E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Ker Wilde Rosen auf Mallorca
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-079-3
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebesreise nach Mallorca
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95576-079-3
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wilde Rosen duften betäubend süß in der warmen Nacht, als Petra mit dem gut aussehenden Tomás leidenschaftliche Stunden erlebt. Doch es ist nur ein flüchtiges Glück: Als am nächsten Morgen die Sonne strahlend hell über Mallorca aufgeht, sind sie wieder Gegner. Denn angeblich plant Tomás ein Projekt auf der Insel, das die unberührte Natur zerstören könnte ...
Hinter dem Pseudonym Madeleine Ker verbirgt sich der Amerikaner Marius Gabriel. Er ist einer der wenigen Männer, die Liebesromane verfassen. Er studierte englische Literatur - insbesondere Shakespeare - an der Universität von Newcastle im Norden Englands. Um seine Doktorarbeit zu finanzieren, fing er an, Liebesromane zu schreiben. Sein erstes Buch verkaufte er im Jahr 1983 an Mills & Boon unter dem Pseudonym Madeline Ker. Daraufhin verzichtete er auf eine akademische Karriere und wurde Vollzeitautor. Marius Gabriel lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Spanien.
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1. KAPITEL
“Sie versperren mir die Aussicht.” Juliet drehte sich um, aus ihrer frühmorgendlichen Träumerei gerissen. Überrascht nahm sie den Mann wahr, der nicht weit entfernt auf der Terrasse auf einer Liege lag und stirnrunzelnd zu ihr schaute.
Sie hatte die Anwesenheit eines anderen überhaupt nicht bemerkt, als sie an der Küste stand und auf das ruhige Wasser hinausblickte. Auch war ihr die Schönheit des Sonnenaufgangs, der vom Wasser reflektiert wurde, entgangen, während sie überlegte, wie lange sie noch hier bleiben müsste. Die meisten Menschen hätten es nicht als Unannehmlichkeit betrachtet, weiter in diesem vornehmen Hotel auf der paradiesischen Insel Mallorca zu bleiben, aber Juliet war nicht zum Vergnügen hier!
Und ganz sicher war sie nicht in der Stimmung, sich die Grobheit dieses Mannes gefallen zu lassen. Er mochte ja auch für seinen Hotelaufenthalt bezahlt haben – und das war sehr viel, wie sie wusste! Doch mit den Kosten für seine Hotelsuite hatte er kein Anrecht auf exklusive Aussicht erworben.
Ihre grauen, von langen dunklen Wimpern umrahmten blitzenden Augen verrieten ihr Missfallen. “Ich dachte, die Aussicht sei für alle da”, schnappte sie und strich mit einer Hand ihr langes leuchtend rotes Haar über ihre Schulter zurück. Beim Verlassen ihrer Suite hatte sie es nicht im Nacken zusammengesteckt, wie sie es sonst tat.
Sie war jetzt seit fast einer Woche auf der Insel und fand, dass sie mit den Nächten am schwersten fertig wurde. Sie hatte keine Probleme, sich tagsüber zu beschäftigen, aber nachts fiel sie für nur wenige Stunden in einen unruhigen Schlaf, erwachte dann gegen drei Uhr morgens und konnte nicht wieder einschlafen. Sie hatte es sich angewöhnt, lange Spaziergänge an der Küste zu machen, sobald es hell wurde.
Noch zwei Tage, hatte Juliet bei ihrem heutigen Spaziergang beschlossen, und dann würde sie zurück nach Hause, nach England fahren. Mit ihrem Aufenthalt hier löste sie ohnehin nichts. Die Person, deretwegen sie hergekommen war, ließ sich einfach nicht sehen, und das musste sie eben akzeptieren.
Der Mann erhob sich von der Liege. Er war groß und schlank, trug ein schwarzes T-Shirt und enge Jeans, und sein überlanges Haar glänzte golden in der Sonne. Seine Augen waren so blau wie das Wasser vor ihnen. Er blinzelte in die helle Morgensonne, als er über die Terrasse auf sie zuzugehen begann.
Es war erst kurz nach sechs, zu früh zum Aufstehen für die anderen Hotelgäste, und Juliet merkte plötzlich, dass sie beide hier allein waren. Und dieser Mann wirkte eher feindselig.
