E-Book, Deutsch, 108 Seiten
Kenawi Manifest für das 22. Jahrhundert
3. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-3411-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Moneyfest for future
E-Book, Deutsch, 108 Seiten
ISBN: 978-3-7526-3411-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
1962 in Ostberlin geboren. Nach dem Abitur zunächst Tischlerinnenlehre und Berufstätigkeit, dann erst Studium an der TU Dresden. Nach dem Diplom wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forstwissenschaftlichen Institut in Eberswalde. Vor der Wende in mehreren inoffiziellen DDR-Gruppen aktiv, kam 1990 die Erkenntnis, dass Gesellschaftsentwürfe ohne ökonomisches Fundament nicht durchsetzbar sind. Aus der Suche nach gesellschaftlichen Alternativen wurde ein alternatives Ökonomiestudium. Beim Durcharbeiten einer halben Bibliothek wurden viele Leerstellen in den Theorien offenbar. Ein Verständnis der Jahrtausend langen, krisenhaften Entwicklung des Geldes ermöglichte schließlich langfristige Reformvorschläge zu erarbeiten. Als Tischlerin und Diplomingenieurin waren praktisches und theoretisches Denken nie zu trennen, dafür stets Fakten und Fiktionen.
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3. Probleme – Gestörte Kreisläufe
3.1. Der Wasserkreislauf – Verbrauch statt Gebrauch
Nahezu unbemerkt vom öffentlichen Bewusstsein sind 150 Städte weltweit dabei, im Boden zu versinken. Tokio soll sich bereits um 4 Meter abgesenkt haben. Venedig, Teheran, Singapur, Ho-Chi-Minh-Stadt, Jarkata... die Liste lässt sich fortsetzen. Ein Grund dafür ist die ungehemmte Nutzung von Grundwasser für den täglichen Bedarf. Grundwasser ist oft seit Jahrmillionen im Boden gespeichert. Wird davon aus dem Untergrund mehr hochgepumpt, als sich durch Versickerung neu bildet, entstehen Hohlräume. Diese Hohlräume verdichten sich nach und nach durch den Druck des oberen Erdreichs. Dadurch geht der Raum, in dem Grundwasser gespeichert werden kann, dauerhaft verloren. Was in tiefen Bodenschichten an Hohlraum verschwindet, wird irgendwann an der Erdoberfläche durch Erdabsenkungen sichtbar. Die hemmungslose Nutzung des Grundwassers bleibt nicht ohne Folgen.
Dass wir heute in wachsendem Maße Grundwasser für unsere alltägliche Wasserversorgung nutzen, hat seine Ursache darin, dass wir Wasser heute nicht mehr wie in den zurückliegenden Jahrmillionen gebrauchen, sondern verbrauchen. Bis zum Beginn der Industrialisierung gab es einen funktionierenden Wasserkreislauf. Wasser verdampfte und bildete Wolken. Diese brachten Regen und Schnee über das Land. Die Niederschläge versorgten den Boden mit Feuchtigkeit. Was die Pflanzen nicht sofort nutzten, versickerte oder sammelte sich in Flüssen und Seen. Sowohl Flüsse als auch Seen waren einmal Trinkwasserreservoire. In den Wasserleitungen der Antike wurde Fluss- bzw. Seewasser in die Städte und auf die Felder gepumpt – nicht wie heute Grundwasser. Ein Teil des Schnees verblieb als saisonaler Wasserspeicher auf den Berggipfeln. Die Berggipfel konnten in Mittelgebirgslagen dank ihrer Vegetation und in Hochgebirgslagen dank der Kälte den Schnee mehr oder weniger lange speichern. Diese verschneiten Berggipfel speisten die Flüsse in den meisten Regionen das ganze Jahr über mit Wasser.
