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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 12, 384 Seiten

Reihe: Darmstadt-Krimis

Kibler Zornesglut

Kriminalroman
19001. Auflage 2019
ISBN: 978-3-492-99508-5
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 12, 384 Seiten

Reihe: Darmstadt-Krimis

ISBN: 978-3-492-99508-5
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein besonders schwieirger Fall für die Darmstädter Kommissare Steffen Horndeich und Leah Gabriely! Ein Mann wird per Kopfschuss hingerichtet. Das Motiv liegt für die Kommissare Steffen Horndeich und Leah Gabriely auf der Hand: ein Rachemord im Drogenmilieu. Wenige Tage später wird jedoch eine junge Unternehmergattin mit derselben Waffe erschossen. Die Ermittlungen in Darmstadt laufen auf Hochtouren. Zahlreiche Indizien weisen plötzlich auf Horndeichs ehemalige Kollegin Margot Hesgart als Täterin hin. Und Margot hat kein Alibi. Nach einem weiteren Mord kommen sogar Steffen Horndeich Zweifel an der Unschuld seiner ehemaligen Kollegin und langjährigen Freundin. Doch was sollte ihr Motiv gewesen sein? Meisterhaft konstruiert und unglaublich spannend - Der zwölfte Band der Darmstadtkrimi-Reihe von SPIEGEL-Bestsellerautor Michael Kibler!

Michael Kibler, geboren 1963 in Heilbronn, ist heute leidenschaftlicher Darmstädter. Nach Studium und Promotion arbeitet er als Texter und Schriftsteller. Seit 2005 veröffentlicht er erfolgreiche Kriminalromane um die Darmstädter Ermittler Steffen Horndeich und Margot Hesgart. Mit »Sterbenszeit« erschien 2014 außerdem sein erster Krimi um den BKA-Hauptkommissar Lorenz Rasper.
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Dienstag, 21. Mai


Die Mordkommission war kaffeelos. Die semiprofessionelle Kaffeemaschine, der sich Leah Gabriely, ebenfalls Hauptkommissarin der Darmstädter Mordkommission, stets mit unendlicher Geduld widmete, hatte sich am Vortag mal wieder eine Auszeit genommen. Und der Service-Techniker war erst für morgen angekündigt. Umso mehr wunderte sich Leah, dass auf dem Flur in Richtung Besprechungsraum Kaffeeduft waberte.

Sie war bereits ein paar Minuten zu spät dran. Noch in der Nacht hatte Kollege Horndeich ihr eine Nachricht aufs Handy geschickt, dass man sich früh um acht treffen wolle, da in der Nacht in der Heinrich-Delp-Straße ein Mann erschossen worden war. Leah hatte das Handy auf lautlos gestellt, mit dem Display nach unten abgelegt, sodass sie die Benachrichtigung erst wahrgenommen hatte, als sie um halb acht, noch mit Handtuch-Turban und Bademantel bekleidet, das Smartphone zum ersten Mal an diesem Tag eines Blickes würdigte.

In Rekordgeschwindigkeit hatte sie sich zurechtgemacht, die Haare mehr gegrillt als geföhnt, den obligatorischen Dutt gesteckt, war in Wäsche, Rock und Bluse geschlüpft und um zehn vor acht bereit, um mit dem Wagen Richtung Präsidium zu fahren. Von ihrer Wohnung in der Heinrich-Fuhr-Straße aus war es egal, welchen Weg sie wählte – um diese Uhrzeit war die Strecke von knapp vier Kilometern kaum in unter zwanzig Minuten zu bewältigen.

Als sie nun die Tür zum Besprechungsraum öffnete, waren noch zwei Plätze frei. Mit einem Blick erfasste sie die Besetzung des Raumes: Steffen Horndeich, ihr Partner, neben ihm Richard Feller, der Computerexperte, Silvia Rauch von der Spurensicherung und Bernd Süllmeier, der Kollege von den Uniformierten. Und vor jedem stand ein Pappbecher mit Kaffee. Ein Schüsselchen mit Kondensmilchtöpfchen und verpackten Zuckerwürfeln stand ebenfalls auf dem Tisch. Sie setzte sich neben Richard Feller.

»Sorry, verschlafen«, murmelte Leah.

