Kelts | Mr. Ironheart | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 472 Seiten

Kelts Mr. Ironheart


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944737-98-0
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 472 Seiten

ISBN: 978-3-944737-98-0
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Chris Köhler entspricht dem Klischee eines typischen Tops: groß, muskulös und selbstbewusst. Seit 12 Jahren perfektioniert er diese Rolle und verbirgt dahinter seine wahren Wünsche und Bedürfnisse. Bis er bei einem Geschäftsgespräch auf Roman Bender trifft. Der Mann bringt mit seiner dominanten Ausstrahlung Chris' Fassade zum Bröckeln. Schnell wird klar, dass sie viel füreinander empfinden, doch hat ihre Liebe eine Chance, gegen Chris' Trauma zu bestehen?

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1.


Es ist heiß, stickig … der durchdringende Geruch von unzähligen Aftershaves, Parfüm und Schweiß macht mir zu schaffen. Laute Musik versetzt meine Innereien in Schwingung und dröhnt in meinem Kopf. Das Licht hinterlässt blinde Flecken auf meiner Netzhaut und irritiert mich. Bin eindeutig nichts mehr gewohnt.

Schwachsinn, was mir an die Nieren geht, ist die Erinnerung, die sich unwiderruflich an wummernde Bässe und dieses testosterongeschwängerte Duftgemisch geheftet hat. Wie ein ausgeblichener Diastreifen zieht sie im Hintergrund durch meine Gedanken, drängt sich vor, wehrt sich gegen das Vergessen … einfach Mist! Basta!

So viele Jahre dazwischen, so viele Erlebnisse und unterschiedliche Männer, anscheinend immer noch nicht genug.

Seufzend widme ich mich meiner Whiskeycola, die langsam warm wird, weil das Eis im Glas schmilzt. Ich mag das Zeug, ich weiß, ist ein bisschen aus der Mode, aber dazu stehe ich.

Der Club ist überraschend voll, hätte ich an einem Mittwochabend eigentlich nicht erwartet. Aber na ja, ich muss über meine Gedanken selbst schmunzeln, Lust und Sex halten sich nicht an den Kalender, oder einen bestimmten Tag, wenn Druck da ist, ist das hier zweifelsfrei der beste Ort, um etwas dagegen zu tun: in einem Gayclub! Um ehrlich zu sein: Ich bin lieber hier, als in einer Bar, wo mich vielleicht eine Frau anmachen könnte.

Ist nichts für mich, war’s noch nie. Ich steh auf Männer, ganze Kerle, die wissen, was sie wollen, das wusste ich schon in der Pubertät und habe niemals daran gezweifelt.

Tja, nur … dank eines Vorfalls in meiner Experimentierphase im zarten Alter von 19 Jahren stehe ich nun hier und geb den harten Typ, obwohl ich viel lieber den passiven Part übernehmen würde.

Ich weiß, dass mir der Top steht, ich bin kein so guter Schauspieler, um das überzeugend rüberzubringen, wenn mein Aussehen es eigentlich nicht schon von vorneherein in die schwule Welt hinausposaunen würde. Groß, recht muskulös, tätowiert, kurz geschorene Haare: Hey, hier steh ich, ein Jäger durch und durch!

Und ich werde dementsprechend beachtet und hofiert. Tut gut, tröstet mich etwas darüber hinweg, dass meine wahren Bedürfnisse wohl bis zum Sankt Nimmerleinstag tief in einem eisernen Kästchen in meinem Hirn schlummern müssen.

Heute bin ich aber nicht auf der Suche nach einem willigen jungen Hintern. Der Club im Münchner Süden soll mir nur etwas die Nacht verkürzen und meine Nervosität vor morgen lindern. Ich wohne weiter weg, etwa zwei Stunden Richtung Bodensee am Rande einer Kleinstadt, aber wegen eines Banktermins morgen hat mich mein Schwesterherz aufgenommen.