Wasser ist auf der Erde nicht knapp. Wir leben auf einem wasserreichen Planeten. Der Menschheit ist es seit Entfesselung des Kapitalismus jedoch gelungen, Trinkwasser zu einem knappen Gut zu machen. Durch globale Verschmutzung der Flüsse und Seen haben wir viele Süßwasserreservoire als Trinkwasserquellen zerstört. Der Kapitalismus schafft Überfluss an Sinnlosem und Mangel an Notwendigem. Beim Wasser zeigt sich das exemplarisch. Mehr oder weniger sinnhafte bis sinnlose Produkte vermüllen am Ende ihrer oft gezielt kurzen Nutzungsdauer sichtbar oder unsichtbar unser Wasser. Nicht nur Tümpel, Teiche, Seen, Bäche und Flüsse, auch die Meere haben wir in Mülldeponien verwandelt. Längst ist uns klar, was das Hauptproblem ist: sichtbarer Müll aller Art sowie Munitionsreste, Mikro- und Nanoplastik, chemische und pharmazeutische Schadstoffe aus Industrie, Medikamentenproduktion und Landwirtschaft sowie multiresistente Keime infolge der Verwendung von Antibiotika als Wachstumsförderer in der Tiermast. Unsere Technik ist bisher weit davon entfernt, den von uns produzierten Müll sowie Unrat aller Art aus dem Wasser wieder heraus zu holen.
So wird auf unserem wasserreichen Planeten Mangel an Trinkwasser erzeugt – ja geradezu produziert. Eine immer kleiner werdende Gruppe von Menschen verdient am Verkauf von durch Verknappung zur Ware gewordenem Wasser.
3.2. Der Stoffkreislauf – Schöner Schrott
Aus Erde werden Pflanzen, Tiere fressen Pflanzen, Tiere fressen Tiere. So kennen wir die Nahrungskette, an deren Ende wir uns sehen. Doch die Nahrungskette ist ein Stoffkreislauf. Denn Pflanzen und Tiere sterben irgendwann. Und aus dem, was übrig bleibt, machen Pilze, Würmer, Insekten und Bakterien wieder Erde. Diesen Teil des Stoffkreislaufes haben wir größtenteils ausgeblendet.
Bis Menschen die chemische Industrie schufen, entging nichts und niemand diesem Stoffkreislauf. Zwar gibt es Bestandteile wie Zähne und Knochen, die (zur Freude der Archäologen und Paläontologen) teilweise faszinierend lange brauchen, um endgültig wieder zu Erde zu werden. Doch Reste biologischer Prozesse wurden nur in Ausnahmefällen zu Museumsstücken. Bestenfalls erfreuen sie uns als Kreidefelsen oder Kohleflöze. Doch immer blieben sie Teil des Kreislaufes des Werdens und Vergehens.
In diesem Werden und Vergehen bemühen sich nicht nur Menschen um Vorratshaltung. Hamster, Mäuse, Bienen etc., ja auch Pflanzen legen Nahrungsvorräte an. Letztere speichern Nährstoffe in Zwiebeln, Knollen, Stängeln und in zum Teil erstaunlich großen Samen. Tiere speichern Nahrung in unterirdischen Verstecken, luftigen Bauten oder in beachtlichen Fettschichten. Dank dieser können zum Beispiel Kaiserpinguine mehrere Monate ohne Nahrung in klirrender Kälte aushalten. Vorratshaltung (Sparen) ist zweifelsfrei sinnvoll.
All diese Nahrungsvorräte sind auf Zeit angelegt. Das aufgespeicherte Fett verbraucht sich infolge fehlender Nahrungszufuhr. Aber auch alle anderen Vorräte müssen innerhalb bestimmter Zeiten verbraucht werden, sonst verrotten sie. Zwiebeln, Knollen, Kornvorräte, Bienenhonig etc. lassen sich nicht ewig dem Stoffkreislauf entziehen. Die Haltbarkeitsdauer ist begrenzt. Infolgedessen werden unverbrauchte Vorräte irgendwann wieder zu Erde, zu Rohstoff für neues Leben. Vorratshaltung bzw. Sparen haben in ihrem Ursprung einen Sinn und ein Ziel. Meist gilt es den Winter zu überstehen. Für uns Menschen sind weitere Ziele hinzugekommen. Unsere Vorratshaltung dient nicht nur dazu, über den nächsten Winter zu kommen. Wir sparen auch, um Mittel für Investitionen zu haben. Das so entstandene Kapital hat im Kapitalismus ganz neue Methoden der Kapitalverwertung hervorgebracht. Doch dazu später mehr.
