Kibler | Todesfahrt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 336 Seiten

Reihe: Darmstadt-Krimis

Kibler Todesfahrt

Kriminalroman
11001. Auflage 2011
ISBN: 978-3-492-95391-7
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 5, 336 Seiten

Reihe: Darmstadt-Krimis

ISBN: 978-3-492-95391-7
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als in einem Wald bei Darmstadt die Leiche des Amerikaners William Fishkin auftaucht, stehen die Kommissare Steffen Horndeich und Margot Hesgart vor einem Rätsel: Warum wurde der Mann erschlagen? Und weshalb hielt er sich überhaupt in Deutschland auf? Bald stellt sich heraus, dass Fishkin als Privatdetektiv arbeitete, sein letzter Aufenthalt in Hessen jedoch war rein privater Natur - er war auf der Suche nach seinem Erzeuger. Obwohl dieser seine Vaterschaft gleich anerkannte, schien irgendetwas nicht zu stimmen. Denn warum hat Fishkin sich sonst bei der amerikanischen Polizei nach mysteriösen Todesfällen vor vierzig Jahren erkundigt? Allmählich kommen Horndeich und Hesgart einem düsteren Geheimnis auf die Spur, dessen Kenntnis fatale Auswirkungen hat ...

Michael Kibler, geboren 1963 in Heilbronn, ist heute leidenschaftlicher Darmstädter. Nach Studium und Promotion arbeitet er als Texter und Schriftsteller. Seit 2005 veröffentlicht er erfolgreiche Kriminalromane um die Darmstädter Ermittler Steffen Horndeich und Margot Hesgart. Mit »Sterbenszeit« erschien 2014 außerdem sein erster Krimi um den BKA-Hauptkommissar Lorenz Rasper.
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DONNERSTAG, 9. DEZEMBER

16.00 Uhr

Der Tisch war festlich gedeckt. Die Kerzen im silbernen Leuchter verströmten warmes Licht.

Das war’s dann aber auch schon mit der Wärme, dachte Margot Hesgart, während sie lächelnd sagte: »Danke.« Evelyn hatte ihr gerade Kaffee nachgeschenkt.

Evelyn Hartmann, nein, Professor Dr. Evelyn Hartmann feierte an diesem zehnten Dezember ihren sechzigsten Geburtstag. Und sie hatte eine bescheidene Tafel gedeckt. Für sich und ihren Freund Freddy. Für Margot und Rainer. Und für Sebastian Rossberg, Margots Vater. Seit dreieinhalb Jahren war der nun schon mit Dr. Evelyn liiert.

Margot Hesgart, achtundvierzig Jahre alt, Hauptkommissarin bei der Darmstädter Mordkommission, wollte sich nicht in das Privatleben ihres Vaters einmischen. Aber seitdem er mit seiner ehemaligen Lateinlehrerin verbandelt war, war das Band zwischen Margot und ihrem Vater etwas ausgeleiert.

Margots Mann Rainer schien mit der Dame keinerlei Probleme zu haben. Sie schenkte ihm ebenfalls Kaffee ein, er parierte mit einem Bonmot, das weit über Margots simples »Danke« hinausging, und Evelyn schenkte ihnen allen eine weitere Kostprobe ihres perlenden Lachens.

Hilfe, dachte Margot Hesgart, kann mich hier nicht irgendwer rausholen?

Aus den Boxen klang die Stimme von Sofia Karlsson, der neuesten musikalischen Entdeckung ihres Vaters. Sie sang auf Schwedisch. Das Lied, hatte ihr Vater ihr vor Kurzem erklärt, sei die Vertonung eines Gedichts von Dan Andersson, einem bekannten schwedischen Dichter. Der besang darin, wie er auf die Frau seiner Träume wartete.

»Und du?«

Margot hatte keine Ahnung, was Rainer von ihr wollte, dann registrierte sie, dass alle am Tisch Sitzenden sie erwartungsvoll ansahen. Nur hatte sie keine Ahnung, worüber die gerade gesprochen hatten. Kann nicht jemand irgendwo in der Stadt einen Mord begehen?, dachte sie. Als Hauptkommissarin der Darmstädter Mordkommission wäre sie dann unabkömmlich.

»Nun, so und so«, sagte sie. Damit konnte sie nicht grundsätzlich falschliegen.

