Khorram | Darius der Große verdient mehr | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Khorram Darius der Große verdient mehr

Young Adult vom Feinsten: Der queere Bestseller aus den USA
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95762-281-5
Verlag: Lago
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Young Adult vom Feinsten: Der queere Bestseller aus den USA

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-95762-281-5
Verlag: Lago
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Darius scheint das große Los gezogen zu haben: Er ist mit seinem ersten Freund Landon zusammen, spielt in der Fußballmannschaft und hat einen Praktikumsplatz in seinem Lieblingsteeladen. Seit seiner Reise in den Iran versteht er sich auch mit seinem Vater viel besser und sein bester Freund Sohrab ist jederzeit über Skype erreichbar. Darius hat seinen Platz gefunden und sein Leben ist okay. Doch ist »okay« alles, was er vom Leben erwarten darf? Vielleicht gibt es noch mehr ... Der zweite Band der Darius-der-Große-Serie macht Mut, das eigene Leben immer wieder neu zu entwerfen und sich zu fragen: Bin ich glücklich?

Adib Khorram lebt in Kansas City, Missouri. Wenn er gerade nicht schreibt (oder seinem Tagesjob als Grafikdesigner nachgeht), versucht er, seinen Schwimmrekord zu brechen, zu lernen, wie man einen Lutz springt oder er macht sich einfach eine Tasse Oolong-Tee ziehen.
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DIE SCHÖPFUNGSGESCHICHTE


Der erste Schnitt ist immer der schwierigste.

»Bist du bereit?«

Ich sah Mikaela im Spiegel in die Augen.

»Jep.«

Die Haarschneidemaschine erwachte summend zum Leben und brummte an meinem Ohr, während sie die Zähne durch die Haare an meinem Hinterkopf schob. Die Locken fielen zu Boden und kitzelten mich im Nacken.

Es war Tradition beim Chapel Hill Highschool Männerfußballteam (Go Chargers!), sich vor dem ersten Spiel der Saison die Haare schneiden zu lassen. Das sollte den Gemeinschaftsgeist des Teams stärken.

Ich musste allerdings an dem Sonntag, als alle anderen ihre neuen Haarschnitte bekamen, bei Rose City Teas sein, wo ich ein Praktikum machte. Ich hatte deshalb einen separaten Termin ausgemacht.

Es war mein erster Haarschnitt seit zwei Jahren.

»Wie hoch soll ich dir den Nacken ausrasieren?«, fragte Mikaela, als sie sich meinen Ohren näherte.

Landon hatte mir Mikaela empfohlen. Sie war wunderschön mit ihrer braunen Haut, den makellosen Flechtzöpfen und dem strahlendsten Lächeln, das ich je gesehen hatte.

Ich zuckte mit den Schultern, aber ich war mir nicht sicher, ob sie das unter dem Plastikumhang sehen konnte. »Ich weiß nicht«, sagte ich. »Was meinst du, was am besten aussehen würde?«

Sie schaltete die Haarschneidemaschine aus und sah mich für einen Moment im Spiegel an. »Bei dir könnte man wahrscheinlich höher schneiden. Um diese schönen Locken am Oberkopf zur Geltung zu bringen.«

»Okay.«

Ich entspannte mich und ließ sie meinen Kopf hin und her drehen, während sie erst mit der Haarschneidemaschine und dann mit einer Schere arbeitete. Als sie fertig war, brachte mich Mikaela zur Haarwaschstation. Ich schätze, die war nicht für große Leute gemacht: Ich musste meinen Hintern an die vordere Kante des Sessels schieben, damit mein Kopf auf der Höhe des Waschbeckens war. Sie wusch meine Haare und massierte meine Kopfhaut (was so ziemlich das Schönste war, was ich je gefühlt hatte), entfernte all die juckenden Haare, und dann brachte sie mich zurück zum Stuhl für das Finish.

»Benutzt du Stylingprodukte?”

Ich schüttelte den Kopf.

Sie zog an einer meiner Locken – sie hatte an den oberen Haaren fast nichts gemacht, hatte sie nur etwas gestutzt – und drehte sie um ihren Finger.

»Landon hat erzählt, du bist … Inder?«

»Iraner. Zur Hälfte.«

»Sorry.« Sie ließ die Locke fallen. »Du glücklicher Junge.«

Meine Wangen erwärmten sich.

