E-Book, Deutsch, 328 Seiten
King Hug it out
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-96089-661-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Haven Heart 2
E-Book, Deutsch, 328 Seiten
ISBN: 978-3-96089-661-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Riordan Darcy hat die letzten vierzehn Jahre damit verbracht, sich einen Namen als berüchtigter Auftragskiller zu machen. Er reist durch die Welt und tötet einige der schlimmsten Menschen, die die Menschheit zu bieten hat - und hinterlässt auf jedem Opfer seine Unterschrift. Riordan wird nach einem missglückten Auftrag immer unglücklicher und zieht sich von der Welt zurück. Er beschließt, aus dem Leben auszusteigen, in das er vor so langer Zeit gezwungen wurde. Als seine penetrante ältere Schwester ihm ein Geburtstagsgeschenk macht, das er unmöglich ablehnen kann, werden seine Pläne, aus dem kriminellen Leben auszusteigen, über den Haufen geworfen, denn er ist gezwungen, das Leben eines völlig Fremden zu schützen. Als Teddy Harris, professioneller 'Hugger' und TLC-Anbieter, einen einmonatigen Begleitvertrag angeboten bekommt, kann er nur schwer ablehnen. Tagsüber Hugger, nachts Videospielkritiker, treibt Teddy das Bedürfnis an, Menschen das Gefühl zu geben, geliebt und umsorgt zu werden. Als er Riordan Darcy kennenlernt, kollidieren berufliche Herausforderung und persönliche Versuchung, so dass es für ihn fast unmöglich ist, einen ganzen Monat mit dem umwerfenden, rätselhaften Mann auszuhalten, ohne sich Hals über Kopf zu verlieben. Als ein Maulwurf in Riordans Organisation entdeckt wird, sind auf einmal all die Menschen in Gefahr, die ihn umgeben. Die Zeit ist nicht auf ihrer Seite, und sie entdecken, dass Antworten nicht immer durch Umarmungen gefunden werden können, wenn jemand wild entschlossen ist, jeden einzelnen von ihnen zu eliminieren. Werden Riordan und Teddy lange genug überleben, um herauszufinden, dass sie sich längst ineinander verliebt haben?
Weitere Infos & Material
Kapitel Eins
Teddy
„Auf der linken Seite, Zach. Links. Das andere Links. Wieso siehst du die Gesundheit nicht? Sie ist neben dem Felsbrocken, der wie ein Elefant aussieht.“
„Oh, entschuldige, Teddy. Es ist die verdammte Beta-Version, die wir noch nie gespielt haben“, sagte Zach, ein Mitspieler, über mein Headset zu mir.
„Dann mach dir eine Notiz. Obwohl ich nicht glaube, dass Gesundheit in diesem Spiel offensichtlich sein soll.“ Ich zog es vor, wenn Spiele einfach zu verstehen waren, aber dieses machte es schwer.
„Und jetzt sind wir tot“, sagte er mit einem lauten Seufzer.
„Schon gut. Ich muss sowieso gehen.“ Ich nippte an meinem Slushy und begann, meine Konsole herunterzufahren.
„Ja, geh Leute umarmen.“ Sein Lachen brachte mich nur dazu, die Augen zu verdrehen. Wenn ich nicht gerade Spiele in der Beta testete, Rezensionen für sie auf meiner Website schrieb oder Strategieleitfäden verfasste, führte ich mein eigenes Unternehmen: Teddy Bear Hugs & Companionship. Zach hielt es für urkomisch, dass ich mit Menschen kuschelte und sie umsorgte.
„Wie auch immer, Zach. Ich muss gehen. Bis später.“ Ohne ein weiteres Wort trennte ich die Verbindung und begann, mich für meine Arbeit fertig zu machen.
Zuerst eine Dusche. Meine heutige Klientin war eine siebzigjährige Frau. Bei ihr war Brustkrebs diagnostiziert worden und sie lebte allein. Dreimal in der Woche ging ich zu ihr nach Hause, saß mit ihr zusammen und unterhielt mich mit ihr. Dann saßen wir auf der Couch und umarmten uns, während wir uns ihre täglichen Seifenopern ansahen.
Viele Menschen verstanden nicht, wie wichtig es ist, menschliche Interaktion und Berührung zu haben. Ich hatte dieses Unternehmen wegen meiner Großmutter gegründet.
