E-Book, Deutsch, Band 3, 306 Seiten
Reihe: Bookboyfriends Reihe
Kingsley Hot Single Dad
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96797-018-0
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Caleb und Linnea
E-Book, Deutsch, Band 3, 306 Seiten
Reihe: Bookboyfriends Reihe
ISBN: 978-3-96797-018-0
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gründe, warum ich aufhören muss, an Linnea zu denken: 1. Sie ist zu jung für mich. 2. Sie ist das Kindermädchen meiner Tochter. An der Stelle könnte ich doch schon aufhören, oder? Ich bin das lebende Klischee. Der alleinerziehende Vater, der scharf auf das Kindermädchen ist. Aber es kommt noch schlimmer: 3. Sie ist meine Schwägerin. Meine Frau starb, als unsere Tochter noch ein Baby war, und Linnea war damals ein ruhiger, unscheinbarer Teenager. Ich kannte sie kaum. Und als mir meine Schwiegereltern jetzt vorschlugen, dass sie nach Seattle zieht, um als Kindermädchen für meine Tochter zu arbeiten, stimmte ich nur ungern zu. Was sollte ich hier auch mit so einem blassen Wesen? Aber da die anderen Kindermädchen alles Reinfälle waren, blieb mir nichts anderes übrig. Ich hatte nicht mit der heißen Blondine mit der Wahnsinnsfigur und diesem hinreißenden Lächeln gerechnet. Und Linnea ist perfekt für meine Tochter - lustig, geduldig und freundlich. Und sie wäre perfekt für mich. Aber so darf ich nicht denken. Und es darf niemals etwas zwischen uns passieren...
Claire Kingsley schreibt Liebesgeschichten mit starken, eigensinnigen Frauen, sexy Helden und großen Gefühlen. Ein Leben ohne Kaffee, E-Reader und neu erfundene Geschichten ist für sie nicht vorstellbar. Claire Kingsley lebt mit ihrer Familie im Pazifischen Nordwesten der USA.
Weitere Infos & Material
1: Caleb
Ein endloser Menschenstrom kommt mit der Rolltreppe heruntergefahren, aber das Mädchen, auf das ich warte, ist nicht dabei.
»Wo wird Linnea denn schlafen?«, fragt Charlotte.
»Wir haben ein Gästezimmer, das weißt du doch, Liebes«, entgegne ich.
Meine sechsjährige Tochter sitzt auf meinem Schoß. Sie trägt das Haar heute offen, und mir fällt auf, dass es im Rücken ein wenig zerzaust ist. Ich hätte es noch einmal bürsten sollen, bevor wir losgefahren sind, aber ich wollte nicht zu spät kommen.
Von dort, wo wir sitzen, haben wir einen guten Blick auf die Rolltreppe, und so ist es leichter, Charlotte bei mir zu halten. Ich habe ihr schützend einen Arm um die Taille gelegt und unterdrücke den Impuls, den Passanten prüfende Blicke zuzuwerfen. Ein Flughafen mit regem Betrieb gehört zu den Orten, an denen mein Beschützerinstinkt besonders geschärft ist.
»Ich weiß, aber kann sie nicht bei mir in meinem Zimmer schlafen?«, möchte Charlotte wissen.
»Aha, daher weht der Wind also. Ich denke, Linnea wird ein eigenes Zimmer haben wollen.« Ich kitzle sie am Bauch, und sie windet sich kichernd. »Lass das, Daddy.«
Mein Telefon vibriert, und ich hole es aus der Tasche. Es ist mein Bruder Alex.
»Hey, Mann.«
»Hey. Wo steckst du?«, fragt er. »Ich bin im Sportcenter. Ich dachte, wir werfen heute Abend ein paar Körbe.«
»Geht nicht. Ich bin am Flughafen.« Ich ziehe Charlotte auf dem Schoß näher an mich heran. »Tut mir leid, ich dachte, ich hätte dir Bescheid gesagt, dass ich es heute nicht schaffe.«
»Am Flughafen? Habe ich was verpasst?«
Ich hole tief Luft. Ich habe meiner Familie noch nichts erzählt. Es ist alles so schnell gegangen. Erst letzte Woche haben Charlottes Großeltern noch uns geskypt, und nur wenige Tage später sitze ich am Flughafen und warte auf einen Flug aus Michigan.
