E-Book, Deutsch, Band 3, 404 Seiten
Reihe: Die Miles Family Saga
Kingsley Reckless Miles
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96797-023-4
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Cooper und Amelia
E-Book, Deutsch, Band 3, 404 Seiten
Reihe: Die Miles Family Saga
ISBN: 978-3-96797-023-4
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Amelia kann es nicht fassen: Es sollte der glücklichste Tag ihres Lebens werden und jetzt sitzt sie in dieser Bar am Ende der Welt und statt Hochzeitstanz gibt es nur Drinks, mit denen sie ihren Schmerz betäubt. Aber eines hat sie sich fest vorgenommen: sie wird diese Nacht mit einem Mann verbringen - wenn nicht mit ihrem Ehemann, dann eben mit einem anderem.
Für Cooper Miles war das Leben bislang eine einzige endlose Party. Doch seit Chase kaum noch Zeit zum Feiern hat, fühlt sich Cooper immer öfter einsam. Bis er Amelia Hale trifft. Allein in einer Bar sitzend. In ihrem Hochzeitskleid. Auf der Suche nach einem Mann, der ihr in dieser Nacht das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein ... Cooper kann ihr nicht widerstehen und schließlich ist es ja auch nicht sein erster One-Night-Stand. Aber mit Amelia ist alles anders als sonst und sie konfrontiert ihn mit seinem größten Feind: seinen Gefühlen ...
Claire Kingsley schreibt Liebesgeschichten mit starken, eigensinnigen Frauen, sexy Helden und großen Gefühlen. Ein Leben ohne Kaffee, E-Reader und neu erfundene Geschichten ist für sie nicht vorstellbar. Claire Kingsley lebt mit ihrer Familie im Pazifischen Nordwesten der USA.
Weitere Infos & Material
Kapitel Eins
Cooper
Den Sitter für meine schwangere Schwägerin Zoe zu spielen, war eine verantwortungsvolle Aufgabe, und ich war fest entschlossen, der beste Zoe-Sitter aller Zeiten zu sein.
Die wichtigste Regel hierbei war, sie niemals wissen zu lassen, dass ich es Zoe-Sitting nannte, wenn Roland wegmusste und mir auftrug, mich um sie zu kümmern. Das würde sie wütend machen. Zoe war schon unter optimalen Bedingungen zickig – einer der Gründe, weshalb ich sie so mochte –, aber hochschwanger setzte sie völlig neue Maßstäbe in Sachen Zickigkeit.
Ich stand draußen am Grill und briet Steaks. Es duftete köstlich, und auch Zoe hatte nach einem Schnuppertest das Grillgut mit einem »Daumen hoch« abgesegnet. Hinter ihr lagen anstrengende neun Monate, und so bestand meine zweitwichtigste Aufgabe darin, sie mit Essen zu versorgen, und zwar mit allem, worauf sie Appetit verspürte. Zum Mittagessen hatte sie sich ein Steak gewünscht. Ich nahm an, dass sie Kraft brauchte für die bevorstehende Aufgabe, den kleinen Miles durch den Geburtskanal zu pressen, und so hielt ich eine geballte Ladung Protein für eine kluge Wahl.
»Alles in Ordnung bei dir?«, rief ich durch die Schiebetür. Der Grill stand auf der Terrasse – natürlich tat er das, wo sollte er auch sonst stehen? –, und die Sonne an diesem Tag Ende Juni knallte unerbittlich auf meinen Rücken. Gott sei Dank war es drinnen etwas kühler.
»Alles gut«, antwortete sie. »So wie das letzte Mal, als du gefragt hast – vor etwa drei Minuten.«
Ihr Tonfall klang genervt, doch ich ließ es ihr durchgehen. In letzter Zeit war Zoe von allem genervt, aber ich wusste dank meiner Nachforschungen in Sachen Schwangerschaft, dass das völlig normal war. Wahrscheinlich ging ihr die Riesenkugel, die sie mit sich herumschleppte, gewaltig auf den Zeiger. Und ganz ehrlich, Zoe sah aus, als trüge sie einen Medizinball unter dem T-Shirt mit sich herum.
Warum ich mich zum Thema Schwangerschaft schlaugemacht hatte? Man sollte immer gut vorbereitet sein. Ich war nie Pfadfinder oder so was gewesen, und ich wusste auch nicht, auf wessen Mist diese Weisheit ursprünglich gewachsen war, aber ich fand, dass das ganz vernünftig klang. Ben hatte mir das beigebracht.