Ah, hört sich jetzt doof an, so als ob ich nicht willkommen wäre, aber das täuscht. Sie ist nett, wir verstehen uns sehr gut, nur … bin ich halt anders, als der Rest meiner Familie. Mein Weg hat sich von ihrem und dem meines ehrgeizigen Vaters schon vor vielen Jahren abgespalten. Mein Dad ist Chefarzt in einer großen, renommierten Münchner Klinik und meine sagenhafte Schwester natürlich auch Ärztin, irgendwas speziell für Lungenkrankheiten, ich weiß es nicht. Ich hingegen … tata, hab’s nur zum Kunstschmied gebracht. Und ich will ehrlich sein, meine sexuelle Neigung ist ein weiterer Grund für den Abstand. In die vornehme und geradlinige Welt meiner Familie passe ich damit auch nicht rein. Aber es ist in Ordnung, wir kommen gut miteinander aus. Wir verbringen genügend Zeit miteinander und halten regen Kontakt, aber der räumliche Abstand ist einfach perfekt. Leben und leben lassen …

Und dort draußen auf dem Land, in dem kleinen Industriegebiet, wo ich lebe und arbeite, kann ich mich verwirklichen. Ich liebe meine Arbeit, den Umgang mit dem harten und doch so geschmeidigen Material – und meine kleine Firma. Deshalb bin ich auch hier. Ich möchte expandieren, brauche eine neue Maschine und dafür einen Überbrückungskredit. Und morgen ist der Termin in der Hauptfiliale meiner Bank. Bin echt mal gespannt …

Mein Blick wandert lustlos durch den Club. Ich weiß, meine Erscheinung weckt das Interesse der anwesenden Männer, aber ich widme den Blicken keine Aufmerksamkeit, bin mit den Gedanken ganz woanders. Die Tanzfläche ist nicht so gedrängelt voll wie sonst, eine gute Gelegenheit die Tanzenden genauer unter die Lupe zu nehmen, ohne ihnen Signale zu senden. Heute nur gucken, nicht anfassen. Anscheinend halten sich die wirklich heißen Typen nur am Wochenende hier auf, denn es ist nichts Aufregendes dabei.

Der Takt des Musikstückes dringt in meinen Körper. Harte Beats, zwar viel zu elektronisch für meinen Geschmack, aber wenigstens stimmt der Takt, reißt mich mit. Ich lehne an der Theke und wippe mit dem Fuß. Mein Blick gleitet nach rechts, Richtung Darkroom …

Wow! Mir rutscht fast mein Glas aus der Hand. Aber hallo! Das nenne ich dann mal einen richtigen Mann! Aus welchem Magazin ist der denn entkommen! Wie der sich bewegt, katzenhaft, kraftvoll … unverschämt sexy. Kommt aus besagtem Raum. Ich könnte schwören, dass dieses männlich ansprechende Gesicht die Befriedigung offen zur Schau trägt.

Oh, ich starre ihn tatsächlich an! Aufpassen Chris, sonst wird’s gleich peinlich! Betont cool drehe ich mich zur Theke um und stelle mein halbvolles Glas auf das polierte Aluminium. Aber ich will ihn noch mal anschauen, kostet ja nichts, oder? Langsam wende ich den Kopf nach links und beobachte, wie er, gleich einem Raubtier, durch die Männer schreitet und Richtung Theke geht. Pures Testosteron, ein Mann auf der Suche nach einem Fick, eindeutig. Die Nummer im Darkroom war wohl nur sein Appetizer. Und ein Mann, der zweifelsfrei freie Auswahl unter den Anwesenden hat. Der Adonis muss nicht suchen, er darf wählen.

Wie ich! Ich muss grinsen. Aber der Kerl ist auch ein Hingucker! Mindestens so groß wie ich, also über einen Meter achtzig, nicht ganz so muskulös, eher wie ein gut trainierter Triathlet. Kein schlanker Läufertyp, sonst würde er mich auch gar nicht so anmachen. Oh, hab ich das jetzt echt gedacht? Ich betrachte ihn weiter und sinniere über meinen Gedanken. Doch, ja, der Typ macht mich zweifelsfrei an. Bei dem könnte ich mich … Uah … weg mit diesen seltsamen Einfällen, führen zu überhaupt nichts.