»Wir haben gerade erst angefangen«, erklärte Horndeich und sah Leah fragend an. Der Begriff verschlafen gehörte eigentlich nicht zu ihrem aktiven Wortschatz. »Also, ich fasse noch mal zusammen«, sagte Horndeich dann. »Heute Nacht um 22:40 Uhr wurde Markus Böhmer, neununddreißig Jahre alt, erschossen, als er gerade sein Grundstück betreten wollte. Seine Frau, Oksana Böhmer, rief die Polizei, die Aufzeichnung datiert das Gespräch mit der Einsatzzentrale auf 22:41 Uhr. Zwei Kollegen im Streifenwagen waren zwei Minuten später vor Ort, Bernd, der ebenfalls in der Nähe war, weitere zwei Minuten später. Ich selbst war um 22:55 Uhr am Tatort. Markus Böhmer hat drei Einschusswunden im Hinterkopf, die Austrittswunden im rechten Teil des Gesichts lassen sich nicht voneinander unterscheiden. Hinrich untersucht den Leichnam heute Vormittag in Frankfurt, am frühen Nachmittag sollten wir seinen Bericht haben.«

Leah hörte aufmerksam zu, für sie waren dies alles neue Informationen.

»Silvia, hast du schon irgendwas Neues für uns?«

Silvia Rauch klappte den Deckel ihres Tablet-Computers zurück und wischte wenige Male über das Glas. »Wir haben drei Patronenhülsen gefunden, alle 9 mm Luger. Und die Projektile. Und einen Blutstropfen.«

Leah sah, wie sich Horndeichs Augenbraue hob. Diese Botschaft war offensichtlich auch für ihn neu.

»Ein Blutstropfen?«, wiederholte er.

»Ja. Wir können natürlich nicht auf den Zentimeter genau sagen, wo der Schütze gestanden hat. Höchstwahrscheinlich, wenn man betrachtet, an welcher Stelle die Hülsen gelegen haben, auf dem Bürgersteig, unmittelbar in der Nähe der großen Eiche. Aber der Boden ist aus Asphalt, wir haben da keine Schuhabdrücke oder Ähnliches finden können. Der Blutstropfen könnte vom Täter stammen. Muss nicht, aber kann.«

»Und wie verliert man beim Schießen Blut?«, dachte Horndeich laut nach.

»Nasenbluten«, sagte Leah.

»Habt ihr schon die DNA des Blutes?«, wollte Horndeich wissen.

»Ist schon im Labor, die Ergebnisse sollten wir ebenfalls heute Nachmittag bekommen.«

»Richard, hast du schon was für uns?«

Richard Feller war der Älteste in der Runde, der sechzig inzwischen näher als der fünfzig. Wie auch Leah war er meistens der Erste, der durch die Bürotür ins Präsidium trat. Und oft auch der Letzte, der es verließ. Kollege Feller war der König der Recherche, jonglierte mit fünf Computermäusen gleichzeitig und war definitiv der Champion, wenn es darum ging, Informationen aus Bits und Bytes zu Erkenntnissen zu verknüpfen.

»Na ja, ich habe ja erst eine halbe Stunde recherchiert. Wie du schon sagtest, Markus Böhmer ist neununddreißig Jahre alt, seit vier Jahren verheiratet mit Oksana Böhmer, fünfundzwanzig. Er ist Unternehmer, hat eine Kette von Fitnessstudios hier im Raum Südhessen und Baden-Württemberg, insgesamt rund zwanzig Filialen, Tendenz steigend. Die beiden haben einen Sohn, Luc, drei Jahre alt. Böhmer ist bei uns kein Unbekannter. Immer wieder Anklagen wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz – also Drogen, und er hat auch schon wegen Körperverletzung gesessen, aber das ist schon ein paar Jahre her. Sein Bruder, Ulrich Böhmer, siebenunddreißig, hat auch schon dreimal eingesessen, Drogen, Hausfriedensbruch, Körperverletzung. Aber die letzte Verurteilung liegt ein paar Jahre zurück. Offensichtlich haben die beiden jungen Männer inzwischen auf den Pfad der Tugend gefunden. Das war das, was ich auf die Schnelle rausgefunden habe.«

Für eine halbe Stunde nicht schlecht, dachte Leah. Sie und Richard Feller waren vor zwei Jahren etwas enger befreundet gewesen. Man sagte Feller nach, dass er mit Menschen bei Weitem nicht so gut umgehen konnte wie mit seinen Rechnern – doch ihr war es nicht schwergefallen, einen Draht zu ihm zu finden. Was vielleicht auch daran lag, dass beide nicht zur Gruppe der Menschen gehörten, die ihr Innerstes nach außen kehrten. Sie waren nie ein Paar geworden, was sich Leah zugegebenermaßen selbst zuschreiben musste. Doch sie hatten sich immer mal wieder beim Italiener um die Ecke getroffen, denn Feller wohnte nur drei Häuser von Leah entfernt. Dann war sie mit Bruno zusammengekommen, den sie schon sehr lange zuvor gekannt hatte. Und auch Feller hatte offensichtlich sein Glück gefunden, bei einem Fall, den sie vor einem Jahr gemeinsam bearbeitet hatten. Nathalie Ankenbrand, so der Name der Glücklichen, arbeitete in einer Seniorenresidenz im Osten der Stadt. Seitdem beschränkte sich der Kontakt zwischen ihrem Kollegen und ihr nur noch aufs Dienstliche.

