E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia
Kendrick Herz an Herz
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6641-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-6641-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Niemals hätte der smarte Bankdirektor Paulo Dantas gedacht, dass er jemals in eine so schwierige Situation kommen würde: Seit Isabella, die Tochter seines langjährigen Freundes Luis Fernandes, zu ihm nach London geflüchtet ist, gerät er jeden Tag in Versuchung. Isabella, die nach einem One-Night-Stand schwanger wurde, ist, wie Paulo glaubt, nur zu ihm nach London gekommen, weil sie Angst hatte, dass ihr strenger Vater von ihrem Zustand erfahren könnte. Niemals kann Paulo diese Notsituation ausnutzen - auch wenn Isabella ihn noch so verführerisch umgarnt. Er ahnt nicht, dass sie schon seit Jahren heimlich für ihn schwärmt und sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich in seinen Armen glücklich zu werden...
Fast ihr ganzes Leben lang hat sich Sharon Kendrick Geschichten ausgedacht. Ihr erstes Buch, das von eineiigen Zwillingen handelte, die böse Mächte in ihrem Internat bekämpften, schrieb sie mit elf Jahren! Allerdings wurde der Roman nie veröffentlicht, und das Manuskript existiert leider nicht mehr. Sharon träumte davon, Journalistin zu werden, doch leider kam immer irgendetwas dazwischen, und sie musste sich mit verschiedenen Jobs über Wasser halten. Sie arbeitete als Kellnerin, Köchin, Tänzerin und Fotografin - und hat sogar in Bars gesungen. Schließlich wurde sie Krankenschwester und war mit dem Rettungswagen in der australischen Wüste im Einsatz. Ihr eigenes Happy End fand sie, als sie einen attraktiven Arzt heiratete. Noch immer verspürte sie den Wunsch zu schreiben - nicht einfach für eine Mutter mit einem lebhaften Kleinkind und einem sechs Monate alten Baby. Aber sie zog es durch, und schon bald wurde ihr erster Roman veröffentlicht. Bis heute folgten viele weitere Liebesromane, die inzwischen weltweit Fans gefunden haben. Sharon ist eine begeisterte Romance-Autorin und sehr glücklich darüber, den, wie sie sagt, "besten Job der Welt" zu haben.
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2. KAPITEL
“Isabella!”, rief eine Frauenstimme vom Fuß der Treppe. “Könnten Sie schleunigst runterkommen?”
In ihrem Zimmer im Dachgeschoss des hässlichen Hauses im nachgeahmten georgianischen Stil, das auf einem großen Grundstück in einer Nobelgegend stand, richtete Isabella sich seufzend auf. Eigentlich hatte sie jetzt frei. Sie müsse sich schonen, hatte der Arzt ihr beim letzten Besuch dringend geraten. Doch das war leichter gesagt als getan.
Was wollte sie jetzt schon wieder von ihr, diese laute, anstrengende Familie? Konnte man sie nicht einmal fünf Minuten in Ruhe lassen?
Reichte es nicht, dass sie von frühmorgens bis spätabends arbeitete und sich um die lebhaften Zwillinge der Familie Stafford kümmerte? Von Au-pair-Mädchen wurde erwartet, dass sie halfen, die Kinder zu beaufsichtigen, und leichte Hausarbeit übernahmen. Dabei musste ihnen jedoch auch genug freie Zeit für das Studium und sich selbst bleiben. Ganz sicher durfte von ihnen nicht verlangt werden, unentgeltlich Abend für Abend zu kochen, sauber zu machen, zu bügeln, zu nähen und auf die Kinder aufzupassen.
Manchmal fragte Isabella sich, warum sie sich das alles gefallen ließ. War sie schwach? Oder schlichtweg dumm?
Dennoch wusste sie genau, warum sie sich gegen diese schäbige Behandlung nicht auflehnte. Sie brauchte nur in den Spiegel zu blicken. Ihr blieb keine andere Wahl. Ihr Bauch war so dick wie eine überreife Wassermelone, und Mrs Stafford hatte sich als Einzige bereit erklärt, die werdende Mutter mit dem ungeborenen Baby aufzunehmen.
Natürlich hätte Isabella jederzeit nach Brasilien, zur Ranch, zurückkehren können. Aber wie konnte sie ihrem Vater in diesem Zustand gegenübertreten?
Als sie erfahren hatte, dass das Ergebnis des Schwangerschaftstests positiv war, hatte sie in ihrer Hilflosigkeit einfach nicht den Mut aufgebracht, ihrem Vater die Wahrheit zu gestehen.
