Kibler | Bunkermädchen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 190 mm

Kibler Bunkermädchen

(Darmstadt-Krimis 17) Kriminalroman | Packender Krimi mit dem beliebten Ermittler Horndeich
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-95542-534-0
Verlag: Societäts-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

(Darmstadt-Krimis 17) Kriminalroman | Packender Krimi mit dem beliebten Ermittler Horndeich

E-Book, Deutsch, 400 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 190 mm

ISBN: 978-3-95542-534-0
Verlag: Societäts-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Vor 40 Jahren wurde die 24-jährige Charlotte Fries neben einem Weltkriegsbunker auf einem ehemaligen Eisenbahngelände in Darmstadt ermordet aufgefunden. Fünf Menschen hausten damals illegal in demBunker - doch weder die möglichen Zeugen noch der Mörder selbst wurden je aufgespürt. Der Cold Case fällt in der Gegenwart zufällig Privatdetektiv Steffen Horndeich in den Schoß, der gemeinsam mit seiner Partnerin Jana Welzer zu graben beginnt. Schnell werden sie in einen Strudel von Ereignissen gezogen, die den damaligen Mord in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen. Können Horndeich und Jana nach vier Jahrzehnten die Identität des Mörders doch noch aufdecken?

Michael Kibler wurde 1963 in Heilbronn geboren und ist Darmstädter aus Leidenschaft. Er studierte an der Goethe-Universität Frankfurt. Schreiben ist seine Passion, weshalb er als Texter, Schriftsteller und PR-Profi arbeitet. Schwerpunkt des Schriftstellers sind Krimis.
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Samstag, 3. Mai


Prost«, sagte Margot Hesgart und hob das Weinglas.

Steffen Horndeich tat es ihr nach und sie stießen an. Nicht zum ersten Mal in dieser Nacht. Im Kamin prasselte das Feuer, Margot hatte vor einer Viertelstunde nochmals drei Scheite nachgelegt. Auf dem Couchtisch standen zehn weitere leere Gläser. Privatdetektiv Steffen Horndeich, einstmals Mordermittler der Darmstädter Polizei, und seine ehemalige Kollegin waren die letzten Übriggebliebenen der kleinen Feier in Margots Haus in Lichtenberg. Bis vor elf Jahren hatten die beiden gemeinsam Mörder gejagt, bevor Margot den Dienst bei der Polizei quittiert hatte. Horndeich hatte es ihr fünf Jahre später nachgetan.

»Vor genau zwei Wochen war Hitlers Geburtstag«, sagte sie.

Horndeich runzelte die Stirn. »Wie bitte?«

»Ja. Am 20. April. Wäre dann 136 Jahre alt geworden.«

»Wie kommst du denn jetzt darauf? Und wieso weißt du so was?«

Horndeich sah auf seine Uhr. Eine Omega Speedmaster. Das Modell zeigte Viertel nach zwei. Doch Horndeich war nicht müde. Kurz nach Mitternacht waren die letzten Gäste gegangen, zehn Minuten später hatte sich Margots Mann Nick ebenfalls in Richtung Schlafzimmer verabschiedet. Horndeichs Frau Sandra war mit anderen Gästen ins dreißig Kilometer entfernte Darmstadt gefahren, um den Babysitter abzulösen. Seitdem saßen Margot und Horndeich auf der Couch vor dem Kamin. Es kam Horndeich vor, dass er seine ehemalige Kollegin und, ja, eigentlich wirklich eine Freundin, viel zu selten sah. Und so genoss er diese vertraute Stunde sehr.

Um 19 Uhr hatte die kleine Veranstaltung begonnen. Margot und ihr Mann hatten das achtjährige Bestehen des gemeinsamen Unternehmens »Hesgart & Peckhard« gefeiert – ein kleines Beratungsunternehmen für Sicherheitstechnik. Er hatte über den Abend verteilt ein paar Gläser Wein getrunken, würde auch nicht mehr nach Hause fahren. In ihrem Haus in Lichtenberg im Odenwald hatten Margot und Nick zwei Gästezimmer eingerichtet.

»Ich muss gerade an Charlotte Fries denken.«

»Wer ist Charlotte Fries? Und was hat sie mit Hitlers Geburtstag zu tun?« Horndeich merkte, dass der Wein bei Margot ein paar mentale Spuren hinterlassen hatte. Er selbst hielt sich bereits seit zwei Stunden am selben Glas Wein fest – er musste ja noch nach Hause fahren.