Als er unmittelbar vor Juliet stehen blieb, wurde ihr erst seine volle Größe bewusst. Er war mindestens einen Kopf größer als sie, so dass sie ihre Unterlegenheit ihm gegenüber noch deutlicher spürte.
“Die Aussicht gehört jedermann”, murmelte er heiser. “Ich war nur überrascht, noch jemand anders so früh am Morgen hier draußen zu sehen.”
Und das gab ihm das Recht, grob zu ihr zu sein? Seine Entschuldigung war nicht gerade überschwänglich, aber andererseits machte der Mann den Eindruck, dass er sich, wenn überhaupt, nur selten entschuldigte.
Er musste Ende dreißig sein, hatte ein gut aussehendes Gesicht mit markanten Zügen, dunkle Wimpern um scharfe, wache blaue Augen, eine lange, gerade Nase, einen geschwungenen Mund und ein energisches Kinn.
Juliet zuckte die Schultern. Ihre Kleidung war seiner ähnlich, abgesehen davon, dass ihr T-Shirt blau war und in ihren Jeans steckte.
“Der Morgen ist der schönste Teil des Tages”, erklärte sie – wenngleich sie sich dessen um drei Uhr morgens nicht so sicher war.
“Ich teile Ihre Auffassung”, stimmte er zu und sah sie mit durchdringendem Blick an.
Obwohl er leger gekleidet war, sah er nicht wie die üblichen Urlauber aus, die Juliet bisher in diesem exklusiven Hotel gesehen hatte. Die meisten von ihnen, die Männer mit eingeschlossen, waren mehr daran interessiert, mit ihrer Kleidung modisch zu wirken, als sich wirklich zu entspannen und die Sonne und das Meer zu genießen. Dieser Mann hingegen vermittelte den Eindruck, als sei ihm Mode völlig egal. Er kleidete sich bequem und scherte sich den Teufel darum, welchen Eindruck er auf andere machte. Selbst das leicht gewellte goldblonde Haar war unmodisch lang. Vielleicht schätzte sie ihn aber völlig falsch ein – was sie sehr oft tat –, was sie spätestens wissen würde, wenn sich seine modebewusste Frau und seine verwöhnten Kinder gleich zu ihm gesellten.
“Schön, wenn Sie mich dann entschuldigen würden …” Sie schenkte ihm ein abweisendes Lächeln, bevor sie sich abwandte.
“Nein”, sagte er plötzlich hinter ihr.
Juliet drehte sich stirnrunzelnd um. Was meinte er damit?
“Ich habe vor ein paar Minuten Kaffee bestellt”, sagte er lächelnd, wobei er weiße Zähne entblößte und sich Fältchen in seinen Augenwinkeln zeigten.
Es war erstaunlich, wie dieses Lächeln sein Gesicht veränderte. Er wirkte nicht mehr unnahbar und feindselig. Dennoch war Juliet noch immer irgendwie über seine Art verwirrt.
“Warum leisten Sie mir nicht Gesellschaft?” schlug er vor.
Ihre grauen Augen weiteten sich. Gerade erst war sie dem Mann begegnet, der sofort unhöflich zu ihr gewesen war. Jetzt besaß er sogar den Nerv, sie zum Kaffee einzuladen. “Würde Ihre Frau das nicht ein bisschen komisch finden?” erwiderte sie mit süßem Sarkasmus.
Sie hatte sich seit ihrer Ankunft hier sehr zurückgezogen und allen Versuchen anderer Gäste, sie anzusprechen und in ihre Aktivitäten mit einzubeziehen, widerstanden. Sie war ohnehin eine Einzelgängerin, so dass ihr das nicht schwergefallen war. Sie hatte gewiss nicht die Absicht, diesem Mann beim Kaffee – oder etwas anderem – Gesellschaft zu leisten.
Er verzog den Mund. “Ich habe keine Frau”, erzählte er trocken. “Und selbst wenn ich eine hätte, wüsste ich nicht, was falsch daran sein sollte, Sie zu bitten, mit mir eine Tasse Kaffee zu trinken.”
