King | Die letzte Königin - Das schlafende Feuer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 383 Seiten

Reihe: LYX.digital

King Die letzte Königin - Das schlafende Feuer


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7363-0921-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 383 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-7363-0921-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie kämpft für ihre Liebe und das Schicksal ihres Volkes!

Die achtzehnjährige Kalinda ist behütet bei der Heiligen Schwesternschaft aufgewachsen. Doch ein Besuch des Tyrannen Rajah Tarek reißt sie abrupt aus ihrem friedlichen Leben heraus. Sie soll die hundertste Ehefrau des Herrschers werden - ein Platz, den sie gegen die anderen Ehefrauen und Kurtisanen Tareks im Zweikampf verteidigen muss. Ihr einziger Trost in der feindseligen Welt des Hofes ist ihr junger Leibwächter Deven Naik. Ihn zu lieben ist ihr verboten, doch Kalinda begreift schon bald, dass sie niemals die Frau des grausamen Tarek sein kann. Ihre einzige Chance liegt in der verborgenen Macht, die tief in ihr schlummert ...

'Oh mein Gott, dieses Buch war genial! Emily R. King hat eine Welt voller Magie, Romantik und atemberaubender Kämpfe geschaffen.' TWO CHICKS ON BOOKS BLOG

Band 1 von 'Die letzte Königin'



Emily R. King ist in Kanada geboren, lebt aber inzwischen in den USA. Sie liebt Gummibärchen, ihre vier wundervollen Kinder und setzt sich für die Rettung der Haie ein. Sie lebt in Utah mit ihrer Familie und einer übellaunigen Katze.
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KAPITEL 1


Schneebedeckte Berge ragen in den aschgrauen Himmel, ihre kantigen Gipfel sind perlmuttfarben wie Wolfszähne. Der kalte Wind ist beißend auf meinen bloßen Wangen und ungeschützten Händen. Der eisige Innenhof des Tempels ist verwaist, keine der anderen Töchter und Schwestern, die hier wohnen, ist zu sehen. Nur meine beste Freundin ist bei mir.

»Schlag mich hierhin«, fordert Jaya mich auf und zeigt auf ihren Hals.

Ich lege die Stirn in Falten und umklammere die Bambusstange.

»Ich habe das schon tausendmal mitgemacht«, sagt sie. »Vertrau mir, Kalinda.«

Jaya ist die einzige Tochter im Tempel, der ich wirklich vertraue, also hole ich mit dem Stock aus und ziele auf ihre Halsschlagader. Sie packt den Stock mit beiden Händen und macht einen Satz zurück. Weil ich das andere Ende noch immer festhalte, werde ich mitgerissen, mache dabei eine leichte Drehung. Jaya zerrt an dem Stock, entreißt ihn mir und lässt das lange Ende auf meine Schulterblätter herabsausen. Der Schlag der Bambusstange erzeugt einen hohlen Knall, und ich sinke auf die Knie in den Schnee.

Jaya richtet sich zu ihrer vollen Größe auf. Sie ist einen Kopf kleiner als ich. »Du hättest loslassen sollen.«

Ich beiße die Zähne zusammen. Jaya ist nicht hämisch. Sie weiß, dass ich dieses Manöver meistern muss, eines von mehreren, die ich bereits beherrschen sollte und auch beherrschen würde, hätte ich nicht jahrelang in einem Krankenbett gelegen. Inzwischen geht es mir gut, auch wenn man es meinen Kampfkünsten nicht ansieht.

Ich stehe auf, und mein Rücken brennt beinahe genauso wie mein verletzter Stolz. »Noch mal.«

Jaya gibt mir die Stange und reibt sich die Hände, damit sie warm werden. Ich muss in einem meiner früheren Leben etwas Außergewöhnliches getan haben, dass mich die Götter mit solch einer Freundin belohnen. Sie harrt so lange hier draußen in der Kälte aus, wie ich möchte, den winterlichen Launen der Alpana-Berge ausgesetzt.

Ich schwinge den Stock erneut. Jaya packt ihn und zieht kräftig daran, ohne zu zögern oder ihre Kraft zu drosseln. Ich lasse nicht los, wir umklammern beide die Stange, stehen uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber, während sich unsere silbrigen Atemwölkchen in der froststarren Luft vermischen. Mein Verstand ist wie gelähmt. Ich kann mich daran erinnern, welches Buch ich zuletzt gelesen und was ich zuletzt gezeichnet habe, aber ich weiß nicht mehr, was ich als Nächstes tun soll.