Als mein Vater an einem plötzlichen Herzinfarkt starb, als ich zehn Jahre alt war, driftete meine Mutter irgendwie weg. Sie arbeitete mehr, reiste mehr, und ich sah sie immer weniger. Dann sah ich sie nur noch etwa zweimal im Jahr. Meine Großmutter, die Mutter meines Vaters, nahm mich sofort auf und überschüttete mich mit mehr Liebe, als jeder Junge verkraften konnte. Sie hat mich immer umarmt und war da, wenn ich eine Schulter brauchte.
Als ich einundzwanzig wurde, wurde sie krank. Krebs. Zwar überlebte sie, aber der Kampf hat ihr viel abverlangt. Wenn sie es brauchte, stellte ich sicher, dass ich all die Liebe, die sie mir gegeben hatte, erwiderte. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich dieses erstaunliche Gefühl mit anderen Menschen teilen wollte.
Als ich das meiner besten Freundin Delly erklärte, wollte sie mitmachen. Meine Mutter gab mir etwas Geld, das sie von der Lebensversicherung meines Vaters erhalten hatte, und damit gründete ich Teddy Bear Hugs & Companionship. Delly unterschrieb bei mir und fünf Jahre später waren wir zu viert.
Ich duschte, ließ das Aftershave und das Eau de Cologne aus und machte mich auf den Weg. Gerade hatte ich das Auto gestartet, als mein Telefon vibrierte. Die Nummer war mir unbekannt.
„Hallo, hier ist Teddy. Kann ich Ihnen helfen?“
„Oh, hallo, Teddy. Mein Mann hat mir deine Nummer gegeben und ich hatte gehofft, dass du mir helfen könntest“, sagte eine weibliche Stimme.
Ich schaltete den Anruf auf Lautsprecher und fuhr los.
„Darf ich fragen, wer Ihr Mann ist und wer Sie sind?“
„Ja! Sein Name ist Dr. Robert Banks. Ich bin seine Frau, Aisling Darcy-Banks.“
„Guten Tag, Mrs. Darcy-Banks. Ich weiß, wer Ihr Mann ist. Er ist der Leiter der Psychologie im Krankenhaus. Ich habe ihn ein paar Mal gesehen, als ich dort als Freiwilliger arbeitete. Ein sehr netter Mann. Ein oder zwei Mal habe ich sogar an einigen seiner Vorlesungen an der Universität teilgenommen.“
Ihr Lachen war sanft. „Das ist er. Aber ich rufe eigentlich wegen meines Bruders an … Verwirrt Sie das?“
„Ein bisschen, aber machen Sie weiter, ich komme schon hinterher.“ Ich achtete darauf, langsamer zu fahren, um dieser Dame etwas Zeit zu verschaffen. Sie schien nervös zu sein.
„Mein Bruder hat nächsten Monat Geburtstag. Er hat einen sehr stressigen Job. Leider weiß ich nicht wirklich, was er macht. Ich vermute, dass es sich um eine Spezialeinheit der Regierung oder so handelt, weil er nicht darüber sprechen kann. Jedenfalls wird er dreiunddreißig Jahre alt und ich glaube, dass kürzlich etwas wirklich Schlimmes bei einem Job passiert ist. Er hat sich zurückgezogen, ist deprimiert und kommt nicht zu Familienessen. So ist er normalerweise nicht. Also wollte ich einen professionellen Hugger und Begleiter für einen Monat für ihn engagieren.“
Nicht mal, wenn es einen Verlust jeglicher Art gab, wollte die Person in der Regel mehr als eine Woche. „Einen Monat? Vor Ort, meinen Sie?“
„Ich möchte, dass einen Monat lang jeden Tag jemand da ist.“ Aislings Stimme nahm einen autoritäreren Ton an.
„Als eine Art Mitbewohner?“ Ich fing an, darüber nachzudenken, wer in der Lage sein könnte, all diese Zeit zu investieren.
Sie summte zustimmend. „Ist das eine Option?“
„Das einzige Problem dabei ist die Tatsache, dass alle meine Mitarbeiter zahlreiche Kunden und Verpflichtungen haben. Sie müssten in der Lage sein, nach Belieben zu kommen und zu gehen, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden.“ Ich hatte einen Mitarbeiter, der übers Wochenende bei einem Kunden blieb, aber das war bis jetzt der längste Auftrag.
„Absolut, das verstehe ich vollkommen. Ich denke, das könnte ich dir überlassen.“ Es fühlte sich an, als ob sie etwas zurückhielt.
„Bevor wir weitermachen, Mrs. Darcy-Banks …“
„Aisling, bitte nenn mich Aisling.“
„Sicher. Dein Bruder, er ist damit einverstanden, dass jemand bei ihm lebt?“ Ich hatte schon mal mit Familienmitgliedern zu tun, die versucht hatten, uns zu engagieren, und die arme Delly musste sich dann mit einer wütenden Freundin auseinandersetzen. Seitdem hatte ich mir angewöhnt, vorher nachzufragen.
