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Kern Tretmühle

Ausgang
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-99139-873-8
Verlag: Buchschmiede
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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Wir organisieren, wir versorgen, wir umsorgen, wir hören zu. Wir tun, tun, tun, und oft ist es noch nicht genug. Wir bleiben allein mit der Frage: Wo bleibe ICH? Als Krankenschwester, Unternehmerin und Mutter habe ich Einblick in das Gefühlschaos vieler Frauen bekommen und meine Erfahrungen und Strategien in diesem Buch zusammengefasst. Es ist kein 'Ändere dein Leben, und lebe im Jetzt'-Buch, denn für viele Frauen klingt das wie Hohn: Soll ich meine Kinder verkaufen und die Eltern ins Altenheim stecken? Soll ich meinen Job kündigen, der mich nicht interessiert, den ich aber brauche? Ich gebe Ratschläge, um das Leben in der Tretmühle erträglicher zu machen, alles unter einen Hut zu bekommen und sich dabei nicht selbst zu verlieren. Das ist das Ziel.

Isabella Maria Kern ist 1968 in Oberösterreich geboren und lebt dort mit ihrem Ehemann und vielen Tieren. Sie hat drei Söhne. Sie liebt lange Spaziergänge mit dem Hund 'Chilli' und widmet sich mit ihrem Mann dem Tanzsport. Wenn sie nicht gerade schreibt, arbeitet sie als Krankenschwester und betreibt nebenbei ein Kleinwasserkraftwerk. Ihren ersten Roman 'Li - Tote Mädchen machen keinen Sex' gibt es bereits als Drehbuch. 'Nur Hannah.' ist ihr vierter Roman. Derzeit arbeitet sie an ihrem siebten Buchprojekt. ?