Juliet spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. Vielleicht war sie ein bisschen übervorsichtig, doch ihre bisherige Lebenserfahrung hatte sie gelehrt, anderen Menschen nur wenig zu vertrauen – besonders einem einsamen Mann, dem sie so zufällig begegnet war.
“Ich werde nicht …”
“Würden Sie bitte das Tablett auf den Tisch stellen? Und bringen Sie noch eine Tasse!” Der goldblonde Fremde sprach über Juliets Schulter hinweg, und als sie sich umdrehte, sah sie den Kellner mit seinem Kaffeetablett kommen. Tatsächlich befanden sich neben Kaffee auch Croissants und Brötchen darauf.
Er ist offensichtlich ein Mann, der es gewohnt ist, Befehle zu erteilen, und erwartet, dass sie befolgt werden, dachte sie, während sie zuschaute, wie der Kellner das Tablett auf den Terrassentisch stellte.
“Kommen Sie und setzen Sie sich!” forderte er sie auf, während er mit langen Schritten zurück zur Terrasse schlenderte. “Möchten Sie etwas essen?” Er deutete auf die Brötchen und die Croissants. “Das reicht für zwei.”
Juliet schaute ihn verwirrt an. Sie hatte seine Einladung zum Kaffee zwar nicht ablehnen können, aber ihm musste klar sein, dass sie im Begriff dazu gewesen war, als der Kellner kam. Und doch ignorierte er das einfach. Er hatte sie in eine Position gebracht, in der sie unhöflich wirken würde, wenn sie ablehnte.
Widerwillig gesellte sie sich zu ihm. Der Mann wartete, bis sie es sich bequem gemacht hatte, bevor er Platz nahm. Statt einen Stuhl ihr gegenüber zu nehmen, wie sie gehofft hatte, setzte er sich einfach links neben sie.
“Ich möchte nichts essen, danke”, lehnte sie steif ab. Sie fühlte sich in dieser Situation nicht wohl. Sie hatte den Eindruck, zu etwas gezwungen zu werden, und das passte überhaupt nicht zu ihrem gewöhnlich selbstständigen Wesen.
Er schaute sie abschätzend an. “Sie sehen nicht so aus, als ob Ihnen ein paar Pfund schaden könnten.” Sein Blick war dabei auf ihre fast knabenhafte Figur gerichtet.
Juliet war sich der Tatsache wohl bewusst, dass sie jetzt, mit ihren siebenundzwanzig Jahren, wahrscheinlich schlanker als je zuvor war und dass es nicht zu ihr passte, so dünn zu sein, aber sie schätzte es nicht, dass dieser Mann ihr das sagte. “Nur Kaffee, danke”, erklärte sie. Sie hatte die Absicht, ihn so schnell wie möglich zu trinken und dann die Flucht zu ergreifen.
Doch während er nickte, bevor er ihr den heißen Kaffee einschenkte, wurde ihr klar, dass ihr Plan völlig unrealistisch war. Sie goss reichlich Sahne in die Tasse, wusste aber, dass der Kaffee dennoch zu heiß war, um eilig getrunken zu werden.
“Ich heiße übrigens Liam.” Er schaute sie fragend an.
“Juliet”, murmelte sie in ihre Tasse, bevor sie zögernd einen Schluck von der dampfenden Flüssigkeit nahm.
“Danke!” Er lächelte unverbindlich, als der Kellner mit der zweiten Tasse und noch einem Teller kam. “Sind Sie geschäftlich hier oder zum Vergnügen?”
Juliet blickte scharf zu ihm auf, als ihr bewusst wurde, dass er wieder mit ihr redete. “Geschäftlich?” wiederholte sie knapp.
Er zuckte die Schultern und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. “Es gibt hier viele Möglichkeiten für Geschäfte. Sogar dieses Hotel steht zum Verkauf.”
Sie war wohl kaum in der Lage, eines der Carlyle-Hotels zu kaufen. “Das glaube ich”, antwortete sie unverbindlich. “Sind Sie deshalb hier?” konterte sie.
Er schüttelte den Kopf. “Für mich ist das nur eine Vergnügungsreise. Ich war bloß neugierig, was Sie betrifft. Sie sehen nicht wie einer der Typen aus,...