»Dreh ihn ganz schnell und zieh«, hilft mir Jaya auf die Sprünge.

Ich drehe den Stock so schnell ich kann. Jayas Handgelenke können sich nicht mitdrehen, weshalb sie gezwungen ist, loszulassen. Endlich habe ich die Oberhand. Ich ramme ihr das kurze Ende der Stocks gegen die Brust. Sie kippt nach hinten und rutscht auf einem Stück Eis aus. Ich packe ihren Arm, bevor sie stürzt.

»Entschuldige«, sagte ich. »Ich hätte dich warnen sollen.«

»Ich hätte das Gleiche getan.« Jaya zieht einen Mundwinkel hoch. »Ich hätte dich fallen lassen.«

Das war nur gerecht. Ich darf morgen bei meiner ersten Eignungsprüfung nicht unvorbereitet sein, oder meine Gegnerinnen lachen mich aus dem Ring. Mit den jüngeren Mädchen auf Anfängerniveau zu trainieren und mich dann von ihnen schlagen zu lassen, war schon demütigend genug. Vor zwei Tagen habe ich dann endlich meinen Kampf gewonnen und bin in meine Altersgruppe aufgerückt, aber im Vergleich mit den anderen Achtzehnjährigen bin ich noch immer ziemlich unerfahren.

Ich streiche mir mit dem Handrücken über die Stirn und bin erleichtert, dass sie kühl ist. Seit Heilerin Baka ein Tonikum gebraut hat, das mein chronisches Fieber senkt, hat sich mein gesundheitlicher Zustand verbessert, doch ich muss viel nachholen und großes Geschick beweisen.

»Bereit für eine weitere Runde?«, frage ich.

Jaya streicht sich ihr tiefschwarzes Haar aus den Augen und nimmt mir die Stange aus der Hand. »Mal sehen, ob du mich diesmal aufhalten kannst«, sagt sie.

Ich grinse und nehme die Herausforderung an. Sie weiß, dass meine Stärke in der Abwehr liegt. Sie versucht, mein Selbstvertrauen als Zweikämpferin zu stärken, und bei Gott, ich liebe sie dafür.

Plötzlich ist ein Geräusch von der anderen Seite der hohen Tempelmauer zu hören, das wie das Rumpeln von Steinen klingt. Wir verharren reglos und spitzen die Ohren.

Jaya blickt mich durchdringend an. »Es kommen Wagen.«

Und das bedeutet, dass Besucher auf dem Weg zu uns sind. Genauer gesagt Männer. Ich lausche den Geräuschen, die sich nähern, noch aufmerksamer. Unzählige Geheimnisse umgeben unseren geschlechtlichen Gegenpart, doch ich bin eher neugierig als ängstlich. Ich schnappe mir meine Steinschleuder und gehe in Richtung Tor.

»Kali, warte!« Jaya zieht mich zurück. »Du darfst das Tempelgelände nicht allein verlassen.«

»Dann komm mit.«

Sie nagt an ihrer Unterlippe. Ich werfe einen Blick zum Tor. Viel Zeit haben wir nicht. Die Schwestern werden unser Fehlen bemerken und uns holen kommen. Der Tempel besitzt keine Fenster – damit wir die langen Winter durchstehen und um unsere Unschuld – oder unsere Unwissenheit – zu bewahren. Dies ist unsere erste und vielleicht letzte Gelegenheit, die Ankunft einer Reisegesellschaft zu sehen.

Jayas Blick schnellt zum Tor. »In Ordnung. Rasch.«

Wir reißen das Tor auf und flitzen zu einer Felszunge, von der aus man die Straße überblicken kann, die einzige Verbindung, die zum Samiya-Tempel führt. Ich ducke mich hinter einen der wenigen Büsche, während meine Sinne verrücktspielen. Jaya schließt sich mir an, sie zittert im eisigen Wind. Das stete Klappern schwillt an. Ich nehme einen Stein und spanne den Gummizug meiner Schleuder. Die Schwestern haben uns vor Bhutas gewarnt, die sich in den nahe gelegenen Höhlen verstecken. Niemand hat je diese bösen Teufel mit ihren dunklen Kräften gesehen, aber ich bin gern vorbereitet.