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I. Gefangen in der Tretmühle Habe ich alles im Griff? In der einen Hand halte ich den Staubsauger krampfhaft fest und rücke mit dem linken Arm meinen Sohn auf der Hüfte zurecht, damit er nicht über meinen Oberschenkel zu Boden gleitet. Er wehrt sich nur schwach, doch dabei bröselt er mit dem Vollkornkeks, welches er verzweifelt festhält, auf jenen Teil des Teppichs, den ich schon mit dem Staubsauger bearbeitet habe. Das wäre nicht das Schlimmste, wenn nicht plötzlich auch noch das Telefon nervenzerreißend zu läuten beginnen würde. Die aussichtlosen Versuche, es einfach läuten zu lassen, hatte ich bereits hinter mir. Wenn jemand am Festnetz anruft, dann ist es entweder meine Schwester, meine Mutter oder jemand vom Tierschutz, der sich über meine Spende bedankt und gleichzeitig darum bittet, den automatisch vierteljährlich abzubuchenden Betrag doch ein wenig erhöhen zu dürfen. Ich resigniere und betätige mit dem Fuß den Ausschalter des Staubsaugers, als sich zu dem allgemeinen Lärm auch noch die Türglocke gesellt. Aus! Das ist genug! Ich will meinen, nun schreienden Nachwuchs zu Boden setzen. Leider schlägt er etwas unsanft auf, weil er die Beinchen nicht ordentlich unterstellt. Zugegeben, ich hatte vermutlich beim Hinstellen zu viel Schwung. Er brüllt, das Telefon läutet unbeeindruckt, und ich habe keine Lust die Tür zu öffnen. Doch wie kann ich meine Anwesenheit bei diesem unüberhörbaren Lärm, der aus meiner Wohnung dringt, verleugnen? Ich greife zum Schnurlostelefon, drücke den grünen Knopf, halte es nicht ans Ohr und springe über meinen Sohn, der noch immer heulend auf dem Teppich sitzt, um die Eingangstür in „Luftlinie“ zu erreichen. Die Zeugen Jehova! Vermutlich entgeht den beiden Damen nicht, dass sich meine Augäpfel nach oben drehen, und ich lege endlich den Hörer an mein Ohr, um der Stimme, die leise krächzend zu mir dringt, Gehör zu verschaffen. Dabei bleibe ich in der offenen Tür stehen und starre durch die beiden Gläubigen hindurch, die darauf warten, zu Wort zu kommen. „Ja?“, seufze ich. Meine Mutter. „Entschuldigen Sie!“, sagt die eine Dame und versucht, mich am Oberarm zu berühren. Ich weiche zurück. „Nein, Mama, habe ich noch nicht“, sage ich und runzelte die Stirn. Aus dem Wohnzimmer wird das Gebrüll lauter. Sehen diese Damen nicht, dass ich absolut keine Zeit habe, um mit ihnen ein Pläuschchen zu halten? Die Dame greift wieder nach mir, und ich weiche abermals einen Schritt zurück. Das geht nun wirklich zu weit! „Haben Sie etwas auf dem Herd stehen?“, vernehme ich wie durch einen Nebel. „Ja, Mama, ich werde es machen, sobald ich kann.“ Die zweite Dame hebt schnuppernd den Kopf. Mein Kleiner brüllt noch lauter. Ich überlege einen Augenblick, ob ich die Tür einfach zuknallen soll, doch das erlaubt meine gute Erziehung nicht. Meine Augen wandern zwischen den beiden Frauen hin und her, die sehr nervös zu sein scheinen und sich gegenseitig immer wieder ansehen. „Nein, Mama, jetzt kann ich nicht weg. Lass und später telefonieren“, sage ich und meine Stimme macht sich bereit, den einen Satz zu sprechen, der mich von dem Gespräch befreit. „Sie, da brennt was!“, ruft nun die jüngere der beiden Frauen und rüttelt an dem Arm, der das Telefon hält. Ich sehe sie wütend an und begreife nur ganz langsam die Worte, die zwischen uns verhallen. Sie schnuppert abermals auffällig und deutet mit dem Finger an meinem Kopf vorbei ins Wohnzimmer. „So, Mama, ich muss jetzt, … ja, dann“, stottere ich. „Mein Kuchen!“ Jetzt sind die Worte in meinem Gehirn angelangt. Die beiden Damen lasse ich stehen, springe wieder mit einem großen Satz über mein Kind, das gerade im Begriff ist, auf seine wackeligen Beine zu kommen, streife ihn an der Schulter und stoße ihn zu Boden, was einen erneuten Schreianfall rechtfertigt. Kennen Sie solche Szenen? Dann fühlen Sie sich von mir verstanden. Sie haben mein ganzes Mitgefühl.   Die Schule: Wo alles beginnt. Meine schulische Laufbahn war nicht großartig, aber auch nicht auffällig. In der Volksschule saß ich in der ersten Reihe, weil ich mit Abstand die jüngste und kleinste Schülerin war. Diskriminierend fand ich den Turnunterricht, bei dem wir uns in „Stirnreihe“ aufzustellen hatten, was meinen Selbstwert ordentlich untergrub. In Selbstmitleid versunken sah ich zu Gabi auf, die die Horde immer leiten durfte und mindestens eineinhalb Köpfe größer war als ich. Automatisch fühlte ich mich als Versagerin im Turnunterricht. Ich war das Letzte. Ich war sozusagen das Allerletzte. Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich in den Pausen nicht oft mit den anderen herumtollte, die „normal“ und nicht zu klein waren. Ich suchte mir eine andere Beschäftigung. Ich schrieb. Ich schrieb kleine Geschichten, über kleine Hasen, kleine Zwerge, kleine Pferd und kleine Schafe… mit einem kleinen Bleistift. Das war meine kleine Welt. Zuhause sah alles anders aus. Meine jüngere Schwester wuchs mir zwar auch bald über den Kopf, aber darunter litt ich seltsamerweise nicht. Auch kann ich mich nicht daran erinnern, dass jemand über meine Körpergröße abfällige Bemerkungen machte. Es war schlichtweg der Turnunterricht, der mir gefühlsmäßig den Stempel „Mangelware“ aufdrückte, obwohl ich schon mit elf Jahren ein großes Pferd unter Kontrolle hatte und mit ihm über die Wiesen galoppierte. Später im Gymnasium, fest davon überzeugt, dass ich nach wie vor im Turnunterricht zu nichts taugte, freundete ich mich mit einem Mädchen an, das Sport absolut nicht leiden konnte. Somit hatte ich eine Verbündete, die zwar in Mathematik ein Genie war, mich aber nicht wegen meiner Größe und Unfähigkeit zum Sport hänselte. Im Unterricht war ich ein Mitläufer, der nicht gut war, aber – außer in Mathematik – keine größeren Schwierigkeiten hatte. Später wechselte ich in die Handelsakademie und wurde auch im Sport besser, was wahrscheinlich daran lag, dass es nun auch andere Mädchen gab, die nicht größer waren als ich und in deren Gegenwart ich mich endlich nicht mehr missraten fühlte. Nur wer mit leuchtenden Augen sein Wissen weitergibt ist ein guter Lehrer und wird bei seinen Schülern Begeisterung auslösen. Unverständnis erntete ich von Jungs, denen ich erzählte, dass ich mich schon in den Ferien wie verrückt auf den Schulbeginn freute, einfach nur deshalb, weil wir neue Bücher bekamen. Mein Ältester verzog das Gesicht und sah mich an, als käme ich vom Mond. „Wie? Warum? Was ist toll an neuen Schulbüchern?“, wollte er wissen. So viel Unverständnis traf mich unvorbereitet. Was bitte war daran nicht zu verstehen? „Weil ich es nicht erwarten konnte die neuen Bücher aufzuschlagen und daran zu riechen. Bücher riechen so unheimlich gut!“, sagte ich und sah ihn erwartungsvoll an. Jetzt musste er mich doch verstehen! Beinahe angewidert schüttelte er den Kopf und drehte sich von mir weg. „Mama, du bist nicht ganz normal“, murmelte er und ich merkte, dass wir von verschiedenen Planeten kamen, obwohl ich ihn geboren hatte. Die Matura, also das Abitur, an der Handelsakademie war eine Herausforderung, die ich ohne größere Mühe bestand, und meine Eltern waren stolz auf mich. Nun sollte ein neuer Lebensabschnitt beginnen: Die Vorbereitung auf mein Leben als Geschäftsfrau. Ich ging nach Wien und absolvierte das Kolleg für Starkstromtechnik, was mich nun schulisch an meine Grenzen führte. Mein technisches Verständnis schlug schon in Mathematik Kapriolen und wurde auch nicht besser, als ich in der HTL mit Formeln und himmellangen Berechnungen zu tun hatte. Ich musste Umspannwerke und Generatoren berechnen, beschäftigte mich mit Frequenzen, Induktionen, Transistoren, Transformatoren, Stromwandlern und so weiter. Bis heute weiß ich nicht, wie ich es anstellte auch hier meine Matura zu absolvieren - mit einer kleinen Extrarunde - aber immerhin. Die Schulzeit ist die erste Tretmühle, mit der wir in unserem Leben in Berührung kommen. Wir sind mittendrin und können nicht entfliehen, wenn wir das erreichen wollen, was wir uns vorgenommen haben. Schulabbrecher sind junge Menschen, denen der...



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