E-Book, Deutsch, Band 4, 452 Seiten
Reihe: Die Miles Family Saga
Kingsley Hidden Miles
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96797-022-7
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Leo und Hannah
E-Book, Deutsch, Band 4, 452 Seiten
Reihe: Die Miles Family Saga
ISBN: 978-3-96797-022-7
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hannah Tates Leben ist eine einzige Sackgasse und ihr vorrangiges Ziel ist es nicht aufzufallen oder Jace zu verärgern. Denn wenn Jace wütend wird, dann hat er sich nicht unter Kontrolle. Ihr Lichtblick ist Online Gaming, das sie von ihrem realen Leben ablenkt. Und Badger. Sie weiß nicht, wie er aussieht, wo er wohnt oder wie er im realen Leben heißt. Sie kennt nur seine Stimme und er ist ihr einziger Freund. Aber auch er kann ihr nicht helfen...
Als Leo Miles aus dem Krieg heimkehrte war er voller Narben - innerlich wie äußerlich. Und obwohl es jetzt schon fünf Jahre her ist, hat er das Weingut seiner Familie nicht verlassen. Es ist ein einsames Leben, aber allein zu sein, ist besser, als angestarrt zu werden. Aber da ist Gigz, die Leo bei seinem Online Spiel kennengelernt hat und deren Stimme ihn jedes Mal mitten ins Herz trifft. Sie weiß nichts über ihn und sein Schicksal und niemals würde Leo sie im echten Leben treffen wollen. Zu groß ist seine Angst, dass sie in ihm auch nur den Krüppel sieht.
Bis er eines Tages eine Frau trifft, deren Stimme ihm erschreckend bekannt vorkommt. Und als er entdeckt, dass sie in Schwierigkeiten steckt - in ernsthaften Schwierigkeiten - ändert das alles ...
Eine broken Hero Romance und der vierte Teil der großen Miles Family Saga!
Claire Kingsley schreibt Liebesgeschichten mit starken, eigensinnigen Frauen, sexy Helden und großen Gefühlen. Ein Leben ohne Kaffee, E-Reader und neu erfundene Geschichten ist für sie nicht vorstellbar. Claire Kingsley lebt mit ihrer Familie im Pazifischen Nordwesten der USA.
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Kapitel 2
Hannah
Mein Herz raste und meine Hände zitterten, als ich mich auf die Couch fallen ließ und mir die Decke bis über die Schultern zog. Ich achtete darauf, langsam und gleichmäßig zu atmen, und hoffte, dass es aussehen würde, als wäre ich über der Arbeit eingeschlafen. Dann hätte er keinen Grund, wütend auf mich zu sein.
Nicht, dass Jace einen Grund brauchte, um auszurasten.
Seine Absätze klapperten auf der Treppe, während er zu unserer Wohnung hinaufstieg. Ich hatte völlig die Zeit vergessen. Wieder einmal. Das passierte mir viel zu oft, wenn ich mit Badger zockte. Iron Badger – für einen Gamer war das ein ganz schön alberner Name. Anfangs hatte ich ihn nur scherzhaft so genannt, aber irgendwann hatte er den Spitznamen für seinen Avatar übernommen. Der Typ war echt krass. Er war hart wie Stahl, gab nie auf und war immer auf Zack, eben ein echter Badger. Cool bis zum Abwinken. Das liebte ich an ihm.
Jace’ Schlüssel klirrten, als er aufsperrte. Tief durchatmen, Hannah. Ich konzentrierte mich darauf, meine Gesichtsmuskeln zu entspannen, damit er ja nicht auf die Idee kam, ich sei noch wach. Im Idealfall nahm er an, dass ich über der Arbeit eingeschlafen war, und ging gleich ins Bett. Allein.
Schlimmstenfalls weckte er – wieder einmal – die Nachbarn mit seinem Gebrüll.
Die Tür fiel ins Schloss, und seine Schritte näherten sich. Ein paar angespannte Sekunden später hörte ich, wie sein Pistolenholster auf dem Esstisch landete.
Ich war mir ganz sicher, dass das Absicht war. Er wollte sehen, ob ich zusammenzuckte. Oder mich daran erinnern, dass er eine Waffe besaß – was gar nicht nötig war, da ich mir dessen nur zu bewusst war. Ich vergaß keine Sekunde, dass Jace Polizist war, was mein Leben erheblich verkomplizierte.