Eine Karawane kommt in Sicht, mit Waren beladene Wagen, die von Pferden gezogen werden. Mir knurrt der Magen. Die letzte Lebensmittellieferung ist drei Monate her.

Jaya stößt mich mit dem Ellbogen an. »Kali, sieh doch.«

Eine vergoldete Kutsche mit gerundetem Dach, die von einem Schimmelgespann gezogen wird, müht sich den holprigen Weg entlang. Die goldene Kutsche ist das Schönste, was ich je gesehen habe, doch ein eisiger Schauer durchfährt mich. Ich kann nicht erkennen, wer drinsitzt. Jemand aus dem Palast des Rajahs ist nach Samiya gekommen, und die Wohltäter machen die Reise aus dem Tal hier herauf nur aus einem Grund: um eine Forderung zu stellen.

Jaya zieht ein so finsteres Gesicht, dass sich ein Kranich auf ihrer Unterlippe niederlassen könnte. Ich bin von klein an in der Schwesternschaft des Parijana-Glaubens erzogen worden, doch sie wurde erst im Alter von acht Jahren in den Tempel gebracht. Nachdem sie mir von ihren schrecklichen Erinnerungen an ihr Leben davor erzählte, hatte ich tagelang Magenschmerzen.

Mehrere Reiter kommen in Sicht. Mein Herz pocht. Der Anführer ist am deutlichsten zu erkennen; er hat lange Beine und einen kastenförmigen, kräftigen Brustkorb. Er ist der erste Mann, den ich mit eigenen Augen sehe. Ich reiße sie auf, um alles in mich aufzusaugen. Er ist faszinierender als die Wandmalereien in der Kapelle des Himmelsgottes Anu und seines Sohnes Enlil, des Feuergottes. Ich möchte ihn gern aus der Nähe sehen.

Mit der schussbereiten Schleuder stehe ich auf, um eine bessere Sicht zu haben – und stehe vollständig im Sichtfeld von Priesterin Mita, der Oberin des Tempels, die uns hereinruft. Jaya gehorcht augenblicklich. Ich folge langsam und hoffe darauf, noch einen Blick auf den Anführer zu erhaschen, doch es ist zu spät, um sein Gesicht noch einmal zu sehen.

»Kalinda«, faucht die Priesterin.

Ich haste in den Innenhof. Jaya nimmt die beiden Blumentöpfe, die sie hinausgestellt hat, damit die Setzlinge ein wenig Sonne bekommen, und drückt sie an sich. Priesterin Mita scheucht uns durch den dunklen Tempeleingang. Rauchkringel, die nach Sandelholz riechen, steigen von den stets brennenden Räucherstäbchen auf, die im Gang aufgestellt sind, um den Modergeruch zu überdecken. Die Priesterin reicht uns angezündete Öllampen.

»Was habt ihr vor dem Tempel gemacht?« Obwohl sie eine kleine, gebeugte Frau ist, kann ihre Autorität einen Berg zum Erbeben bringen.

Ich wappne mich gegen ihren finsteren Blick. »Jaya hat mir dabei geholfen, für die Eignungsprüfungen zu trainieren.«

»Was habt ihr auf der Straße gesehen?«

»Nichts.«

Sie bläht ihre Nüstern. »Ist das wahr, Jaya?«

Jaya senkt den Blick. »Ja, Priesterin.«

Der Gesichtsausdruck der Priesterin entspannt sich. Sie glaubt Jaya eher als mir. Letztes Jahr erwischte mich die Priesterin dabei, wie ich unerlaubt den Nordturm betrat. Ich hatte genug von meiner Bettlägerigkeit, und ich schlich mich oft in das nur eingeschränkt zugängliche Observatorium, um frische Luft zu schnappen. Jahrelang schlich ich mich unbemerkt auf Zehenspitzen hinauf, bis sie mich eines Abends unverhofft auf der Treppe ertappte. Seither ist die Tür zum Turm abgeschlossen, und ihr Vertrauen zu mir hat Priesterin Mita gemeinsam mit dem Schlüssel weggesperrt.

»Geh zum Abendessen, Jaya«, befiehlt die Priesterin.

Meine Freundin schenkt mir einen zögerlichen Blick und geht, das Licht ihrer Lampe erhellt ihr den Weg den Gang entlang.

Priesterin Mita blickt mich durchdringend an. »Du weißt, dass es nicht erlaubt ist, den Tempelgrund zu verlassen,...



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