Betrachten wir die Zerstörung des natürlichen Stoffkreislaufs zunächst vor dem Hintergrund der kapitalistischen Verwertungslogik. Wir wollen, dass von uns produzierte Nahrungsmittel möglichst lange halten. Durch genetische Manipulation und Konservierungsstoffe verrotten sie immer langsamer. Inzwischen sind wir Menschen selbst zwar nicht unsterblich, aber schwer verrottbar geworden. Unsere toten Leiber lagern wie Mumien in der Erde. Wenn wir so weiter machen, müssen wir uns fragen: Woher soll in tausend Jahren die Erde kommen, aus der neues Leben sprießen kann?
Doch es ist nicht nur unser Bestreben, das Verrotten der Nahrungsmittel aufzuhalten, welches den Stoffkreislauf zerstört. Umgekehrt beschränken wir die Lebensdauer von Industrieprodukten künstlich. Geplante „Sollbruchstellen“ sollen die Gebrauchsfähigkeit von Gütern beenden, die aus unvergänglichem Material gebaut sind. Für diese gezielte faktische Selbstzerstörung gibt es längst einen Begriff: geplante Obsoleszenz. Der Sinn besteht darin, eine ununterbrochene Produktion neuer Güter in Gang zu halten. Warenproduktion erhält Arbeitsplätze. Das sichert nicht nur Lohnzahlungen, sondern auch Profit. Ziel ist die Produktion von Waren, die im Laden möglichst lange haltbar sind, nach dem Verkauf aber möglichst schnell ersetzt werden müssen.
Die Logik ist die gleiche: Nahrungsmittel sollen vor ihrem Verbrauch möglichst lange lagerbar sein. Das ermöglicht auch extrem lange Transportwege. Faktisch endlos lagerbare Industrieprodukte sollen nach dem Verkauf möglichst schnell verbraucht – d. h. unbrauchbar – sein. Das ermöglicht es, immer neue Industriegüter zu verkaufen. Lange Lagerbarkeit und kurze Nutzungsdauer führen bei Nahrungs- wie Industriegütern in die gleiche Sackgasse. Chemisch behandelte Lebensmittel verrotten langsamer und nicht schadstofffrei. Industriegüter bilden infolge kurzer Nutzungszeit immer gigantischere Müllberge. Neben den sichtbaren Müllbergen zerstört unsichtbarer „Müll“ den Stoffkreislauf. Böden und Gewässer werden durch Dünger, Pestizide, Fungizide und Insektizide vergiftet. Industrie, Energiewirtschaft und Verkehr verschmutzen die Luft. Die Natur wird immer lebloser, weil artenärmer. Wir stehen nicht am Ende einer gedachten Nahrungskette, wir sind Teil eines Stoffkreislaufes. Wenn wir weiter so tun, als gäbe es ein Ende der Nahrungskette, werden wir als Spezies bald am Ende sein. Leben kann es nur geben, solange Kreisläufe existieren. Mit der Zerstörung des Wasser- und des Stoffkreislaufes untergraben wir unsere Lebensgrundlagen. Wollen wir diese erhalten, müssen wir lernen in Kreisläufen zu denken.
3.3. Der Lebenskreislauf – Vertreibung aus dem Paradies
Die Zerstörung der natürlichen Kreisläufe wird im Zuge der Entwicklung der kapitalistischen Produktions- und VerteilungsweiseA immer offensichtlicher. Der Sündenfall der Menschheit liegt jedoch schon sehr viel weiter zurück. Wenn nachfolgend aus der Bibel zitiert wird, dann dient dies keineswegs einer Beweisführung, sondern lediglich der Illustration einer historischen Entwicklung. Die Paradiesgeschichte hat geradezu etwas Prophetisches. Allerdings ist diese Geschichte erstaunlich missverstanden worden. Dabei ist der Text bestechend klar in seiner Aussage.
Adam ist...