Mein Rücken versteifte sich, als er auf die Couch zukam. Was machte er? Würde er mich in Ruhe lassen? Oder würde er mich wecken? War das ein Test? Vielleicht starrte er mich ja bereits eindringlich an und lauerte bloß darauf, dass ich blinzelte.
Ruhig bleiben, Hannah. Er wird zu Bett gehen. Keine Sorge.
Jace’ Schritte gingen an der Couch vorbei, und wenig später hörte ich, wie die Badezimmertür geschlossen wurde.
Ich atmete tief aus. Mein Nacken schmerzte von der Anspannung. Ich versuchte, mich zu entspannen. Es war spät. Ich brauchte meinen Schlaf.
Minuten später öffnete sich die Badezimmertür wieder. Durch die geschlossenen Augenlider sah ich, wie das Licht ausging. Jace’ Schritte verklangen. Er war ins Schlafzimmer gegangen.
Gott sei Dank.
Ich drehte mich auf die andere Seite, zog die Decke zurecht und dachte wieder an Badger. Spielte er noch? Lief er gerade weiter in Richtung der Berge? Hatte er sich vielleicht mit jemand anders zusammengetan? Es war kindisch, wie eifersüchtig mich allein der Gedanke machte, er könne mit jemand anders als mir zocken. Ich hatte kein Recht dazu. Er war nur ein Typ, mit dem ich gelegentlich zockte, mehr nicht.
Nein, das war gelogen. Badger war weit mehr für mich als irgendein Zocker-Kumpel. Er war mein Freund. Vielleicht mein bester – was traurig war, wenn man bedachte, dass ich nicht einmal seinen richtigen Namen kannte.
Es gab vieles, was ich von ihm nicht wusste. Sein Alter. Wo er wohnte – wenngleich ich aufgrund verschiedener Bemerkungen, die er im Laufe der Zeit gemacht hatte, vermutete, dass er im Staat Washington lebte, so wie ich. Auf jeden Fall lebten wir in derselben Zeitzone. Manchmal malte ich mir aus, dass er in meinem Wohnblock sein Apartment hatte. Dass wir einander begegneten und feststellten, dass wir uns kannten. In meinen Träumen sah er natürlich umwerfend aus. Groß, muskulös, vielleicht mit einem sexy Bart und strahlend blaugrauen Augen. Selbstverständlich war er Single und fand mich ebenso attraktiv wie ich ihn.
Es tat gut, so vor mich hin zu träumen. Sicher, seinen Namen kannte ich nicht, aber ich wusste doch einiges über ihn. Ich wusste, wie seine Stimme klang, wenn er müde war. Oder frustriert. Oder glücklich. Ich wusste, dass er im Kampf gerne als Erster angriff. Er nahm gerne das größte Risiko auf sich. Das verriet mir, dass er über einen ausgeprägten Beschützerinstinkt verfügte, was mich immer wieder nervte. Viel zu oft versuchte er, mich aus dem Kampfgeschehen herauszuhalten, damit ich nicht verletzt wurde.
Rein virtuell, versteht sich. Gigz. Er hatte vor ein paar Jahren angefangen, mich so zu nennen. Es war ein Kürzel für giggeln. Er hatte gesagt, dass er mich gerne lachen höre, und mich Gigz genannt, ein Spitzname, der irgendwie haften geblieben war.
Ich war etwas verknallt in Badger, was ebenso lächerlich wie dumm war. Schließlich waren wir einander nie begegnet, und daran würde sich wohl auch in Zukunft nichts ändern. Ein paar Mal hatte ich versucht, ihn dazu zu bringen, mir seine wahre Identität zu verraten, aber er hatte so heftig abgeblockt, dass es mich getroffen hatte wie ein Schlag ins Gesicht. Er hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er an einem Kontakt, der über das Zocken hinausging, nicht das geringste Interesse hatte.
Wahrscheinlich war er verheiratet. Allein bei dem Gedanken wurde mir übel, doch es war natürlich gut möglich, dass er liiert war. Das würde auch erklären, warum er so großen Wert darauf legte, anonym zu bleiben. Und bei einem Mann wie ihm war kaum davon auszugehen, dass er Single war.
Und streng genommen war ich das ja auch nicht, auch wenn ich seit Monaten auf der Couch schlief.
Ich drehte mich auf den Rücken und starrte an die Decke, noch zu aufgedreht von dem Adrenalin, das das Spiel vorhin freigesetzt hatte. Ich musste hier raus. Das war mir schon lange klar. Aber wissen, was richtig war, und Nägel mit Köpfen machen, waren zwei verschiedene Paar Schuhe.
