E-Book, Deutsch, Band 7, 267 Seiten
Reihe: Jetty Beach
Kingsley The Path to you
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96797-030-2
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 7, 267 Seiten
Reihe: Jetty Beach
ISBN: 978-3-96797-030-2
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schatten der Vergangenheit.
Mit dem eigenen Restaurant habe ich mir meinen größten Traum erfüllt, aber dennoch fehlt mir etwas im Leben. Während alle um mich herum ihr Glück gefunden haben und verliebt sind, bin ich allein. Doch dann tritt Sadie in mein Leben. Eigentlich ist sie für mich tabu, denn sie arbeitet in meinem Restaurant. Aber sie berührt etwas tief in mir, was ich schon verloren glaubte. Und Sadie macht es mir nicht einfach. Sie läuft vor ihrer Vergangenheit davon und lässt niemanden an sich heran. Aber ich gebe nicht auf und werde nicht zulassen, dass man ihr jemals wieder etwas antut ...
Ich will nur vergessen, was damals geschehen ist. Nicht zurückschauen, sondern einfach weitermachen - das ist seit Jahren meine Devise. Wenn ich allein bin, kann mir auch niemand wehtun. Doch Gabe macht es mir nicht leicht diese Mauern um mich herum weiter aufrechtzuerhalten. Er ist immer für mich da, hört mir zu und gibt mir Zeit. Aber kann ich ihm wirklich vertrauen? Oder wird er mich genauso enttäuschen, wie alle anderen in meinem Leben?
Claire Kingsley schreibt Liebesgeschichten mit starken, eigensinnigen Frauen, sexy Helden und großen Gefühlen. Ein Leben ohne Kaffee, E-Reader und neu erfundene Geschichten ist für sie nicht vorstellbar. Claire Kingsley lebt mit ihrer Familie im Pazifischen Nordwesten der USA.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Sadie
Der Typ an Tisch zehn macht mich krank. Er zieht mich mit seinen Blicken aus, seit ich seine Getränkebestellung aufgenommen habe. Das Porthole Inn ist kein besonders schicker Laden, aber die Gäste sind in der Regel sehr nett. Viele Familien, manchmal Pärchen bei einem Date oder auch Freunde, die zusammen etwas essen oder trinken gehen. Doch der Kerl sitzt allein an einem Tisch und lässt mich nicht aus den Augen.
Kurz verschwinde ich in der Küche, um mich seinen Blicken zu entziehen. Ich wünschte, er würde einfach wieder gehen, aber er lässt sich unendlich viel Zeit mit seinem Filet und der gebackenen Kartoffel. Und die Art, wie er sich die Lippen leckt, während er mir auf den Busen starrt, ist einfach nur widerlich. Ich habe sogar Angst, er könnte warten, bis ich Feierabend habe, und mir dann nach draußen folgen.
Doch ich habe mir ja nicht umsonst Pfefferspray besorgt. Ich werde es einsatzbereit in der Hand halten, wenn ich nach meiner Schicht zum Wagen gehe.
Jetzt muss ich mich erst mal auf die Arbeit konzentrieren. Ich bin noch neu hier, und das Letzte, was ich will, ist Ärger. Ich verdiene gerade so viel, dass ich mir die Miete für das Haus leisten kann, und meine mageren Ersparnisse sind für die Kaution und die letzte Miete draufgegangen.
Eigentlich arbeite ich gerne hier – zumindest bis jetzt. Todd, der Geschäftsführer, ist etwas schroff, aber das Trinkgeld ist nicht übel. Wenn ich mich bedeckt halte und mich mit niemandem anlege, kann ich mit der Zeit genug Geld verdienen, um wieder auf die Beine zu kommen. So ein Neuanfang ist ganz schön hart.
Ich nehme mir einen Augenblick Zeit, um meinen Pferdeschwanz zu richten und meine kleine schwarze Schürze zurechtzuzupfen, bevor ich ins Café zurückgehe. Sobald ich die Küche verlasse, starrt mich der schmierige Typ wieder unverwandt an, doch ich ignoriere ihn demonstrativ und steuere stattdessen Tisch zwölf an.
»Kann ich noch etwas für Sie tun?«
Ein hübsches Paar. Beide tragen einen Ring, ich bin also ziemlich sicher, dass sie verheiratet sind. Die Frau hat eine lockige blonde Mähne und ein breites Lächeln. Ihr Mann ist ebenfalls überdurchschnittlich attraktiv mit freundlichen grünen Augen und dunklen Haaren.