Während ich mit der Fleischzange in der Hand dastand, fragte ich mich, ob Ben bei den Pfadfindern gewesen war. Das würde jedenfalls vieles erklären. Er arbeitete als Mann für alle Fälle auf unserem Weingut und konnte einfach alles. Vielleicht verdankte er ja seine weitreichenden Kenntnisse in Sachen Natur einer Mitgliedschaft bei den Pfadfindern. Außerdem hatte der Mann etwas von einem Heiligen, was ebenfalls zur Gutmenschen-Philosophie der Pfadfinder passte.
Ich musste vorbereitet sein, weil Zoe zwar nicht meine Frau war – sie war mit meinem ältesten Bruder Roland verheiratet –, allerdings war sie meine beste Freundin. Und von dem Moment an, da sie und Roland bekannt gegeben hatten, dass sie Eltern wurden, hatte ich mir vorgenommen, mich näher mit Schwangerschaft und dem ganzen Kram zu befassen.
»Coop, haben wir Ananassaft?«, rief Zoe nach draußen.
»Ananassaft? Ist das etwas, das andere Leute ganz selbstverständlich vorrätig haben? Ich würde sagen, nein. Ich schätze, das fällt unter Sonderwünsche. Was okay ist, weil ich welchen besorgen kann, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Ananassaft im Haus ist, so, als wären wir darauf eingestellt, dass jemand danach fragt, ist eher gering.«
»Nein, nein, macht nichts. Wäre nur schön gewesen.«
Ich wendete die Steaks, um sie von der anderen Seite zu braten, und steckte den Kopf durch die Tür. »Ich kann schnell welchen besorgen, wenn das Fleisch durch ist.«
»Nein, lass. Schon gut.« Sie lag auf der Seite, und ein Kissen klemmte zwischen ihren Knien.
Ich hatte extra zusätzliche Kissen aus meinem Zimmer geholt, damit sie es sich möglichst bequem machen konnte. Schwangere brauchten Berge von Kissen. Vielleicht hatten Mädchen deshalb so viele Dekokissen auf ihrem Bett, gewissermaßen als Vorstufe des Nestbaus. Ein Instinkt. Ich fragte mich, ob es einen kausalen Zusammenhang gab zwischen der Anzahl der Kissen auf dem Bett einer Frau und ihrem Wunsch, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Das wäre ein sehr nützlicher Hinweis.
Die Kissen waren aus meinem und nicht aus Chase’ und Brynns Zimmer. Obwohl meine Schwester auch einen Haufen Dekokissen besaß – ich nahm mir vor, Chase nichts von meiner Theorie zum Verhältnis von Kissenanzahl und Familienwunsch zu erzählen –, war ich nicht geneigt, ihr Bett anzurühren. Das Bett, in dem sie und Chase … Nein, das war tabu.
Ich hatte mich völlig damit abgefunden, dass Chase und Brynn nicht nur zusammen waren, sondern verheiratet. Tatsächlich fand ich das inzwischen sogar ganz cool. Ja, ich musste zugeben, dass ich anfangs ziemlich ausgeflippt war, wobei ziemlich in diesem Fall tatsächlich hieß, dass ich monatelang einen Mordsterror veranstaltet hatte. Ich hatte mich aufgeführt wie ein Riesenarschloch, und ich hatte mir bis heute nicht verziehen, dass ich so lange Stress gemacht hatte deswegen. Die beiden waren wie füreinander geschaffen. Ich konnte mich glücklich schätzen, dass sie so großherzig gewesen waren, mir zu verzeihen.
Trotzdem wollte ich nichts mit dem zu tun haben, was in ihrem Schlafzimmer vorging. Sie war meine Schwester. Schlimm genug, dass ich im Zimmer nebenan schlafen musste. Andererseits wohnte ich gerne mit ihnen zusammen, darum war der Umstand, dass nur eine dünne Wand unsere Schlafzimmer voneinander trennte, erträglich.
Zoe nahm ihr Handy vom Tisch. »Du hast heute frei, oder?«, bemerkte ich. »Du sollst doch keine Mails checken.«
»Wer sagt denn, dass es um die Arbeit geht? Ich könnte ebenso gut Roland eine Nachricht schreiben. Oder Brynn. Oder deiner Mom.«
Ich warf ihr mit hochgezogener Braue einen skeptischen Blick zu.