Ich brauchte einen Plan. Doch jedes Mal, wenn ich darüber nachdachte, wie ich das anstellen sollte, landete ich in einer Sackgasse. Meine Eltern lebten in Phoenix, und ich hatte bereits seit Monaten nicht mehr mit ihnen gesprochen. Meine Freunde waren inzwischen in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die einzigen Freunde, die ich noch hatte, waren Zocker, und die hätten ebenso gut auf dem Mond leben können. Bei allen verhielt es sich ähnlich wie bei Badger – sie waren entweder anonym, und ich wusste nicht, wo sie lebten, oder aber sie wohnten unerreichbar weit weg.
Es gab niemanden in der Nähe. Niemanden, wohin ich mich im Notfall flüchten konnte.
Ich arbeitete sogar von zu Hause aus. Ich war Grafikdesignerin, und Jace hatte mich ermutigt, freiberuflich zu arbeiten. Mein eigener Chef zu sein hatte durchaus Vorteile, und es hatte mich beflügelt, dass Jace offenbar an mich glaubte. Die Kehrseite der Medaille war jedoch, dass ich zwar Kunden hatte, aber keine Kollegen. Und es gab kaum einen Grund für mich, die Wohnung zu verlassen, was Jace nur recht war.
Ich war siebenundzwanzig und mein Leben ein einziger Scherbenhaufen.
Ich drehte mich wieder auf die Seite und schloss die Augen. Obwohl es bestimmt eine Weile dauern würde, bis ich einschlief, wollte ich es doch zumindest versuchen. Schließlich hatte ich morgen viel zu tun.
Ich fuhr aus dem Schlaf hoch und setzte mich keuchend auf. Meine Augen brannten, und mein Nacken schmerzte. »Morgen, Schlafmütze«, sagte Jace über die Schulter. Er stand in T-Shirt und Schlafanzughose in der Küche. »Hast du gestern Abend wieder so lange gearbeitet?«
»Ja.« Ich strich mir das zerzauste Haar aus dem Gesicht. Er kam mit einer dampfenden Tasse Kaffee zu mir und stellte sie neben meinen Laptop auf den Couchtisch. »Ich habe Kaffee gekocht.«
»Danke.«
Ich schwang die Beine vom Sofa und streckte mich, bevor ich aufstand, um aufs Klo zu gehen. Mein Haar war das reinste Krähennest, aber das kümmerte mich nicht. Hinterher setzte ich mich wieder auf die Couch, um meinen Kaffee zu trinken.
Jace saß neben mir in einem Sessel, den rechten Fußknöchel über dem linken Knie. In einer Hand hielt er sein Telefon und in der anderen seinen Kaffee. Als ich nach meiner Tasse griff, sah er kurz auf und blickte dann wieder auf sein Handy.
»Am Wochenende ist die Hochzeit«, sagte er beiläufig. »Hast du etwas Passendes anzuziehen?«
Ich musste mich beherrschen, um nicht zu stöhnen wie ein Kind, das man gerade ermahnt hatte, seine Hausaufgaben zu machen. Sein Cousin heiratete, und ich hatte nicht die geringste Lust, hinzugehen. Aber ich wollte keinen Streit vom Zaun brechen, also ergab ich mich meinem Schicksal.
»Ja. Das schwarze Kleid würde gut passen.«
Er warf mir wieder einen Blick zu. »Das mit den langen Ärmeln?«
Ich nippte an meinem Kaffee, um mich selbst an einer schnippischen Antwort zu hindern. Jace zog es vor, wenn ich lange Ärmel trug, die meine Tattoos verdeckten. »Ja, das mit den langen Ärmeln.«
»Okay.«
»Wann musst du zur Arbeit?«
»Du kennst doch meinen Dienstplan«, entgegnete er und musterte mich aus zusammengekniffenen Augen.
»Ich habe zurzeit so viel um die Ohren, dass ich den Überblick verloren habe.«
»Herrgott noch mal, Hannah, du bist doch nicht blöd. Du solltest dir eigentlich merken können, dass ich um zwei auf dem Revier sein muss.«
»Gut, ist gebongt.«
»Warum gehst du nicht shoppen und kaufst dir ein neues Kleid?«, schlug er in einem versöhnlichen Tonfall vor. »In der letzten Zeit hast du so hart gearbeitet. Du hast dir eine Belohnung...