»Charlotte Fries war auch auf der Viktoriaschule. Wir waren damals zusammen in der Theater-AG. Und sie hatte auch am 20. April Geburtstag. Allerdings 74 Jahre danach. Und unser Geschichtslehrer – der auch die AG geleitet hat – der hatte zu den Geburtstagen der Schüler immer ein geschichtliches Ereignis parat. Charlotte hat damals angefangen zu heulen, als er ihr sagte, dass sie sich den Geburtstag ausgerechnet mit Hitler teilte. Seitdem hat er das nicht mehr gemacht. Ich hab ihr dann noch zugeflüstert, dass Joan Miró, also der spanische Maler, auch an dem Tag geboren wurde. Hat sie aber nicht wirklich getröstet. Kannte Miró wahrscheinlich nicht …«

Horndeich dachte kurz nach.

Er erinnerte sich an keinen einzigen Geburtstag ehemaliger Mitschüler. Lag vielleicht auch daran, dass er die Schulzeit eher verdrängte. Klar, an Louis erinnerte er sich, auch an Peter. Aber deren Geburtstage? Er hatte keine Ahnung. »Und? Habt ihr noch Kontakt?«

Margots Blick wirkte für einen kurzen Moment fast wütend. Dann sagte sie: »Das geht schlecht. Charlotte lebt nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Dir sagt der Name nichts?«

Horndeich schüttelte den Kopf.

»Na ja, bis vor einer Woche hab ich auch Ewigkeiten nicht mehr an sie gedacht. Genau genommen nicht mehr, seit ich von der Polizei weg bin. Da hatte ich mir ihren Fall noch mal angeschaut.«

»Ihren Fall?« Horndeich kramte in seinem Gedächtnis. Aber nein, bei dem Namen klingelte zunächst kein Glöckchen.

»Sie ist 1985 umgebracht worden. Drei Jahre nach ihrem Abi. Fünf nach meinem.«

Zu dieser Zeit hatte Horndeich noch gar nicht in Darmstadt gewohnt. »Und was hat letzte Woche die Erinnerung hervorgeholt?«

»Mein Abi-Treffen. 45 Jahre. Wenn ich mich bis dahin noch nicht alt gefühlt hatte – seit diesem Abend hat sich das definitiv geändert. Aber lassen wir das Thema. Warst du mal auf irgendeinem Klassentreffen?«

Horndeich hatte in seinem Leben an keinem einzigen teilgenommen. Er wusste nicht einmal, ob irgendjemand ein solches für einen Jahrgang, den er besucht hatte, je organisiert hatte. Vor drei Jahren hatte seine Frau Sandra einmal ein Klassentreffen besucht – und daraufhin dann einen Stalker am Hals gehabt, der sie später auch noch erpresst hatte. Nein, auf das Thema Klassentreffen war Horndeich wahrlich nicht gut zu sprechen.

Margot deutete Horndeichs Schweigen offenbar zutreffend als Nein und sprach weiter: »Thorsten war auch da.«

Horndeich hatte keine Ahnung, wer Thorsten war. Aber offensichtlich hatte der irgendetwas mit der toten Charlotte zu tun.

»Er hat tatsächlich einen aus dem Bunker gekannt.«

Margot war in ihren Gedanken ziemlich weit abgedriftet. Horndeich hatte keine Chance mehr, ihr zu folgen. »Thorsten? Bunker? Margot, wovon sprichst du?«

Margot sah ihn an. »Sorry. Magst du die Geschichte hören?«

»Klar, schieß los.«

»Charlotte und ich waren noch bis kurz vor meinem Abi 1980 in der Theater-AG. Obwohl sie zwei Jahre jünger war, haben wir uns gut verstanden. Und im Januar 1985 war sie ermordet worden. Erdrosselt. Ging damals durch die hessischen Medien. Sie lag neben einem der Bunker auf der Knell. Du weißt, das damalige Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn.«

Horndeich kramte in seinem Gedächtnis. Klar, in Darmstadt, westlich der Frankfurter Straße. Ein Gelände so groß wie zwölf Fußballfelder des Böllenfalltor-Stadions. Das Einzige, was von dem ehemaligen Bahn-Werk noch übrig war, waren die beiden Bunker und der Wasserturm. Direkt neben dem Wasserturm hatte das Hightech-Unternehmen ISRA Vision seine neue Firmenzentrale gebaut. Horndeich war unbegreiflich, wieso das Gebäude so nah an den Turm gebaut worden war. Betrachtete man es positiv, konnte man unterstellen, dass das Gebäude den Turm vor Wetterunbill von Westen her beschützen wolle. Doch Horndeich kam es eher so vor, als rücke der Koloss aus Stahl und Beton dem Turm einfach nur auf die Pelle. Außerdem hatte die Entega, der Energieversorger der Region, auf dem Gelände einen Standort.