Und je länger sie mit dem Geständnis gezögert hatte, umso schwieriger war es ihr erschienen. So war es ihr schließlich leichter gefallen, nach England zu fliehen. Zu Paulo. Doch gerade weil sie ihn ihr Leben lang vergöttert hatte, war sie dann zu stolz gewesen, sich ihm anzuvertrauen.
Zu jenem Zeitpunkt hatte sie es als einzigen Ausweg gesehen, bei den Staffords unterzukommen. Doch inzwischen bereute sie diese Entscheidung längst. Vielleicht auch, weil sie die beiden Männer enttäuscht hatte, die sie liebten.
“Isa-bella!”
Sie widerstand der Versuchung, ihrer Chefin die Meinung zu sagen, und stand schwerfällig vom Bett auf, um in bequeme Hausschuhe zu schlüpfen. Das einzig Annehmbare an ihrer Schwangerschaft war die lockere, ungezwungene Kleidung, die sie nun tragen konnte.
“Ich komme”, rief sie und ging langsam nach unten.
Die Zwillinge kamen aufgeregt aus dem Wohnzimmer gestürmt. Charlie und Richie waren sieben und schienen es als ihre Lebensaufgabe zu betrachten, ihrem Au-pair-Mädchen das Leben schwer zu machen. Dennoch mochte sie die beiden Jungen mit den großen Augen, dem schalkhaften Lächeln und ihrer schier unerschöpflichen Energie.
Rosemary Staffords Erziehungsmethoden entsprachen nicht gerade Isabellas Vorstellungen, doch gelang es ihr meist, die beiden Rangen irgendwie in den Griff zu bekommen.
Sie hatte versucht, den Zwillingen abzugewöhnen, den ganzen Tag mit Videospielen und Fernsehen zu verbringen. Anfangs hatten die beiden lautstark dagegen protestiert, doch nachdem Isabella dazu übergegangen war, ihnen abends Geschichten vorzulesen, hatten die Kinder sich damit abgefunden und genossen es anscheinend sogar.
“Du hast Besuch, Bella!”, erklärte Richie.
“So? Wer ist es denn?”
“Ein Mann!”
Isabella blickte verständnislos drein. Wer konnte das sein? “Aber ich kenne keine Männer”, behauptete sie.
An der Wohnzimmertür erschien Richies Mutter. “Na ja, das dürfte etwas übertrieben sein”, bemerkte sie leise mit einem bedeutsamen Blick auf Isabellas gewölbten Bauch. “Mindestens einen müssen Sie ja wohl gekannt haben.”
Isabella ging darauf nicht ein. Die spitzen Bemerkungen ihrer Chefin war sie längst gewohnt.
Seit sie bei der Familie eingezogen war, hatte Rosemary Stafford immer wieder moralisierende Anspielungen auf Isabellas ledige Mutterschaft gemacht. Isabella fand das seltsam, denn Mrs Stafford hatte die Zwillinge erwartet, als ihr Mann noch bei seiner ersten Frau lebte.
Isabella lächelte schwach. “Um wen handelt es sich?”
Typischerweise konnte Mrs Stafford nicht verbergen, dass sie beeindruckt war. “Er sagt, er sei ein Freund Ihrer Familie.”
Charlie und Richie blickten erwartungsvoll zu Isabella auf, doch obwohl sie alarmiert war, ließ sie sich nichts anmerken. “Hat er seinen Namen genannt?”
“Ja.”
“Und?”
“Er heißt Paulo. Den Nachnamen habe ich vergessen.”
Wie versteinert stand Isabella da. “Paulo Dantas?”, brachte sie mühsam hervor.
“Ja”, erwiderte Mrs Stafford spitz. “Er ist im Wohnzimmer. Sie sollten lieber mit ihm sprechen, denn er scheint kein Mann zu sein, der gern wartet.”
Unwillkürlich strich Isabella sich über das Haar. Was wollte Paulo hier? Und wie musste sie aussehen? In aufsteigender Panik blickte sie in den Dielenspiegel.
Sie hatte ihr dichtes dunkelbraunes Haar der Einfachheit halber zu einem Knoten gewunden und es mit einem Schildpattkamm festgesteckt. Ihr Gesicht war blass, und sie trug keinerlei Make-up.
“Warum haben Sie mir nichts davon gesagt?”, fragte Mrs Stafford pikiert.
“Was gesagt?”
“Dass ein Mann wie er der Vater Ihres Kindes ist.”
Mrs Stafford öffnete die Wohnzimmertür, sodass Isabella nichts anderes übrig blieb, als den Raum zu betreten und sich dem Unvermeidlichen zu stellen.