Horndeichs Stimme riss Leah aus ihren Gedanken. »Okay, Bernd, ihr habt euch noch ein wenig die Nacht um die Ohren geschlagen und die Nachbarn auf der Straße befragt. Ist dabei was rausgekommen?«

Bernd Süllmeier schlug ein Notizbuch auf, blätterte darin. »Die Aussagen der Nachbarn gleichen sich: Markus Böhmer ist kurz vor der Heirat mit seiner Frau in das Haus gezogen. Vor drei Jahren haben sie drinnen wohl einiges umgebaut. Aber wie genau es im Haus aussieht, das wusste keiner von ihnen. Sowohl Herr als auch Frau Böhmer waren freundlich, man hat sich gegrüßt, aber niemand hatte engeren Kontakt zu ihnen. Es kann sich auch keiner daran erinnern, dass sie im Sommer mal im Garten gefeiert hätten oder dass es an einem Wochenende etwas lauter gewesen war. Viel mehr haben wir nicht rausgefunden, aber wir werden die Nachbarn jetzt alle einzeln noch mal befragen.«

»Gut«, sagte Horndeich. »Dann werden wir mal die Aufgaben verteilen. Richard, du kümmerst dich darum, was das Netz so hergibt. Leah, ich würde dich bitten, noch mal mit Frau Böhmer zu sprechen, da war gestern Nacht nicht viel an Informationen zu bekommen.«

Während Horndeich sprach, hörten sie an der Tür ein lautes Klopfen. Ohne dass irgendjemand »Herein« gesagt hätte, öffnete sich die Tür, und ein Kollege trat ein, den Leah schon mehrfach gesehen, dessen Namen sie aber nicht parat hatte.

Horndeich warf ebenfalls einen kurzen Blick in die Richtung des Mannes und nickte ihm zu. Dann fuhr er fort: »Und ich werde mir diesen Bruder Ulrich Böhmer mal zur Brust nehmen.«

»Nein, das wirst du nicht«, sagte Mr Unbekannt.

»Marc, was machst du denn hier?«

»Ich bring euch jetzt mal auf den neuesten Stand. Und ihr werdet staunen.«

Der ungebetene Gast schaute sich im Raum um, entdeckte den einzigen freien Stuhl und setzte sich neben Süllmeier, Leah und Feller gegenüber. Der Kollege erinnerte Leah ein wenig an Kris Kristofferson – zu der Zeit, als der noch richtig sexy ausgesehen hatte und im Film Convoy einen Truck fuhr – zur guten alten Zeit, so vor vierzig Jahren, also kurz, nachdem sie selbst das Licht der Welt erblickt hatte. Auch er trug eine schwarze Mähne und Vollbart, der am Kinn bereits graue Strähnen zeigte. Im offensichtlichen Bemühen, cool zu wirken, hätte es Leah nicht gewundert, wenn er den Stuhl umgedreht und sich rittlings daraufgesetzt hätte.

»Für die, die mich nicht kennen: Mein Name ist Marc Herzog, und ich bin bei der SOKO Hollandkäse«, stellte sich der Unbekannte allen vor.

Sämtliche Blicke waren nun auf Herzog gerichtet. Der warf daraufhin die Tolle über der Stirn wieder in die richtige Position. Spätestens jetzt wirkte er auf Leah nicht mehr sexy, sondern nur noch affektiert.

»Ich kann euch die ganze Lebensgeschichte eures Mordopfers runterbeten«, setzte er zur Erklärung an. »Ebenso die seines Bruders, die der Schwester, der beiden Eltern, seiner Frau und ich glaube, ich habe auch irgendwo die Blutgruppe des Sohnes Luc notiert. Seit vier Jahren beschäftige ich mich mit kaum etwas anderem.«

»Deswegen sind die beiden in den vergangenen Jahren auch nicht mehr polizeilich aufgetaucht«, murmelte Feller.

Marc Herzog schnippte mit den...



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