Kessler | Im Secret Service | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Kessler Im Secret Service

Die Leibwächter der US-Präsidenten packen aus
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86413-051-9
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Leibwächter der US-Präsidenten packen aus

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-86413-051-9
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nie zuvor wurde das Schweigen gebrochen, das den Secret Service bislang umgab - diese Einheit von Eliteagenten, die den US-Präsidenten und seine Familie unter Einsatz des eigenen Lebens beschützen. Der mehrfach preisgekrönte Journalist und Bestsellerautor Ronald Kessler hat exklusive Interviews mit über hundert ehemaligen und jetzigen Agenten des Secret Service geführt und enthüllt in diesem Buch zum ersten Mal ihre Geheimnisse.

Ronald Kessler ist Autor der New York Times-Bestseller The Terrorist Watch,The Bureau, Inside the White House und The CIA at War. Der frühere Reporter der Washington Post und des Wall Street Journal wurde 16-mal für seine journalistischen Arbeiten ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Frau in Potomac, im US-Bundesstaat Maryland.
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1 Supervise


Noch bevor er seinen Amtseid geleistet hatte, gab es bereits Verschwörungen, Abraham Lincoln zu entführen oder zu töten. Während der gesamten Zeit des Bürgerkriegs erhielt er Drohbriefe. Doch wie die meisten Präsidenten nach ihm legte Lincoln keinen besonderen Wert auf eine persönliche Bewachung. Den Bemühungen seiner Freunde, der Polizei und des Militärs, ihm Schutz zu gewähren, widersetzte er sich. Erst gegen Ende des Kriegs stimmte er dem Vorschlag zu, dass ihm vier Polizeioffiziere als Leibwächter dienen sollten.

Am 14. April 1865 erfuhr John Wilkes Booth, ein fanatischer Anhänger der Konföderierten, dass Lincoln sich am gleichen Abend ein Schauspiel im Ford’s Theatre ansehen würde. Als Leibwächter des Präsidenten war Wachtmeister John F. Parker von der Washingtoner Polizei im Dienst. Statt vor der Loge des Präsidenten Wache zu halten, entfernte sich Parker, um das Theaterstück zu verfolgen, und ging dann in eine nahe gelegene Bar, um einen Drink zu nehmen. Infolge dieser Nachlässigkeit war Lincoln ungeschützt wie jeder beliebige Bürger.

Kurz nach 22.00 Uhr machte sich Booth auf zu Lincolns Loge, schlich hinein und schoss ihm in den Hinterkopf. Der Präsident starb am nächsten Morgen.

Trotz dieser Erfahrung wurde die Bewachung der Präsidenten fortan allenfalls punktuell organisiert. Für einen kurzen Zeitraum nach dem Bürgerkrieg stellte das Kriegsministerium Soldaten ab, die das Weiße Haus und dessen Außenanlagen beschützen sollten. Bei besonderen Gelegenheiten halfen Beamte der Washingtoner Polizei, die Ordnung aufrechtzuerhalten, und hielten Menschen davon ab, sich in größeren Gruppen zu versammeln. Doch das ständige Einsatzkommando von vier Polizisten, das während der Amtszeit Lincolns zum Schutz des Präsidenten abkommandiert war, wurde auf drei Mann reduziert. Diese Beamten beschützten nur das Weiße Haus und erhielten keine spezielle Ausbildung.

So war Präsident James A. Garfield unbewacht, als er am Morgen des 2. Juli 1881 durch einen Wartesaal des Baltimore-and-Potomac-Bahnhofs zu einem Zug ging. Da trat Charles J. Guiteau aus der Menge hervor und schoss dem Präsidenten zunächst in den Arm, dann aber verhängnisvollerweise auch noch in den Rücken. Es hieß, Guiteau sei bitter enttäuscht gewesen, dass Garfield seine Bitten, ihn zum Konsul in Europa zu ernennen, ignoriert hatte.

