Kern | Li | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 513 Seiten

Kern Li

Tote Mädchen machen keinen Sex
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7529-1918-9
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Tote Mädchen machen keinen Sex

E-Book, Deutsch, 513 Seiten

ISBN: 978-3-7529-1918-9
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Für Peter ist nach seinem ersten Besuch in einem Bordell nichts mehr, wie es war. Als er merkt, dass Li, ein fünfzehnjähriges vietnamesisches Mädchen, zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung gehandelt wurde, beschließt er, sie zu befreien. Doch Li kann nicht darauf warten und nimmt sich das Leben. Peter versteckt Beatrice, die von ihren Zuhältern gesucht wird, bei sich, riskiert damit sein Leben und wird obendrein gekündigt. Als er dann noch Lis Stimme hört, meint er den Verstand zu verlieren... Ein Selbstmord, ein Mord, die Liebe und der wohl aussichtslose Kampf um eine bessere Welt, führt den Leser durch einen spannenden, paranormalen Thriller.

Isabella Maria Kern ist 1968 in Oberösterreich geboren. Mit 'Li - Tote Mädchen machen keinen Sex' hat sie das Thema Zwangsprostitution aufgegriffen und setzt sich aktiv gegen Menschenhandel ein. Auch mit dem Thema Intersexualität beschäftigt sie sich intensiv. Das Buch 'Romy - Ein Leben zwischen zwei Welten' befasst sich mit diesem Tabu. Derzeit schreibt sie an ihrem siebten Buchprojekt und betreibt nebenbei ein Kleinwasserkraftwerk. Sie tanzt gerne und liebt Tiere und die Natur.
Kern Li jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Erster Besuch im Bordell


Isabella Maria Kern

LI

Tote Mädchen machen keinen Sex

Roman

Impressum:

Texte: © Copyright by Isabella Maria Kern
Umschlag: © Copyright by Petra Harml-Prinz
Verlag: Isabella Maria Kern

Kerschbaum 12
4160 Aigen-Schlägl
isabellamariakern@gmx.at

www.isabella-maria-kern.com

Druck: epubli, ein Service der

neopubli GmbH, Berlin

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig und strafbar.

Printed in Germany

Für meine Eltern, denen ich eine

wunderschöne, behütete Kindheit

verdanke, die mir viel Liebe und

Respekt entgegengebracht haben

und die stets an mich glaubten…

Peter saß in seinem Wohnzimmer. Missmutig dämpfte er eine Zigarette aus. Er streckte die Zunge heraus und machte einen seltsamen, krächzenden Laut. Seine Zunge fühlte sich belegt an und es war ihm bewusst, dass er fürchterlich stank. Er stand auf und ging ins Badezimmer. Sorgfältig strich er die Zahnpaste auf seine Zahnbürste, die den gesamten Bürstenkopf bedecken musste. Reichte sie über den Rand hinaus, wurde sie eliminiert, sah man freie Borsten, musste er mit der immer gleichen, hellgrünen Creme, die er in der Drogerie gleich um die Ecke erwarb, nachjustieren. Während er sorgfältig seine Zähne putzte, betrachtete er sich im Spiegel. Einen Augenblick hielt er inne und starrte sein Spiegelbild an. Wer war dieser Mann, dessen bohrenden Blick er nur schwer standhielt? Peter spülte – eigentlich viel zu früh - seinen Mund aus. Nachdem er sich den Mund abgewischt, das Handtuch wieder zusammengefaltet und an seinen üblichen Platz gelegt hatte, sah er sich noch einmal in den Spiegel.Seine dunklen, etwas längeren Haare standen nach allen Richtungen. Man merkte, dass er sich im Schlaf von einer Seite auf die andere gewälzt hatte. Es war Freitagabend. Im Fernsehen war auch nichts gelaufen, was ihn interessiert hätte, weshalb er auf der Couch eingeschlafen war. Peter machte seine rechte Hand nass und versuchte die Haare zu glätten. Rechts über dem Ohr ließ sich ein widerspenstiger Schopf nicht bändigen. Er nahm etwas mehr Wasser. Es klappte nicht. Peter fluchte. Doch dann betrachtete er sich genauer. Seine Augenbrauen waren fast schwarz und ziemlich dicht. Das hatte ihm eigentlich immer gefallen. Aber lieber hätte er blaue, anstelle von braunen Augen gehabt. Er fand blaue Augen zu dunklen Haaren sehr attraktiv. Hingegen braune Augen zu brauen Haaren hielt er für banal, langweilig. Wem gefiel er denn schon? Peter schnitt eine Grimasse. Es hätte eigentlich ein Lächeln daraus werden sollen, aber es wollte ihm nicht richtig gelingen.