»Das meinst du nicht ernst, oder?«, fragte ihr Vater. Und Margot spürte Aggression in sich aufsteigen. Sie hatte keine Ahnung, worüber sich die Meute gerade austauschte. Sie wollte es auch gar nicht wissen. An diesem Tag war der Sechzigste von Fräulein Oberschlau. Aber gestern war der Geburtstag von Margots Mutter gewesen. Nicht der sechzigste, sondern der siebzigste. Den sie leider nicht mehr feiern konnte, weil sie bereits seit mehr als fünfzehn Jahren tot war. Aber das schien keinen außer ihr zu kümmern. Auch ihren Vater nicht, der nach drei Jahren immer noch den devot verliebten Gockel gab.

»Doch, das meine ich verdammt ernst«, fauchte sie, obwohl sie überhaupt nicht wusste, worüber gesprochen wurde.

Daraufhin sah auch Rainer sie entsetzt an.

Verdammt, wie kam sie aus der Nummer nur wieder raus?

Der rettende Engel machte sich mit dem Klingelton ihres Handys bemerkbar. »Cool Cops« ertönte – aus dem Album »Culture Vultures« von Orson, eine Melodie, die sie ausschließlich ihrem Assistenten Steffen Horndeich zugewiesen hatte.

»Sorry«, murmelte sie. »Dienstlich.« Sie verließ den Raum.

»Margot, entschuldige, dass ich dich beim Geburtstagskaffee störe«, hörte sie Horndeich sagen, nachdem sie den Anruf entgegengenommen und sich gemeldet hatte.

»Kein Problem«, sagte sie. »Was gibt’s?«

»Wir haben hier einen Mord. Du solltest herkommen, wenn du es irgendwie einrichten kannst.«

»Schon gut, ich bin gleich da und … Äh, wo soll ich hinkommen?«

»Kennst du das Traisaer Hüttchen? Im Wald zwischen Lichtwiese und Traisa. An der Eisenbahnbrücke.«

»Bin schon unterwegs.«

»Prima. Ist verzwickt. Denn der Tote ist nicht aus Darmstadt. Also, eigentlich schon.«

Margot verstand nur Bahnhof.

»Nicht unser Darmstadt«, erläuterte Horndeich, »sondern eins in den USA. Wusstest du, dass die uns den Namen geklaut haben?«

Wusste Margot nicht. War ihr aber im Moment auch völlig egal. Viele Leichenfunde hatten sie in ihrem Leben schon aus dem Alltag gerissen. Sie war mitten in der Nacht zu Tatorten gerufen worden, wenn sie sich gerade mit Rainer geliebt hatte. Oder sonntags, nach einer Runde Badminton mit ihrer Freundin Cora, während sie unter der Dusche stand. Nett, dass sich dieser Tote ausnahmsweise mal hatte finden lassen, als sie es sich geradezu herbeigesehnt hatte, zu einem Tatort gerufen zu werden.

»Ich bin in zehn Minuten da«, versprach sie und beendete das Gespräch.

Sie ging zurück ins Wohnzimmer. Vier Gesichter starrten sie an. Auch Freddy, der schwule Freund von Evelyn, den die schon seit über vierzig Jahren kannte und von dem sich Margot inständig wünschte, Evelyn hätte ihn zur Heterosexualität missionieren können und wäre dann bei ihm geblieben.

»Ich muss dann mal«, sagte Margot, sich augenblicklich der unglücklichen Formulierung bewusst werdend. »Ich komme so schnell heim, wie es geht«, fügte sie noch hinzu, gab ihrem verdutzten Mann Rainer einen Kuss auf den Mund, dann huschte sie aus dem Wohnzimmer, durch den Flur und durchs Treppenhaus, und mit jedem Meter, den sie zwischen sich und Evelyn brachte, konnte sie freier atmen. Bezeichnete man die Lebensgefährtin des Vaters, wenn man die vierzig hinter sich gelassen hatte – weit hinter sich gelassen hatte –, eigentlich noch als Stiefmutter?

Niemals!, dachte Margot und lief in Richtung ihres Wagens. Fünf Minuten Fußmarsch. Die Begriffe »Parkplatz« und »Papas Wohnung« waren zwei Termini, die sich wie Nord und Süd abstießen, so weit sie nur konnten.

Margot drückte auf den Taster ihres Wagenschlüssels. Der Mini antwortete. Sie stieg ein. Gut, dass sie den BMW ihrem Sohn geschenkt hatte. Er hatte jetzt Familie und war froh um den Wagen gewesen. Sie fuhr einen feuerroten Mini-Clubman, den sie nun in Richtung Traisaer Wald lenkte.