»Ich hole jemanden ab«, entgegne ich. »Ist eine lange Geschichte, aber um es kurz zu machen, Melanies Schwester Linnea kommt.«
»Oh, wow. Und kommt Linnea allein oder mit ihren Eltern?«, fragt Alex.
»Sie kommt allein.« Gott sei Dank. Die Beziehung zu meinen Ex-Schwiegereltern ist gelinde gesagt angespannt – das war sie immer. Sie waren von Anfang an der Meinung, dass es für Melanie viel zu früh gewesen sei zum Heiraten. Sie fürchteten, das würde ihrer Karriere schaden. Wir waren damals noch Medizinstudenten und sehr jung. Aber wenn Melanie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte nichts und niemand sie davon abhalten, ihren Willen durchzusetzen – auch nicht ihre Eltern.
Und Melanies Tod – sie starb bei einem Autounfall, als Charlotte noch ganz klein war –, hatte nicht eben dazu beigetragen, unser Verhältnis zu entspannen. Zwar machten ihre Eltern mich nicht direkt für ihren Tod verantwortlich – wie auch, ich war ja nicht einmal in der Nähe, als es passierte –, aber ich wusste, dass sie immer noch der Meinung waren, dass alles anders gekommen wäre, wenn ich ihre Tochter nicht vom rechten Weg abgebracht hätte. Wenn sie mich nicht geheiratet hätte, wäre sie nicht nach Houston gezogen, um dort ihre Assistenzzeit abzuleisten, und folglich an jenem Tag nicht auf dieser Straße unterwegs gewesen.
»Kommt sie, um Charlotte zu besuchen?«, fragt Alex.
»Nicht direkt.« Charlotte wechselt auf den freien Platz neben mir, und ich stehe auf, wobei ich mich leicht abwenden muss, sodass ich sie zwar noch im Auge behalten, sie aber mein Gespräch nicht mithören kann. »Sie kommt her, um auf Charlotte aufzupassen.«
»Hey, ist doch toll.«
»Ja«, sage ich, wobei ihm mein skeptischer Unterton nicht entgehen dürfte. »Das war nicht meine Idee, aber im Augenblick habe ich keine andere Wahl.«
»Was heißt das, es war nicht deine Idee?«, hakt er nach.
»Steve und Margo haben darauf bestanden. Ich schätze, Charlotte hat ihnen erzählt, was für ein Reinfall Brittany war.«
»Stimmt. Brittany hat vergessen, Charlotte von der Schule abzuholen, oder?«, fragt er.
»Genau. Und das, als ich buchstäblich die Hände in einer fremden Bauchhöhle hatte. Gott sei Dank ist Kendra eingesprungen.«
»Echt jetzt?«
Seit wir zurück nach Seattle gezogen sind, hat meine Schwester Kendra unzählige Male auf Charlotte aufgepasst, wenn ich einen Babysitter brauchte. Um ehrlich zu sein, war das auch einer der Gründe, weshalb ich zurückgekommen bin. Als alleinerziehender Vater hat man es nicht leicht, und meine unregelmäßigen Arbeitszeiten als Unfallchirurg verkompliziert meine Situation zusätzlich. Ich wollte in der Nähe meiner Familie sein und bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass meine Entscheidung absolut richtig war. Aber ich brauche unbedingt ein festes Kindermädchen, jemanden, dem ich meine kleine Tochter anvertrauen kann. Bislang hatte ich bei der Suche nach einer geeigneten Nanny kein glückliches Händchen.
»Sie haben vor ein paar Tagen mit Charlotte geskypt, und plötzlich sagte sie, die beiden wollten mich sprechen. Normalerweise halte ich mich aus den Telefonaten raus. Ich lasse Charlotte mit ihren Großeltern skypen, so lange sie möchte, aber ich persönlich fühle mich einfach nicht wohl dabei. Ich habe also mit Margo gesprochen, und sie meinte, sie wüsste eine Lösung für mein Betreuungsproblem.«
»Und die lautete Linnea, nehme ich an«, schlussfolgert er.
