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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 13, 368 Seiten

Reihe: Darmstadt-Krimis

Kibler Aschespur

Kriminalroman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-492-99987-8
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 13, 368 Seiten

Reihe: Darmstadt-Krimis

ISBN: 978-3-492-99987-8
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein versteckter Tresor, eine verschollene Erbin, ein Verbrechen mit Vergangenheit - der 13. Fall für Steffen Horndeich und die Darmstädter Kripo! Seit er vor zwei Jahren den Polizeidienst quittiert hat, arbeitet Steffen Horndeich als privater Ermittler. Dabei gerät er an einen Fall, der bald auch seine früheren Kollegen interessiert. Nach einem Brand wird in einem Haus ein versteckter Tresor gefunden. Darin: private Dokumente der Hausbesitzerin Maria Jimenez, die sich jedoch vor acht Jahren nach Spanien abgesetzt haben soll. Warum hat Maria die Dokumente nicht mitgenommen? Zusammen mit Leah Gabriely folgt Horndeich den Spuren der Frau und stößt auf weitere Ungereimtheiten. Ist die wohlhabende Maria einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Nach »Abendfrost« und »Zornesglut« folgt nun ein neuer packender Krimi der beliebten Darmstadtkrimi-Reihe von SPIEGEL-Bestsellerautor Michael Kibler! »Spannend, routiniert und mörderisch.« hr hessenschau

Michael Kibler, geboren 1963 in Heilbronn, ist heute leidenschaftlicher Darmstädter. Nach Studium und Promotion arbeitet er als Texter und Schriftsteller. Seit 2005 veröffentlicht er erfolgreiche Kriminalromane um die Darmstädter Ermittler Steffen Horndeich und Margot Hesgart. Mit »Sterbenszeit« erschien 2014 außerdem sein erster Krimi um den BKA-Hauptkommissar Lorenz Rasper.
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Mittwoch, 9. Juni


Was, um alles in der Welt, hatte dieser alte, schäbige Schuhkarton auf dem edlen Marmor der Küchentheke zu suchen?

Diese Frage stellte sich Steffen Horndeich seit nunmehr zwei Minuten.

Vor ihm stand eine dampfende Tasse Espresso. Ihm gegenüber eine weitere, allerdings derzeit herrenlose. Denn der Eigner des zweiten Espressos und Herr des Hauses versuchte gerade, telefonisch eine größere Katastrophe für seine Firma abzuwenden.

Frank Schröder leitete eine Malermeister-Firma – obwohl dieser Begriff nicht mehr angemessen war. In den vergangenen 20 Jahren hatte der Mann daraus einen Betrieb für die komplette Innenausstattung von Wohnhäusern und auch für jene von Gewerbeimmobilien geformt.

Den heutigen Vormittag hatte sich Frank Schröder freigenommen. Denn er wollte Steffen Horndeich um Rat bitten. Der sollte für ihn ein Konzept erarbeiten, wie Schröder das Einfamilienhaus, in dem er mit seiner Familie wohnte, sicherer machen könne. Einige Einbrüche in der Nachbarschaft im Darmstädter Komponistenviertel während der vergangenen Wochen hatten ihn zu diesem Schritt bewogen.

Kaum hatte Schröder die Espressi zubereitet, hatte sein Handy geklingelt. Er hatte auf das Display gesehen, die Augenbraue hochgezogen, dann die Schultern, und verkündet: »Sorry, da muss ich rangehen.«

Im Erdgeschoss des Hauses breitete sich eine großzügige Wohnküche in Richtung Flur aus – dorthin war Schröder verschwunden. Vom Flur aus führte eine Treppe in das Souterrain. Hier befand sich das Homeoffice von Frank Schröder, ähnlich wie bei Steffen Horndeich. Dessen Haus lag keine fünf Gehminuten von Schröders Domizil entfernt. Auch er hatte sein komplettes Souterrain seinem Geschäft gewidmet: zwei großzügige Räume, in denen sich die Detektei »Steffen Horndeich. Private Ermittlungen« befand.