Früher war auf dem Grundstück ein Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn angesiedelt. Waggons waren hier repariert worden, vom Radsatz bis zum Dach. Horndeich hatte sogar ein Luftbild im Kopf. Ein Darmstädter Autorenduo hatte vor wenigen Jahren ein Buch über die verschwundenen Orte Darmstadts veröffentlicht. Darin war die »Knell«, wie die Darmstädter das Gelände nannten, auch aufgeführt gewesen. Inklusive der beiden Bunker. Es handelte sich um zwei Hochbunker der Bauart Winkel. Auf Horndeich wirkten sie immer wie überdimensionierte Gartenzwerge aus Beton, die man vergessen hatte, bunt anzustreichen. 42 Gleise hatte das Werk gehabt. Komisch, wie man sich an solche Nebensächlichkeiten erinnern konnte.

»Man hat den Mord damals nicht aufklären können. Als ich dann bei der Mordkommission war – das war, bevor du dazu gestoßen bist –, da habe ich mir den Fall noch mal zur Brust genommen. Das war im Jahr 2000. Erst da habe ich dann auch die Tatortfotos gesehen. Es war das erste Mal, dass ich daran gezweifelt habe, ob ich den richtigen Beruf ergriffen habe. Es gab noch ein paar Asservate, unter anderem ihr Halstuch. Habe das alles untersuchen lassen. Und am Halstuch hat man tatsächlich die DNA vom Täter gefunden. Gab aber keinen Treffer in der Datenbank.«

Margot hielt inne. Jetzt, da sie davon berichtete, erinnerte sich Horndeich vage, von diesem Fall auch schon einmal gehört zu haben. »Und was hat das alles mit dem Bunker und diesem Thorsten zu tun?«

»Es waren zwei Bunker, also, es sind zwei. Sie standen damals ganz am Rand des Werks. Umgeben von Brombeerbüschen. Diesseits und jenseits des Werkszauns. Aber zwischen den Sträuchern war ein Trampelpfad zum Bunkereingang. Auf beiden Seiten der Zäune gezimmerte Holztreppchen. An der Tür des Bunkers ein Vorhängeschloss. Als die damaligen Kollegen es geöffnet hatten, staunten sie nicht schlecht: Im Bunker fanden sich fünf Schlafplätze, offensichtlich von Obdachlosen. Inklusive weiterer Utensilien wie etwa einem kleinen 2-Platten-Herd. Aber natürlich war keiner von den Bewohnern anwesend. Und es hat sich danach auch niemand bei der Polizei gemeldet.«

Wieder hielt Margot inne, wieder musste Horndeich den Erzählfluss manuell in Gang bringen: »Thorsten?«

Margot lächelte Horndeich an, hob nochmals das Glas, nahm einen weiteren Schluck und sagte dann: »Die Akte Charlotte Fries war sehr dünn. Keine Zeugen und der Tatort ohne echte Spuren. Eine Winternacht, in der es nur geschifft hatte. Und im Umfeld der Toten überhaupt keine Ermittlungsansätze. Keine bekannten Ex-Freunde, keine verschmähten Liebhaber – da war so überhaupt nichts gewesen. Und dann sprach mich Thorsten vergangene Woche auf dem Klassentreffen an. Ob denn der Mord an Charlotte jemals geklärt worden sei. Er hatte mit Charlotte Abi gemacht.«

»Moment – du sagtest, Charlotte habe 82 Abi gemacht. Wieso ist Thorsten dann auf eurem 80er-Abitreffen mit dabei?«

»Thorsten war ein Pechvogel. Am Tag, als er die zweite Abiprüfung geschrieben hatte, da ist er abends mit seinem Fünfziger-Motorrad vor dem Böllenfalltor aus der Kurve geflogen. Er lag sechs Monate im Krankenhaus, auch der Kopf hatte etwas abgekriegt. Er musste quasi wieder...


Kibler, Michael
Michael Kibler wurde 1963 in Heilbronn geboren und ist Darmstädter aus Leidenschaft. Er studierte an der Goethe-Universität Frankfurt. Schreiben ist seine Passion, weshalb er als Texter, Schriftsteller und PR-Profi arbeitet. Schwerpunkt des Schriftstellers sind Krimis.



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