Alexander Graham Bell, der Erfinder des Telefons, versuchte, die Kugel im Rücken des Präsidenten mit einem elektrischen Detektor aufzuspüren, den er erfunden hatte. Das Gerät hatte bei Tests zwar funktioniert, es gelang aber nicht, die Kugel zu orten. Auch alle weiteren Bemühungen blieben vergebens. Am 19. September 1881 erlag Garfield seinen Verletzungen.

Zwar schockierte dieser Mord die Nation, doch es wurden keinerlei Maßnahmen zum Schutz des nächsten Präsidenten Chester A. Arthur eingeleitet. Der Widerstand dagegen lässt sich auf die ewig ungelöste Frage reduzieren, wie die Notwendigkeit, die politische Führung des Landes zu beschützen, mit dem Bedürfnis der Politiker in Einklang gebracht werden kann, sich unter die Bürger zu mischen und so den Kontakt mit dem Volk nicht zu verlieren.

Tatsächlich warnte die New York Tribune nach der Ermordung Garfields vor einer Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen. Die Zeitung schrieb, das Land wolle keinen Präsidenten, der »Sklave seines Amtes und Gefangener von Auflagen und Beschränkungen ist«.

Diese Diskrepanz zwischen Offenheit und Schutzbedürfnis lässt sich schon bei der Gestaltung des Weißen Hauses ausmachen. Es sollte, nach den von George Washington prinzipiell genehmigten ursprünglichen Plänen von Pierre L’Enfant, ein »Präsidentenpalast« werden. Das Gebäude war fünfmal größer konzipiert als das schließlich errichtete, denn die republikanische Opposition unter Thomas Jefferson diskreditierte den Entwurf der Föderalisten als unpassend für eine Demokratie. Kritiker witterten »Royalismus«, einen von Höflingen und Wächtern umgebenen Präsidenten mit dem gesamten Drumherum wie bei der britischen Monarchie.

Um das Problem zu lösen, schlug Jefferson Präsident Washington vor, die Regierungszentrale solle in einem nationalen Wettbewerb entschieden werden. Washington billigte den Plan und akzeptierte schließlich einen Entwurf des Architekten James Hoban. Am 13. Oktober 1792 legten Arbeiter den Grundstein. Nachdem das Gebäude 1814 einen Anstrich aus weißer Tünche erhalten hatte, nannten die Bürger es fortan das Weiße Haus.

In Anbetracht der beiden miteinander zu vereinbarenden Ziele von Offenheit und Sicherheit überrascht es nicht, dass sich ein Secret Service erst im Nachhinein mit dem Schutz des Präsidenten befasste. Die Behörde nahm ihren Dienst am 5. Juli 1865 als Abteilung des Finanzministeriums auf, sie sollte Geldfälscher aufspüren und dingfest machen. Man schätzt, dass damals ein Drittel der Banknoten des Landes gefälscht waren. Einzelne Staaten der Union gaben ihre eigenen Noten heraus, die von 1600 Staatsbanken gedruckt wurden. Niemand wusste so recht, wie jeweils ein echter Geldschein der einzelnen Staaten aussah.

Ironischerweise war die Unterzeichnung des Gesetzes zur Einrichtung des Secret Service die letzte Amtshandlung Abraham Lincolns. Erster Chef des Geheimdienstes war William P. Wood, ein Veteran des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges, Freund des Kriegsministers Edwin Stanton und Direktor des Old-Capitol-Gefängnisses.

Einer der ersten Gangster, auf die der Secret Service angesetzt wurde, William R. Brockway, fälschte Tausend-Dollar-Schatzbriefe so perfekt, dass sogar das Finanzministerium 75 Stück davon einlöste. Direktor Wood persönlich machte Brockway in New York, wo er unter einem Pseudonym lebte, ausfindig. Der »König der Fälscher« wurde verurteilt und ins Gefängnis gesteckt. Um 1867 hatte der Secret Service die Falschmünzerei weitgehend unter Kontrolle gebracht und war von der Presse mit Beifall bedacht worden.