Die Stille war vielsagend. „Nun, er wird es sein, wenn ich ihm sage, dass es so ist. Überlass diesen Teil bitte mir.“
Ich konnte sehen, wie das Haus meiner Kundin näherkam, also musste ich den Anruf beenden.
„Dein Mann hat meine E-Mail-Adresse, da bin ich mir sicher. Wenn du mir Informationen über deinen Bruder schicken kannst, zum Beispiel, welche Art von Begleiter du suchst, kann ich sehen, was ich tun kann.“ Bis ich den Papierkram gelesen hatte, würde ich keine Entscheidung treffen.
„Ähm, ich hatte eigentlich gehofft, dass du sein Begleiter sein könntest. Ich weiß, dass du gesagt hast, dass du andere Mitarbeiter hast. Aber ich würde dich bevorzugen.“
„Warum ich?“ Sie kannte mich nicht einmal.
Als ich zehn Minuten vor dem Termin mein Ziel erreichte, konzentrierte ich mich ausschließlich auf Aisling und wollte unbedingt herausfinden, warum ich derjenige sein musste, der ihrem Bruder helfen sollte.
„Mein Mann erzählte mir, dass er gesehen hat, wie du erstaunliche Dinge getan hast, als wärst du ein Wundertäter. Genau das ist, was mein Bruder braucht. Geld spielt keine Rolle. Bitte, Teddy?“
Verdammt! Sie hat bitte gesagt. „Schicke mir alles per E-Mail und ich werde sehen, was ich tun kann. Wann soll ich anfangen?“
„Am ersten August.“
„Aisling, weder ich noch einer meiner Angestellten wird einen Fuß auf das Grundstück deines Bruders setzen, es sei denn, er ist damit einverstanden. Ich hoffe, du verstehst das.“ In dem Punkt würde ich nicht nachgeben.
Ich hörte, wie sie einen Atemzug ausstieß. „Verstanden.“
Nachdem ich aufgelegt hatte, griff ich nach meiner Umhängetasche, und als ich mich der Haustür näherte, trat eine Frau heraus, die Augen rot umrandet. Sie beehrte mich mit einem Blick, den ich schon zu oft gesehen hatte. Ein gefürchteter Ansturm von Traurigkeit drückte sich auf mein Herz. Trauer lastete auf ihr.
„Bist du Teddy?“
„Der bin ich. Du bist Maureens Nachbarin, Helen?“
Sie nickte. „Ja. Ich konnte deine Nummer nicht finden. Maureen hat sie mir nicht gegeben. Aber ich habe gesehen, dass du in ihrem Kalender stehst, also dachte ich, ich warte auf dich. Bitte komm herein.“
Das war der schwierigste Teil meiner Arbeit. Die Leute dachten, dass meine Aufgabe darin bestand, Leute zu umarmen und wieder zu gehen. Das war nicht der Fall. Ich arbeitete freiwillig im Krankenhaus, wo ich kleine Babys und Kinder hielt, die ausgesetzt worden waren. Oder solche, die sich nach Berührung sehnten. Ich hatte Kinder und Babys sterben sehen. Ich hatte die Hände von Patienten im Hospiz gehalten, als sie ihren letzten Atemzug taten. Es wurde nie einfacher. Mir war klar, was Helen gleich sagen würde, und so sehr ich am liebsten auf dem Absatz kehrt machen wollte, wusste ich, dass sie mich hier brauchte.
In Maureens Haus herrschte Stille. Ihre Programme liefen nicht im Hintergrund. Der Geruch von Kaffee und Keksen lag nicht in der Luft.
„Maureen ist letzte Nacht verstorben. Ich weiß, dass du ihr nahe standst. Du hast ihr wirklich sehr viel bedeutet. Wann immer ich ihr Lebensmittel brachte, sagte sie mir, was sie für deine Besuche machen wollte.“ Sie verschluckte sich an ihren Worten, bevor sie fortfuhr. „Sie hatte niemanden.“ Dann fing sie an, zu schluchzen.
Ihr Schmerz war greifbar und ich zögerte nicht, sie in meine Arme zu schließen. Ohne Widerstand erwiderte sie die Umarmung. Als ich hin und her schwankte und zärtlich ihren Rücken rieb, begann sie sich zu beruhigen. Als meine Wange auf ihrem Kopf ruhte, stieß sie einen zufriedenen Seufzer aus. In diesem Moment fanden wir beide unsere...