Aber doch! Doch! Er war attraktiv! Nur mit seinem Blick war etwas nicht in Ordnung. Irgendetwas störte ihn. Der Ärger und die Unzufriedenheit machten sich in seinem Gesichtsausdruck bemerkbar Er war schnell genervt. Von allem und jedem.

Sein Blick fiel auf das zusammengefaltete Handtuch neben ihm im Regal. Es lag etwas schief. Wütend auf sich selbst, weil er es nicht ordentlich hineingelegt hatte, fluchte er und rückte es gerade.

Sein Schopf Haare, rechts über dem Ohr wippte vergnügt im Takt seiner Schritte, als er das Badezimmer verließ.

Mittlerweile war es Samstag, ein Uhr morgens. Er fürchtete, dass er jetzt nicht mehr einschlafen konnte. Es war Wochenende! Viele Leute waren unterwegs und hatten Spaß! Nur er nicht!

Sein bester Freund hatte vor einem halben Jahr geheiratet und deshalb auch keine Zeit mehr für ihn. Das nervte. Peter setzte sich auf die Couch und nahm die Fernbedienung in die Hand. Sein ganzes Leben lang hatte er sich auf niemanden verlassen können. Er merkte, wie die Wut in ihm hochkroch. Niemand war je für ihn da! Es war doch eigentlich jedem scheißegal, wie es ihm ging!

Im Zorn, der nun die Oberhand über seinen Gemütszustand genommen hatte, schleuderte er die Fernbedienung mit voller Wucht in das linke Eck der Couch. Noch während sich die Fernbedienung dreimal überschlug ehe sie zum Stillstand kam, bereute er, dass er seiner Wut freien Lauf gelassen hatte. Gott sei Dank dämpfte der weiche Stoff den Aufprall. Wie konnte er nur so fahrlässig mit seinen Dingen umgehen? Das war normalerweise nicht seine Art. Er prüfte die Funktion der Fernbedienung und stellte fest, dass sie keinen Schaden genommen hatte.

Eine nackte Frau wand sich gerade in den Armen ihres Liebhabers. Ihr Stöhnen ließ ihn erschaudern. Wütend starrte er auf den Bildschirm. Er war gerade erst Mitte dreißig und hatte seit mehr als einem halben Jahr keinen Sex mehr gehabt. Angewidert schaute er dem Treiben der beiden zu. Weiber! Er hasste sie. Nein, er hasste sie nicht! Sein Blick wurde etwas sanfter. In Wahrheit versteckte sich seine Traurigkeit hinter dem Schutzschild der Wut. Warum klappte es nur bei ihm nicht? Seine letzte Freundin war wortlos aus der Wohnung ausgezogen. Sie meinte, sie hielte seinen Ordnungswahn nichts aus.

Bah! Ordnungswahn! Blödsinn!

Durch sein Handeln versuchter er doch nur, dass alles möglichst ordentlich aussah, und das konnte man, bei Gott, auch von anderen verlangen. Bei diesen Gedanken rückte er das Deckchen gerade, das in der Mitte des Glastisches lag.

Die Frau im Fernsehen begann lauter zu stöhnen. Peter fand, dass sie übertrieb. Er lehnte sich auf der Couch zurück. Ein Ziehen in den Lenden sagte ihm, dass er noch am Leben war. Er überlegte einen Augenblick, ob er nicht doch noch in die Stadt gehen sollte, um einen „Aufriss“ zu machen.