»Ich glaube, wir brauchen nichts mehr«, sagt die Frau.
»Kein Nachtisch, Sonnenschein?«, fragt der Mann.
»Ich kriege keinen Bissen mehr herunter. Vielleicht das nächste Mal.«
»Kein Problem«, entgegne ich und lege die schwarze Mappe mit der Rechnung auf den Tisch. »Rufen Sie mich, wenn Sie so weit sind. Lassen Sie sich Zeit.«
Ich habe nicht die geringste Lust, den Lüstling nach seinen Wünschen zu fragen, aber ich muss an Tisch neun die Bestellung aufnehmen, und das ist der Tisch gleich neben seinem. Als ich an ihm vorbeigehe, halte ich den Blick geradeaus gerichtet und stelle mich anschließend so hin, dass er mir den Rücken zuwendet. Der Typ dreht sich wahrhaftig auf seinem Stuhl zu mir um und glotzt mich weiter an. Er macht mich ganz nervös, und ich muss mich konzentrieren, um die Bestellung an Tisch neun aufzunehmen.
Tief durchatmen, Sadie. Er kann dir gar nichts. Er kann gucken, und die unverhohlene Lüsternheit ist abstoßend, aber er wird gleich weg sein, und dann bist du ihn los. Nicht aufregen.
Ich stecke den Notizblock in die Schürze und wende mich ab, um die Bestellung weiterzugeben. Als ich gerade zwei Schritte gemacht habe, legt sich eine Hand schraubstockartig um mein Handgelenk.
»Lassen Sie mich los«, zische ich ihn leise an.
Der Lustmolch verzieht die Lippen zu einem widerwärtigen Lächeln. Er sitzt auf der Stuhlkante und hält mein Handgelenk mit eisernem Griff gepackt.
»Komm her, Süße«, sagt er.
Angst und Wut lodern in mir auf, und Erinnerungsfetzen tauchen vor meinem inneren Auge auf. Ich stehe wie angewurzelt da, unfähig, mich zu rühren. Hilflos. Ich schnappe nach Luft und versuche, die Bilder auszublenden. Mein Puls rast, und Adrenalin jagt durch meinen Körper.
»Lassen Sie los.« Ich glaube, es ist meine Stimme, aber es kommt mir vor, als hätte ich die Kontrolle über meinen Körper verloren. Als würde ich über mir schweben und die Szene als Zuschauer verfolgen.
»Komm schon, Süße, sei mal ein bisschen nett.« Er zieht an meinem Arm, so ruckartig, dass ich auf ihn zu stolpere.
Das Gefühl der Losgelöstheit verstärkt sich. Ich bin wie betäubt und sehe, wie meine andere Hand sich zur Faust ballt und auf sein Gesicht zufliegt. Ich sollte Schmerz fühlen, spüre jedoch nichts, als meine Fingerknöchel gegen seine Nase krachen. Er lässt mein Handgelenk los, und ich taumele rückwärts.
Schlagartig kehren die Geräusche zurück, als wäre ich einen Moment taub gewesen. Der Typ schreit, und Blut läuft unter ihm den Händen hervor, die er auf sein Gesicht presst. Todd fragt mit zorniger Stimme, was los sei.
Ich flüchte in die Küche. Oh mein Gott. Was habe ich getan? Habe ich ihn wirklich geschlagen? Ich starre auf meine Hand. Meine Fingerknöchel sind gerötet, und ich erinnere mich, wie es sich angefühlt hat, als sie mit seiner Nase kollidiert sind. Heilige Scheiße, ich glaube, ich habe sie ihm gebrochen. Meine Hand tut weh, und das Handgelenk, das er festgehalten hat, brennt. Seine Finger haben rote Abdrücke auf meiner Haut hinterlassen.
Die Köche starren mich an, und innerhalb von Sekunden tuschelt das ganze Personal und wirft mir verstohlene Blicke zu.
Todd kommt mit grimmiger Miene zurück in die Küche. »Sadie, in mein Büro. Sofort.«
Ich schlucke und folge ihm nach hinten. Mir ist immer noch schwummrig von dem Schock. Er schließt die Tür hinter mir, was einen so starken Fluchtinstinkt bei mir auslöst, dass es mich meine ganze Willenskraft kostet, nicht kopflos hinauszustürzen und zu meinem Wagen zu laufen.