»Danke.«

Mikaela drückte etwas, das nach Kokosnuss roch, in ihre Hände und massierte es in meine Haare. Es machte sie etwas glänzender, aber sie blieben weich. Sie nahm eine letzte Locke von ganz vorn und zog sie in Richtung meiner Stirn, wo sie wie ein kleines Fragezeichen herabbaumelte.

»Fertig.«

Ich betrachtete mich im Spiegel. Statt meines üblichen unordentlichen Heiligenscheins hatte ich einen riesigen Haufen Locken auf dem Kopf, aber an den Seiten und am Hinterkopf ging das superkurze schwarze Haar direkt in meine Kopfhaut über.

Die Seiten meines Kopfes hatte ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen.

Ich hatte noch nie bemerkt, wie sehr meine Ohren abstanden.

»Es sieht super aus«, sagte ich, obwohl ich etwas besorgt war wegen der Ohren. »Wirklich.«

»Ja, auf jeden Fall«, sagte Mikaela. »Dann lass uns mal deine Rechnung fertigmachen.«

Landon wartete vorn auf mich. Als er mich sah, breitete sich ein großes, leicht albernes Lächeln auf seinem Gesicht aus.

»Wow.«

Ich lächelte und schaute nach unten, um den Klettverschluss meines Portemonnaies zu öffnen.

»Gefällt es dir?«

»Das tut es.«

Landons Hand berührte meine, und ich hob meinen Daumen, um sie einzufangen. Er verschränkte unsere Finger miteinander und führte mich aus der Glasschiebetür.

Es war einer dieser perfekten Herbsttage in Portland, an denen es warm genug war, dass man keinen Pulli tragen musste, aber kühl genug, dass es angenehm war, wenn man einen trug.

(Ich hatte meinen Kapuzenpulli an.)

»Ist Mikaela nicht die Beste?«

»Jep.« Ich drückte mein Ohr mit meiner linken Hand flach an den Kopf. »Mir war nicht bewusst, dass ich so riesige Ferengi-Ohren habe.«

»Deine Ohren sind süß.« Er hielt mich fest und stellte sich auf die Zehenspitzen, um mir einen Kuss auf die Wange zu geben. »Aber was ist ein Ferengi?«

Als Landon mich das erste Mal küsste, hatten wir Rose Citys am Abend zugesperrt und anschließend bei Northwest Dumplings gegessen, und ich war nervös, weil ich noch nie jemanden geküsst hatte. Außerdem hingen wir zu der Zeit bloß miteinander rum. Ich hatte nicht damit gerechnet, ihn zu küssen, weshalb ich die extrem unglückliche Entscheidung getroffen hatte, zu viele Zwiebeln zu essen.

Als Landon sich mir entgegenlehnte, dachte ich, ich hätte vielleicht etwas zwischen den Zähnen. Ich hatte niemals gedacht, jemand wie er würde jemanden wie mich küssen wollen.

Aber dann nahm er meine Hand. Und er sagte: »Hey. Kann ich dich küssen?«

Und ich war ein bisschen überrascht und erstaunt, weil ich Landon wirklich mochte, und ich wirklich gern wollte, dass er mich küsste.

Ich wollte meinen ersten Kuss mit Landon Edwards erleben.

Seine Lippen waren warm und weich, und er ließ sie einen Augenblick auf meinen liegen. Dann machte ich den Fehler zu seufzen, womit ich eine üble Zwiebelwolke in seinen Mund blies.

Er unterbrach den Kuss und kicherte.

Zuerst bekam ich Panik – ich dachte, ich hätte alles vermasselt –, aber er lächelte mich an. Er drückte meine Hand und sagte: »Das war gut. Trotz der Zwiebeln. Können wir das noch mal machen?«

Also taten wir das, und das Küssen wurde sogar noch besser, als wir begannen, unsere Zungen zu benutzen.

Mein Lieblingsmoment war, als Landon mich anschließend ansah und sagte: »Du bist schön, weißt du das?«

Niemals zuvor hatte mich jemand schön genannt.

»Du bist auch schön.«

Seitdem traf ich bessere Essensentscheidungen. Und hatte immer Minztabletten in meiner Umhängetasche.

»Beeil dich, die Straßenbahn kommt jeden Augenblick.«

Aber dann, als wir um die Ecke bogen, blieb mir fast das Herz stehen.

Chip Cusumano und Trent Bolger liefen die Straße hinunter, rempelten sich gegenseitig an und lachten über irgendetwas.