»Okay, du hast mich durchschaut. Aber ich erkundige mich nur bei Jamie nach dem Stand der Dinge. Heute ist eine große Hochzeit. Ich möchte mich bloß vergewissern, dass alles planmäßig läuft.«
»Jamie hat alles im Griff. Konzentriere du dich mal auf deine Schwangerschaft.«
Sie verdrehte die Augen.
Ich ging zurück auf die Terrasse, nahm das Fleisch vom Grill und brachte es in die Küche. »Die Steaks sind fertig, Zoe-Bowie. Möchtest du etwas dazu? Mir ist gerade erst bewusst geworden, dass ich nur Fleisch gemacht habe, wobei Frauen für gewöhnlich eine Beilage möchten oder so was. Mom wäre sicher enttäuscht von mir. Erwähne ihr gegenüber bitte nicht, dass ich die Beilage vergessen habe, okay?«
»Äh, Coop?«
Ich streute noch etwas Salz auf die Steaks. »Ja?«
»Ich fürchte, wir haben da ein kleines Problem. Möglicherweise braucht ihr eine neue Couch.«
»Wieso? Die ist doch noch neu. Zuerst war ich nicht so begeistert, aber inzwischen finde ich sie super, auch wenn das alte Sofa meiner Meinung nach gar nicht so schäbig war, wie Brynn behauptet hat.«
»So habe ich das nicht gemeint.« Zoe hatte sich aufgesetzt und blickte auf die Polster. »Ich glaube, meine Fruchtblase ist gerade geplatzt.«
In ihrer Stimme schwang ein leicht panischer Unterton mit, und sie starrte mich mit großen Augen an. Sie hatte die Hände auf den Bauch gelegt, als fürchtete sie, das Baby könne gleich hier in meiner Wohnung durch die Bauchdecke brechen wie ein Alien. Oder vielleicht realisierte sie auch nur, dass die Wehen gleich einsetzen und sie ein menschliches Wesen durch ihren Geburtskanal würde pressen müssen.
Und ich? Die Gedanken, die für gewöhnlich in einer Endlosschleife durch meinen Kopf jagten, stoppten abrupt, und ich nahm meine Umwelt plötzlich sehr fokussiert wahr. »Bist du sicher, dass es die Fruchtblase war?«
»Also ich bin jedenfalls sicher, dass ich mir nicht in die Hose gepinkelt habe.«
»Hast du schon Wehen?«
»Ich habe schon den ganzen Tag Wehen, aber nur ganz leicht und in unregelmäßigen Abständen.«
»Klingt soweit alles normal.« Ich schnappte mir mein Smartphone und wischte zu der App, die ich erst heute Morgen für sie runtergeladen hatte. »Hier. Bei der nächsten Wehe tippst du auf den Button. Die App zeichnet dann die Abstände auf.«
Sie nahm mein Smartphone entgegen und blickte auf das Display. »Du hast eine Wehen-App auf deinem Handy?«
»Ja«, antwortete ich und sah sie an, als wäre das das Selbstverständlichste auf der Welt. Sie musste verrückt sein, wenn sie glaubte, ich hätte mich auf ein solches Ereignis nicht umfassend vorbereitet. »Natürlich.«
»Oh, da kommt wieder eine Wehe.« Ihre Züge wirkten plötzlich angespannt, und sie tippte auf den Button auf meinem Handydisplay. »Ich sollte Roland anrufen.«
»Wie stark würdest du die Wehe auf einer Skala von eins bis zehn einstufen?«, fragte ich, als es aussah, als wäre die Wehe vorbei.
»Hm, eine Fünf, würde ich sagen.«
»Gut.« Ich nahm ein paar Handtücher aus dem Schrank. »Möchtest du dich waschen? Ich kann dir auch ein Bad einlassen, wenn du magst. Warmes Wasser soll entspannen und die Schmerzen lindern.«
»Du machst mich fertig.«
Ich zog die Brauen zusammen. »Wieso? Weil ich dir ein Bad einlassen will?«
»Lass mich zuerst Roland anrufen.«
Roland war drüben in Tilikum und half unserer Halbschwester Grace bei irgendwelchem Finanzkram. Eigentlich hatte er höchstens zwei...