»Berufsverbrecher lassen sich höchst ungern vom Secret Service ins Visier nehmen«, meinte die Zeitung Philadelphia Telegram, »denn dann werden sie mit einer Entschlossenheit gejagt, die so unbarmherzig ist wie der Tod und ein Ende nur mit dem Tod oder einer Verhaftung findet.«

Nach diesen Erfolgen billigte der Kongress dem Secret Service die weiterreichende Befugnis zu, auch andere Verbrechen, einschließlich Machenschaften gegen den Staat, zu verfolgen. 1894 ermittelte der Secret Service in Colorado gegen eine Gruppe von »Spielern, Anarchisten oder Sonderlingen aus dem Westen«, die sich verschworen haben sollten, Präsident Grover Cleveland zu ermorden. Die Behörde überschritt ihre Befugnisse und teilte Cleveland zwei Mann, die in der Sache ermittelt hatten, als Leibwächter zu. Eine Weile lang fuhren die beiden Agenten in einer Kutsche hinter der des Präsidenten her. Doch nachdem politische Opponenten Cleveland dafür kritisiert hatten, erklärte er den Agenten, er wolle ihre Hilfe nicht.

Als die Zahl der an den Präsidenten gerichteten Drohbriefe zunahm, überzeugte Clevelands Frau ihren Gatten, die Bewachung des Weißen Hauses zu verstärken. Statt drei wurden für diesen Zweck nun 27 Polizisten eingesetzt. 1894 erweiterte der Secret Service diese Bewachung, indem er bei Bedarf, auch bei Reisen des Präsidenten, formlos Agenten zuteilte.

Dem nächsten Präsidenten, William McKinley, nutzte das nichts. Im Gegensatz zu Lincoln und Garfield stand McKinley unter Bewachung, als Leon F. Czolgosz am 6. September 1901 auf ihn schoss. McKinley war an jenem Tag auf einem Empfang im »Tempel der Musik« der Panamerikanischen Ausstellung in Buffalo, New York. Zwischen zwei Spalieren von Polizisten und Soldaten wurden lange Schlangen von Bürgern durchgelassen, die dem Präsidenten die Hand schütteln durften. Als der 28-jährige selbst ernannte Anarchist sich anstellte und mit einer unter einem Taschentuch versteckten Pistole zweimal auf den Präsidenten schoss, standen zwei Agenten kaum einen Meter von McKinley entfernt. Die Kugeln trafen Brust und Magen des Präsidenten, acht Tage später starb er an einer Blutvergiftung.

Dennoch wurde erst im folgenden Jahr dem Secret Service offiziell die Verantwortung übertragen, den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu beschützen. Eine gesetzliche Regelung stand allerdings immer noch aus. Der Kongress stellte dann zwar 1906 ausdrücklich Mittel für diesen Zweck zur Verfügung, gewährte diese Zuteilung aber nur von Jahr zu Jahr und im Rahmen des Gesetzes für diverse zivile Ausgaben.

Als die Schutzmaßnahmen ausgeweitet wurden, schrieb Präsident Theodore Roosevelt an Senator Henry Cabot Lodge, er betrachte den Secret Service »als einen sehr kleinen, aber sehr notwendigen Dorn im Fleische. Natürlich«, so Roosevelt weiter, »wäre er dabei ganz hilfreich, einen Anschlag auf mein Leben zu verhindern. Ich glaube aber nicht, dass eine solche Gefahr besteht, und falls ja, gilt, was Lincoln sagte: ›Auch wenn es sicherer für den Präsidenten wäre, in einem Käfig zu leben, so würde das doch die Erfüllung seiner Aufgaben beeinträchtigen.‹«

Gescheiterte Mordanschläge gab es am 30. Januar 1835 auf Präsident Andrew Jackson, am 14. Oktober 1912 auf Expräsident Theodore Roosevelt und am 15. Februar 1933 – noch bevor er seinen Amtseid geleistet hatte – auf Franklin D. Roosevelt. Obgleich der Kongress weiterhin darüber...


Ronald Kessler ist Autor der New York Times-Bestseller The Terrorist Watch,The Bureau, Inside the White House und The CIA at War. Der frühere Reporter der Washington Post und des Wall Street Journal wurde 16-mal für seine journalistischen Arbeiten ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Frau in Potomac, im US-Bundesstaat Maryland.



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