»Du bist gefeuert«, sagt er. Sonst nichts. Er fragt nicht, was passiert ist, und es scheint ihn auch nicht zu interessieren. Das war’s. Ich habe keine Arbeit mehr.
»Todd, er …«
»Du hast einem Gast die Nase gebrochen«, fällt er mir ins Wort. »Das kann uns eine Klage einbringen.«
Ich hebe das Handgelenk, das immer noch rot ist, dort, wo er mich festgehalten hat. »Er hat meinen Arm gepackt und wollte mich nicht loslassen.«
Todd wirft nur einen flüchtigen Blick darauf. »Trotzdem. Du hast ihn verletzt. Gut möglich, dass er dich anzeigt.«
Ich lasse die Schultern hängen. Das darf doch nicht wahr sein. Habe ich »Macht mit mir, was ihr wollt, interessiert sowieso keinen« auf die Stirn tätowiert? Offenbar dürfen kranke Scheißkerle mit mir tun, was sie wollen, und wenn ich mich wehre, bin ich diejenige, die den Ärger bekommt.
Ich bin in diese Kleinstadt gezogen, weil ich den Scheiß hinter mir lassen wollte, aber offenbar war das naiv. So etwas passiert überall.
»Es tut mir nicht leid, dass ich den Widerling geschlagen habe. Er hat es verdient.« Entweder halte ich an meiner Wut fest, oder ich breche heulend zusammen. Ich entscheide mich für die Wut. »Er hat mich die ganze Zeit angestarrt und anzügliche Bemerkungen gemacht. Als er mich dann angefasst hat, ist mir eine Sicherung durchgebrannt. Fick dich, Todd.«
Ich wirbele herum und stürme aus dem Büro, schnappe mir Mantel und Handtasche aus der Küche und verlasse das Porthole Inn durch den Hintereingang. Kurz mache ich halt, bevor ich zum Parkplatz gehe, und hole mein Pfefferspray aus der Tasche. Wenn der Arsch mir auflauert, kann er sich auf etwas gefasst machen. Furcht steigt in mir auf, und ich klammere mich bewusst an meinen Zorn. Zusammenbrechen kann ich zu Hause. Jetzt muss ich erst mal zu meinem Wagen, und meine Wut hält mich bei der Stange.
Meine Hände zittern, und ich habe das ungute Gefühl, dass ich im Ernstfall gar nicht in der Lage wäre, das blöde Spray wirklich einzusetzen. Tränen laufen mir über die Wangen – Tränen hilfloser Wut und Frustration. Erinnerungen wirbeln durch meinen Kopf, alte und neue bunt gemischt und schwer auseinanderzuhalten.
Als ich bei meinem Wagen bin, atme ich mehrmals tief durch. Der Schlüssel. Ich brauche meinen Schlüssel. Ich stecke das Pfefferspray weg und fische den Wagenschlüssel aus der Handtasche.
»Entschuldigung?«
Beim Klang der Frauenstimme zucke ich heftig zusammen. Es ist die Frau mit den blonden Locken von Tisch Nummer zwölf. Ihr Mann ist bei ihr und schaut mich besorgt an. »Sind Sie okay?«
»Ja«, entgegne ich, doch meine Stimme zittert. Ich wünschte, sie würden mich einfach in Ruhe lassen. Es kostet mich alle Kraft, nicht die Fassung zu verlieren, und ihr mitfühlender Tonfall macht es nur noch schlimmer.
»Darf ich mal Ihre Hand sehen?«, fragt der Mann. »Ich bin Arzt.«
Ich blicke auf meine Fingerknöchel. Sie sind gerötet und beginnen anzuschwellen. »Ich denke, es ist nichts.«
»Mag sein, aber mir wäre wohler, wenn Sie mich einen Blick darauf werfen lassen.« Er kommt einen Schritt näher. »Ich bin Cody Jacobsen, und das ist meine Frau Clover.«
Ich schlucke hart. »Sadie Sedgwick.«
»Freut mich, Sie kennenzulernen, Sadie«, sagt Clover und klingt dabei absolut aufrichtig. »Sind Sie neu in der Stadt?«
»Ja.«
Ich halte Cody meine Hand hin, und er begutachtet sie kritisch. »Scheint auf den ersten Blick nichts gebrochen zu sein. Darf ich die Hand abtasten?«
Er ahnt ja nicht, wie dankbar ich bin, dass er fragt, bevor...