Irgendeine „Tussi“ würde schon mit ihm nach Hause gehen. Er schnaubte verächtlich, während er daran dachte, dass er vorher eine Unmenge an alkoholischen Getränken zu sich nehmen und auch den Mädels Drinks spendieren müsste. Er wäre gezwungen eine Menge Lügen zu erzählen und sinnlosen Smalltalk zu machen. Viel schwerer fiel es ihm aber, ein Lächeln vorzuspielen, oder gar guter Laune zu sein. Es würde nicht funktionieren. Das könnte er sich gleich ersparen.

Die Frau im Fernsehen nervte ihn zunehmend. Er fand, sie benahm sich wie eine Nutte. Aber wie benahm sich eigentlich eine Nutte? Peter stellte fest, dass er sich noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht hatte. Eine Nutte? Er überlegte. Warum eigentlich nicht?

Er stand auf und ging nervös im Zimmer auf und ab. Er war jung. Er war ein Mann. Er hatte bei den Frauen kein Glück, obwohl er ohne Zweifel sehr attraktiv war. Andere Männer gingen auch zu Prostituierten. Nur kannte er niemanden persönlich. Aber? Hätte es ihm jemand erzählt? Auch er würde es keinem erzählen. Peter ging zum Fenster und sah hinaus. Es war ruhig auf den Straßen. Unten ging ein Pärchen eng umschlungen vorbei. Ungehalten zog er den Vorhang wieder zu. Ja! Er würde es tun!

Es fiel ihm umgehend ein Etablissement ein, an dem er täglich vorbeifuhr und welches wegen der auffälligen Fenster und der wunderschönen, hölzernen Eingangstür immer wieder seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Um dorthin zu kommen brauchte er nicht einmal das Auto, dieses Bordell würde er zu Fuß erreichen. Peter ging ins Schlafzimmer und öffnete den Kleiderschrank. Irgendwo hatte er eine alte Jacke, die er nie anzog, sich aber nicht überwinden konnte, sie in die Altkleidersammlung zu geben. Dazu suchte er eine abgetragene Strickhaube, schließlich war es noch kalt in den Nächten und das fiel nicht auf. Er wollte auf keinen Fall erkannt werden. Peter nahm die Jacke aus dem Kasten. Den Kleiderbügel hängte er wieder zurück. Die Schuhe nahm er aus dem Schuhkasten, fuhr noch einmal mit der Bürste darüber ehe er sie anzog, steckte dreihundert Euro in seine Geldtasche und verließ die Wohnung. Er war aufgeregt. Sehr aufgeregt.

An der Treppe unten angekommen war er plötzlich nicht mehr sicher, ob er die Wohnungstür abgeschlossen hatte. Peter fluchte und rannte die zwei Stockwerke wieder hinauf, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Er steckte den Schlüssel ins Schloss. Tatsächlich. Er hatte vergessen! Also drehte er den Schlüssel wie üblich dreimal nach links, rückte mit dem Fuß den Fußabstreifer gerade, den er in der Hektik verschoben hatte und rannte die Treppen wieder hinunter. Auf der Straße angekommen, überwältigte ihn ein merkwürdiges Gefühl. Er war sich jetzt nicht mehr so sicher, ob er das wirklich wollte.

Seine Mutter verabscheute Freudenhäuser. Peter fiel ein, dass sie verhältnismäßig oft darüber geredet hatte. Warum wohl? Aber was sein Vater konnte, das konnte er schon lange! Peter setzte sich entschlossen in Bewegung.

Nach knapp einer halben Stunde erreichte er die Gasse, in der das kleine rote Licht über den Eingang dem Besucher oder Vorbeikommenden, verriet, was sich im Inneren befand. Peter blieb zwei Häuser entfernt stehen. Er war unsicher, weil er nicht wusste, was ihn dort erwartete. Eigentlich war ihm die Lust auf Sex vergangen. Peter fröstelte. Was er in Wahrheit wollte, war, dass ihn jemand einfach in die Arme nahm. Peter schüttelte sich, so als wollte er diese Gedanken loswerden. Nur nicht sentimental werden!

Er wollte jetzt Sex. Jetzt!

Er atmete tief durch und ging entschlossen auf die prachtvoll gearbeitete Holztür zu. Eine kleine goldene Klingel befand sich links neben der schönen, dunkelbraunen Holztüre. Sie erinnerte ihn an Italien. In der Toskana hatte er ähnliche Haustüren gesehen. Peter...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.