»Genau. Sie hat kürzlich den Collegeabschluss gemacht und lebt noch bei ihren Eltern. Sie haben mir gewissermaßen die Pistole auf die Brust gesetzt. Wenn Margo sich etwas in den Kopf gesetzt hat, lässt sie sich das nur schwer wieder ausreden.«
»Hm. Hat sie Medizin studiert, so wie Melanie?«
»Nein. Sie ist Musikerin. Pianistin, glaube ich. Wie auch immer, jedenfalls trifft sie heute ein.«
»Du klingst ja unfassbar begeistert für jemanden, der tatsächlich dringend eine Nanny braucht«, sagt Alex. »Hast du Angst, Linnea könnte es auch vermasseln?«
Ich blicke auf Charlotte hinunter, doch sie ist in eines der Bücher vertieft, die sie in ihrem kleinen rosa Rucksack mitgebracht hat. Trotzdem spreche ich leiser. »Das ist es nicht. Kann sein, dass sie gut mit Charlotte klarkommt, keine Ahnung. Aber genau das ist der Punkt – ich weiß es eben nicht.« Melanies Familie lebt in Michigan, sodass wir uns während unserer Ehe nur selten begegnet sind. Ich kann mich kaum an das Mädchen erinnern. »Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, war sie ein introvertierter Teenager und hat kaum ein Wort von sich gegeben. Sie trug Hoodies in Übergröße, saß in der Ecke und schwieg. Ich fand das sonderbar.«
»Das ist wirklich sonderbar«, bestätigte er.
»Ich denke, sie war nur schüchtern oder so was. Aber ganz ehrlich, das ist das Letzte, was Charlotte jetzt gebrauchen kann. Sie ist ja selbst extrem schüchtern. Sie braucht jemanden, der sie aus der Reserve lockt. Jemanden, von dem sie lernt, wie man auf andere zugeht und wie man Freundschaften schließt. Ich glaube, Charlotte hat in der Schule keine Freunde. Sie spricht mit niemandem. Ihre Lehrerin hat mich deshalb schon einbestellt, um mit mir darüber zu reden.«
»Herrje, das wusste ich nicht.«
»Kein Wunder. Bei euch ist sie völlig anders als gegenüber anderen Menschen. Aber es wird immer schlimmer, und mittlerweile macht sie in der Schule total dicht. Im Kindergarten hat sie wenigstens noch Anweisungen befolgt, inzwischen gibt es allerdings Tage, in denen sie sich völlig verweigert.« Ich werfe kurz einen weiteren Blick auf Charlotte, bevor ich fortfahre, doch sie liest noch.
»Wie dem auch sei. Charlotte braucht eine Nanny, die ihr hilft, sich zu öffnen, und nicht jemanden, der in diesen Dingen möglicherweise ein noch größere Eigenbrötlerin ist als sie selbst. Und wie soll ich mit jemandem umgehen, der den Mund nicht aufkriegt? Das würde mir das Leben nicht leichter machen, sondern noch zusätzlich verkomplizieren.«
»Schwierig, das Ganze«, entgegnet Alex. »Tut mir leid für dich, Mann.«
»Ich komme schon irgendwie klar. Ich sehe mir das ein paar Wochen an, und dann kann ich sie immer noch in ein Flugzeug zurück nach Michigan setzen. Aber ich will dich nicht länger aufhalten. Ist Weston bereits da?«
»Ja, gerade gekommen.«
Weston ist unser frisch angeheirateter Schwager. Er und meine Schwester Kendra haben vor ein paar Monaten geheiratet und hatten vorab niemanden in ihre Pläne eingeweiht. Alle Gäste wurden per Textnachricht aufgefordert, sich mit ihnen in der Innenstadt zu treffen, und als wir dort ankamen, standen sie in vollem Ornat draußen vor dem Standesamt. Jeden anderen hätte ich für verrückt erklärt, immerhin sind die beiden noch nicht lange zusammen. Aber Weston ist verrückt nach ihr, und Kendra weiß sehr genau, was sie tut.
»Klingt gut«, sagt Alex. »Viel Glück.«
»Danke.«
Ich lege auf und werfe einen Blick auf die Uhr, ehe ich das Handy wieder einstecke. Linnea ist vor zwanzig Minuten gelandet, sie sollte also bald aufkreuzen.
Ich wünschte, ich wäre nicht so voreingenommen, doch ich habe nun einmal ernste Zweifel. Positiv ist sicher, dass Charlotte Linnea bereits von den Skypeanrufen mit ihren Großeltern her kennt. Vielleicht haben die beiden ja sogar schon miteinander gesprochen. Auch wenn Brittany – die letzte Nanny, die ich eingestellt hatte – nicht vergessen hätte, Charlotte von der Schule abzuholen, hätte es mit ihr langfristig nicht funktioniert. Charlotte hatte auch nach Wochen...