Horndeich hörte Schröders Stimme trotz einer geschlossenen Tür und eines ganzen Stockwerks Abstand. Der Mann war außer sich und brüllte ins Telefon. Das wird sicher noch ein Weilchen dauern, dachte Horndeich. Und wenn er etwas in den vergangenen zwei Jahren gelernt hatte, dann, dass er eine solche Zeit des unverschuldeten Leerlaufs gnadenlos abrechnete.

Die Wohnküche war nach Horndeichs Geschmack eingerichtet: luftig, weit, sodass auch der massive Esstisch den Raum nicht erdrückte. Sofagarnitur und Couchtisch kamen, ebenso wie die Sessel, eher leichtfüßig daher. Ein paar Kunstdrucke zierten die Wände, eine jedoch war fast nahtlos bedeckt mit Familienfotos. Auf einem der Bilder war sogar Horndeichs Tochter Stefanie dabei, denn die ging mit Schröders Tochter Ilona in dieselbe Klasse.

Küche, Wohnbereich, Essbereich – alles war ausnehmend stilvoll eingerichtet. Nur diese Schuhschachtel auf der Küchentheke passte so überhaupt nicht ins Bild. Sie wirkte, als habe sie bereits ein beschwerliches Leben hinter sich. Sie hatte etwas aufopfernd aufbewahrt, bis ihre Seitenwände ausgebeult waren und die Ecken abgerundet, bis die Seitenflächen Knitterfalten aufwiesen und der Deckel an einer Kante leicht eingerissen war. Patina überzog die Pappe. Und die auf der Querseite aufgedruckten High Heels in einem faden Grau, das einmal silbern gewesen sein mochte, wirkten auf diesem Untergrund völlig deplatziert.

Horndeich schlürfte am Espresso. Erstens konnte er ihn jetzt noch genießen, bevor er kalt wurde. Zum anderen, und das war ein nicht zu unterschätzender Effekt, beschäftigte er seine Finger. Denn die musste er nachdrücklich im Zaum halten. Sie drängten in Richtung Schachtel, wollten den Deckel anheben, wollten ihr ihr süßes Geheimnis entreißen. Nur ganz kurz. Nur einen halben Zentimeter, nur mal eben reinlinsen.

Neugier war eine Berufskrankheit. Bis vor zwei Jahren hatte Steffen Horndeich bei der Mordkommission in Darmstadt gearbeitet – und er war gut gewesen in seinem Job. Zunächst gemeinsam mit seiner Kollegin Margot Hesgart, später dann mit ihrer Nachfolgerin Leah Gabriely, hatte er dafür gesorgt, dass die bösen Jungs und Mädels hinter Gittern landeten. Zweimal hatte er sich in dieser Zeit eine Kugel eingefangen. Beide Male hatte nur wenig gefehlt, um seine Frau Sandra zur Witwe und seine Kinder Stefanie, Alexander und die kleine Antje zu Halbwaisen zu machen. Danach hatte er beschlossen, sich einen Job in ruhigeren Gefilden zu suchen. Seine frühere Kollegin Margot hatte sich vor wenigen Jahren selbstständig gemacht, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Nick. Die beiden betrieben seither eine Beratungsfirma für Sicherheitstechnik. Margot hatte Horndeich darauf angesprochen, dass einige ihrer Kunden auch nach Privatermittlern fragten. Und so hatte Horndeich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt.