Paulo stand am Fenster und blickte hinaus. Als Isabella den Raum betrat, drehte er sich langsam um. Seine eben noch entspannte Haltung wurde starr, und er betrachtete Isabella fassungslos - die pralle Rundung ihres Bauches, die schweren Brüste.
Seine dunklen Augen glitzerten seltsam, und Isabella fragte sich, was hinter seiner Stirn vorgehen mochte. Schock. Entsetzen. Verachtung. Alles war da. Am liebsten hätte Isabella kehrtgemacht und wäre geflohen. Was hätte sie darum gegeben, alles ungeschehen machen zu können, und sei es nur, um diesen verbitterten Blick in ihrem traurigen, verletzlichen Zustand nicht ertragen zu müssen.
“Isabella”, begrüßte Paulo sie höflich, doch seine Stimme klang leise und merkwürdig flach.
Er trug einen eleganten dunklen Anzug, als würde er direkt von einer geschäftlichen Besprechung kommen, und sein blütenweißes Hemd hob sich eindrucksvoll gegen seine olivfarbene Haut ab. Noch nie hatte Isabella Paulo so förmlich gekleidet erlebt. Die Kluft zwischen ihnen schien noch größer geworden zu sein.
“Hallo, Paulo.” Obwohl Isabella am liebsten im Erdboden versunken wäre, schaffte sie es, sich ruhig zu geben. “Du hättest dich vorher anmelden können.”
“Und wenn ich es getan hätte?” Paulos Stimme klang gefährlich leise. “Hättest du mich so empfangen?” Wieder betrachtete er sie eingehend.
“Nein. Wahrscheinlich nicht”, musste Isabella zugeben.
Mrs Stafford, die Paulo bis jetzt bewundernd angesehen hatte, wandte sich mit vorwurfsvoller Miene wieder Isabella zu. “Isabella, wollen Sie mich Ihrem Freund nicht vorstellen?” Sie lächelte Paulo süßlich an.
Isabella zögerte, dann trat sie die Flucht nach vorn an. “Paulo, das ist Rosemary Stafford, meine Chefin. Paulo ist …”
“Wie nett, dass Sie gekommen sind, Mr Dantas”, erklärte Mrs Stafford übertrieben liebenswürdig. “Kann ich Ihnen eine Erfrischung anbieten? Isabella, gehen Sie, und bringen Sie Mr Dantas etwas zu trinken.”
Auf Portugiesisch sagte Paulo zu Isabella: “Schaff sie uns vom Hals.”
Sie war immer noch völlig durcheinander und unfähig, sich Paulo zu widersetzen. “Würde es Ihnen etwas ausmachen, uns allein zu lassen, Mrs Stafford? Ich möchte mit meinem … Freund gern unter vier Augen sprechen.”
Rosemary Stafford verzog das hübsche, geschminkte Gesicht und schmollte. “Ja, sicher. Bestimmt haben Sie einige Probleme zu klären”, bemerkte sie steif und rauschte aus dem Raum, vorbei an Charlie und Richie, die vor der Tür standen und versuchten, das Gespräch zu belauschen.
Paulo ging zu den Jungen, zuckte vor ihnen entschuldigend die Schultern, dann schloss er ruhig die Tür. Als er sich umdrehte und Isabella ansah, wäre sie vor dem zornigen Ausdruck in seinen Augen am liebsten zurückgewichen.
Bereute er es, hergekommen zu sein? Aber was für ein Recht hatte er, sie zu verurteilen? Isabella dachte an all die Demütigungen, die sie seit ihrer Ankunft in England hatte ertragen müssen. Verglichen damit erschien ihr Paulos Zorn plötzlich leicht zu ertragen. Entschlossen straffte sie die Schultern und sah ihn an, ohne mit der Wimper zu zucken.
“Du schuldest mir eine Erklärung”, sagte er beherrscht.
“Keineswegs.”
An seiner Schläfe pochte eine Ader. “Nein?”
“Meine Schwangerschaft hat nichts mit dir zu tun, Paulo.”
Er lachte verbittert. “Vielleicht nicht im üblichen Sinn. Aber du hast mich in dem Moment mit in die Sache hineingezogen, als du deinem Vater gesagt hast, du würdest mich besuchen.”
Doch Isabella ließ sich nicht beirren. “Das war vor vielen Monaten! Bevor ich Brasilien verlassen habe. Außerdem habe ich dich ja tatsächlich besucht. Hast du das vergessen, den Tag, als ich vor deiner Wohnungstür stand?”
“Natürlich habe ich es nicht vergessen.” Seit Monaten hatten Paulo die Erinnerungen daran nicht mehr losgelassen....