Ihn anschauen jedoch führt zumindest dazu, dass es in meinem Unterleib herrlich warm und eng wird. Ist doch auch schon was.

Er trägt eine teure Jeans und ein, offensichtlich noch teureres, dunkelgraues Hemd. Understatement pur, der weiß ganz sicher, wie er auf die versammelten, hungrigen Männer wirkt. Und er sieht verdammt gut aus. Modeltyp, markant und verteufelt männlich. Dunkle, kurze Haare, modischer Schnitt, leicht aus dem Gesicht gegelt. Ein paar vorwitzige Strähnen haben sich gelöst und hängen ihm frech in die Stirn, aber das gibt ihm erst richtig das gewisse Etwas. Sein Gesicht? Kantiges Kinn, hohe Wangenknochen, ein breiter Mund mit vollen Lippen und einem süffisanten Lächeln, das wie festgeklebt darin haftet. Ein dunkler Bartschatten verstärkt seinen extrem männlichen Ausdruck zusätzlich. Und seine Augen? Schade, das Licht ist zu dunkel, ich kann die Farbe nicht sehen, wahrscheinlich braun.

Ich grapsche nach meinem Glas. Er steht zwei Plätze neben mir, bestellt ein alkoholfreies Bier. Hmmm, passt zu ihm. Nach Sekunden wandern meine Augen, ohne dass ich etwas dagegen tun kann, wieder in seine Richtung. Jetzt steht er mit dem Rücken an der Theke und mustert lässig das heutige Angebot.

Oh ja … der Typ ist hier der King. Sein Jagdrevier! Fast schon arrogant, wie er da steht, sein ‚Volk‘ mustert und aussortiert, wer heute Nacht in das Vergnügen seines Schwanzes kommt.

Nimm mich! Dem kleinen, vorlauten Teufel in mir gehört echt das Maul gestopft. Aber hey, er hat ja recht. Der wäre wirklich mehr, als eine Sünde wert, von so einem getoppt zu werden? Okay, gut … ich sollte jetzt mal schauen, ob es hier jemanden gibt, der sich meinem Freund ein Stockwerk tiefer annimmt und meiner durchgehenden Fantasie zur Befriedigung verhilft. Mein Entschluss, heute brav zu bleiben, hat sich in Anbetracht dieses Adonis’ gerade verabschiedet.

Ich drehe mich ebenfalls um, grinse leise vor mich hin, als … Hoppala. Mister Obercool schaut mich an! Geiler Kerl … und dieser Blick! Seine Augen sind nicht so dunkel, wie ich es erwartet hätte. Das macht seinen Blick um ein Vielfaches intensiver und lässt die deutliche Beule in meiner Hose noch mehr anschwellen. Ich grinse breiter, er geht mit und nickt mir mit der Bierflasche zu.

Mehr nicht, niemals, wie auch. Er stößt sich ab, zögert kurz, warum auch immer, und verschwindet zielstrebig Richtung Tanzfläche. Ich lausche meinem eigenen Seufzen. What a man! Wir verstehen uns blind, selber Status, beide bedienen wir uns anderer Kerle, um Befriedigung zu erfahren, Druck los zu werden. Dabei möchte ich … weg damit! Das hat hier nichts zu suchen. Und so ein Kerl? So ein perfekter, schöner Mann? Was sollte der an mir finden? Ich bin schon von Berufs wegen recht muskulös. Ich trage gern Leder, eigentlich immer, heute sind es hautenge Hosen und ein schmuckloses, weißes T-Shirt. An meinen Handgelenken breite schwarze Wildlederbänder. Die habe ich immer an. IMMER! Außer wenn ich schlafe. Meine dunkelblonden Haare sind aus feuertechnischen Gründen bis auf wenige Millimeter geschoren und zeigen den Anfang einer großflächigen Tätowierung, die in meinem Nacken beginnt und fast den ganzen Rücken bedeckt. Sie zeigt einen mittelalterlichen Schwertkämpfer in Aktion.

Ich bin ein bulliger Typ, tue auch viel dafür, muss mich nicht verstecken. Mein Gesicht ist, finde ich, ansprechend. Passt zu mir,...



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