so, ich habe ein untrügliches Gespür für Fettnäpfchen und ähnliche Unannehmlichkeiten. Und wenn mein Bruderherz mit von der Partie ist, haben sie immer die Größe eines Schwimmbeckens.

„Mike, ich …“

„Jetzt hör doch erst mal zu. Uns wäre es anders auch lieber, aber es gibt keine andere Möglichkeit, bitte.“

Ich seufze lauter, er nimmt es als Aufforderung. „Gut, also wir hätten am Samstag doch dieses Treffen mit den Bewerbern für unsere Agentur. Kannst du das bitte für uns übernehmen? Wir …“

Um Himmels willen! Allein der Gedanke produziert eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper. „Nein!“

„Die Jungs kommen so gegen drei, ich schicke dir alle Unterlagen per Fax …“

„NEIN!“

Stille.

„Wie, nein? Ich war doch noch gar nicht fertig.“

Manchmal kann mein Bruder richtig nervig sein. Wie ein tollpatschiger Hundewelpe, nur größer und mit noch mehr Charme. Verflucht! „Ich sage dennoch nein. Ich habe keine Zeit.“

„Ach jetzt … Es ist Samstag, du musst nicht ins Büro, und …“

„Mike, nein. Such dir bitte jemand anderen. Ich kann so was nicht.“

„Du weißt doch noch gar nicht, was ich von dir will.“

Da hat er recht, aber ich will es auch gar nicht wissen. Es geht um Männer! Gutaussehende, junge Männer, die sich für eine einschlägige Agentur bewerben. 80 Prozent von ihnen dürften schwul sein. Also genau der Typ Mann, dem ich seit langer Zeit aus dem Weg gehe und den ich meide wie der Teufel ein Eichhörnchen.

In der Gesellschaft schwuler Männer habe ich immer das Gefühl, sie können es sehen! Die Tatsache, dass ich ihnen längst nicht so abgeneigt bin, wie ich es in Anbetracht des Ringes an meinem Finger sein sollte. Dass mir warm wird und der bloße Gedanke an sie es schafft, mich zu erregen.

„Bitte, Mike, verschon mich“, versuche ich ein letztes Mal an seine Vernunft zu appellieren. Wobei ich schon um die Sinnlosigkeit weiß, während ich es ausspreche.

„Sorry, kann ich nicht. Es ist wirklich wichtig und niemand anderem als dir würden wir das auf die Schnelle anvertrauen. Schau dir die Kerle an, du weißt, was hier gesucht wird und wer vor Jamies Linse passt. Check sie einfach und die anderen vertröstest du.“

Mein Kopf möchte auf die Holzplatte meines Schreibtisches. Ich weiß allerdings, wie die Jungs aussehen sollten. Habe ja immerhin denselben Geschmack. Oh bitte. Die Aktion kann nur nach hinten losgehen.

„Bitte, Mike, ich …“

„Hey, Bruderherz, ich muss weiter. Ich schicke dir die Unterlagen zu und melde mich später wieder, okay?“

Statt einer Antwort brumme ich missmutig und entlocke ihm ein weiteres fröhliches Lachen. „Schade, dass dein Drehpartner dich nicht mit irgendetwas Fiesem angesteckt hat.“

„Ja, ich hab dich auch lieb, Brüderchen. Ich soll dir Grüße von meinem Süßen ausrichten, er bedankt sich auch für deine Unterstützung.“

Spricht’s und legt auf. Na...



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