Der kleine Platz vor dem Traisaer Hüttchen war zum Parkplatz mutiert. In stiller Eintracht standen dort zwei rote Chrysler Crossfire nebeneinander, ein untrügliches Anzeichen dafür, dass außer Horndeich auch der Gerichtsmediziner Martin Hinrich am Tatort eingetroffen war.

Margot stellte ihren Mini neben den beiden Sportwagen ab. Ein Kollege der Schutzpolizei, der sie erkannte, deutete in Richtung der Absperrung. Die war quer über die Brücke gespannt, unter der die Gleise der Odenwaldbahn verliefen.

Margot schlüpfte in einen weißen Einwegoverall und blaue Einwegüberschuhe aus Plastik, um keine falschen Spuren zu hinterlassen, dann duckte sie sich unter dem Absperrband hindurch. Die Kollegen wuselten alle in diesen weißen Overalls umher, die vor dem Schnee wie groteske Tarnkleidung wirkten. Das Zentrum der Ermittlungen war einfach auszumachen: Ein Plastikdach war über den Tatort gespannt, damit neuerlicher Schneefall nicht alle Spuren vernichtete.

Vorausschauend, dachte Margot und sah nach oben in den grauen Himmel. Die erste Flocke schmolz auf ihrer Nase, die nächste auf dem linken Augenlid. Die folgenden konnte sie nicht mehr zählen. Gleichzeitig setzte Wind ein. Wunderbar, dachte sie.

Sie entdeckte Kommissar Steffen Horndeich. Der zehn Jahre jüngere Kollege wurde von allen nur mit seinem Nachnamen gerufen. Er stand neben der Leiche. Hinrich, der Gerichtsmediziner aus Frankfurt, untersuchte sie. Auch Horndeich und Hinrich waren in weiße Overalls gehüllt, wobei Hinrich keine Bauchwölbung mehr vor sich hertrug. Seit der Kollege eine Freundin hatte, waren ein paar Pfunde gepurzelt, Opfer seiner Eitelkeit. Steht ihm aber gut, dachte Margot.

»Hi«, grüßte Horndeich seine Chefin. »Gut, dass du da bist. Ich hoffe, ich habe dich nicht aus dem Highlight deiner Familienfeier gerissen.«

Margot winkte ab. »Passt schon. Also?«

»William Fishkin. Trug zwar keine Brieftasche und auch kein Handy bei sich, aber wenn ihm jemand die Taschen leer geräumt hat, dann hat er das Etui mit den Visitenkarten übersehen. Offenbar US-amerikanischer Staatsbürger. Kommt aus Darmstadt, Indiana.«

»Ein Darmstadt in den USA?« Margot musste schmunzeln.

Kollege Ralf Marlock, den Margot zunächst gar nicht wahrgenommen hatte, schien ihre Frage als Stichwort für seinen Einsatz anzusehen. »Darmstadt in Indiana hat ungefähr eintausenddreihundert Einwohner. Liegt am südlichen Rand von Indiana. Und hat erst sechshundertdreiundvierzig Jahre nach unserem Darmstadt die Stadtrechte erhalten.«

»Woher wissen Sie das denn?«, wunderte sich Margot.

»Aus so einem kleinen Stadtführer.«

»Und wann hat unser Darmstadt die Stadtrechte erhalten?«, fragte Margot.

Marlock zuckte die Schultern.

Tja, so ist das mit fundiertem Halbwissen, dachte Margot.

Horndeich stand seinem Kollegen bei. »Sechshundertdreiundvierzig Jahre vor dem amerikanischen Darmstadt.« Dann fuhr er fort: »Der Tote hatte sonst keinerlei Dinge bei sich, die uns etwas darüber sagen könnten, woher er kam und wo er hier in der Gegend abgestiegen ist. Keine Schlüssel, nichts.«

Margot besah sich den Toten. Die rechte Seite des Gesichts war blutverschmiert. Offensichtlich war er auf den Grenzstein gefallen, einen Wacker von der Größe eines Lastwagenrads, an dem die Gebiete von Darmstadt, Mühltal und Roßdorf endeten. Oder Ober-Ramstadt? Sie hätte näher herantreten müssen, um die Inschrift lesen zu können, aber sie wollte Hinrich nicht im Weg stehen.

Abgesehen von dem Blut sah Fishkin sehr gepflegt aus. Der Mantel war aus Kaschmir. Der Anzug schien ebenfalls kein Modell von der Stange. Sollte sich ihr Rainer mal...



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