Die Espressotasse war leer, doch aus dem Souterrain tönte immer noch Schröders Stimme. Der Mann blaffte unablässig. Es handelte sich bei dem Telefonat eher um einen Monolog als um einen Dialog mit dem Ziel einer konstruktiven Problemlösung …

Horndeich sah sich abermals um. Schaute aus dem Fenster. Hätte es in dem Raum ein Bücherregal gegeben oder eines mit CDs, wäre er jetzt aufgestanden und hätte die literarischen und musikalischen Schätze begutachtet. Aber außer einem großen Flachbildschirm und ein paar Hi-Fi-Komponenten gab es nichts zu bestaunen. Horndeich hatte sein Smartphone nicht mitgenommen. Und so war ihm – langweilig. Ein Zustand, den er kaum kannte und den er, wenn er denn einmal eintrat, nicht mochte. Und der der Zurückhaltung in Sachen Schuhkarton nicht eben förderlich war.

Schröders Stimme klang immer noch aus der Unterwelt, und so warf Horndeich einen schnellen, kurzen Blick unter den Deckel. Der Karton war prall gefüllt mit Kontoauszügen der Sparkasse Darmstadt. Ab und an ragte ein kleines Pappkärtchen heraus, auf dem eine Jahreszahl vermerkt war. Es waren elf an der Zahl, beschriftet von 2003 bis 2013. Horndeichs rechter Zeigefinger konnte nicht umhin, eines der Kärtchen zu sich heranzuziehen und den Namen des Kontoinhabers auf dem dahinterliegenden Auszug zu lesen. Es war eine Kontoinhaberin: Maria Jimenez.

Horndeich bemerkte, dass er nichts mehr hörte. Er zog die Hand aus dem Schuhkarton und platzierte den Deckel wieder in der ursprünglichen Position.

Horndeich überlegte: Jimenez – den Namen hatte er schon einmal gelesen oder gehört. Er erinnerte sich, dass es zu der Zeit gewesen sein musste, als er noch gemeinsam mit Margot bei der Darmstädter Polizei gearbeitet hatte. Jimenez – da klingelte ein Glöckchen, aber nur ganz leise und aus weiter Ferne.

Eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken: »Entschuldigen Sie, Herr Horndeich, es ist so schwer, heute gutes Fachpersonal zu bekommen.« Schröder sah auf seine Armbanduhr, eine Smartwatch.

Horndeich hatte sich nie dazu durchringen können, dem flachen digitalen Quälgeist in der Innentasche des Jacketts noch einen weiteren am Armgelenk hinzuzufügen. Sein linkes Handgelenk zierte eine Omega Speedmaster, die ihm seine Frau vor Jahren geschenkt hatte und die er fast so sehr liebte wie die ihn Beschenkende.

»Gehen wir durchs Haus. In 30 Minuten kommt der Vermieter, dann kann ich mit ihm gleich besprechen, was ich hier installieren möchte. Also, lassen Sie mich an Ihrem Fachwissen teilhaben.«

Horndeich schätzte eine effiziente Arbeitsweise durchaus. Aber wie ein Reitpferd mit Sporen durchs Haus getrieben zu werden und innerhalb von Minuten ein fundiertes Konzept zu entwickeln oder zumindest solide Ratschläge zu geben, das war eher nicht sein Ding. Aber: Der Kunde war König.

Und so führte Schröder ihn im Schnelldurchlauf durch das Souterrain mit zwei Keller- und zwei Büroräumen, dann durch das Erdgeschoss, dessen Wohnküche er ja schon kannte, aber die beiden weiteren Zimmer noch nicht. Das eine war Abstellkammer und Bügelraum, das andere Lese- und Gästezimmer. Hier fanden sich die zuvor vermissten Regale voller Bücher. Zudem befand sich gleich neben der Eingangstür noch ein Gäste-WC mit Dusche. Das Stockwerk darüber lag bereits unterm Dach. Die beiden Kinderzimmer, das Schlafzimmer und auch das sehr großzügige Badezimmer waren in der Raumhöhe zum Teil durch die Dachschrägen begrenzt.

»Und?«, wollte Frank Schröder bereits an dieser Stelle ein Fazit kredenzt bekommen.

»Ich muss mir noch die...



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