Cyprian Cusumano war der merkwürdigste Typ, den ich kannte. Früher war er irgendwie gemein zu mir gewesen, aber seit dem Ende der zehnten Klasse hatte er sich verändert und war netter geworden.

Eigentlich waren wir sogar Freunde geworden.

Ich meine, es half, dass wir beide im Herrenteam der Chapel Hill Highschool spielten (Go Chargers!). Für uns beide war es das erste Jahr im Team – Chip hatte im Herbst noch Football gespielt –, aber wir hatten es beide geschafft, einen Platz in der Schulmannschaft zu bekommen.

Trent Bolger wiederum war der fieseste Typ, den ich kannte. Er hackte seit der Grundschule auf mir herum.

Und trotzdem, aus irgendeinem merkwürdigen Grund – irgendeiner mittelalterlichen Logik, die sich jeglicher Erklärung entzog – waren Chip und Trent beste Freunde.

Landon musste bemerkt haben, wie sich meine Schultern versteiften, denn seine Schritte kamen aus dem Rhythmus. Genau in diesem Moment sah Chip von seinem Handy auf.

Er sah von mir zu Landon, dann auf unsere miteinander verwobenen Hände und dann wieder zurück zu mir.

Chip wusste, dass ich schwul war – das ganze Team wusste es, seitdem ich es ihnen bei einem unserer Teambuilding-Treffen erzählt hatte, als das Training im Sommer wieder begonnen hatte –, aber ich war ziemlich sicher, dass Trent es nicht gewusst hatte.

Genau genommen konnte ich sicher davon ausgehen, dass Trent es nicht gewusst hatte, denn als er mich und Landon sah, sah er aus, als ob plötzlich Weihnachten wäre.

»Kennst du diese Typen?«, fragte Landon.

»Jep. Aus der Schule. Ich spiele Fußball mit dem Größeren.«

Chip war über den Sommer mindestens zweieinhalb Zentimeter gewachsen. Er war jetzt fast so groß wie ich, und ich war im Sommer auf einen Meter neunzig hochgeschossen.

Ich hoffte ein bisschen, dass ich irgendwann noch eins dreiundneunzig erreichen würde.

»Hey, Darius.« Chip grinste mich an. Cyprian Cusumano war einer von diesen Typen, die immer zu grinsen schienen. Er trug schwarze Adidas-Jogginghosen – die gleichen wie ich, mit den weißen Streifen an den Seiten und an den Waden enger werdenden Hosenbeinen – und ein einfaches weißes T-Shirt mit V-Ausschnitt.

»Hey, Chip.«

»Schöne Frisur.«

»Danke. Du auch.«

Chip hatte immer eine gute Frisur. Er war ein Level-acht-Influencer an der Chapel Hill Highschool: Was für einen Haarschnitt er auch trug, ungefähr die Hälfte der Jungen in unserer Klasse liefen irgendwann mit einer Variation davon herum. Da er aktuell den Standard-Fußballteam-Fade trug – am Oberkopf länger, an den Seiten ausrasiert –, war ich mir nicht sicher, was die anderen tun würden.

»Oh. Chip, das ist mein –«

Die Sache war die, dass Landon und ich noch nicht darüber gesprochen hatten, ob wir offiziell zusammen waren. Auch wenn es sich so anfühlte, als ob wir es wären.

Wie fragte man einen Typ, ob man offiziell zusammen war?

»Das ist Landon. Landon, Chip. Und das ist Trent.«

Trent hielt sich etwas im Hintergrund und spielte mit seinem Handy herum. Er trug einen purpurfarbenen Trainingspullover, auf dem in großen Buchstaben ›CHHS-Football-Schulmannschaft‹ stand – er hatte es dieses Jahr endlich ins Schulteam geschafft – und schwarzen...


Khorram, Adib
Adib Khorram lebt in Kansas City, Missouri. Wenn er gerade nicht schreibt (oder seinem Tagesjob als Grafikdesigner nachgeht), versucht er, seinen Schwimmrekord zu brechen, zu lernen, wie man einen Lutz springt oder er macht sich einfach eine Tasse Oolong-Tee ziehen.

Adib Khorram lebt in Kansas City, Missouri. Wenn er gerade nicht schreibt (oder seinem Tagesjob als Grafikdesigner nachgeht), versucht er, seinen Schwimmrekord zu brechen, zu lernen, wie man einen Lutz springt oder er macht sich einfach eine Tasse Oolong-Tee ziehen.



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